Hospiz- und Lebensbegleitung

Arbeitskreis „Hospiz- und Lebensbegleitung“ in der Alt- Katholischen Diakonie


Auf der diesjährigen Mitgliederversammlung der Alt-Katholischen Diakonie in Deutschland am Rande der 55. Bistumssynode in Mainz wurde ein Arbeitskreis „Hospiz- und Lebensbegleitung“ gegründet. Im nachfolgenden Beitrag möchte ich das dahinter stehende Konzept sowie das Arbeitsprogramm des neu gegründeten Arbeitskreises vorstellen.


Den Gedanken fruchtbar machen


Hospize und der Themenkreis „Lebensbegleitung“ sind als Themen derzeit überaus populär. So findet die Internet-Suchmaschine „Google“ unter den Stichworten Hospiz, Lebensbegleitung über 36.000 (!) Seiten. Mittlerweile existiert auch in Deutschland ein relativ dichtes Netz von ambulanten und teilweise auch stationären Hospizen.


Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage nach dem Sinn eines weiteren Arbeitskreises zu diesem Thema. Ein mögliches Missverständnis sei bereits zu Beginn ausgeräumt. Die Gründung eines Alt- Katholischen Hospizes ist definitiv nicht das Ziel unserer Arbeit. Wenn es jedoch gelingt, den Hospizgedanken in unseren Gemeinden für den Umgang mit Kranken, Sterbenden und ihren Angehörigen fruchtbar werden zu lassen, ist schon viel gewonnen.

Hospiz und Hospizbewegung stehen seit einigen Jahren auch in Deutschland ganz allgemein für ein neues Verständnis der Sorge um den kranken, sterbenden Menschen. Diese Sorge umfasst nicht nur die kompetente Handhabung und Weiterentwicklung des gesamten Spektrums der modernen Palliativ- und Schmerzmedizin zum Nutzen des Patienten, sondern auch die Berücksichtigung seiner psychischen, sozialen und gerade ausdrücklich auch seiner spirituellen Bedürfnisse. Das Sterben wird als „Teil des Lebens“ anerkannt und ein „Leben in Fülle bis zum Tod“ angestrebt. Die Angehörigen des Kranken und Verstorbenen werden in diesen Prozess der Sorge mit einbezogen und in ihrer Trauer nicht alleingelassen. Das Hospiz ist auch ein Ort der Trauerarbeit.


Eine Gegenbewegung


In einen größeren kulturellen Kontext gestellt, ist die Hospizbewegung als eine Gegenbewegung zu verstehen. Ungeachtet aller Fortschritte der Naturwissenschaften und Medizin wird immer noch gestorben. Und ein Sieg über den Tod ist nicht absehbar. Aber das Sterben ist heute anders geworden als in früheren Zeiten. Tod und Sterben sind aus der Mitte des Lebens an seinen Rand gedrängt worden. Es ist auch ein Erfolg unserer Moderne, nicht mehr alltäglich und unmittelbar mit Tod und Sterben konfrontiert zu werden wie in alten, gar nicht guten Zeiten, als jede Geburt noch eine Sache auf Leben und Tod war, wie ein Blick in alte Kirchenbücher zeigt. Gestorben wird heute sehr oft abseits des normalen Lebens, im Krankenhaus, auf der Straße, im Fernsehen. Das Sterben ist uns fremd geworden, entsprechend schwierig ist der Umgang mit dem Todkranken und Sterbenden. Er bleibt allein in seiner Angst und Verzweiflung. Alleingelassen sind oft auch die Angehörigen in ihrer Trauer.

Die traditionellen Formen der Sterbebegleitung oder Trauerarbeit und ihre frommen Rituale, ebenfalls fremd und ungewohnt geworden, erreichen nur noch wenige Menschen. In einer glaubensfernen, säkularen Welt ist auch das Wissen um den „guten Tod“, den eigenen wie den des Nächsten, selbst vielen überzeugten Christinnen und Christen nicht mehr geläufig.

Die Hospizbewegung will diesen Entwicklungen entgegenwirken, auch ohne ausdrückliche Berufung auf eine christliche Weltanschauung oder gar theologische Begründung. Sie trifft sich aber in ihren Absichten und Zielen mit einem zentralen Anliegen christlicher Diakonie: Sorge für den Kranken und Trost für die Trauernden.


