Eucharistie und Kirchengemeinschaft - Ergebnisse der 38. Internationalen Altkatholischen Theologenkonferenz


Die Theologenkonferenz hat sich an ihrer diesjährigen Tagung mit dem Thema „Eucharistie und Kirchengemeinschaft“ beschäftigt. Dabei befasste sie sich vor allem mit dem Verständnis von Eucharistie und Gemeinschaft in der altkatholischen, der anglikanischen und der schwedisch-lutherischen Tradition. Aufgrund der Referate und der daran anschließenden Diskussionen hat die Theologenkonferenz folgende Ergebnisse formuliert:


1. Die Theologenkonferenz hat keine signifikanten Unterschiede zwischen den drei Auffassungen der Eucharistie festgestellt. Alle drei Traditionen lehren die Realpräsenz Christi und den Opfercharakter des Sakramentes der Eucharistie. Als eine von allen gemeinsam verantwortbare Auffassung kann nach Ansicht der Theologenkonferenz folgende Umschreibung formuliert werden:

Die Eucharistie ist einerseits die Vollendung der Eingliederung in die Kirche, die mit der Taufe beginnt, andererseits aber der Vollzug der Anamnesis des Christusgeschehens gemäß dem Auftrag Christi. In diesem Vollzug macht der Heilige Geist gegenwärtig, was Gott in Tod und Auferstehung Jesu Christi für das Heil der Menschen und die Erneuerung der Schöpfung erschlossen hat. Insofern ist die Eucharistie das Sakrament der pilgernden Kirche. Sie selbst hat sakramentalen Charakter, insofern Jesus Christus ihr als Herr gegenüber steht und in ihr als ihr Leben verleiblicht ist.


2. Die Theologenkonferenz ist der Meinung, dass für die Aufnahme von Kirchengemeinschaft ein gemeinsames Verständnis von Taufe, Eucharistie und Amt (dessen Probleme sie nicht eigens thematisierte) als je isolierte Größen nicht genügt. Vielmehr ist auch ein gemeinsames Grundverständnis der Kirche als eine im dreieinigen Gott gründende Gemeinschaft vorauszusetzen, denn nur so bekommen Taufe, Eucharistie und Amt, beziehungsweise die Elemente Schrift und Tradition, die altkirchlichen Glaubensbekenntnisse, die Sakramente und das Bischofsamt in apostolischer Sukzession, ihren Ort im Mysterium der Kirche.


3. Im Blick auf jede Eucharistiefeier ist unbestritten, dass Christus der Einladende ist. Die Einladung zum Mahl impliziert eine verbindliche Gemeinschaft – eben kirchliche Gemeinschaft. Insofern bedingen Eucharistie und Kirchengemeinschaft einander. Anders gesagt: Man kann den einladenden Herrn und die einladende Kirche nicht voneinander trennen.


4. Wo zwei bislang getrennte Kirchen auf Grund eines theologischen Dialogs zur Erkenntnis gekommen sind, dass sie miteinander kirchliche Gemeinschaft aufzunehmen gerufen sind, ist die Eucharistiegemeinschaft Ausdruck dieser kirchlichen Gemeinschaft und zugleich Mittel zu deren Vertiefung auf ihrem Weg in die Fülle Gottes.

Wo „eucharistic sharing“ noch nicht in „voll sichtbarer Kirchengemeinschaft“ gelebt wird, kommt die ein-heitsstiftende Kraft der Eucharistie nicht erkennbar zum Tragen und hängt die Kirchengemeinschaft von einer anderen Größe ab (z.B. von der Übereinstimmung in der Amtsfrage). Auf diese Weise wird auch die Einheit als ein grundlegendes Kennzeichen der Kirche in die (vorläufige?) Unsichtbarkeit verlegt. Dies betrachten wir als ein Problem.


5. Theologisch und pastoral gesehen eine etwas andere Situation liegt da vor, wo getaufte Glieder einer Kirche an der Eucharistiefeier einer anderen Kirche teilnehmen – wie es weithin unsere Praxis ist; denn hier treten nicht zwei Kirchen mit ihrer Lehre und ihrem Bekenntnis in eine Beziehung zueinander. Die damit gegebene Gefahr einer Individualisierung mahnt an, das große Ziel kirchlicher Einheit und Gemeinschaft umso entschiedener anzugehen.


6. Die Theologenkonferenz, an der auch anglikanische Theologen und Theologinnen teilnehmen, erachtet es als wünschenswert, mit der Kirche von Schweden Beziehungen aufzunehmen. Letztere steht wie die Kirchen der Utrechter Union in kirchlicher Gemeinschaft mit den anglikanischen Kirchen von England und Irland und der Philippinischen Unabhängigen Kirche.


Elspeet (Niederlande), 29. August 2003


zurück zum Online-Archiv