Segnen ist menschlich


Durch alle Religionen und alle Zeiten – es wird gesegnet


Der Ursprung des Segens liegt in Gott, er erreicht seinen Höhepunkt in Jesus Christus und gibt uns den Heiligen Geist – das höchste Erbteil. Wenn man selbst segnet, tut man dies im Namen des dreieinen Gottes, denn nur er kann segnen und uns in den Strom des Lebens integrieren!

Der Begriff „Segen“ heißt im Griechischen „eulogia“. Er kann mit „ein gutes Wort zusprechen“ übersetzt werden. Doch er bedeutet wesentlich mehr. Der Segen ist ein Akt, durch den eine Gabe übertragen wird. Segnen heißt, die göttliche Gabe nennen, zusprechen und übertragen. Meistens mit Handauflegen.


Gabe Gottes


Schon am Anfang des Alten Testaments, im Buch Genesis der Tora, segnet Gott seine Schöpfung. Ebenso wird Abraham von Gott gesegnet und soll selbst ein Segen werden, (Gen 12, 2-3). Im Weiteren segnet Isaak seinen Sohn Jakob, der sich damit, durch eine List seiner Mutter, das Erstgeburtsrecht von seinem Bruder Esau erschleicht, (Gen 27, 25-30). Doch der wohl bekannteste Segensspruch im ersten Testament ist der „Aaronitische“ Priestersegen. Er ist auch in die christliche Liturgie aufgenommen worden, (Num 6,2-27).


Der Segen ist also ein Akt der Gabe Gottes, die ein Mensch einem anderen oder einer Sache zusprechen kann, seinen Mut weckt und ihm zuruft, dass Gott ihn braucht. Grundsätzlich erfolgt jeder Segen im Einklang mit Gottes Wort, denn kein Mensch kann segnen, wo Gott nicht segnet (Joh. 3,27 und Mt 16,19).


Der Segen des Simeon


Eine der schönsten Segnungsgeschichten kann man im Lukasevangelium nachlesen. Es ist die Segnung von Jesus durch Simeon. Simeon ist kein Priester, kein Rabbiner und gehört auch nicht dem Sanhedrin an. Wie geschrieben steht, war er ein gerechter und frommer Mann, der auf die Rettung des Volkes Israels wartete, und der Heilige Geist ruhte auf ihm. Als er Joseph, Maria und das Kind erblickte, dankte und pries er Gott, nahm das Kind in die Arme und segnete es und seine Eltern (Luk 2, 21-35).


Das Bedürfnis nach Segen


Den Segen spenden ist also nicht den Priestern vorbehalten. Alle Menschen können segnen oder gesegnet werden. Der Mensch hat offensichtlich das Bedürfnis zu segnen oder selbst gesegnet zu werden. Das Bedürfnis beschränkt sich aber nicht nur darauf, dass man selber gesegnet wird, sondern dass man auch miterleben kann, wie seine Liebsten gesegnet werden, oder dass man sie selber segnet. Der Segen kann als Liebesdienst oder als Zeichen der Anerkennung von Mensch zu Mensch erlebt werden. Der gespendete Segen dient auch als Bewahrung vor Unglück.

Segnungen erlebt man in den unterschiedlichsten Situationen. Mütter segnen ihre Kinder, indem sie ihnen den Segen oder einen Zuspruch mit auf den Weg geben. „Bhüet die Gott“ oder „à Dieu“. Dies soll die Kinder Gott anheim befehlen und vor Unglück bewahren. Früher war es üblich, dass Mütter oder Großmütter ihren Kindern und Enkeln ein Kreuzzeichen auf die Stirn machten. Dies ist leider nur noch selten anzutreffen und müsste von Eltern neu entdeckt werden.

Doch nicht nur Kinder brauchen und empfangen außerhalb des Gottesdienstes den Segen. In verschiedenen alltäglichen, missionarischen Einsätzen habe ich erlebt, wie wir uns gegenseitig gesegnet haben. Dieser Akt des Zuspruchs, zum Beispiel durch Handauflegen, hat mir gerade in schwierigen Situationen Mut und neue Kraft aus dem lebendigen Strom Gottes gegeben. Der Segen Gottes wird sozusagen zu einem Tätigkeitswort, er will andere und uns selber ergreifen und einbeziehen. Er wirkt für eine Welt ohne Angst.


Segnungen von Dingen


Im Kanton Wallis lebt ein Pfarrer, der ein begeisterter Motorradfahrer ist. Und man staunt, dass viele Motorradfahrer – die sonst gerne ihrem Schutzengel davonfahren – sich und ihre Motorräder von ihm segnen lassen. Auch diese Menschen, die manchmal bloß als Straßenrowdies gesehen werden, haben tief im Inneren das Bedürfnis, gesegnet zu werden.


Kürzlich wurde in Möhlin eine Zunft-Fahne gesegnet, als Zeichen einer Gemeinschaft, die in Freud und Leid verbunden ist und um den tiefsten Grund ihres Lebens weiß. Im Dorf Obermumpf wird im kommenden August der neue Feuerwehrwagen gesegnet. Diese Segnung soll die Feuerwehrleute beschützen und effektive Hilfe bringen.

Durch den Segen werden die Gegenstände, Wohnungen oder Tiere nicht verändert. Sie erhalten keine magischen oder sonstigen Kräfte. Vielmehr sollen sich die Einstellung und die Beziehung der Menschen zu ihnen ändern. Der Mensch nimmt sie als Schöpfung und als Geschenke Gottes an und möchte sie in diesem Sinne segensvoll nutzen.


Besondere Segnungen


In unsere Kirche kennen wir verschiedene Segnungen; zum Beispiel werden das Weihwasser, die Kerzen, die Palmen, Kräuter- und Erntegaben gesegnet. In jeder Eucharistiefeier werden die Abendmahlsgaben, Brot und Wein, gesegnet. Jeder Gottesdienst endet mit einem Segen. In ländlichen Gegenden wie in Laufen, Allschwil, Magden, Möhlin, Hellikon, Wallbach, Obermumpf ist bei uns der Wettersegen üblich. Die Gottesdienstbesucher und -besucherinnen werden mit dem Zuspruch entlassen, dass Gott sie begleite, behüte und ihnen Kraft und Mut für die zu bewältigenden Aufgaben schenke. Neben dem Ehesegen gibt es immer wieder auch spezielle Segnungsgottesdienste, in denen sich Menschen in besonderen Lebenssituationen segnen lassen. Auch das Seelsorgegespräch mit einem Geistlichen ist ein Ort, wo Sie um den Segen Gottes bitten können


Segen sein für andere


Ein Segen sein für andere, ist meines Erachtens der edelste Segen. Menschen können einfach durch ihr Dasein ein Geschenk oder eben ein Segen für ihre Mitmenschen sein. Der diakonalen Dienst des Menschen am Mensch ist DER Segen schlechthin. Indem ich ein Segen für den anderen bin, erfülle ich die innigste und göttliche Hingabe, wie sie uns Jesus vorgelebt hat. Er war ein Segen für andere. Er hat uns die Füße gewaschen.


Olivier Vogt


Mit Dank an die Redaktion des Christkatholischen Kirchenblattes für die Abdruckerlaubnis beider Artikel.