Förderung des Gesundheitswesens im Bistum Masasi (Tansania)


Ein besonderes Zeichen für die volle Gemeinschaft mit unseren anglikanischen Glaubensgeschwistern und damit konsequent gelebter Ökumene kommt in unseren gemeinsamen Missionsbestrebungen zum Ausdruck. Dabei unterstützt unser Bistum Missionsprojekte in Afrika und Asien, mit denen es sich auch aus historischen Gründen besonders verbunden fühlt. Dazu gehört die Förderung von Hilfsprojekten in Sambia, Tansania und den Philippinen. Mission heißt mehr als finanzielle Unterstützung oder Entwicklungshilfe. Sie hat vielmehr eine theologische Dimension und nimmt auch spirituelle Aspekte in den Blick. Grundvoraussetzung hierfür ist eine geistige Nähe zu den Mitmenschen und Glaubensbrüdern, Identifizierung mit ihrer Arbeit und Solidarität mit der schweren Situation und den Problemen vor Ort. Austausch von Information und konkrete Kontakte sind hier unabdingbar – nicht zuletzt auch das Gebet. Hinter den Missionsbestrebungen unseres Bistums steht kein großer Verwaltungsapparat, so dass ausnahmslos jeder gespendete Cent dort landet, wo er gebraucht wird. Die Transparenz, wohin das Geld gelangt und wozu es genutzt wird, mag hier zusätzlich zum Spenden motivieren und die Spendenfreudigkeit unterstützen. Jede Gemeinde, jeder Spender hat die Möglichkeit zwischen den einzelnen Projekten zu wählen. Aus diesem Blickwinkel heraus sollen in den nächsten Ausgaben von „„Christen heute““ die Missionsprojekte, die unser Bistum in Zusammenarbeit mit den Bruderkirchen betreibt, vorgestellt werden.


Drei Dispensarien und medizinische Grundversorgung


Zweimal so groß wie die Niederlande ist das anglikanische Bistum Masasi im Südosten Tansanias. Viel größer sind jedoch die medizinischen Probleme mit denen die knapp 420.000 Einwohner, die nur eine durchschnittliche Lebenserwartung von 46 Jahren besitzen, zu kämpfen haben. Malaria, Diarrhö, Cholera, Lungenentzündung, Blutarmut sind nur einige Bedrohungen unter denen die Bevölkerung zu leiden hat. Große Probleme stellen auch ansteckende Krankheiten wie Lepra, die Autoimmunschwäche Aids und diverse venerische Krankheiten dar. Die Palette ist groß und Hilfe tut Not. Schon seit einigen Jahrzehnten unterstützt unser Bistum die Bemühungen vor Ort mit Geld- und Sachspenden und trägt mit dazu bei, dass zumindest die notwendigsten medizinischen Voraussetzungen gesichert werden. Im Zentrum der Bemühungen steht das Anliegen, einen allgemeinen Gesundheitsdienst zu gewährleisten, welcher der Dorfbevölkerung medizinischen Beistand gibt und auch über die gesundheitliche Bedeutung von Hygiene und Ernährung aufklärt. Neben der Förderung des allgemeinen

Gesundheitswesens, unterhält die Diözese von Masasi drei sogenannte Dispensarien (dispensaries), Sanitätsstationen, die die ländlichen Dörfer Chidya, Luatala und Rondo mit dem medizinisch Notwendigsten versorgt, Medikamente verteilt und bei bedrohlichen Erkrankungen auf das nächstgelegene Krankenhaus verweist. Betreut werden die Stationen jeweils von einem „Barfußdoktor“ - einem Sanitäter mit medizinischen Grundkenntnissen -, einer Hebamme und möglichem weiteren Hilfspersonal. Die drei Dispensarien, die alle etwa ein bis zwei Autostunden von der Stadt Masasi entfernt liegen, dienen auch als Entbindungsstationen und Kinderkliniken. Die erwähnten Krankenhäuser sind nicht selten bis zu 50 km entfernt und nur über Straßen zu erreichen, die sich ausnahmslos in einem desolaten Zustand befinden. Allein die medizinischen Auffangstationen - die „dispensaries“ - können hier eine medizinische Grundversorgung der Landbevölkerung gewährleisten.


