Gemeinsame Projekte im Für und Wider

Treffen der internationalen Diakonie und Mission


Fünfzehn Vertreterinnen und Vertreter aus sechs Ländern versammelten sich bei der diesjährigen internationalen Tagung der Diakonie und Mission im alt-katholischen Gemeindehaus des niederländischen Städtchens Amersfoort. Eingeleitet wurde das Treffen durch einen inspirierenden Gottesdienst in der Gertrudiskirche. Die Zusammenarbeit dieses Gremiums fand 1998 auf dem Kongress in Seggau ihren Anfang. Seitdem treffen sich die Repräsentanten der Hilfswerke und Projekte regelmäßig. Dazu gehören zwei niederländische Organisationen, die „Missie St. Paulus“ sowie die „Stichting Internationaal en Oecumenisch Hulpwerk“ (SIOH), die Schweizer Organisation „Partner Sein“ sowie Vertreter der deutschen und österreichischen Hilfsprojekte. Hinzu kommen Vertreter kleinere Kirchen aus Tschechien, Polen, Bosnien-Herzegowina etc., die sich häufig mit eigenen Anliegen und Bitten um Unterstützung an das Plenum wenden.


Rechenschaftsberichte


Nach einer kulinarischen Stärkung im atmosphärischen Atrium des Gemeindezentrums gaben alle Organisationen Rechenschaft ab über ihre jeweiligen Projekte und Aktionen. André Golob, der als Vertreter der deutschen Missionsprojekte an der Tagung teilnahm, berichtete über das Engagement in Sambia, Tansania und auf den Philippinen. Klaus Rudershausen repräsentierte die Alt-Katholische Diakonie und stellte die innerdeutschen Projekte vor, wie z.B. das Café Strichpunkt. Beide berichteten von der Neuverteilung der Aufgabenbereiche in Deutschland. In Zukunft wird sich die „Alt-Katholische Diakonie in Deutschland e.V.“ allein mit innereuropäischen Projekten befassen, die bischöflichen Missions- und Entwicklungsprojekte werden ihr Augenmerk auf den Bereich außerhalb Europas beschränken. Auf Anregung der deutschen Vertreter wurde eine neue Abstimmungsregelung in die Statuten der Internationalen Mission und Diakonie aufgenommen. Um bei Abstimmungen Rechtssicherheit zu schaffen, erhalten in Zukunft die Organisationen ein festgelegtes Stimmenkontingent. Ferner müssen sich Delegierte bei Ab-stimmungen dann enthalten, wenn sich eine Entscheidung auf ihr eigenes Land bezieht. Diese Regelung wurde von allen Teilnehmern einstimmig für gerecht und gut befunden.


Projekte für die Zukunft


Es wurden aber auch Entscheidungen getroffen, welche gemeinsamen Projekte in Zukunft zu unterstützen seien. Christoph Schuler referierte über die neue Situation in der Slowakei und konnte berichten, dass durch den Rückzug aus diesen Projekten kein nennenswerter finanzieller Schaden entstanden ist. Begrüßt wurde die weitere Unterstützung des Baus eines Kirchenzentrums in Dubrave Donje. Die Gemeinde in Bosnien, die nebenberuflich von Pfarrer Jozo Kljajic betreut wird, zählt zur Zeit ungefähr 3000 Mitglieder. Schuler berichtete, dass der Delegat der Internationalen Bischofskonferenz, der österreichische Bischof Bernhard Heitz, die Fortschritte in Dubrave Donje als sehr positiv bewerte. Weitere Eingaben und Bitten um Unterstützung wurden von Vertretern der kleineren Kirchen eingereicht. So bat Urszula Przedpelska um die Unterstützung zur Errichtung eines Jugendzentrums mit kombinierter Heimstatt für pensionierte Priester in der polnischen Hauptstadt. Gleich zwei mögliche Unterstützungsprojekte trug Josef König vor, seines Zeichens Beauftragter der tschechischen Kirche. Zum einen handelte es sich um die Renovierung eines Pfarrhauses im tschechischen Sumpek, zum anderen um die Unterstützung des diakonischen Projekts „Communio“ in Prag, das sich zur Zeit in der Krise befindet.


Italien-Fonds


Auf wenig Gegenliebe stieß eine Anfrage der Internationalen Bischofskonferenz zur Einrichtung eines Fonds zur Unterstützung der italienischen Gemeinden, die von Erzbischof Joris Vercammen vorgetragen wurde. Erzbischof Vercammen betonte, wie wichtig es sei, dass auch die Entwicklungsdienste den Aufbau der hoffnungsvollen Diasporagemeinden in Mailand und Rom unterstützten. Er verwies dabei auf die Vergleichbarkeit mit der Situation in Dubrave Donje. Christoph Schuler brachte darauf das Wohlwollen des Plenums gegenüber den Schwestern und Brüdern in Italien zum Ausdruck. Er betonte aber, dass für die Errichtung eines Hilfsfonds die geeigneten finanziellen Mittel leider nicht zur Verfügung stünden. Auch wäre die Internationale Diakonie und Mission nicht bereit, die Verfügungsgewalt über einen solchen Fonds an die IBK abzutreten. Trotz der Konzentration auf die Unterstützung der armen Regionen der Welt, so betonte das Plenum, sei die Bereitschaft jedoch sehr groß, konkrete Projekte in Italien zu unterstützen. So empfahl die Versammlung der IBK und ihrem Delegaten für Italien, Bischof Joachim Vobbe, die Einreichung konkreter Vorschläge bis zum Jahresende 2005.


Internet-Präsentation


Stefan Weedra aus Südtirol präsentierte den Teilnehmern die Website des Schweizer Hilfswerkes „Partner sein“ (www.partner-sein.ch), die er selbst auf recht professionelle Weise zusammengestellt hat. Das Plenum war hiervon sichtlich angetan, und es wurde eine gemeinsame Internet-Präsentation aller internationaler Hilfsorganisationen angeregt. So wurde begrüßt, dass sich Stefan Weedra als Ansprechpartner und Koordinator für das Vorhaben anbot. Alle Teilnehmer waren sich einig, dass die Zeit für die Nutzung der sogenannten neuen Medien auch im Bereich der Mission und Diakonie schon längst überfällig sei.

Geselliges


Bei einer solchen Tagung dürfen natürlich auch die geselligen Momente nicht fehlen. Gerade auf multinationalen Konferenzen muss es Zeit und Raum geben sich kennenzulernen, einander näher kommen - in der kurzen Zeit die übrig bleibt. Davon blieb auf der Tagung im Amersfoort in der Tat wenig. Da die Themen zahlreich waren, musste z.B. eine geplante Stadtführung zum Bedauern aller abgesagt werden. Dennoch erübrigte sich Zeit für eine Grachtenfahrt durch das idyllische und charmante Städtchen und trotz des Regens war die Stimmung heiter und ausgelassen. Nicht nur ein Empfang bei der alt-katholischen Pfarrerin von Amersfoort, auch die gemeinsamen Abende boten Gelegenheit des Austausches und waren mit Garant für die gute Stimmung. Das nächste Treffen der internationalen Mission und Diakonie wird auf dem Alt-Katholikenkongress 2006 in Freiburg stattfinden.


André Golob