„Als brenne in meinem Herzen ein Feuer“ (Jer 20,9)

Gertrud die Große

Gertrud von Helfta ist die einzige Heilige in der westlichen Kirche, die den Beinamen „die Große“ trägt, dieser Titel wurde ihr jedoch nie von offizieller Seite zuerkannt, er kommt aus dem gläubigen Volk wie auch ihre Verehrung als Heilige. Der Benediktinerorden bat erst 1674 um die Erlaubnis, ihren Gedenktag offiziell feiern zu dürfen, 1734 dehnte Rom die Erlaubnis auf die Weltkirche aus. In unseren Tagen läuft ein Antrag in Rom, der spirituellen Bedeutung Gertruds mit dem Titel „Kirchenlehrerin“ Ausdruck zu verleihen, eine späte Einsicht, falls dem Antrag stattgegeben wird!

Gertruds Herkunft ist unbekannt. Irgendwann im Jahre 1261 wurde die Fünfjährige im Kloster Helfta abgegeben, das Mädchen kannte oder nannte außer ihrem Namen nur ihren Geburtstag, den 6. Januar - „Erscheinung des Herrn“. Gestorben ist sie in Helfta, wahrscheinlich am 13. November 1302, bis 1931 stand ihr Gedenktag am 15.11. im Kalender, als aber der bedeutende Gelehrte Albert (1200-1280) aus Lauingen heiliggesprochen wurde und den Titel „Kirchenlehrer“ bekam, musste Gertrud auf den 17.11. ausweichen. Ihr Grab kennen wir nicht, Reliquien gibt es keine; dass solche sich in einem Schrein des Welfenschatzes befänden, ist eine unbewiesene Behauptung.

Die erste heilige Gertrud, nach der wohl all die vielen Gertruds bis in der Neuzeit benannt worden sind, war eine Fränkin, Tochter des Hausmeiers Pippins des Älteren. Sie lebte zwischen 626 und 659 und steht am Beginn der Missionierung des Frankenreiches. Als Äbtissin leitete sie das Kloster Nivelles in Brabant, das ihre Mutter Itta gegründet hatte. Gertrud rief zwei gelehrte irische Mönche ins Land, die sie selbst und das ganze Kloster tiefer in die Kenntnis der biblischen Schriften einführen sollten. Sie starb am 17. März, dem Gedenktag des irischen Nationalpatrons Patrick, und wurde wie dieser bei Mäuse- und Rattenplagen angerufen. Deshalb ist sie an Mäusen, seltener an einer Katze von anderen Äbtissinnen mit Kreuz und Stab leicht zu unterscheiden. In Mainfranken wird sie als Gertrud von Karlburg besonders verehrt.

Eine Tochter der heiligen Elisabeth von Thüringen mit Namen Gertrud wurde ebenfalls als Heilige angesehen, sie lebte in Altenberg bei Wetzlar in einem Kloster, ist aber heute nahezu vergessen. In den Niederlanden wird die Mystikerin Gertrud van Oosten verehrt (+ 1358). Sie war Begine in Delft und soll die Wundmale Jesu getragen haben. Der Beiname „van Oosten“ geht auf das ihr zugeschriebene Lied „Het daghet in den Oosten“ zurück.

