Glücksfall oder Rheinfall? - Das Internationale Altkatholische Laienforum


Der geneigte Leser wird gebeten, den Buchstaben h im Wort Rheinfall zu beachten. Über einen Reinfall des Internationalen Forums kann zum Glück nicht berichtet werden, dafür von der krönenden Abschlussreise zum Rheinfall, in den außer dem jungen tschechischen Organisten sonst niemand hineingefallen ist.


Mittwochnachmittag, vor der Augustinerkirche in Zürich: Die christkatholische Freundesschar aus Tschechien, Österreich, Deutschland und der Schweiz wurde mit alpenländischen Klängen von zwei Alphornbläsern empfangen. Mit Taizéliedern betraten wir die Kirche und ein wunderschön gestalteter Gottesdienst nahm seinen Anfang, der mit einem besondern Glockenspiel ein- und ausgeläutet wurde. Während Elisabeth Burri die Gesamtgestaltung des Gottesdienstes oblag, musizierte ihr Bruder Daniel, alternierend mit Urs Schmitt, auf der Orgel und begleitete die innigen Soli zweier junger Sängerinnen. Christoph Führer begrüßte im Namen des Pfarrkonvents und geleitete uns als Priester durch den mit vielen Gesängen geschmückten Gottesdienst.


Nach einem festlichen Eröffnungsessen fanden in der Münz abends die Eröffnungsgespräche statt. Lisbeth Borer hatte das gesamte Treffen konzeptionell hervorragend vorbereitet und eröffnete den Abend mit der Aufforderung, jeder möge als Symbolhandlung ein Tuch seiner Wahl nehmen und damit an einer Spirale mitformen, die vom Außenrand immer mehr in die Tiefe, ins Zentrum führt. In diesen Kern wurde eine Wasserschale hingestellt mit einem Krug zum Nachgießen; Wasser als Ausdruck des Lebens, der Bewegung, der Hoffnung, der Taufe. Mit der Tuchwahl teilte man den Anwesenden auch noch seinen Namen und das Herkunftsland mit und derart verschmolz die Runde zu einem Ganzen.


Am Samstag gestaltete Peter Kronawitter aus Linz, zusammen mit Dr. Sieghard Straka aus Graz, eine von Sinn und Geist erfüllte Morgenfeier, mehr auf das Wort bezogen. Bei den Tschechen hingegen, die am Samstagvormittag in der Christuskirche die Morgenandacht durchführten, spürte man die ihrer Mentalität eigene Musikalität und Kreativität.


Das Wichtigste


Das Konferenzthema war: „Kirchesein im 21. Jahrhundert aus der Laiensicht“.

Die Konferenzleitung hatte eine glückliche Hand, als sie zwei Referenten für den Freitagvormittag berief, die christkatholisches Urgestein verkörpern; die Pfarrfrau Lisbeth Frei einerseits und Ruedi Moll, langjähriger Kirchgemeindepräsident von Starrkirch, andererseits. Ruedi Moll hat der Kirche treu gedient, über 30 Jahre als Kirchgemeindepräsident am Ursprungsort unserer Kirche, in Starr-kirch. Sein Motto: Sei immer in der Gegenwart, aber immer mit Blick auf die Zukunft.


Ruedi Moll wie auch Ursula Frei waren eingeladen, eine Kerze zu entzünden und einen Stein zu setzen. Ursula Frei legte eine brennende Duftkerze und den Stein ins Wasserbecken: Sie empfinde Licht als Hoffnungssymbol für die Zukunft und erwarte, dass Erstarrtes in der Kirche noch mehr zu bröckeln beginne, dass man aus den Konventionen ausbreche. Mutig und fortschrittlich war ihr Bekenntnis. Mit lebendigem Wasser in der Hand könne sie keine Bitternis empfinden, trotz vielfacher Widerstände.


