Die Landauerkapelle

Eine Riesenchance für die Gemeinde Nürnberg

Nach kurzer, intensiver Suche ist es der Gemeinde Nürnberg und ihrem Pfarrer Niki Schönherr gelungen, eine langersehnte Alternative zum Gottesdienstraum in der Rankestraße zu finden“, schreibt Bischof Joachim Vobbe in seinem jüngsten Rundbrief an alle Pfarrämter.

Die Stadt Nürnberg hat zugesagt, die nach ihrem Stifter Matthäus Landauer benannte Nürnberger Allerheiligenkapelle zur sonntäglichen Nutzung als alt-katholische Pfarrkirche zu vermieten. Damit erhält die Gemeinde die einmalige Chance eines Gemeindeaufbaus in der Nürnberger Altstadt, wo sie an anderer Stelle bis zur Kriegszerstörung 1944 alle ihre Gottesdienst feierte.

Nürnberger Gottesdienstorte – eine wechselvolle Geschichte

Gestärkt durch die „Nürnberger Erklärung“ vom 26. August 1870 zu den Lehrsätzen des Erstens Vatikanischen Konzils bildete sich hier schon sehr früh, zunächst als katholische Reformbewegung und in Vereinsform, eine alt-katholische Gemeinde, was in mehrheitlich evangelischen Gebieten eher selten geschah. Dennoch gestaltete sich die Suche nach einem Gotteshaus schwierig, und für lange Zeit war die Gemeinde bei anderen Konfessionen zu Gast: zunächst ab 1872 einmal im Monat in der reformierten Kirche St. Martha, dann zusätzlich in der lutherischen Moritzkapelle, beide in der Nürnberger Altstadt gelegen. Für außergottesdienstliche Gemeindetreffen war die Gemeinde vor allem auf Gaststätten mit Nebenzimmer angewiesen. Im sehr stark kriegszerstörten Nürnberg konnte der Gottesdienst ab 1945 für 18 Monate nur im Wohnzimmer der Pfarrwohnung stattfinden, dann in der Aula des Bauhofs, anschließend abwechselnd in einem Haus in der Bayreuther Straße und im CVJM-Haus.

1950 erhielt die Gemeinde Gastrecht in der lutherischen Peterskapelle. Das über die Gottesdienste hinausgehende Gemeindeleben entfaltete sich vor allem (teils unter dem Protest der Nachbarmieter wegen Ruhestörung) in der nahegelegenen Dienstmietwohnung des jeweiligen Pfarrers mit einem 45 Quadratmeter großen Wohnzimmer.

Seit 1872 hatten alle Gottesdienstorte, so schön sie waren, eines gemeinsam: kaum war der alt-katholische Gottesdienst zu ende, drängten die Besucher des jeweils nachfolgenden Gottesdienstes in teils unwürdiger Weise hinein. Darum hatte die Gemeinde 1975 im dritten Anlauf ein Gemeindezentrum im Erdgeschoss eines Dreifamilienhauses in der Rankestraße erworben, und mit Gottesdienstraum, Gemeinderaum, WC, Teeküche und Büro/Sakristei in teils variablen Raumgrößen ausgestattet. Beinahe wäre das Projekt gescheitert, denn der damalige bayerische Landessynodalrat lehnte den Ankauf einer weiteren Etage im Haus als Pfarrerdienstwohnung ab. In die Bresche sprang Pfarrer Konrad Liebler: unter jahrelangen großen Opfern für die ganze Familie erwarb er den Rest des Hauses, und steckte alle verfügbare Freizeit in den anschließenden Umbau. Auch 42 Gemeindemitglieder und 19 anglikanische Freunde aus Jersey krempelten wochenlang die Ärmel hoch, um der Gemeinde „ein Dach“ zu schaffen. Von außen unterschied sich das neue Zuhause der Gemeinde kaum von den anderen Häusern ringsum. Innen entfaltete sich in der „Hauskirche“ ein reges Gemeindeleben; aber hier erlebte die Gemeinde nach dem Ruhestand von Dekan Liebler auch ein Kommen und Gehen der Seelsorger, und durchlitt manche Schwierigkeit und Krise. Das Gemeindezentrum ist nach 31 Jahren baulich vom „Zahn der Zeit“ angenagt und bedarf einer grundlegenden Sanierung. Alle Pläne und Hoffnungen, das Haus der Gemeinde nach außen stärker sichtbar zu machen, etwa durch den Anbau einer Kapelle im Vorgarten, sind leider am Baurecht gescheitert. Durch die Landauerkapelle ist nun ein erster Schritt geschafft, der Gemeinde wieder im Zentrum von Nürnberg eine Heimat und eine gute Zukunft zu geben. Um die räumliche Umstrukturierung perfekt zu machen, sucht der Nürnberger Kirchenvorstand nun im nächsten Schritt passende Gemeinderäume am künftigen Gottesdienstort. Als weiterer Schritt soll die Etage der Gemeinde in der Rankestraße verkauft oder nach einem Rückbau zu einer Wohnnutzung vermietet werden.