Dienende Sorge


Es ist das Ziel unseres Arbeitskreises, diesen Dienst für den Kranken, Sterbenden und seine Angehörigen in einem neuen, umfassenderen Sinne als bisher üblich zu definieren und konkrete Vorschläge für die Praxis in unseren Gemeinden zu machen. Bei diesem Vorhaben stand der Hospizgedanke Pate: Sterben als Teil des Lebens zu begreifen und Leben in Fülle, auch spiritueller Fülle bis zum Tode zu ermöglichen. Darum: Arbeitskreis für Hospiz und Lebensbegleitung. Dienende Sorge für Kranke erschöpft sich nicht im gelegentlichen Besuch des Pfarrers in unseren oft sehr großräumigen Gemeinden und der (seltenen!) Spendung der Krankensalbung, im Volksmund immer noch letzte Ölung oder Sterbesakramente genannt, wenn „es zu Ende geht“. Jeder Mitchrist ist gefordert. In jeder Gemeinde sollte ein Besuchsdienst für Kranke und Alte entstehen. Nur so kann es gelingen, Kranke und Alte vom Rand in die Mitte unseres Lebens als Kirche zu holen. Der Arbeitskreis möchte mithelfen, die Voraussetzungen hierfür zu schaffen in Form von Materialien und Handreichungen für die Schulung auf diesem Feld der gemeindlichen Arbeit. Für die Begleitung am Krankenbett existieren zum Teil bereits sehr schöne Vorlagen, wie die von Diakon D. Schwarz zusammengestellten „Gebete in schweren Zeiten“. Der Arbeitskreis wird solche Vorlagen und Entwürfe sammeln und den Gemeinden zur Verfügung stellen.

Ein weiterer Schwerpunkt unserer Arbeit wird es sein, die Idee und Praxis der bereits mancherorts in unseren Gemeinden sowie in der Ökumene gefeierten Salbungsgottesdienste einem größeren Kreis bekannt zu machen, um so auch die sakramentale Dimension der Sorge für den Kranken wiederzugewinnen. Denn seinem Selbstverständnis nach geht der Salbungsgottesdienst über die bislang geübte Praxis der Krankensalbung hinaus, indem das sakramentale Salbungsgeschehen, verstanden als zeichenhafte Zusage von Heil und auch Heilung, aus dem privaten Raum in die Mitte der Gemeinde und somit in die Mitte des christlichen Lebens zurückgeholt wird. Dass dies keine Entwertung der traditionellen Krankensalbung bedeutet, die nach wie vor ihre Bedeutung hat, versteht sich von selbst. In diesem Zusammenhang sei daran erinnert, dass entsprechend altkirchlicher Praxis die Spendung der Krankensalbung auch in unserer Alt-Katholischen Kirche eine diakonale Aufgabe sein kann. Hinsichtlich der Gestaltung und Durchführung der Salbungsgottesdienste existieren unterschiedliche Vorschläge und Modelle. Der Arbeitskreis wird diese sammeln, bearbeiten und den Gemeinden zur Verfügung stellen. Sehr wünschenswert wäre es, wenn – vielleicht im Rahmen eines Workshops – unterschiedliche Modelle auch erprobt würden.

Bei aller Sorge um den Kranken und Sterbenden dürfen wir nicht die Angehörigen aus dem Blick verlieren. Ihnen in ihrer Trauerarbeit beizustehen, sie nicht allein zu lassen, sondern sie durch die Trauer wieder in das Leben zu begleiten, ist genauso wichtig wie die Sorge um die Kranken selbst. Oft belasten gerade bei schweren Erkrankungen nach langer, Kräfte zehrender häuslicher Pflege Schuldgefühle die Trauerarbeit der Angehörigen, wenn der Tod eines geliebten Menschen eben zunächst als Erleichterung und Entlastung empfunden wird. Gerade diese Gefühle werden oft noch tabuisiert. Nun gibt es zwar mittlerweile professionell ausgebildete Trauerbegleiter. Selbstverständlich will der Arbeitskreis keine Konkurrenz hierzu darstellen. Aber vieles, was unbearbeitet später der Therapie bedarf, lässt sich bereits im Vorfeld auffangen. Hier haben sich in der Palliativmedizin eigene Gedenk- oder Abschiedsgottesdiens-te mit Angehörigen, Pflegekräften und den betreuenden Ärzten bewährt. Auch diese Impulse sollen aufgenommen und bekannt gemacht werden.

Der neu gegründete Arbeitskreis Hospiz und Lebensbegleitung in der Alt- Katholischen Diakonie hat sich viel vorgenommen. Damit es nicht bei der Projektidee bleibt, bedarf es engagierter Mitstreiter. Ziel meines Beitrages ist es daher auch, solche interessierten und engagierten Mitstreiter, Laien und Geistliche, zu gewinnen, damit den Worten Taten folgen können.

Kontaktanschrift: Dr. Jörg Marienhagen, Rathausstr. 12, D-93138 Lappersdorf,

Tel: 09 41 - 89 32 57, Fax: 09 41 - 8 70 28 25,

E-Mail: joerg.marienhagen@t-online.de


Jörg Marienhagen

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