Priesterbild im Wandel


Warum bist Du Priester geworden?“ „Was hat sich in den Jahren Deiner priesterlichen Tätigkeit verändert?“ „Was war und ist Dir in deinem Dienst besonders wichtig?“ - Schon häufig sind mir solche und ähnliche Fragen gestellt worden. Wenn ich darauf aufrichtig zu antworten versuche, dann kann und will ich dies nur von meiner ganz persönlichen Sicht und Erfahrung her tun. Andere in meiner Berufsgruppe mögen ganz andere Entwicklungen durchlebt haben und sind dabei vielleicht zu anderen Ansichten und Erfahrungen gekommen. Meine Eindrücke erheben also daher keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit oder Allgemeingültigkeit, sie verstehen sich vielmehr als persönliche Wegbeschreibung und möglicherweise als Anregung zum Nachdenken.


Zu meiner Berufswahl haben verschiedene Erfahrungen in meiner Kindheit und Jugend beigetragen. Ich hatte kein außergewöhnliches oder gar wunderbares Berufungs- oder Bekehrungserlebnis wie der heilige Paulus. Zum Zeitpunkt meiner Entscheidung für dieses Berufsziel war meine Vorstellung von dem, was ein Priester ist oder zu sein hat sicher in manchen Punkten anders als ich es heute sehe. Nach den vielfältigen Erfahrungen in der Ausübung dieses Berufes im Laufe von nunmehr 34 Jahren haben sich für mich immer wieder Lern- und Wandlungsprozesse im Hinblick auf mein Priesterbild ergeben.


Selbstverständlich


In einem behüteten „gut (römisch-)katholischen“ Elternhaus aufgewachsen gehörte religiöses und kirchliches Leben ganz selbstverständlich und unangefochten nicht nur zum Sonntag, sondern auch zum Alltag. Kirche spielte im gesellschaftlichen Leben eine prägende Rolle. Weitgehend galt sie als dominierende Anbieterin in Sachen Bildung, soziales Engagement, Spiritualität, Transzendenz, Beratung, Moral und Freizeitgestaltung. Regelmäßiges Gebet, Gottesdienstbesuch, Sakramentenempfang, Engagement als Messdiener und Lektor, Gemeinschaftserfahrungen in der kirchlichen Jugendarbeit, Gruppenstunden, wunderschöne Ferienlager, Tätigkeit in der Leitung von Kinder- und Jugendgruppen haben mich in meiner Schulzeit stark beeinflusst und begeistert. Durch die Jugendarbeit kam ich auch immer wieder in unmittelbaren Kontakt mit Priestern, und durch die geistliche Ausrichtung unserer Treffen spielte die Besinnung auf Jesus, sein Leben und seine Botschaft für mich eine wichtige Rolle. Mich faszinierte beides: sowohl der konkrete Dienst der Priester beim Gottesdienst und in den vielfältigen Möglichkeiten, Menschen aller Art zu begleiten, als auch die Persönlichkeit Jesu und seine Wirkungsgeschichte. Ich will nicht leugnen, dass auch die ehrenvolle und hoch angesehene Stellung, die ein Priester in der Gesellschaft damals noch einnahm, eine gewisse Anziehungskraft auf mich ausübte. Bei öffentlichen Veranstaltungen wurden den geistlichen „Würdenträgern“ selbstverständlich die ersten Plätze zugewiesen, und sie wurden vor der politischen und sonstigen Prominenz begrüßt. Durch all diese prägenden Erfahrungen wuchs in mir der Wunsch, Priester zu werden und zugleich mein Interesse, diesen Jesus, den faszinierenden Mann aus Nazareth, intensiver kennen zu lernen. Nach dem Abitur begann ich 1966 mit dem Theologiestudium.


Krise


Während des Studiums geriet mein Priesterbild allerdings in die Krise. Mein bis dahin ungetrübter Kinderglaube kam ins Wanken. Die historisch-kritische Methode im Umgang mit der heiligen Schrift und die Fragwürdigkeit, ja das die Botschaft Jesu pervertierende Fehlverhalten der Kirche und vieler ihrer „Würdenträger“ während der zweitausendjährigen Geschichte ließen in mir Zweifel aufkommen: Habe ich auf die richtige Karte gesetzt? Ist die „Firma“, in die ich da einsteigen will, nicht ziemlich unglaubwürdig, trotz der „erhebenden“ Inszenierungen und der glänzenden Selbstdarstellung in Pracht und Macht?

