Der Tiger auf dem Sprung

Philippinen-Forum setzt auf Vernetzung



Anfang Oktober lud das Eine-Welt-Netz NRW, ein vom Land Nordrhein-Westfalen unterstütztes Netzwerk, zum 1. Philippinen-Forum ins Landesministerium für Umwelt und Naturschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz ein. Diese von der „Stiftung Umwelt und Entwicklung“ geförderte Institution hat es sich zur Aufgabe gemacht, Vernetzungsstrukturen aufzubauen, unterschiedliche Hilfsorganisationen miteinander in Kontakt zu bringen, den Austausch zu fördern und Informationen sowie Praxishilfen und Know-how zum Thema Philippinen zu vermitteln.


„Die Arbeit für die Philippinen soll in NRW effektiver werden“. Dies betonte Ernst-Christoph Stolper, der Vertreter des Landesministeriums, der weit über 40 Vertreter unterschiedlicher Hilfsorganisationen im Sitzungsraum 402 - gerade neben dem Störfallbüro für den Smogalarm - begrüßte.


Eingeladen waren 25 Organisationen mit recht unterschiedlichen Arbeitsschwerpunkten. Terre des hommes war genauso vertreten wie Amnesty International, die großen Kirchen mit ihren diakonischen Werken kamen ebenso zu Wort wie die erfahrene Steyler Missionsschwester Hedwig Maria Fischer und Vertreter vieler regionaler und privater Hilfskreise und -projekte. Auch von Philippinos getragene Hilfsorganisationen wie das Philippine Women´s Network Babaylan oder die Migrant Vote Initiative Akbayan waren zugegen.


Die Missionsprojekte unseres alt-katholischen Bistums vertrat André Golob, der Gelegenheit bekam, in Kürze die alt-katholische Kirche und ihr Engagement auf den Philippinen vorzustellen und auf die Geschichte der Aglipay-Kirche (IFI) hinzuweisen. Auf Interesse stieß die Tatsache, dass die Iglesia Filipina Independiente mit ihren fast sechs Millionen Mitgliedern die größte, von Rom unabhängige katholische Kirche der Welt ist. Über Golobs Ausführungen freute sich ganz besonders eine philippinische Vertreterin aus Ratingen, deren Eltern selbst zur Aglipay-Kirche gehören.


Vielseitiges Engagement


Das Engagement der geladenen Organisationen umfasst eine beachtenswerte und beeindruckende Palette an Hilfsaktionen und reicht vom Engagement für Straßenkinder, über die Unterstützung einzelner Landwirtschaftsprojekte, bis hin zur Städtepartnerschaft. Ein wenig überraschend war für den Vertreter unserer Kirche die Tatsache, dass sich kaum eines der anwesenden Hilfswerke auf der Insel Palawan engagiert. Dennoch, so kam zum Ausdruck, sind auf dem Inselstaat die Probleme fast überall die gleichen: Armut, Hunger, Ausbeutung, Rechtlosigkeit und Naturkatastrophen gehören zu den größten Übel auf den Philippinen. 61 Prozent der Bevölkerung sind arm; davon gelten 47 Prozent als sehr arm, d.h. sie haben täglich umgerechnet nur einen Dollar zur Verfügung. 15 Prozent aller Haushalte leiden Hunger.


Verhaltener Optimismus


Einen Überblick über die aktuelle Situation und die politische und wirtschaftliche Entwicklung vermittelte Dr. Schneider von der Düsseldorfer Heinrich-Heine-Universität. Er thematisierte auch die Problematik des islamistischen Terrors in einigen Teilen des Inselstaates wie z.B. Mindanao, betonte aber, dass es sich hierbei nicht um ein Problem religiöser, sondern allein ökonomischer Natur handele. Beherrscht werde das Land von einer kleinen Oligarchie, die zum Teil sogar Vorteile aus solchen Konflikten ziehe. Die Zukunft der Philippinen bewertete Dr. Schneider als positiv. Das Land sei wie ein Tiger vor dem Sprung. Ökonomisches Potential wie Gold- und Kupfervorkommen seien vorhanden und auch der Tourismus stelle eine Chance auf allgemeinen Wohlstand dar. Doch ohne Kontrolle und Einflussnahme westlicher Nationen und Hilfswerke sei die Hoffnung gering.

Alles in allem kann von einer erfolgreichen Tagung gesprochen werden. Neben den vielen Informationen hat das Treffen einen beeindruckenden Überblick über die mannigfaltigen Hilfsaktionen, die von NRW aus koordiniert werden, bieten können. Nun muss die Zukunft erweisen, inwieweit auch das Philippinen-Forum die Effektivität dieser Engagements potenzieren kann. Der Konsul der Philippinen, der während der gesamten Versammlung zugegen war, bedankte sich zum Abschluss der Sitzung für die vielseitige Hilfe und die dadurch zum Ausdruck kommende Sympathie für sein Volk.


André Golob