Gefunden – aber nicht gesucht

oder: Ein Alt-Katholik auf ungewöhnlichen Wegen


So geschehen vor einigen Wochen in der Wallfahrtsbasilika zu Altötting: Die Basilika ist voller Menschen, die auf den Beginn des festlichen Gottesdienstes warten. Mehrere hundert romtreue Mitchristen sind in stiller Andacht versunken, freuen sich auf die marianische Erbauung, die nun bald beginnen soll oder putzen sich noch ein letztes Mal die Nase, um das heilige Geschehen nicht zu stören. Genau in dem Moment – nur wenige Minuten vor Beginn des Gottesdienstes – tritt einer der Konzelebranten an das Mikrofon und macht eine gewichtige Durchsage: „Liebe Gottesdienstbesucher, hier noch eine wichtige Ansage: Es wurde ein Schlüsselbund mit folgendem Anhänger gefunden: Alt-Katholische Kirche in Deutschland. Das Wort Gottes hören. Das Wort Gottes tun.“ Es wird still in der Kirche. Nach wenigen Minuten tritt der priesterliche Ansager nochmals im festlichen Ornat ans Mikrofon: „Liebe Gottesdienstbesucher, ich weise nochmals daraufhin, dass ein Schlüsselbund gefunden worden ist. Der Schlüsselanhänger trägt die Aufschrift: Alt-Katholische Kirche in Deutschland. Das Wort Gottes hören. Das Wort Gottes tun.“ Öffentlich hat sich niemand geoutet. Der Gottesdienst kann nun nach dieser unangenehmen Störung beginnen: Wunderschön prächtige ... singt die sangesfreudige Gemeinde. Der Schlüsselanhänger, den die alt-katholische Diakonie vor einiger Zeit angeboten hat, hat hier auf einmal an einem etwas ungewöhnlichen Ort eine hohe Werbewirksamkeit bekommen und vielleicht auch einen kleinen Verkündigungsbeitrag in dieser bayerischen römisch-katholischen Hochburg geleistet: das Wort Gottes hören und das Wort Gottes tun.

Ralf Staymann