Strom und Wasser knapp


Die Mittel sind knapp und so überrascht es nicht, das sich die Dispensarien in einem schlechten und hygienisch mangelhaften Zustand befinden. Es fehlt in den meisten Fällen an fließendem Wasser und Strom. Auch lassen die Unterkünfte für Patienten und Personal zu wünschen übrig. Die Wasserauffangsysteme sind meist in einem sehr schlechten Zustand, Leitungen marode, Becken defekt und selten ist das Fassungsvermögen der Wassertanks ausreichend. Für die Stationen Chidya und Rondo muss das Wasser aus weit entfernten Teichen herbeigetragen werden. Wie bereits berichtet wurde, hat die am stärksten frequentierte Station Chidya seit einiger Zeit auch eine Stromversorgung, so dass nun mit einem elektrisch betriebenen Mikroskop, Malaria frühzeitig erkannt und behandelt werden kann.


Die Leprastation


Neben den drei Dispensarien widmet sich eine vierte Station dem Kampf gegen die Lepra. Die Behandlung der Lepra hat in der Diözese Masasi eine lange Geschichte. Bereits 1929 gründete die Missionarin Edith Shelley Leprasiedlungen in Lulindi, Namagono und Saidi Maumbo, in denen über hundert Leprakranke gepflegt wurden. Es ist aber auch eine traurige Geschichte, denn Miss Shelley, die sich so sehr um die Leprakranken gekümmert hatte, fiel selbst der Krankheit zum Opfer und übersiedelte 1930 in das von ihr gegründete Lepradorf. Noch heute widmet sich die Leprastation von Masasi der Fortführung ihrer Arbeit.


Traditionelle Schnitzkunst als Selbsthilfe


Unser Bistum hat es sich zur Aufgabe gemacht, alle drei Gesundheitsdienste im anglikanischen Bistum Masasi zu unterstützen. Wir berichteten bereits in der letzten Ausgabe über das gestiftete Mikroskop zur Malariafrüherkennung. Finanzielle Hilfe und Spenden sind gut. Besser und sinnvoller ist es jedoch - vor allem auch aus psychologischer Sicht - Hilfe zur Selbsthilfe zu geben. Die Zeit der Kolonialisierung wirkt nach und so ist es wichtig auf das Selbstwertgefühl und die kulturelle Identität des Gegenübers Acht zu geben. Aus dieser Sicht freut sich unser Bistums besonders, traditionelle Schnitzkunst aus Masasi präsentieren zu können. Berühmt sind die Skulpturen und Masken des Bantuvolkes der Makonde, das im Bistum Masasi und den angrenzenden Teilen von Mosambik zuhause ist. Bischof Mwachiko kam auf die Idee den Makonde-Kleinbauern, die zur Zeit unter sehr schlechten Ernten zu leiden haben, zu einer zusätzlichen Verdienstquelle zu verhelfen und ihnen einen neuen Markt für ihre Schnitzkunst zu erschließen. Organisiert sind sie in einer Genossenschaft des Bistums Masasi. Zunächst bietet unser Bistum allen Interessierten drei unterschiedliche Ebenholz-Kunstwerke an. Es handelt sich zum einen um die Darstellung der Heiligen Drei Könige (ca. 27 ), zum anderen um die reliefartige Wiedergabe des Weltgebetstagsbildes „drei weise Frauen“ ( ca. 27 ) sowie um die Darstellung einer Gruppe von vier musizierenden älteren Männern (ca. 70). Die Künstler aus Masasi sind jedoch auch in der Lage Auftragsarbeiten zu übernehmen. Hier wird jeder Wunsch erfüllt: Das Schnitzen des Familienwappens ebenso wie die Realisierung von Heiligenfiguren aller Art, biblischen Szenen, Krippen, Hostienschalen usw. - den Möglichkeiten sind hier kaum Grenzen gesetzt. Weitere Informationen bekommen Sie bei Frau Dr. Ilse Brinkhues (0228 / 64 33 01) Bei ihr können Sie auch ihre Bestellung aufgeben. Die Lieferzeit beträgt ungefähr ein halbes Jahr.


André Golob


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