Kloster Helfta

Im Jahr 1229 zogen sieben Nonnen des grauen Ordens, wie die Zisterzienser wegen ihrer ungefärbten und ungebleichten Kutten hießen, von Halberstadt in das Mansfelder Land am Unterharz, wo sie ein Tochterkloster aufbauen sollten. Wenig später verließen sie die Nähe der Burg Mansfeld, die Gründe bleiben dunkel. Jedenfalls war der Gründergraf Burchard gestorben, seine Witwe, Elisabeth von Schwarzenburg ins Kloster gegangen. In Rodarsdorf, wo die Nonnen einen zweiten Anfang versuchten, fehlte es an Wasser. Die im Jahr 1251 gewählte Äbtissin Gertrud, eine Adelige aus dem Geschlecht der Hackeborn, wagte 1258 einen erneuten Umzug. Ihre Brüder hatten ihr ein für das Klosterbau geeignetes großes Stück Land gestiftet, eine halbe Wegstunde entfernt von der Stadt Eisleben in Helpede, dem heutigen Helfta. Wie rasch die Abtei dort wuchs, wird daran deutlich, dass bereits vier Jahre später zwölf Nonnen ausgesandt werden konnten, um in Hedersleben bei Quedlinburg ein weiteres Kloster zu aufzubauen. Vierzig Jahre lang leitete Äbtissin Gertrud von Hackeborn die Abtei: vor allem legte sie Gewicht auf die Bildung der ihr anvertrauten Mädchen. Diese kamen in frühem Alter, lernten Lesen und Schreiben und selbstverständlich Latein. Die Begabteren konnten in Helfta das zu dieser Zeit übliche Grundwissen erwerben, in etwa einem heutigen Gymnasium vergleichbar. Im Kloster gab es eine Schreibstube, in der Bücher kopiert und kunstvoll verziert wurden, liturgisches Singen wurde gepflegt, hier tat sich Mechthild von Hackeborn hervor, eine jüngere Schwester der Äbtissin Gertrud. Die Mitschwestern nannten sie wegen ihrer schönen Stimme „Nachtigall“. Alle Nonnen, ungeachtet ihrer Herkunft oder künstlerischen Begabungen, hatten Pflichten im Haus zu übernehmen, mit den Händen zu arbeiten, wie es das benediktinische „ora et labora“ verlangt, das die Zisterzienser wieder sehr ernst genommen haben. Nach den Jahren des Lernens trafen in der Regel die Eltern die Entscheidung, ob sie ihre Töchter im Kloster lassen oder verheiraten wollten. Die Waise Gertrud blieb, „fest entschlossen, keinem Mann an Gelehrsamkeit nachzustehen“, wie sie im Rückblick auf ihre ersten Klosterjahre schreibt. Etwa um das Jahr 1270 bat die Begine Mechthild von Magdeburg um Aufnahme in den Konvent. Sie hatte schon zuvor begonnen, ihre mystischen Erfahrungen aufzuschreiben, in deutscher Sprache und mit vielen Anleihen aus der Poesie des Minnesangs.

Leben und Schriften Gertruds

Zwanzig Jahre nach der Ankunft im Kloster Helfta erlebte Gertrud eine Krise: ohne Freude und Lernbegierde durchlebte sie den Advent 1280, die Weihnachtszeit und den Januar bis zum 27., einem Montag vor Lichtmess. Da sieht sie in der Dämmerung des Abends Christus in jugendlicher Gestalt und wird getröstet: „Ich erlöse dich und werde dich retten, fürchte dich nicht.“ Von diesem Tag an, so schreibt sie, habe sie ihre Lauheit abgelegt und sei wirklich Nonne geworden. Die Visionen und Auditionen ereigneten sich in der Folgezeit fast immer während der Liturgie. Zur Schreibfeder griff Gertrud erst am Gründonnerstag 1289.

