Erfreulicher Zuwachs und drohende Hungersnot

Die Schwestern von St. Mary ziehen Bilanz


Mission ist für uns mehr als nur ein einseitiger Prozess. Mission ist etwas, das als Wechselspiel verstanden werden muss, als Dialog zweier gleichwertiger Partner, von denen sich einer zufällig in einer misslichen, von Mangel und Not bestimmten Lage befindet. Beide sind jedoch Gebende und Nehmende. Davon zeugt der letzte Brief der Schwestern von St. Mary und Calvary aus Tansania. Wir sind nicht allein - dort im Bistum Masasi gibt es Menschen, die beten für uns, die denken an uns, die fühlen sich uns wirklich verbunden. Solche Menschen brauchen wir und es sind Menschen, die auch unser Gebet nötig haben. Trotzdem darf es nicht beim Gebet allein bleiben.


Bedrohungen


Tansania, das fast eine Millionen Quadratkilometer große, an der Ostküste Afrikas gelegene Land, hat Probleme und bedarf unserer Hilfe. Schon zum Jahreswechsel sagte der Sekretär der tansanische Bischofskonferenz, man habe zwar ein neues Jahr begonnen, aber alle Not vom letzten Jahr werde weitergeschleppt. Hunger, Krankheiten, Korruption und die sich mehrenden grausamen Auswüchse der globalen Erwärmung lassen die Hoffnung auf Verbesserung verblassen. Von dieser Grundstimmung ist auch ein wenig der Jahresbericht der Schwestern von St. Mary geprägt. Obwohl das Vertrauen auf die Hilfe und den Beistand des Herrn ungetrübt ist, hat sich die Traurigkeit des Jahresendes im neuen Jahr gehalten. Grund für die tiefe Trauer ist der Tod der Mutter Oberin, Schwester Sophia Gladys, die im November letzten Jahres in Ndanda verstarb. Viele Jahre hatte sie die Schwesternschaft geleitet und war den Nonnen Mutter und Schwester zugleich. Es war für alle ein großer Schock und Schwester Josephine berichtet: wir alle fühlten uns auf einmal wie Waisenkinder. Es brauchte einige Zeit, bis wieder Normalität einkehrte, doch heute bereitet man sich schon hoffnungsvoll auf die Wahl einer neuen Reverend Mother vor.


Positive Entwicklung


Ansonsten gestaltet sich die Entwicklung der Schwesternschaft recht positiv. Man hat Zuwächse zu verzeichnen. So seien vier neue Bewerberinnen hinzugekommen und drei als Novizinnen eingekleidet worden. Sogar in der sambischen Filiale der Kommunität sei ein Beitritt zu verbuchen. Tatsächlich sollten in Ndanda fünf Novizinnen und vier Schwestern ihren Profess ablegen. Durch den Tod der Mutter Oberin musste dies jedoch zunächst verschoben werden. Detailgetreu und mit Akribie berichtet der Brief der Schwestern von den Fortschritten in der Schwesternausbildung. So haben die Schwestern Angelina und Marcelina ihre Schulausbildung absolviert und warten zurzeit gespannt auf ihre Abschlussergebnisse. Schwester Josephine, die im letzten Jahr ihr Schulexamen ablegte, besucht nun ein College für Lehrerausbildung. Schwester Felicitas, vor nicht all zu langer Zeit zur Krankenpflegerin ausgebildet, lehrt heute bereits selbst in der Pflegeschule von Njombe. Das Bildungssystem scheint in dieser Hinsicht zu klappen, denn es konnten nicht nur weitere sechs Schwestern auf weiterbildende Schulen geschickt, sondern auch einige Waisenkinder mit entsprechender Schulkleidung und Büchern versorgt werden. Engpässe gibt es bezüglich der eigenen Schule in Ndanda. Das Angebot trifft auf so viel Zuspruch, dass die Flut neuer Schülerinnen und Schüler aus der Umgebung kaum noch zu bewältigen ist. Trotz der Zusammenarbeit mit der staatlichen Schule in Newala sind Lehrkräfte knapp und vor allem fehlt Geld, um weiteres Lehrpersonal anzustellen. Außer den Schwestern kann sich niemand den Luxus leisten, ohne Bezahlung zu arbeiten, denn die Not ist groß. Auch die Schulspeisungen und Lehrmaterialien sind kaum zu finanzieren. Da wundert es nicht, dass auch die Sanierungsarbeiten an den Schwesternhäusern zum Erliegen gekommen sind. Die Arbeiten an den Wänden des Schwesternhauses von Fiwila mussten eingestellt werden, da keine Mittel mehr zur Verfügung standen. Auch der Bau der Kapelle von Sayuni wurde abgebrochen. Wie das Hühnerhaus der Schwesternschaft, das von einem heftigen Sturm abgedeckt wurde, steht auch das Gotteshaus ohne Dach da. Neben den fehlenden Finanzen sind es oft das unwegsames Gelände oder ungünstige Witterungsverhältnisse, die den Transport von Baumaterial aus dem benachbarten Mkushi zusätzlich erschweren. Einige Schwierigkeiten wurden falsch eingeschätzt und manch heftiger Wetterumschwung kam erschwerend hinzu. So konnten auch die Baumaßnahmen am Mutterhaus nicht wieder aufgenommen werden. Schlafsaal, Büro und Refektorium stehen noch auf der Liste der dringenden Notwendigkeiten.

