Wenn Masken und Mauern fallen - Gedanken zu Fastnacht und Fastenzeit


Haben Sie schon in Ihrem Fastnachtskoffer gesucht und sich gefragt, welche Maske Sie in diesem Jahr an den tollen Tagen tragen wollen? Ich finde es herrlich nachzuschauen, was sich in den vergangenen Jahren so an Kostümen angesammelt hat und auf welche Verkleidung ich jetzt gerade Lust habe. Nicht jede und jeder ist ein Fastnachtsnarr. Vielleicht haben Sie gar keinen Fast-nachtskoffer und fahren über diese Tage lieber in Urlaub, um dem ganzen Rummel zu entfliehen. Auch gut.

Trotzdem haben Masken etwas Faszinierendes – finde ich. Sie helfen uns, in andere Rollen zu schlüpfen, Träumen nachzuhängen und mal Narrenfreiheit zu genießen. Ein Stück weit erlauben Masken auch, Ferien vom eigenen Ich zu machen.


Bedrohlich


Gleichzeitig sind Masken auch immer etwas Bedrohliches. Es gibt schreckliche Fratzen, die z.B. in der schwäbisch-alemanischen Fastnacht getragen werden. Noch bedrohlicher finde ich, dass Masken wie Verstecke sein können. Ich kann die oder den, der dahintersteckt, nicht gleich erkennen. Ich weiß nicht sofort, mit wem ich es zu tun habe. Das schafft Distanz und kann wie eine Mauer sein, die zwischen uns steht.


Demaskieren und Bloßstellen?


Dieses Wort klingt sehr hart. Es bedeutet so viel wie: Die Maske vom Gesicht reißen.

Im Neuen Testament gibt es einige Geschichten, die davon erzählen, dass Jesus bestimmten Leuten die Maske vom Gesicht reißt. Man ist versucht mit dem Kopf zu nicken und zuzustimmen, denn die, denen Jesus so begegnet, haben es nicht anders verdient. In all diese Geschichten geht es aber nie darum, Menschen bloßzustellen und zu blamieren. Niemand soll am Ende schutzlos dastehen, so dass die anderen mit dem Finger auf ihn zeigen und ihn auslachen können. Das würde dem Bild von Gott widersprechen, das uns durch Jesus vermittelt wird. Es geht immer darum zu zeigen, dass sich Gott um jeden Menschen sorgt. Jeder und jedem soll geholfen werden, freier und ehrlicher leben zu können.


Helfen


Masken können ja auch Hilferufe sein; sie können sein wie Mauern, hinter denen sich jemand eingeschlossen und einsam fühlt. Wir alle müssen Rollen spielen und sind immer in Gefahr, uns dabei auch zu verstecken. Und dabei wünschen wir uns doch, offener und ehrlicher leben zu können. Ehrlichkeit vor sich selbst und anderen, das kann eine harte Sache sein. In den Spiegel schauen und sehen wie ich bin, das kann an die Nieren gehen. Aber darin liegt eben auch eine große Chance.


Eingeladen


Vor Gott brauchen wir keine Masken. Er sieht uns so wie wir sind und er nimmt uns so wie wir sind. Bei Gott zählt, wer ich bin und nicht, was ich scheine oder vorgebe zu sein. Die ganze Kraftanstrengung, Fassaden aufzubauen und aufrechtzuerhalten oder hinter einer Maske nicht erkannt zu werden, sind vor Gott unnötig. Wenn ich es wage, mich darauf einzulassen, dann kann ich erfahren, dass mein Leben freier und ehrlicher wird, dass ich offener und gelassener leben kann und auch, dass mir andere Menschen ehrlicher und offener begegnen. Die Fastenzeit ist eine Einladung, diese Chance unseres Glaubens zu nutzen.


Thomas Walter


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