Werte und Anglikaner

Der Alt-Katholiken-Kongress tagte vom 7. - 11. August in Freiburg

Und das Thema? Ach, das lese ich daheim in der Kirchenzeitung nach.“ – Diese Worte soll eine niederländische Teilnehmerin am Ende eines Internationalen Alt-Katholiken-Kongresses der neunziger Jahre gesagt haben. Das Thema? Natürlich, jeder Kongress hat ein Thema (dieser – genau genommen – sogar zwei), aber das allein macht den Kongress nicht zum besonderen Erlebnis und motiviert für sich genommen wohl nur eine Minderheit, Zeit und einiges an Geld zu investieren. Es muss noch etwas Zweites dazukommen: die Begegnung mit den Glaubensgeschwistern auf internationaler Ebene.

Zwei Themen

Aber bleiben wir zunächst beim Thema. „Hoffnung, die in uns lebt“, so war der Kongress überschrieben. Ein Motto, das – wie jenes von Kirchen- und Katholikentagen – kaum etwas aussagt, wenn es nicht inhaltlich gefüllt wird. Der Untertitel „Alt-Katholiken und Anglikaner in Europa“ wies schon deutlicher auf einen der Schwerpunkte hin: Die Feier des 75jährigen Jubiläums der Bonner Vereinbarung zwischen den anglikanischen und alt-katholischen Kirchen. Diese stand am Mittwoch im Mittelpunkt des Kongressgeschehens und wird im Beitrag von Jean Drummond-Young, der Redaktorin des Christkatholischen Kirchenblattes, ausführlich gewürdigt. Wohl selten war eine alt-katholische Veranstaltung dermaßen mit Prominenz aus öffentlichem und kirchlichem Leben gesegnet.

Das zweite Thema des Kongresses war der Wertewandel in Europa, worüber der Unterzeichnende ein Impulsreferat hielt, dessen Grundthesen in dieser Ausgabe von Christen heute dokumentiert sind. In den Gesprächsgruppen wurde dies in vielfältiger Weise aufgegriffen: Was gibt mir Halt im Leben? In welcher Weise haben sich meine Wertvorstellungen verändert? Was ist der rote Faden in meiner Biographie? – Dies sind einige der Fragen, die besprochen wurden, während einige Gruppen sich kreativ mit der Thematik auseinandersetzten.

So entstand unter anderem eine Kongresszeitung, die auf der Homepage der Gemeinde Nordstrand (http://nordstrand.alt-katholisch.de) gelesen und betrachtet werden kann. Einen intensiveren Einblick in die Arbeit der Gruppen hoffen wir in der nächsten Ausgabe von Christen heute geben zu können. Das gilt übrigens auch für die parallel stattfindenden Kongresse der Jugend und der Kinder. Nachgereicht wird ebenso das Communique, das die Teilnehmerinnen und Teilnehmer am Ende gemeinsam mit einer Resolution hinsichtlich der Verhältnisse auf den Philippinen verabschiedet haben.

Der Internationale Alt-Katholiken-Kongress tagte nur wenige Gehminuten entfernt vom Freiburger Münster und der sehenswerten Altstadt. Wer sich mit der Geschichte der Kongresse beschäftigt und nicht nur die manchmal geschönten Berichte der Kirchenpresse zur Kenntnis nimmt, wird wissen, dass solche Nähe im Laufe der letzten hundert Jahre immer wieder Probleme schuf, denn mancher erkundete lieber den Veranstaltungsort, statt am Kongressgeschehen teilzunehmen. In Freiburg zeigte sich der Kongress mit über 350 Dauerteilnehmern erstaunlich stabil. Lediglich am Donnerstagnachmittag waren Abbröckelungserscheinungen in den Gruppen zu beobachten, was allerdings nicht verwundert, denn Gruppenarbeit am Vor- und Nachmittag ohne einen erneuten inhaltlichen Impuls war dann doch etwas viel.

Begegnung

Die Vorträge, Predigten und Reden sind teilweise jetzt bereits auf den Internetseiten der Schweizer und der niederländischen Kirche nachzulesen. Ende des Jahres werden sie außerdem in der Internationalen Kirchlichen Zeitschrift veröffentlicht. (Voraussichtlich Ende September werden die Referate und Vorträge mit Fotos vom Kongress als Buch erhältlich sein - Vorbestellungen sind im Pfarramt auf Nordstrand bereits jetzt möglich). Was dort nicht nachzulesen sein wird, ist das, was nicht fehlen darf, wenn ein Kongress gelingen soll: die Begegnung mit Alt-Katholiken – und diesmal auch besonders mit Anglikanern – auf internationaler Ebene. Aus den Statements, die die Redaktion am Ende des Kongresses gesammelt hat, spricht immer wieder diese Erfahrung. Es tut nicht nur gut, es ist auch notwendig, hin und wieder über den Zaun der eigenen Gemeinde und des eigenen Bistums zu schauen. Alle, die in Freiburg waren, erlebten, dass sie Teil einer Weltkirche sind, spürten nicht zu letzt durch die erlebte Gemeinschaft etwas von der Hoffnung, die in uns lebt und uns erst leben lässt.

Inhaltliche Impulse und die Möglichkeit zur Begegnung – es scheint, in Freiburg stimmte die Mischung. Christen heute wird versuchen, in dieser und der nächsten Ausgabe denjenigen, die daheim geblieben sind, etwas davon zu vermitteln.

Matthias Ring