Diakoninnen in Mailand

Bischof Joachim Vobbe besuchte Italien

Bei seinem letzten Besuch in der italienischen Gemeinde in Mailand konnte Bischof Joachim Vobbe zwei Frauen, Dr. Teodora Tosatti und Elisabetta Tisi, die Diakonatsweihe erteilen. Beide Frauen hatten sich bereits seit einigen Jahren auf die Weihen vorbereitet und die erforderlichen Examina bei der Prüfungsbeauftragten der IBK für Italien, Prof. Dr. Angela Berlis, abgelegt. Dekan Dr. Zivny und die Gemeinden Rom und Mailand hatten die beiden Frauen zur Weihe empfohlen.

Dr. Teodora Tosatti (52) war früher als Pastorin für die Waldenserkirche tätig und hat sich dort als Bibeltheologin einen Namen gemacht. Da sie dem alt-katholischen Kirchen- und Amtsverständnis zuneigte, ist sie vor einigen Jahren im Frieden aus der Waldenserkirche ausgeschieden und hat sich der alt-katholischen Gemeinde in Rom angeschlossen. Sie strebt auch das Priesteramt an.

Elisabetta Tisi (38) wird als Diakonin für die Gemeinde Mailand tätig sein und arbeitet im Hauptberuf als Sozialarbeiterin für Drogensüchtige. Sie hatte nach der Matura Religionswissenschaften und Sozialpädagogik studiert.

Reinkensmedaille

Der Weihegottesdienst fand in der anglikanischen Kirche von Mailand unter großer Beteiligung - darunter auch eine Abordnung der römischen Gemeinde und eine Gruppe aus Reggio Calabria - statt. Am Ende des Gottesdienstes wurde der italienischstämmigen Frau Lucilla Jacob, die mit ihrem Gatten eigens aus ihrem Wohnort Berlin angereist war, unter dem Applaus der anwesenden Gemeinde die Bischof-Reinkens-Medaille überreicht. Frau Jacob hat in monatelanger ehrenamtlicher Arbeit das ganze deutsche Eucharistiebuch ins Italienische übersetzt.

Am darauf folgenden Sonntag wurden im Rahmen einer weiteren festlichen Eucharistiefeier im Centro Orione drei erwachsene Männer gefirmt, wobei die neuen Diakoninnen assistierten. In diesem Gottesdienst zeigte sich wieder die Begabung der italienischen Alt-Katholiken, schnell von charismatischen Elementen umzuschalten auf die wesentlichen Bestandteile der traditionellen Liturgie. In tiefer Andacht empfingen am Ende des Gottesdienstes alle Gläubigen eine Salbung, die Dekan Zivny gelegentlich als Element aus der orthodoxen Tradition zum Zeichen des Stärkungs- und Heilungswillens Gottes übernimmt.

Ökumenische Begegnung

Ein weiterer Höhepunkt des Besuchs von Bischof Joachim war ein Zusammentreffen mit dem römisch-katholischen Erzbischof von Mailand, Dionigi Kardinal Tettamanzi, das in sehr freundlicher Atmosphäre in dessen Palais stattfand. Kardinal Tettamanzi, der für seine ökumenische Haltung bekannt ist, zeigte sich gut informiert über die alt-katholischen Gemeinden in Italien und erkundigte sich nach liturgischen Gemeinsamkeiten und Unterschieden. Immerhin pflegt die Erzdiözese Mailand seit vielen Jahrhunderten eine eigene liturgische Tradition, den sogenannten „ambrosianischen Ritus“, der sich in einigen Punkten deutlich von der römischen Liturgie unterscheidet. Im Anschluss an die Begegnung mit dem Kardinal gab es noch eine kleine Zusammenkunft mit der Ökumenekommission des Erzbistums, welche dem Weihbischof Francesco Coccopalmerio zugeordnet ist. Weihbischof Coccopalmerio, der fließend deutsch spricht, zeigte ebenfalls großes Interesse an den Grundsätzen liturgischen Feierns im alt-katholischen Raum. Es wurden Gesangbücher, Bischofsbriefe, liturgische Texte und Gastgeschenke ausgetauscht. Schließlich kam auch die Unterstützung für das Straßenkinderprojekt „Santa Macrina“ bei Bukarest zur Sprache, für das sich die Erzdiözese Mailand und speziell Bischof Coccopalmerio ebenfalls sehr engagieren.

P. Molineri