Über den Tellerrand schauen


Internationales Seminar zum Thema „Firmkatechese“


In einer besonders angenehmen Weise kombinierte das diesjährige internationale Blockseminar theoretische Wissensvermittlung mit praktischem Know How, verband theologische Konzeption mit einem hohen Grad praxisorientierter Anregungen.


Modelle alt-katholischer Firmkatechese, so lautete das Motto des Seminars in Vallendar, an dem 23 Studierende und Theologen aus Deutschland, der Schweiz und den Niederlanden teilnahmen. Dr. Angela Berlis und Pfarrer Hans-Werner Schlenzig, die Koordinatoren des Seminars, hatten für die Zeit vom 17. bis 20. Juni ein sehr vielseitiges und abwechslungsreiches Programm zusammengestellt, das Grundlegendes auffrischte, mit praktischen Übungen motivierte und mit vielen Neuigkeiten und Infos aufwarten konnte. Obwohl das tägliche Programm bis in die späten Abendstunden reichte, wirkte es - darin waren sich alle Teilnehmer einig - nie überfordernd oder gar ermüdend. Das ganze Seminar war im Gegenteil eine eher spannende Angelegenheit. Einen großen Anteil daran hatten die praktischen Übungen, die Anstöße für die eigene katechetische Praxis boten.


Ein neues Schweizer Konzept


Am ersten Tag berichtete Pfarrer Oliver Kaiser von eigenen Erfahrungen und betonte, dass Firmung auch als ein sinnliches Erleben erfahrbar gemacht werden kann. Er stellte eine Katechese vor, die vor allem der Horizonterweiterung der Firmlinge dient und auf besondere Weise wohltuend war. Es gehörte schon ein wenig Geschick dazu, aus Bienenwachs, Duftölen und einem Spritzer Wasser eine eigene Salbe herzustellen. Um so entspannender und meditativer waren die mehrminütigen Salbungen im Anschluss. In Kleingruppen wurde über diese Erfahrungen diskutiert und Impulsreferate über eine eigene Katechese erarbeitet. Im Handel erhältliche Materialsammlungen wurden kritisch betrachtet und festgestellt, dass solche nur punktuell hilfreich sein können.


Interessant und noch vielen unbekannt waren die Darstellungen von Pfarrer Victor Jungo, der das neue Firmkonzept der Christkatholischen Kirche der Schweiz und dessen Konsequenzen für die Firmkatechese vorstellte. Wer schon einmal in das neue Schweizer Gesangbuch blicken konnte, dem ist diese Neukonzeption vielleicht schon ins Auge gefallen. Die christkatholische Kirche orientiert sich ein Stück weit an der orthodoxen Praxis und kombiniert das eigentliche Firmgeschehen mit der Taufe. Dies bringt Konsequenzen mit sich. War bislang der Bischof originärer Spender dieses Sakraments, so wird nun in der Regel der Pfarrer bzw. die Pfarrerin die Firmung spenden. Konsequenzen ergeben sich auch bezüglich der Rolle des Diakon und der Diakonin bei diesem Kombinationssakrament. Um den Argumenten für die alte Regelung Rechnung zu tragen, schließt sich in diesem Konzept ab dem Alter von 16 Jahren eine sogenannte Firmsendung an. Katechetische Konsequenzen dieser neuen, viel diskutierten, Konzeption stellten Marianne Stirnimann und Karin Schaub auf anschauliche Weise dar.

Über Geschlechterdifferenz als Herausforderung für die Katechetik und eine mögliche Religionspädagogik des Differenten referierte Dr. Angela Berlis. Sie machte auf entwicklungspsychologische und -soziologische Unterschiede und Eigenheiten der Geschlechter aufmerksam und eine mögliche geschlechterspezifische Katechese. Als sehr positiv wurden von allen Teilnehmern die vielen Hinweise auf aktuelle Fachliteratur, Hilfsmittel und Textsammlungen aufgenommen.


Dynamisches Modell


Ein Highlight zum Schluss des Seminars bildeten die Ausführungen von Pfarrer Nico Sarot, der im Auftrag der Niederländischen Kirche ein neues Katechesemodell erarbeitet hat und seit einigen Jahren sehr erfolgreich damit arbeitet. Dieses Konzept unterscheidet sich vor allem in seinem Abwechslungsreichtum von herkömmlichen Modellen. Sarot orientierte sich in seiner Arbeit an der Dynamik des jugendlichen Alltags, der durch sinnliches Erleben von Musikspots und schnellen Videosequenzen geprägt sei. Vermittlung beginne mit dem Verstehen und Nachvollziehen des jugendlichen Horizonts. Dass dies alles andere als katechetische Hektik zur Folge hat, konnten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Seminars am eigenen Leib erleben. Das Nachspielen einer Katecheseeinheit, die geprägt war von kurzen Spielsequenzen, frei vorgetragenen Geschichten und sich anschließender Lösung von Aufgaben, Rollenspiel, sowie einem Eröffnungs- und Schlussritual, überzeugten jeden Skeptiker. Sarot zeigt mit seiner Arbeit einen neuen und zeitgemäßen Weg innerhalb der Katechese auf, der beispielhaft ist. Seine Ergebnisse und eine umfangreiche Sammlung von Katecheseeinheiten soll demnächst veröffentlicht werden. Im Seminar haben sich bereits mehrere Teilnehmer bereit erklärt an einer Übersetzung ins Deutsche mitzuwirken. Überhaupt war es spannend mit welcher Lockerheit das trilaterale Blockseminar Sprachbarrieren überwand. Wenn der Deutsche der Niederländerin das Schwyzerdütsch ins Englische überträgt und umgekehrt ist das schon eine recht amüsante Angelegenheit – Crossover-Dolmetsching in Reinkultur. Polyglottes war nur da überflüssig, wo König Fußball eine eindeutige Sprache sprach. Damals wusste weder das Oranje-Team noch die Elf von Rudi Völler, dass es mit dem EM-Titel nichts wird. Entsprechend spannend gestalteten sich die Abende im Frankenkeller, wo natürlich alle den Alt-Katholiken die Daumen drückten.


Es tat gut einmal über den nationalen Tellerrand zu schauen, engagierte Menschen aus anderen Ländern kennenzulernen, Kontakte zu knüpfen. Der anschließende Besuch in Koblenz und die Besichtigung des Grabes Amalie von Lassaulxs taten ihr Übriges. Mir haben vor allem die gemeinsamen Gottesdienste sehr gut getan und ich habe zum ersten Mal in meinem Leben für eine Königin gebetet - für Königin Beatrix der Niederlande – es hat ihr sicherlich nicht geschadet! Ein großes Dankschön geht an alle, die dieses ergiebige und wohltuende Seminar vorbereitet und zu ihrem Gelingen beigetragen haben.


André Golob