Bei all diesen Irritationen traf ich aber auch immer wieder Priester, die in ihrer Art zu leben und vertrauensbildend mit Menschen umzugehen für mich überzeugend und authentisch waren. Inspiriert durch theologische Lehrer wie zum Beispiel Hans Küng und Josef Ratzinger in Tübingen, später auch Eugen Drewermann, durfte ich entdecken, dass kritisches Fragen und intellektuelle Redlichkeit bei der Suche nach Gott in neue ungeahnte Tiefen führte. Mir wurde bewusst: Gott, Glaube kann ich nicht in einem griffigen Dogmen- oder Moralsystem erfassen; Gott und Glaube ist kein fertiger Besitz, den ich mir als Theologe ein für alle Male aneignen könnte; vielmehr wurde mir klar, dass Gott eine Wirklichkeit ist, nach der ich lebenslang suchen und fragen muss. Ich ahnte, dass Gott für mich auch immer eine geheimnisvolle und unbegreifliche Wirklichkeit bleibt, nicht nur in der Theorie, sondern auch in der konkreten Lebenserfahrung, zum Beispiel in der Konfrontation mit Leid und Ungerechtigkeit. Ich fühlte mich wie ein Weltraumforscher, dem mit jeder neuen Erkenntnis zugleich aufgeht, dass das, was er noch nicht kennt, umso größer wird. Diese Entdeckung ließ mich bescheiden werden und verständnisvoll all denen gegenüber, die wie ich selbst so Vielem, was unter den Experten an „fertigen“ Glaubenswahrheiten präsentiert wird, eher mit Skepsis begegnen. Alle, die schon ganz genau und absolut sicher wussten, wer Gott ist (Dogmatik) und was er von uns Menschen will (Moral), kamen mir irgendwie unheimlich vor. Ich musste mir eingestehen, dass der Zweifel und die Ohnmacht wohl zeit meines Lebens die Geschwister meines Glaubens und meines christlichen Engagements sein und bleiben werden.


Jesu Kritik


Im Evangelium gibt es wohl keine Berufsgruppe, die von Jesus so heftig attackiert wird wie die Theologenzunft und die Priester. Selbst die damals gesellschaftlich verachteten Zöllner und Dirnen haben in der Sicht Jesu vor Gott bessere Karten als die Schriftgelehrten und Pharisäer. Im Gleichnis vom barmherzigen Samariter lässt Jesus extra einen Priester und Leviten aufmarschieren, um in provozierender Weise vorzuführen, dass gerade sie in ihrem Eifer für den Tempelkult nicht kapiert haben, was vor Gott wirklich zählt. Der als ungläubig geltende Ausländer, der Samariter, wird zum Vorbild für ein Handeln nach dem Willen Gottes, weil er sich von den Wunden des Ausgeraubten anrühren lässt und konkrete Hilfe leistet. Das Gebet des Zöllners „Herr, sei mir Sünder gnädig“ kommt bei Gott besser an als das Dankgebet des Pharisäers, der Gott für das Gelingen seiner tollen frommen Übungen dankt (Lk 18, 9-14). Schonungslos prangert Jesus die Heuchelei und Eitelkeit der Priester an, er warnt vor diesen Typen und tadelt ihre Selbstgerechtigkeit und Selbstgefälligkeit in ungewöhnlicher Schärfe (Mt 23, 1-39). Knackpunkt seiner Kritik ist die Unstimmigkeit zwischen Reden und Handeln, zwischen Schein und Sein, also die fehlende Glaubwürdigkeit und Authentizität, und vor allem die fehlende Barmherzigkeit.

Sicher haben wir Theologen schnell eine Menge Argumente und Rechtfertigungen parat, um zu zeigen, dass die Kritik, die Jesus damals den Theologen seiner Zeit austeilt, auf uns heute nicht übertragbar ist. Dennoch bleiben für mich der Stachel und die Frage, wie sehr die Außendarstellung und die vielen Worte in Stimmigkeit zu bringen sind mit meinem wirklichen Leben, Denken und Handeln. Bei zunehmender Beschäftigung mit dem Evangelium wurde mir fast in erschreckendem Maße bewusst, dass das Bemühen einerseits in der Nachfolge Jesu leben zu wollen und andererseits etablierter Priester in der institutionellen Kirche zu sein nicht selbstverständlich zusammenpassen. Mich bewegte die Frage, wie ich als Priester glaubwürdig das Evangelium verkünden und durch mein Leben an Jesus erinnern kann, wo doch Jesus von der Krippe bis zum Kreuz den einfachen, armen und unteren Weg gegangen ist. Was würde Jesus an deiner Stelle tun? war die Frage der ich mich immer wieder stellen wollte. Leuchtende Vorbilder wie Franz von Assisi oder Charles de Foucauld kamen mir in den Blick. Zu ihren Gemeinschaften fühlte ich mich ebenso hingezogen wie zur ökumenischen Gemeinschaft von Taizé, da ich dort etwas von dem ursprünglichen Geist Jesu spürte, nicht nur durch die regelmäßigen Gebetszeiten, die den Tagesrhythmus bestimmen, sondern auch durch die Einfachheit des Lebensstils, durch das Miteinanderteilen und die Gastfreundschaft.


