Oh wie schön ist Panama

Weltgebetstag 2004


Kinder, aber nicht nur Kinder, denken beim Stichwort Panama sicher sofort an den reiselustigen Tiger und den Bären von Janoschs Kinderbuch „Oh wie schön ist Panama“. Modebewussten Menschen fällt vielleicht der Panamahut ein. Den meisten Menschen aber wird wahrscheinlich der Panamakanal in den Sinn kommen. Dieser rückte im vergangenen Jahrhundert das mittelamerikanische Land zwischen Costa Rica im Westen und Kolumbien im Osten, zwischen dem Karibischen Meer im Norden und dem Pazifik im Süden immer wieder in das Blickfeld internationaler Berichterstatter.

Am ersten Freitag im März werden weltweit die Blicke unzähliger Menschen auf Panama gerichtet sein. Frauen aus diesem Land haben die Weltgebetstagsliturgie 2004 erarbeitet. Sie bezeichnen die Republik Panama als den Mittelpunkt des Universums und erzählen von ihrem Leben und ihrem schönen Land, berichten von der wunderbaren Vielfalt der Landschaften, Wälder, Strände, Bergen und Flüsse und dem unglaublichen Reichtum an Tieren und Pflanzen. Der Name Panama stammt aus der indigenen Sprache und meint den „Reichtum an Fischen und Schmetterlingen“.

Brückenland


Wegen seiner besonderen geographischen Lage wurde das kleine Land lange vor dem Kanalbau ein Dreh- und Angelpunkt, eine Brücke zwischen Pazifik und Atlantik, ein Verbindungsstück zwischen Südamerika einerseits und Mittel- und Nordamerika andererseits. Aber wegen dieser geographischen Schlüsselposition wurde Panama auch immer wieder zu einem Zankapfel der europäischen und amerikanischen Großmächte. Jahrhundertelang wurde das Land, seine Lage und seine Bevölkerung ausgenutzt: zuerst waren es die spanischen Eroberer, dann Kolumbien und schließlich die USA. Jedoch war Panamas damalige politische Führung nicht unschuldig an dieser Entwicklung. Sie war schwach und labil, vor allem auf eigenen Profit bedacht und agierte hochgradig korrupt und diktatorisch, bevor die Demokratisierung begann. Der Kanal und auch die Präsenz der Amerikaner haben Panama dazu verholfen, ein relativ wohlhabendes Land zu werden.

Allerdings ist der Reichtum äußerst ungleich verteilt. Die schleichende Verarmung breiter Bevölkerungsschichten gefährdet den zivilen Frieden dieses mittelamerikanischen Landes. Deshalb ist die dringendste Aufgabe der jungen, endlich unabhängigen Demokratie, die soziale Ungerechtigkeit im Land abzubauen.


In einem Interview zur Frage „Wie sind Ihre Eindrücke von Panama?“ antwortete Janosch der Kinderbuchautor: „Gut, soweit ich aus einem Hubschrauber über die Inseln flog und diese Hippies mit ihren Segelbooten auf dem Meer herumschippern sah und auch, was das Wetter angeht; nur ein wenig zu heiß ist es. Ansonsten schien es mir hart aufgeteilt zu sein: hier die ganz Reichen und da die ganz Armen, aber was ich darüber denke, gehört dann in eine andere Befragung mit lebensgefährlichen Antworten.“

Die Kirchen, gleich welcher Konfession, sind Ansprechpartner für alle sozialen Anliegen. Krankenhäuser, Schulen, Kindergärten und die Missionsstationen in den ländlichen Gebieten gelten als Ausdruck christlicher Nächstenliebe, deren Angebote gerne angenommen werden – gerade in einer Zeit des Umbruchs, die Panama gerade erlebt.

Etwa 80 Prozent der Bevölkerung sind Katholiken, 15 Prozent gehören protestantischen Kirchen an. Außerdem gibt es asiatische Religionen und jüdische Gemeinden. Neben den traditionellen Kirchen gibt es eine unübersehbare Zahl von unabhängigen, sich selbst finanzierenden Gemeinden, die sich regelmäßig in Privatwohnungen, Büroetagen oder mehr oder weniger ansehnlichen Kirchen treffen. Eine Frau erklärt sich dieses Phänomen mit: „Wir sind eben fromme Leute“. Eine andere meint: „Immer, wenn wir mit dem Pastor unzufrieden sind, gründen wir eine neue Kirche.“ Wahrscheinlich ist an beiden Meinungen etwas Wahres.


Panamas Frauen


Die Situation der Frauen ist sehr unterschiedlich, je nachdem, ob sie in der Großstadt oder in den ländlichen Gebieten wohnen. Aber in einem sind fast alle Frauen vereint, nämlich im Stolz auf ihre Präsidentin, auch wenn sie politisch nicht mit ihr übereinstimmen. Eine Präsidentin zu haben macht den Frauen Mut. Den jungen Mädchen wird gesagt: „Wenn ihr euch anstrengt, könnt ihr auch etwas Ordentliches werden.“ Es gibt eine wachsende Gruppe selbstbewusster Frauen, die, gut ausgebildet, anspruchsvolle Berufe ausüben. Anders als ihre Mütter, für die die Familien im Vordergrund standen, wollen sie beides: Familie und Arbeit - und unabhängig sein. Ein Großteil der panamaischen Frauen, vor allem auf dem Land, arbeitet in traditionellen Frauenberufen, wie Hausangestellte, Verkäuferinnen oder Plantagenarbeiterinnen. Frauen sind in Panama schon seit langem organisiert und erkämpften sich unter anderem eine moderne Gesetzgebung zur Gleichstellung, die auch gegen jede Art von Diskriminierung und Gewalt gegen Frauen vorgeht.

Die meisten Menschen in Panama haben keine hochfliegenden Träume. Sie wünschen sich Sicherheit, Frieden und ein bescheidenes Maß an persönlichem Wohlstand.

Die Christinnen haben signalisiert, dass sie bereit sind, dabei mit anzupacken. Ihr Motto für den Weltgebetstag 2004 lautet: „Im Glauben gestalten Frauen Zukunft“.

Zukunft heißt Verantwortung übernehmen. Dazu braucht es Vertrauen, Hoffnung und Glauben. Ohne Vertrauen lässt sich Zukunft nicht gestalten. Eileen King, die Präsidentin des internationalen Weltgebetstagskomitees schreibt dazu: „Die Frauen aus Panama laden uns dazu ein, auf vielfältige Weise Einfluss zu nehmen. Im Gebet werden wir bedenken, wie Frauen durch ihren Glauben und ihre aktive Tat Gottes Plan für eine sichere Welt umsetzen, damit Kinder satt werden, junge Leute eine Chance im Leben bekommen, Eltern Unterstützung erhalten und die Rechte der älteren Menschen respektiert werden. In einer solchen Zukunft kann das ganze Haus Gottes in Frieden leben.“

Am 5. März 2004 wird überall an unseren Wohnorten der Weltgebetstag mit dem Thema „Im Glauben gestalten Frauen Zukunft“ gefeiert. Die panamaischen Frauen rechnen mit unserer Solidarität.


Anneliese Harrer

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