Zwei Bücher „Gesandter der göttlichen Liebe“ (Legatus divinae pietatis) und „Geistliche Übungen“ (Exercitia spiritualia) sind uns überliefert. Der Legatus ist in fünf Kapitel eingeteilt, die Philologen haben durch Vergleiche herausgefunden, dass Gertrud nur das 2. Kapitel eigenhändig geschrieben hat. Die anderen vier enthalten Gertruds Visionen und Reden, die entweder von einer Mitschwester unmittelbar aufgezeichnet wurden oder später aus der Erinnerung dazu kamen. Die Exercitia sind das eigentliche theologische Werk Gertruds, eine „Summa mystica“. Der Aufbau des Buches gleicht einem Gotteshaus, sieben Übungen führen jeweils unter einem Thema durch den Tag und sind mit den Betrachtungen und Gebeten an die Psalmen der jeweiligen Tagzeiten angelehnt. Im Eingangsbereich dieses Gotteshauses befinden sich das Taufbecken und die Kommunionbank, als Begleitpersonen stehen Maria und der Schutzengel dem Eintretenden zur Seite. Für Gertrud ist die Kommunion ein „viaticum“, Brot zum Leben, nicht erst „Wegzehrung“ beim bevorstehenden Tod, darum gehört für sie die Kommunionbank nicht vor die Chorschranken, vielmehr an den Eingang. Der sich anschließende Innenraum ist mit Gestalten der Bibel gefüllt und mit Bildern aus dem Hohenlied, dort stehen ein Weihrauchaltar und eine Art Sakramentshaus, das „Brautgemach“. Hier ist der Ort der „unio“, der Vereinigung der menschlichen Seele mit Gott, des mystischen Liebestodes. Der Kreuzestod Christi wird nicht als blutiges Opfer dargestellt, sondern als Triumph der Liebe. Das eigentliche Opfer ist das des Weihrauchs, im Wohlgeruch des aufsteigenden Weihrauchs wird das menschliche Herz mit dem Herzen Jesu vereint. Die Einung mit dem Göttlichen sollte Mitte des christlichen Lebens sein, denn Mystik ist nicht Weltflucht, die Jünger und Jüngerinnen Jesu sind nicht von, aber in der Welt (vgl. Joh 17,15f), werden immer wieder zurückgeholt in die Welt, dort sollen sie leben und Frucht bringen in Geduld (Luk 8,15). Im Raum des Chorgestühls, wo das Stundengebet siebenmal am Tage verrichtet wird, finden sich Bilder aus der Geschichte des Volkes Gottes und aus der Passion Christi. Die Chorapsis hat sieben Glasfenster zur Meditation und der Schlussstein im Gewölbe darüber trägt die Inschrift „amor deus“, Gott ist die Liebe.

Gertruds Theologie ist angstfrei, fern den zahlreichen Höllenbildern des Mittelalters, die an und in den Kathedralen die Menschen erschrecken sollten, damit sie die Gebote halten. Bei Gertrud gewinnt der Mensch Würde und Freiheit in der Begegnung mit Gott, der christliche Glaube befreit den Menschen zum Leben, nicht vom Leben. Eine große Rolle spielt in Gertruds Theologie das Herz, das Herz Jesu Christi, in Liebe zu uns brennend, und das Herz des Menschen, in dem Christus Gestalt gewinnt. Deshalb wird Gertrud von Helfta mit einem offenen Herz dargestellt, in dem Jesus als Kind zu sehen ist. „Schau, dein Himmel ist in mir, er begeht dich, seine Zier ...“, so dichtet der Mystiker Angelus Silesius im „Morgenstern der finstern Nacht“. Die Herz-Jesu-Verehrung des 19. Jahrhunderts ist anderer Art und weit entfernt von dieser kindlich-innigen Gottesfreundschaft bei Gertrud von Helfta.



Texte aus dem Exercitium spiritualia

Die erste Übung beginnt mit der Erneuerung der Taufe, die nach Gertrud regelmäßig geschehen sollte, vornehmlich an Ostern und Pfingsten. Dazu lässt sie beten:

Gott habe Erbarmen mit mir, und er sage mir Segen und Heil; er lasse sein Antlitz leuchten über mich, und er habe Erbarmen mit mir. Preis und Heil sage hinwiederum ihm in aller Aufrichtigkeit und Wahrhaftigkeit mein Herz. Vom Angesicht des Herrn werde erschüttert das Erdreich meines Herzens, und im Lebenshauch seines Mundes werde wiedererschaffen und neu gemacht der Atem meines Lebens: auf dass mich auf rechten festen Boden führe sein lebenspendender Geisthauch, der gut ist.1

In diesem kurzen Text kann etwas von der Schönheit der Sprache Gertruds erfahrbar werden. Der heilige Gott ist Inbegriff der Liebe und so auch der Schönheit. Deshalb kann Gertrud nicht anders von und mit ihm sprechen als in schöner Sprache, die ohne jede Scheu Begriffe aus der Erotik einbezieht.

Eine Anrufung des Heiligen Geistes lautet:

Entzünde mich, zu lieben dich! Erleuchte mich, zu erkennen dich! Zieh zu dir mich, erfreut zu werden durch dich! Errege mich, zu genießen dich!

