Kinder, Kirche und Kappen

Eindrücke vom Kinderkongress

Nach einer sehr langen Zugfahrt von München kamen wir, meine Geschwister, meine Eltern und ich, am 7. August nachmittags in Freiburg an. Dort wollten unsere Eltern den Internationalen Alt-Katholiken-Kongress besuchen. Für die Erwachsenen fand der Kongress schon zum 29. Mal statt, aber heuer gab es zum ersten Mal ein eigenes Programm für Kinder. Also verabschiedeten wir uns in der Jugendherberge, wo unser Kinderkongress stattfand, von unseren Eltern.

Bei verschiedenen Spielen lernten wir die 20 anderen Kinder und unsere vier Betreuer, Sabine und Joachim Sohn, Nicole Dold und Kathrin Salm, kennen.

Am nächsten Vormittag wurde es auch für uns richtig international: Es kamen noch einige Tagesgäste dazu, manche konnten kein einziges Wort Deutsch sprechen! Wir versuchten es also erst mal mit Zeichensprache, andere malten in den Sand. Aber trotzdem haben wir uns alle prima verstanden.

Am Dienstagnachmittag zogen wir trotz strömenden Regens los, um Freiburg zu besichtigen. In Freiburg gibt es etwas Besonderes, was sonst keine Stadt hat, nämlich die „Bächle“. Das sind kleine gemauerte Rinnen im Straßenpflaster, durch die Wasser fließt. Darin ließen wir Papierschiffe schwimmen. Uns wurde gesagt: Wer in ein Bächle tritt, wird später mal eine Freiburgerin oder einen Freiburger heiraten. (Nicht ganz klar ist allerdings, ob das auch gilt, wenn man absichtlich hineintritt.) Unser Koch in der Jugendherberge ist wahrscheinlich auch in ein Bächle getreten, denn er war wohl sehr verliebt, dem Salz in unserem Mittagessen nach zu schließen. Damit unsere Betreuer uns besser wiederfinden konnten, wenn wir in den Bächle spielten, verteilten sie blaue Kappen mit der Aufschrift „@lt-katholisch.de“ an uns. Sie waren so bemüht, keine blaue Kappe zu verlieren, dass wir beinahe mehr geworden wären!

Die Umgebung haben wir von der Schau-ins-Land-Bahn aus gesehen, mit der wir auf einen Berg gefahren sind, und Freiburg von oben von einem Hochhaus aus. Wir waren im Schwimmbad, haben Taschen und T-Shirts bemalt, Kochlöffelmännchen gebastelt und Kickerturniere gemacht.

Neben den Freizeitaktivitäten gab es auch kirchliches Programm. Am Mittwochnachmittag war ein großer Gottesdienst mit so vielen Bischöfen und Pfarrern, wie wir Kinder waren! Natürlich haben wir auch etwas zu diesem Gottesdienst beigetragen: Wir haben das Lied „Halleluja, preiset den Herrn“ gesungen, und jede Strophe in einer anderen Sprache. Fast alle Sprachen waren bei uns Kindern vertreten. Danach haben wir uns das Münster angeschaut und Eis gegessen. Am Freitag gab es für uns eine Führung durch die alt-katholische Kirche St. Ursula und durch die Nonnengruft. Das ist ein Raum unter der Kirche, in dem die Nonnen, die früher hier mal gelebt haben, begraben wurden. Unsere Führerin wusste viele interessante Geschichten über die Gräber und ihre Toten. Danach haben wir auf Papier den Rahmen des fehlenden Deckengemäldes bekommen und sollten uns selbst ausdenken, wie dieses Gemälde wohl mal ausgesehen hat. Wir feierten unseren eigenen Abschlussgottesdienst, dann wurden auch schon die ersten von uns wieder von ihren Eltern abgeholt.

Ich hoffe, dass es beim nächsten Alt-Katholiken-Kongress in vier Jahren wieder so ein tolles Kinderprogramm gibt.

Anna Sachs