Die Landauerkapelle – ein Kleinod am Laufer Schlagturm

Der 500 Jahre alte wunderschöne Sandsteinbau mit dem Patrozinium Allerheiligen wurde 1506/7 von Hans Beheim dem Älteren, dem Nürnberger Stadtbaumeister der Dürer-Zeit, errichtet. Die kurze, dreischiffige Halle zu zwei Jochen ist von einem Netzrippengewölbe überspannt, das von zwei freistehenden, am Schaft gedrehten Säulen unterstützt wird. Unter der Kapelle befindet sich die Gruft des Stifters Matthäus Landauer, eines in der Metallindustrie tätigen und damit reichgewordenen Nürnberger Bürgers. Einst gehörte zur Ausstattung das „Allerheiligenbild“ von Albrecht Dürer (1508-1511), das sich jetzt im Kunsthistorischen Museum in Wien befindet. In der Kapelle hängt heute eine Kopie. Die Landauerkapelle gehörte einst zu dem Gebäudekomplex der Landauerschen Zwölfbruderstiftung, einer Nürnberger Sozialeinrichtung des Mittelalters. Die Stiftung war von 1510 bis zu ihrer Auflösung 1806 ein Seniorenheim für jeweils zwölf nicht mehr arbeitsfähige, ehelose Handwerker. Ab 1835 nutzte die königliche Kunstgewerbeschule die Gebäude, ferner waren Teile der Städtischen Kunstsammlungen dort ausgestellt. 1900 bezog das Realgymnasium die Räume.

Nach der fast vollständigen Vernichtung der Stiftungsgebäude im Zweiten Weltkrieg wurde von der Stadt lediglich die Landauerkapelle 1956/57 wiederhergestellt und der Eingangsbereich des Willstätter-Gymnasiums angebaut, welches hinter der Kapelle als Neubau auf dem Grundstück der Stiftungsgebäude entstand. Die Kapelle hat seither neben dem Eingang von der Straße noch einen Innenzugang vom Musiksaal der Schule her und ist ausgestattet mit etwa achtzig Stühlen und einem Ambo. Sie wurde in den letzten fünfzig Jahren gelegentlich für Andachten oder für kleinere Konzerte der Schule verwendet. Sie hat noch keinen Altar, weil seit dem Wiederaufbau im Rahmen der genannten Nutzung dort wohl noch nie Eucharistie gefeiert wurde. Unsere Gemeinde wird daher einen zum heute vorhandenen Inventar passenden Altar in Auftrag geben und ihre Orgel einbringen.

Die Nürnberger Alt-Katholiken planen die erste feierliche Eucharistie in der Landauerkapelle mit dem Bischof am Samstag, dem 6. Mai, um 15 Uhr (Innerer Laufer Platz 11a/ Eingang Landauergasse 1).

Niki Schönherr



Eine Bitte des Bischofs

Bischof Joachim Vobbe bittet um ein Solidaropfer aller Gemeinden und gegebenenfalls auch um zusätzliche Einzelspenden von Gemeinden, Verbänden und Privatpersonen für die räumliche Umstrukturierung der Gemeinde Nürnberg auf das Konto des Bistums bei der Sparkasse Köln-Bonn Nr. 7 500 838 BLZ 380 500 00 mit dem Vermerk „Nürnberg“ zu überweisen. Die Gelder werden dann ohne Abzüge an die Nürnberger Gemeinde weitergegeben. Steuerwirksame Spendenbescheinigungen werden gerne erteilt.