Eine Insel für die Seele

Nordstrander Gemeinde plant ein alt-katholisches Begegnungs- und Besinnungszentrum

Die zündende Idee zu einem solchen Zentrum wurde bei einem Gemeindewochenende im letzten Herbst im Løgumkloster in Dänemark geboren. Das Løgumkloster-Refugium ist ein solches Begegnungszentrum, gegründet im Jahre 1960 von kirchlichen und kulturellen Gruppen aus ganz Dänemark. Es ist mit dem alten Kloster und der Klosterkirche der Zisterzienser verbunden – ein wunderschöner Ort, wie eine Insel für die Seele. Refugium bedeutet „Zufluchtsort“, und der Grundgedanke des Refugiums in Løgumkloster ist, dass Menschen dort Ruhe und Frieden finden können. Gleichzeitig werden zahlreiche Veranstaltungen und thematische Kurse und Seminare angeboten.

Der Ort inspirierte die Gemeindemitglieder – und ganz allmählich wurden die Gedanken weitergesponnen: Wäre es nicht denkbar und sinnvoll, einen solchen Ort auch auf Nordstrand zu schaffen, ein Refugium nicht nur für Alt-Katholiken? Zurück auf Nordstrand wurde die Idee weitergeführt. Zunächst wurde nach Möglichkeiten gesucht, einen Ort möglichst nahe an der alt-katholischen Kirche zu finden, um unsere Kirche mit in das Zentrum einzubeziehen. Überlegungen zur inhaltlichen Füllung eines solchen Zentrums wechselten mit Überlegungen zur Finanzierung ab, der Gedanke wurde konkreter und bestimmte fortan viele Gespräche in der Gemeinde.

Die Überlegungen wurden konkreter: Ein Haus stand zum Verkauf, wie geschaffen für ein solches Zentrum, zudem in einer sehr ruhigen Insellage, leicht erreichbar auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln und mit einem sehr großen Grundstück. Die Ideen überschlugen sich – das Grundstück wurde bereits als „Garten für die Sinne“ umgestaltet, eine lichtdurchflutete Kapelle war geplant ebenso wie behindertengerechte Zimmer. Doch nicht nur die eher „technischen und baulichen“ Details wurden weitergeführt, auch die Inhalte wurden konkretisiert: Welche Zielgruppen wollen wir ansprechen, was anbieten?

Zielgruppen

Solch ein Zentrum kann ein Refugium sein für Menschen auf der Suche nach Gott, nach Stille, nach innerer Einkehr, nach Gebet und Gebetszeiten, nach sich selbst, nach Erholung für Leib, Seele, Geist, nach innerer Ordnung, nach Orientierung, nach einer (kürzeren oder auch längeren) Auszeit, für Alt-Katholiken aus Deutschland, Urlauber auf unserer Insel, Mitmenschen aus der Umgebung, Gemeindetreffen, Pastoralkonferenzen, Freizeiten, Familien, Ehepaare, Alleinstehende, Frauen, Manager … die Liste wurde immer länger.

Angebote

Was wollen wir anbieten? Spontan kamen sehr viele Ideen zusammen und gleichzeitig auch die Bereitschaft von Gemeindemitgliedern, dabei mitzutun oder solche Veranstaltungen selbst anzubieten: Einzel- und Gruppengespräche, Vorträge, Seminare, Glaubenskurse, Einführung in Meditation, Gesundheit erhalten, eine Schule des Betens, Veranstaltungen zu Themen wie Frauengestalten des alten und neuen Testamentes, Lebensphasen aus geistlicher und psychologischer Sicht (Heilung und Versöhnung), wie gehe ich mit Stress um und wie baue ich ihn ab, Angstbewältigung, wo erfahre ich Gott im Alltag, wo liegen meine Talente und wie gehe ich damit um, wo und wie finde ich Halt und Kraft, welche Stärken habe ich und wie kann ich sie am besten einsetzen, Wecken der eigenen Kreativität mit Malen (Ausdrucksmalen, Gefühle wahrnehmen), Arbeiten mit Ton (erschaffen-ändern-formen), Fotografie (die kleinen Dinge des Alltags sehen lernen), Freude am Gesang (zum Beispiel Cantabile), meditativer Tanz, Theater (Bibliodrama), Entspannungsübungen, Meditationen, Exerzitien, ebenso wie Wattlaufen und Fahrradfahren.

Auch Urlaub für Familien wurde angedacht, in dem die Eltern Zeit für sich selbst haben, an Angeboten teilnehmen können und die Kinder während dieser Zeit betreut werden. Neben all diesen eher „aktiven“ Angeboten sollte aber auch der Raum der Stille einen Schwerpunkt erhalten, eingerahmt vom regelmäßigen Tagzeitengebet.

Die Ideen gingen weiter: Vielleicht würden sich sogar vier, fünf Personen finden, die in einer klösterlichen Kommunität in diesem Haus wohnen und arbeiten – ora et labora – und gleichzeitig die Möglichkeit anbieten, in einem „Kloster auf Zeit“ mitzuleben. Außerdem ist ein solches Begegnungs- und Besinnungszentrum ein Gewinn für unsere alt-katholische Kirche.

In alle Begeisterung mischte sich aber auch immer wieder die Frage nach der Finanzierung eines solchen Zentrums. Können wir das schaffen, wird es finanzierbar sein? Eine bange Frage, oft gestellt – aber stets mit einem „Wenn wir das wollen, werden wir es schaffen!“ beantwortet. Erste Sponsoren gibt es bereits, und die Grundlage für den Kauf des Objektes ist schon fast geklärt. Doch es bleiben noch der Um- und Ausbau, die ebenfalls zu finanzieren sind. Und dafür sucht die Gemeinde jetzt Unterstützer.

Wegbereiter und Sponsoren gesucht

Dabei wollen wir diesmal auch andere Wege gehen. Natürlich freuen wir uns über jeden, der uns signalisiert, dass er bereit ist, mit einer größeren oder kleineren Spende dieses Vorhaben zu unterstützen. Der andere Weg, den wir überlegt haben, ist folgender: Wir suchen Menschen, die bereit sind, dieses Vorhaben mitzutragen und uns für einen Zeitraum von zum Beispiel zehn oder fünfzehn Jahren eine größere Summe als Darlehen geben, für die sie in dieser Zeit zwar keine Bankzinsen erhalten, die jedoch auf eine andere Weise Zinsen bringen: indem Menschen einen Ort für die Seele finden, ein Refugium, das ihnen das schenkt, was sie brauchen. Wenn wir 150 bis 200 Wegbereiter finden, dann können wir im Frühjahr 2007 zur Eröffnung des Begegnungs- und Besinnungszentrums einladen.

150 bis 200 Wegbereiter finden dürfte nicht schwer sein. Darum bitten wir Sie: Lassen Sie Ihr Geld in anderer Weise Zinsen bringen – für Menschen, die eine Insel für ihre Seele brauchen, damit sie gestärkt ihren Lebensweg gehen können.

Machen Sie mit – wir freuen uns über Ihren kurzfristigen Anruf (04842-409), Ihre Mail (nordstrand@alt-katholisch.de), Ihren Brief, mit dem Sie uns mitteilen, dass Sie mittun. Und schon jetzt sind Sie zur Eröffnung eingeladen.

Georg Reynders