Im Kampf gegen Aids - Die Unterstützung des St. Francis Hospitals in Katete (Sambia)


Es berührt tief und es macht nachdenklich, wenn man die Fotos betrachtet, die uns aus Katete in Sambia geschickt werden: Säuglinge, gerade mal 1000 Gramm schwer, die in dürftig improvisierten Brutkästen liegen, mehr einer Mikrowelle ähnelnd als einem professionellen Inkubator; ausgemergelte Aidskranke, von Darmerkrankungen und anderen Infektionen gezeichnet; halbverhungerte Waisenkinder, die außerstande sind, selbständig Nahrung zu sich zu nehmen. Es tut weh und man ist den Tränen nahe. Da trösten nur die Bilder derer, die unermüdlich helfen und mit Erfolg den Kampf gegen jede Art von Krankheit, vor allem die Pandemie Aids, aufnehmen, allen voran Danwell Simbeya, der Koordinator des St. Francis-Hospitals in Katete, und James Cairns, der zuständige Medical Superintendent. Das Krankenhaus in Katate hat neben den üblichen wichtigen medizinischen Aufgaben sein Tun besonders dem Kampf gegen die Seuche Aids mit all ihren gesundheitlichen, sozialen und psychologischen Auswirkungen gewidmet.


Unser Bistum ist froh, einen Beitrag zur medizinische Grundversorgung leisten zu können und mitzuwirken am Kampf gegen die sich rapide ausbreitende HIV-Seuche. Darüber hinaus ist es auch ein wenig stolz, in Zusammenarbeit mit der anglikanischen Schwesterkirche in Sambia gelebte Ökumene zu präsentieren. Viele reden, vor allem im Jahr des ökumenischen Kirchentags in Deutschland, von Ökumene - in Katete wird sie gelebt, zum Wohle derer, die ohne Schutz und Hilfe sind.


Heilung und Wissensvermittlung


Auch wenn die Bedrohung durch Aids immer stärkere Ausmaße annimmt, so sieht das Franziskus-Krankenhaus in Katete seine Aufgabe nicht allein in der Bekämpfung dieser Krankheit, sondern aller gesundheitlichen Bedrohungen und in der Gewährleistung der medizinischen Grundversorgung der Menschen vor Ort.


Die Palette der gesundheitlichen Fürsorge ist groß. Geburtshilfe und intensivstationäre Behandlung von Säuglingen, Unterstützung junger Mütter, die nicht selten zu wenig Milch hervorbringen können, werden genauso in den Blick genommen wie Impfungen der Neugeborenen und Behandlung von Unterernährung (Marasmus). Der Kindersaal umfasst 80 Betten, aber oft werden viel mehr dort versorgt. Stationär behandelte Frauen bekommen zusätzlich vor Ort Unterricht in Töpfern, Kochen und Ernährungsweise. Kochstellen werden eingerichtet und bereits kleinen Mädchen gelehrt, dass die witterungsresistente und nahrhafte Cassava-Knolle drei Tage lang entwässert werden muss, um ihr die Blausäure zu entziehen. Pädagogik und Wissensver-mittlung gepaart mit Behandlung und Genesung - ein Rezept, das Erfolg verspricht.


Abraham Zulu z.B. fiel mit zehn Jahren vom Ochsenkarren und brach sich den Halswirbel. Seitdem sitzt er gelähmt im Rollstuhl. Aber er konnte acht Jahre die Schule besuchen und leitet nun selbst den Unterricht in der Sonntagsschule des Hospitals. Zur Zeit besucht er eine Fortbildung in Bibelkunde. Und nicht nur Patienten erhalten eine Ausbildung. Das Krankenhaus bildet eigenes Personal aus: Pflegeschwestern, Hebammen usw. – Hilfe zur Selbsthilfe.


Ambulante Hilfe und Beratung


Aids ist eine rasant wachsende und deshalb existenzielle Bedrohung Schwarzafrikas. Auch bei sinkender Infektionsrate werden z.B. die Hälfte aller 15jährigen an Aids sterben, bei gleichbleibend hoher Infektionsrate mehr als zwei Drittel aller Jugendlichen. Eine Entwicklung, die die Zukunft Afrikas massiv bedroht. Auch Sambia ist davon betroffen.


So überrascht es nicht, dass das St. Francis-Hospital dieser Seuche den Kampf angesagt hat. Nicht nur die stationäre Pflege von Aidskranken steht dort im Mittelpunkt der Bemühungen. Ein mobiles Aids-Hilfe-Team sorgt für die ambulante Behandlung derer, die zu Hause versorgt werden und gibt den betroffenen Familien hilfreiche Hinweise im Umgang mit der Krankheit sowie psychologische und spirituelle Unterstützung. Ungemein wichtig ist auch die Aufklärungsarbeit, die das Aids-Team leistet. Es geht hier um Prävention, aber auch um konkrete Beratung der Infizierten durch Infizierte.