Die anhaltende Dürre im Land wirkt sich auch auf die Landwirtschaft negativ aus. Futtermittel werden rar, wodurch die Gesundheit des Viehs gefährdet ist und der Milchertrag auf ein klägliches Minimum sinkt. Bislang reichte der Trinkwasservorrat noch aus. Die Region Mtwara steht jedoch vor einer massiven Hungersnot und auch die Schwestern sehen schwere Zeiten auf sich zukommen. Die eigenen Vorräte sind langsam erschöpft und die kommende Ernte wird wohl nicht reichen, um alle zu versorgen. Das ist fatal, denn neben dem geringen Einkommen der berufstätigen Schwestern lebt die Kommunität fast ausschließlich vom Ackerbau und dem Verleih landwirtschaftlicher Gerätschaften. Dennoch lassen die tapferen Schwestern nicht die Ohren hängen. Kraft schöpfen sie aus dem Gebet und den Exerzitien, die sie auch im letzten Jahr in Kanda hielten. Unter der erfahrenen Leitung Bischofs John Ramadhani nahm je eine Delegation pro Haus an diesen geistlichen Übungen teil. Ohne diesen Jungbrunnen spiritueller Energie wären die mannigfaltigen Aufgaben der Schwestern wohl schwerer zu meistern. Und auch das Feiern ist eine unverzichtbare Sache für die Schwestern von St. Mary. So war auch das letzte Gründungsfest ein Höhepunkt des Jahres. Viele honorige Gäste und geistliche Würdenträger wie Bischof D. Toto und seine Frau, Bischof Patrick und diverse Priester aus den Nachbargemeinden, waren dort vertreten und feierten gemeinsam die heilige Messe. Trotz ihrer fortschreitenden Krankheit ließ Mutter Oberin Sophia Gladys es sich nicht nehmen, alle Vorbereitungen für diese Feier selbst in die Hand zu nehmen.


Das Schreiben der Schwestern von St. Mary endet mit einem kurzen Bericht über die Besuche aus Übersee, Europa aber auch den Nachbarbistümern Masasis. Besonders freuen sich die Schwestern auch über Besuch aus englischsprachigen Regionen, denn auf diese Weise versuchen sie stets, ihre eigenen Englischkenntnisse aufzubessern. Dass dieser Wissensdurst von Erfolg gekrönt ist, zeigt der Brief, den sie uns in einem nahezu perfekten Englisch zugeschickt haben. Vielleicht ergibt sich ja die Gelegenheit, bei ihnen auch ein wenig Interesse für die deutsche Sprache zu wecken. Die Pläne für einen alt-katholischen Besuch aus Deutschland liegen für 2005 bereits in der Schublade. Masasi hat Zukunft. Doch damit diese Zukunft Realität wird, brauchen die Menschen unsere Hilfe. Für die wichtige Unterstützung im letzten Jahr sagen uns die Schwestern von St. Mary of Nazareth and Calvary ganz herzlich „asanthe sana“ (Danke!).


Um ein wenig Einblick in den tansanische Alltag zu geben sind im Folgenden einige Preisbeispiele aufgeführt. Der monatliche Durchschnittslohn liegt in Tansania bei 45.000 Tansanischen Shillings, das sind umgerechnet ca. 33 Euro.

1 kg Zucker 700 TSh (= 0,52 €) 1 l Milch 300 TSh (=0,22 €)

1 kg Maismehl 400 TSh (= 0,30 €)

1 l Speiseöl 1000 TSh (=0,74 €)

1 kg Reis 650 TSh (= 0,48 €)

500 gr Weißbrot 500 TSh (=0,37 €)

1 kg Bohnen 600 TSh (= 0,44 €) 1 Ei 100 TSh (=0,08 €)

1 kg Kartoffeln 650 TSh (= 0,48 €)

1 kg Tee 2000 TSh (=1,48€)

1 kg Tomaten 500 TSh (= 0,37 €)

1 kg Kaffee 4000 TSh (=2,96€)

1 kg Karotten 600 TSh (= 0,44 €)

1 Tube Zahnpasta 500 TSh (=0,37 €)

1 kg Paprika 800 TSh (= 0,59 €)

1 Rolle Klopapier 300 TSh (=0,22 €)


André Golob