Im letzten Exercitium zur Versöhnung am Ende des Tages und des Lebens spricht der Betende zu Gott:

O Gottes süße treue Güte. O Gottes liebe, edle Freigebigkeit. Du, weit offen hältst du deinen Schoß; du, du bist der Armen Zuflucht. O treue Güte, wozu rätst du? Wohin soll ich mich flüchten, wenn der Frost sein Gesicht zeigt und ich nicht mehr imstande bin,
zu ertragen die Rauheit des Winters? Die Lauheit meines Geistes ließ schon in Frost erstarren alle Gefilde meines Herzens.
Eia, mit deinen Schultern breite deinen Schatten über mich und bedecke meine schamverwirrte Nacktheit,
dass ich gewärmt werde unter deinem Federflaum und auf ewig Hoffnung habe unter deinen Flügeln. ...

Du, du richtest auf, die zerschlagen sind; du lösest, die in Sklavenfesseln liegen. Du, auf keinen, der in Drangsal ist, blickst du verächtlich nieder;
du, mütterlich und voll Barmherzigkeit blickst du hin auf die Nöte aller. Du, denen, sie verzweifelt sind, gibst du treuen gütigen Rat. Du, mit größter Milde kommst du allen in ihrer Bedürftigkeit zu Hilfe. Eia, auch für mich, die ich bedürftig bin, halte nun dein Ohr bereit,
dass ich für meine Seele mit dir Gespräche führe, wie es sie selten gibt,
und dass ich von dir empfange Rat, der lieb und teuer.

Sicher, für uns ist diese Sprache gewöhnungsbedürftig, ebenso der Überschwang der Gefühle. Vergessen wir aber nicht den Hintergrund dieses Betens: ein für Heutige schwer vorstellbar hartes Leben mit durch Gebet unterbrochener Nacht, langen Gottesdiensten in kalter Kirche, mit Krankheiten wie Tuberkulose, Rheuma, Aussatz, Pest und anderen Seuchen - ohne die Wohltaten der modernen Medizin. Im 4. Buch des Legatos wird vom Todesleiden der Äbtissin Gertrud von Hackeborn berichtet. Ein Schlaganfall hatte sie halbseitig gelähmt, sie konnte während 22 Wochen nur noch das eine Wort aussprechen: „mein Geist“. Ihre Mitschwester Gertrud bezeugt, es sei geradezu sichtbar gewesen, noch mehr aber durch das Wort Gottes der Bibel bekräftigt worden: „Gott wohnte in ihr, Gott wahr wahrhaftig mit ihr, und alles, was durch sie geschah, das lenkte er durch seinen Geist der Güte nach seinem Wohlgefallen.“

Die Überlieferung der Bücher

Nach dem Tod Gertruds der Großen und der ersten Zerstörung des Klosters gerät die Heilige mit ihren Schriften in Vergessenheit. Sicher sind beide Bücher mehrmals abgeschrieben und in verschiedenen Klosterbibliotheken aufbewahrt worden, aber sie befruchten das kirchliche Leben nicht mehr. Im Jahr 1505 lässt Sidonie, Witwe Albrechts von Sachsen, den Legatos in deutscher Übersetzung drucken. Sidonie, böhmisch Zedene oder Zdenka, Tochter des Hussitenkönigs Georg Podiebrad, wurde zehnjährig schon mit Albrecht verheiratet. Sie gebar acht Kinder, zwei ihrer Söhne schlossen sich der Reformation an, Georg der Bärtige blieb wie seine Mutter katholisch. Sidonie las Schriften des Mystikers Johannes Tauler, kümmerte sich um die Freilassung von Gefangenen, schrieb viele Briefe und erinnerte ihre Kinder, wenn sie zu sich einlud. „Kommt ja auf einen Fleischtag“, denn ihre Küche hielt sich an die Abstinenzvorschriften ihrer Kirche. Ihr Grab ist im Meißner Dom. Eine Generation später (1536), als die Reformation bereits voll im Gange war, werden beide Werke Gertruds in Köln gedruckt, in lateinischer Sprache, nur an drei Stellen sind deutsche Übersetzungen hinzugefügt. Auftraggeber ist der Kartäusermönch Johannes Justus Lanspergius. Es gibt unterschiedliche Ausgaben: beide Schriften in einem Band und jede auch einzeln. Vielleicht wollte Lanspergius die Exercitia nicht allen Lesern und Leserinnen zumuten, um Ärgernisse oder ein Verbot zu vermeiden. Sein Kartäuserkloster hatte bereits 1478/79 eine vollständige deutsche Bibel drucken lassen, um allen in Klöstern lebenden Frauen das Lesen der Bibel zu ermöglichen. Die Bildung der Nonnen, wie sie 250 Jahre zuvor in Helfta selbstverständlich war, ist nicht mehr gegeben. Die an der Kölner Universität lehrenden Dominikaner-Professoren hatten eine päpstliche Zensurvollmacht erwirkt, denn sie trauten nicht einmal Klosterfrauen die Gabe der Unterscheidung zu, sprachen sie doch von der Unerfahrenheit der Weiblein, der „muliercularum impertitia“!