Radikal und konsequent


Angeregt durch die beschriebenen Auseinandersetzungen und inspirierenden Begegnungen gab es eine Phase in den ersten Jahren meines priesterlichen Lebens, in der ich versuchte, ziemlich radikal und konsequent durch rastloses Engagement im Dienst an den Menschen und diszipliniertes Gebetsleben meinen Weg zu gehen. Meine Wohnung wurde zum Jugendheim und zur Aufnahmestätte für Strafentlassene und andere Außenseiter. Dabei erreichte ich Grenzen gesundheitlicher und geistlicher Art. Hatte ich mich überfordert? Hat sich nicht eine neue Art von Pharisäerhaltung eingeschlichen nach dem Motto: „Herr, ich danke Dir, dass ich kein Pharisäer bin!“ War ich nicht einem neuen religiösen Leistungsdruck erlegen in der überheblichen Selbstüberschätzung, ich müsse durch meine Anstrengung das Heil für mich und andere erarbeiten. War ich mit all meiner Anstrengung nicht ein ziemlich unglaubwürdiger Botschafter der zentralen Verkündigung, dass Gott uns bedingungslos liebt, ohne dass wir uns diese Liebe durch selbstquälerische Anstrengung verdienen müssen? Ich musste die schwierige Lektion neu lernen, die Jesus dem Petrus vor dem Abendmahl bei der Fußwaschung erteilt: Lass Dir gefallen zuerst geliebt und bedient zu werden, begreife, dass Gottesdienst nicht darin besteht, dass Du Gott einen Dienst erweisen müsstest, sondern dass Gott sich Dir dienend zuwendet. Lass Dir diese Zuwendung gefallen, auch durch Menschen, die dir ihre bedingungslose Liebe schenken. Was ich bisher nur gepredigt hatte, wurde für mich zur befreienden Erfahrung.


Neue Sicht


Es öffnete sich mir eine neue Sicht der Berufungsgeschichten, ein neues „Priesterbild“: Nicht die Starken und Fehlerlosen, die Könner und Macher werden von Jesus in die Nachfolge gerufen, sondern solche, die in ihrer Lebensgeschichte ihre Schwäche, ihre Schuld, ihr Versagen, ihre Untreue und Bedürftigkeit schon allzu deutlich erfahren und erlitten haben. Ein Matthäus, der am Zoll betrügt, ein Petrus, der verleugnet, ein Thomas der zweifelt, ein Paulus, der die Christen verfolgt … alles Leute, die nicht perfekt sind, Menschen, deren peinliche Fehlbarkeit das Neue Testament nicht verschweigt oder beschönigt, sondern hemmungslos als „frohe Botschaft“ verkündet. Wer Schwäche und Schuld nicht verdrängt, sondern wahrnimmt und eingesteht, spürt die Not-wendigkeit umzukehren, erfährt seine Bedürftigkeit und das Angewiesensein auf Vergebung. Dieser Läuterungsprozess durch die unverdient empfangene Barmherzigkeit kann dann in die eigene Person integriert werden, wenn es gelingt, auch mit sich selbst und mit den Schwächen anderer barmherziger umzugehen. Das ist der sicher nicht schmerzlose Lernprozess, den Jesus denen, die auf seiner Spur bleiben möchten, abverlangt. In dieser Erfahrung reift eine neue Liebesfähigkeit. (Lk 7,47) „wem nur wenig vergeben wird, der zeigt auch nur wenig Liebe“. Angesichts der eigenen Schwäche und Zerbrechlichkeit, die daran zweifeln lässt, ob der Dienst im Auftrag Jesu nicht eine im neurotischen Größenwahn entstandene permanente Überforderung ist, wurden für mich Worte wichtig, wie sie Paulus aus eigener leidvoller Erfahrung heraus schreibt: „ das Schwache hat Gott erwählt“ (1 Kor 1,27) oder „wir tragen diesen Schatz in zerbrechlichen Gefäßen, so wird deutlich, dass das Übermaß der Kraft von Gott und nicht von uns kommt“ (2 Kor 4,7).