Beide Referenten stellten die großen Veränderungen in der Religiosität der heutigen Zeit fest: Ein riesiges theologisches Angebot in diffusen Richtungen überflutet beliebig die Menschen, die sich oft eine Patchwork-Religion zusammenschustern und nirgendwo zugehörig sind. Die Menschen sind die Kirche, sie kann nur bestehen in der gemeinsamen Suche nach dem Zentrum, im aktualisieren der Bibel, in der Ökumene, mit dem Mut, neue Formen auszuprobieren, in der Solidarität der Alten mit den Jungen, im Mut des Austausches. Mit dem Appell von Ursula Frei „Wir sind lebendig und formbar, wir müssen das Leben weiter tragen“ endete der Freitagvormittag.


Gruppengespräche


Am Nachmittag standen Gruppengespräche auf dem Programm. Auszugsweise seien hier einige Diskussionspunkte aufgezählt:

- Auf der Suche sein ist wichtig! Aber wollen wir auch finden?

- Jesus sagt: „Mein Reich ist nicht von dieser Welt!“ Kirche soll jedoch IN dieser Welt sein.

- „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.“ Reichen zwei oder drei oder müssen es nicht 20 oder noch besser Millionen sein?

- Nicht die Kleriker sind das Problem, sondern der Klerikalismus!

- Wir sind heute wieder bei frühkirchlichen Umständen angelangt: eine säkularisierte, individualisierte, egoistische Welt braucht dringend die christliche Gemeinschaft!

Die Gemeinschaft traf sich nicht nur in Gebet, Arbeit, Stadtrundgängen, Glockenstuhlbesichtigungen in der St. Annakirche, sondern natürlich auch zu frohen Verschnaufpausen in der Münz, wo sie von Herrn und Frau Strebel und Helferinnen aus unserer Gemeinde kulinarisch verwöhnt wurden. Dani Burri griff in die Tasten und zauberte, zusammen mit Ulrico Gaggioni am Bass, ein Potpourri schöner Schweizer Lieder als Untermalung für die Tafelrunde. Aber auch der junge Prager Organist Tomás Flégr improvisierte auf dem Flügel mit leichter Hand.


Eingeplant war am Samstag die Fluchtbewegung aus der von der „Street Parade“ erfüllten Stadt Zürich nach Oerlikon. Dort wurden die abschließenden Gespräche durchgeführt und im Garten wurde die gesamte Laienschar von Frau Hertig und Herrn Milosavljevic mit Grillspeisen herrlich versorgt. Den abschließenden Dank sprach Ernst Felchlin im Namen des Schweizerischen Laienforums an viele gute Geister aus, besonders aber an Elisabeth Burri für die Planung und an Lisbeth Borer für die umsichtige, weitsichtige, feinfühlige Führung durch die Tagung.


Da galt es schon aufzubrechen zu einem der Klassiker der Schweiz, zum Rheinfall, und weiter bis zum Kloster Rheinau. Der junge Organist Tomás Flégr schwamm mit Begeisterung im Rhein und spielte mit noch mehr Begeisterung ein Orgelrezital auf einer Barockorgel vom Jahr 1715.


Der Apéritif wurde auf Einladung der dortigen Kirchgemeinde im Kreuzgang Allerheiligen, Schaffhausen, eingenommen. Eine Vesper in der St. Anna-kapelle und meditative Stille im Kreis im gewaltigen romanischen Münster Allerheiligen waren tiefe Eindrücke dieser Reise.

Zwei festliche Essen, das Abendessen in Schaffhausen und am Sonntag in der Münz nach dem Schlussgottesdienst, beendeten das Laienforum. Nach Hause nehmen konnten die Freunde aus dem Ausland und der Schweiz verstärkte freundschaftliche Bindungen, Erinnerungen an ein sonnenstrahlendes christkatholisches Zürich und, vom Frauenverein liebevollst gestaltet, ein blaues Kartonmäppchen mit der weißen Friedenstaube und zwei irischen Segenssprüchen.