Von Spanien in die Neue Welt

In der Erneuerungsphase der katholischen Kirche nach dem Schock der Reformation verbreitete sich die Verehrung Gertruds erst in Deutschland und dann vehement in den romanischen Ländern. „El heraldo del amor divino“, der „Bote göttlicher Liebe“, musste in Spanien immer wieder gedruckt werden. Gertrud wurde „heilige Teresa von Deutschland“ genannt oder auch „Heilige der Menschwerdung“. Tarragona wählte sie als Stadtpatronin. So verwundert es nicht, dass die Missionare aus Spanien Gertruds Verehrung nach Lateinamerika mitbrachten. Als die Benediktiner von Rom die Erlaubnis der öffentlichen Verehrung Gertruds erhalten hatten, widmeten sie in vielen ihrer Kirchen Gertrud einen Altar und ließen dafür eine Statue anfertigen. Herausragendes Beispiel ist die Abtei Sao Bento (St. Benedikt) in Rio de Janeiro oder das Haus der Missionsbenediktinerinnen in Ribeirao im Staat Sao Paulo in Brasilien. All die weiteren Kirchen, Gemeinden, Altäre, die den Namen Gertruds tragen, können hier nicht aufgezählt werden. Von Mexico und Cuba über den ganzen südamerikanischen Kontinent bis Santiago in Chile sind sie zu finden, dazu Gemälde und Statuen auch in Museen. In Peru ist Gertrud Landespatronin zusammen mit Isabella Flores aus Lima (1586-1617), einer Mystikerin, bekannt unter dem Namen Rosa von Lima. Eine Frau mit offenem Herzen, darin der menschgewordene Sohn Gottes als schwaches Kind, stellt ein sprechendes Gegenbild zum Konquistador dar, der die Indios erst unterjocht, viele zu Tode schindet, um dann die Verbliebenen zu bekehren. Hat nicht Gertrud von Nivelles fromme Mönche ins Land geholt, um den Neubekehrten die biblischen Schriften auszulegen? Sah Gertrud die Große nicht die Kommunionbank am Eingang der Kirche, weil Christus in den Glaubenden Gestalt annehmen will (Gal 2,0; 4,19), wozu die häufige Kommunion notwendiges Lebensmittel ist. Christ-werden dauert ein Leben lang, das sehen wir deutlich im Leben Gertruds der Großen. Immer wieder neu müssen wir die biblischen Schriften lesen, sie uns auslegen lassen. „Brannte nicht unser Herz, als er uns auf dem Weg die Schrift auslegte?“, damit stärkten sich die Emmausjünger gegenseitig nach ihrer ersten Begegnung mit dem Auferstandenen, als er sich ihren Blicken entzogen hatte. Im ersten Petrusbrief wird eine Gemeinde der jungen Kirche ermahnt: „Gebt Zeugnis von der Hoffnung, die euch erfüllt“ (1 Petr 3,15), so ein Hoffnungszeichen ist das wieder errichtete Kloster in Helfta, solche Hoffnungszeichen sollten auch unsere Gemeinden sein.

Erentrud Kraft

1 Zit. Nach Gertrud von Helfta, Exercitia spiritualia. Geistliche Übungen, hg. u. übers. Siegfried Ringler, Elberfeld 2001