Prävention und Aufklärung


Katete liegt an der Kreuzung zweier zentraler Verkehrsadern Sambias, die die großen Städte des Landes miteinander verbinden. Mit dem Strom der LKWs kamen auch die Krankheiten aufs Land. Junge Mädchen, die aus Not ihren Körper den Reisenden aus der Stadt ungeschützt feilboten, waren die ersten Opfer der Aidsseuche. Wanderarbeiter brachten dann das HIV-Virus ins Hinterland. Hier setzte die Aufklärungsarbeit des Franziskus-Hospitals und vieler Freiwilliger an. Denn immerhin konnten bei Beginn der Arbeit des Hospitals mehr als 80 Prozent der örtlichen Bevölkerung keine korrekten Antworten zur HIV-Übertragung, Risikofaktoren oder Aids-Prävention geben. Der Wissensstand über die Krankheit war unter der Bevölkerung sehr gering. Als Reaktion auf diesen Mißstand hat das Hospital bis heute mehr als 500 Freiwillige zu Aidsberatern ausgebildet, wie Montfod Phiri, der wie viele selbst von der Krankheit betroffen ist. Dass die Arbeit von Erfolg gekrönt ist, zeigen die Zahlen. Befand sich im Distrikt Katete der Stand der HIV-positiven Erwachsenen 1995 bei 16 Prozent, so fiel er durch die Arbeit des Aids-Hilfe-Teams im Jahre 2001 bereits auf 10 Prozent - eine beachtliche Leistung.


Aids-Waisen-Projekt


Ein weiteres herausragendes Projekt, das die Mitarbeiter des Franziskus-Hospitals 1993 ins Leben gerufen haben, ist die Aids-Waisen-Initiative. Der tödlichen Aidskrankheit fallen indirekt viele Kinder der Sterbenden zum Opfer. Keiner sorgt sich um sie nach dem Tod ihrer Eltern; Besitz und Land werden ihnen genommen, viele sterben an Unterernährung. Mehr als 13 Millionen Kinder sind weltweit durch Aids zu Waisen geworden. Diese Zahl könnte bis zum Ende des Jahrzehnts auf 30 Millionen steigen. Die meisten davon leben in Afrika. In Katete übernahm das Franziskus-Hospital Verantwortung durch die Registrierung der Waisenkinder, ihre Pflege und Vermittlung in Pflegefamilien. Es wurden bislang insgesamt 2.000 Waisen registriert. Viele Mitarbeiter des Krankenhauses nahmen selbst ein solches Kind in ihre Familie auf. Jedes Jahr bekommt ein Waisenkind Schulkleidung (möglicherweise die einzige Kleidung, die es besitzt) und ein Schulbuch, zwei Stangen Seife für Körperhygiene und Reinigung der Kleidung, Bleistifte, Saatmais, Dünger und acht Euro Schulgeld. Für viele Familien ist es ein Anreiz, ein solches Waisenkind, das Saatgut, Dünger und sogar Seife mitbringt und eine schulische Absicherung vorweisen kann, zu adoptieren. Für jedes Waisenkind wird im Jahr die schwindend geringe Summe von nur 19 Euro benötigt.


Die ganze Palette der Aids-Hilfe


Die Arbeit, die die Mitarbeiter des St. Francis Hospital in Katete leisten, ist vorbildhaft. Die ganze Palette der Aids-Hilfe wird abgedeckt: Prävention, Beratung und Erziehung, kostenlose Tests, stationäre und mobile Pflege, psychologische, spirituelle und soziale Unterstützung Infizierter und deren Familien, Aids-Waisen-Initiative. Es wurden in Zusammenarbeit mit der Sambischen Regierung organisatorische Netzwerke geschaffen, die Aufklärung und Hilfe anbieten. Nun wissen 80 Prozent der Bevölkerung von Katete, die Gefahren einer HIV-Infizierung richtig einzuschätzen. 60 Prozent der schulpflichtigen Waisenkinder besuchen die Schule und haben eine neue Zukunftschance. Auch im sozialen Bereich sind Fortschritte zu vermelden: Die aufkommende Stigmatisierung und Diskriminierung HIV-Infizierter nahm durch eine wohldurchdachte Aufklärungskampagne ab, auch Häuptlinge und Clan-Chefs konnten von der großen Bedeutung der Anti-Aids-Initiative überzeugt und zur Mitarbeit bewegt werden.


Es ist gut, dass unser Bistum die Arbeit des St. Francis Hospitals unterstützt, und auch die Alt-Katholiken in Deutschland können mit Recht Stolz sein auf die ökumenischen Fortschritte in Katete. Die Arbeit dort muss weiter gehen. Ohne unsere kontinuierliche Hilfe geht da nichts.


André Golob


zurück zum Online-Archiv