Jörg M. Dietschi


Freiwilligkeit erhalten - Abschließende Diskussion und Resultate über die Zukunft des Laienforums


Die Internationale Bischofskonferenz (IBK) ist ein Gremium von Bischöfen, die ihre Kirchen als Ganzes vertreten. Deshalb ist weder eine Vertretung der Laien darin vorgesehen, noch wird sie als notwendig erachtet. Eine synodale Struktur der IBK ist deshalb nicht gegeben. Die Selbständigkeit der einzelnen Kirchen ist zu bewahren. Auf dieser Ebene der Ortskirchen muss der Einbezug der Laien geschehen, im jeweiligen nationalen und synodalen Kontext.


Auch wenn eine synodale Struktur immer wieder als „Markenzeichen“ der Alt-Katholischen Kirchen auf allen Ebenen gewünscht wird, ist sie mit der heutigen Funktion der IBK nicht vereinbar. Am Alt-Katholikenkongress 1990 in Genf verwarf man deshalb die Idee eines Laienrates zu Gunsten der offenen Form „Laienforum“, also keine internationale Organisation in Richtung Zentralismus.


Die heutige Freiwilligkeit der Teilnahme ist die positive Befruchtung des Laienforums, der relativ häufige Wechsel der Teilnehmenden und damit die fehlende Kontinuität und Wirksamkeit in den einzelnen Kirchen aber ein Nachteil. Mit benannten Vertretern in den Ländern könnte diese Kontinuität gewahrt bleiben.


Die Institutionalisierung des Laienforums ist nicht der Weg der Zukunft (Freiwilligkeit notwendig). Ein Gegenpart zur IBK wird von der IBK selbst nicht gewünscht. Im Moment ist auch kein Problem so stark, dass man eine Laien-Einrichtung als Pendant zur IBK unbedingt braucht.


Entscheide


Die offene Form des Laienforums mit privater Teilnahme aus eigenem Engagement soll bleiben. Sie ist so vor allem auch wichtig als Orientierungshilfe für Neu-Eingetretene.


Es soll im kommenden Jahr versucht werden einen „beständigen Ausschuss“ mit Landesvertretern zu schaffen, die sich zwischenzeitlich treffen und eine minimale Organisation garantieren können.

A - Peter Kronewitter

CH - Lisbeth Borer + Esther Blümle

NL - Adrie Paasen

CZ - Josef König, sucht Nachfolge

D - Dr. Rosch sucht eine Vertretung

Entsprechende Vertretungen aus Italien, Kroatien, Polen und die Slowakei sind erwünscht.


Um eine finanzielle Basis zu schaffen, könnte der „Verein Laienforum Schweiz“ für Mitglieder aus dem Ausland geöffnet werden, bzw. es werden in den einzelnen Ländern entsprechende Vereine gegründet.


Die Utrechter Union erstellt ein neues Internetportal; auch das Laienforum wurde für eine Website angefragt. Das Angebot wird gerne angenommen und die bestehende Site aus den NL aufgegeben. Es sollen keine anderen Kanäle mehr benützt werden. Verantwortlich ist Peter Kronewitter (A) mit Unterstützung aller Landesvertreter; die Organisation läuft über UU.


Nächstes Laienforum:

Donnerstag, 12. bis Sonntag, 15. August 2004 (immer Woche Maria Himmelfahrt).

Beschlossenes Thema: „Das Gesicht der alt-katholischen Kirche des 21. Jahrhunderts in der Öffentlichkeit“.

Ort: Vermutlich Österreich. Rücksprache mit AKÖ bzw. KG Linz.


Es wird versucht, mit gezielter Unterstützung auch Laien aus den Kirchen von Polen, Slowakei, Italien und Kroatien die Teilnahme am Laienforum zu ermöglichen. Auch Gäste aus anderen Konfessionen sind willkommen.


Oerlikon, Samstag, 9. August 2003


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