Eine weitere prägende Erfahrung auf meinem Weg als Priester durfte ich in der Phase meines Lebens machen, in der ich vor meinem Einstieg als Pfarrer in der alt-katholische Kirche vor 20 Jahren ein Studium der Sozialarbeit absolvierte und anschließend auf der Station für Palliative Therapie in der Uniklinik in Köln arbeitete. Ich glaube, in dieser Zeit, ohne Ausübung meiner spezifisch amtspriesterlichen Funktionen, dennoch meinen Dienst in der Nachfolge Jesu in bewegender Intensität wahrgenommen zu haben. In der Begleitung von Sterbenden und deren Angehörigen, bei meiner Arbeit in der Kinderkrebsklinik im nicht kirchlichen Milieu habe ich angesichts dieser existentiellen Grenzerfahrungen eine tiefe Sehnsucht nach Leben und Heil, eine ehrliche Suche nach Gott, Menschlichkeit, Herzlichkeit, Solidarität spüren dürfen, auch wenn dies nicht durch christliche oder kirchliche Terminologie und Rituale zum Ausdruck gebracht wurde. Mir wurde bewusst: Glaube, Hoffnung und Liebe haben wir nicht in der Kirche gepachtet, der Geist Gottes weht wo er will, Gott-sei-Dank! Diese Erfahrung war für mich eine Korrektur eines eingebildeten missionarischen Eifers, in dem manche meinen, als „Besserwisser“ und „Bringer“ des Heils für andere auftreten zu müssen. Das Reich Gottes ist schon längst lebendig, oft verborgen, auch außerhalb von Kirche; wir dürfen möglicherweise ohne arrogante Vereinnahmung ein wenig „Schatzgräber“ Arbeit leisten, um das ohne unser Zutun schon vorhandene Wirken Gottes in den Menschen erfahrbar werden zu lassen und weiter zum Wachsen zu bringen.


Hörendes Herz


Wie soll ein Priester/eine Priesterin in unserer alt-katholischen Kirche aussehen? Welchem Anforderungsprofil, welchen Qualitätsmerkmalen sollte er/sie entsprechen? Zur Beantwortung dieser Frage scheint mir eine andere Frage an Sie und an mich wichtig: Wer könnte für mich persönlich Seelsorger sein? Zu wem würde ich hingehen, wenn ich in einer Krise stecke? Jenseits aller „Kittel und Titel“ wäre mir da ein Mensch wichtig, dem ich vertrauen kann, der zuhören kann, der mir mit bedingungsloser Akzeptanz begegnet und nicht gleich bewertet oder urteilt, der mit Einfühlsamkeit reagiert, und mich nicht mit klugen Ratschlägen und Sprüchen abspeist, der ehrlich und authentisch ist und nicht in eine aufgesetzte Helferrolle schlüpft, der auch um die eigene Fehlbarkeit weiß und nicht den Eindruck des Überlegenen vermittelt, der Zeit und Ruhe mitbringt und nicht durch Hektik und Unachtsamkeit, meist unbewusst, mir zu verstehen gibt, dass er noch viel Wichtigeres zu tun hat, als mir seine Aufmerksamkeit zu schenken.

Salomo, der sich mit der neuen Verantwortung überfordert fühlt, die Nachfolge seines Vaters, des Königs David, anzutreten, darf sich im Traum von Gott etwas wünschen, und – man höre und staune – er wünscht sich ein „hörendes Herz“, dieser Wunsch hat bei ihm für die bevorstehende Leitungsaufgabe Priorität (1Kg 3,5-12). Gerade in der Überschaubarkeit unserer alt-katholischen Gemeinden, in denen die Chance zur persönlichen Begegnung und Begleitung möglich ist, scheint mir die Bereitschaft und Fähigkeit „ein hörendes Herz“ zu haben für die Menschen, besonders für die Mühseligen und Beladenen, eine wichtige Grundqualifikation zu sein. Immer muss es darum gehen, Angst zu nehmen und Vertrauen aufzubauen, die Menschen ihre Würde und Wertschätzung spüren zu lassen. In solchen Situationen der Begleitung von Menschen durfte ich schon oft das „Wunder der leeren Hände“ erfahren: Menschen bedankten sich bei mir, obwohl ich persönlich den Eindruck hatte, ihnen recht ratlos und ohnmächtig gegenüber zu stehen. Offensichtlich wird in solchen Begegnungen mehr bewirkt als das, was wir durch unsere Anstrengung machen können. Das sind Momente, in denen ich als „Geistlicher“ das Wirken des Geistes, der sich unserer Schwachheit annimmt, deutlich spüre.

Wenn ich mich um ein „hörendes Herz“ bemühe, hörend auf Gottes Wort und auf die Menschen, werde ich mich auch öffnen können für das Erlernen und Einüben der anderen Qualifikationen und Kompetenzen, auf die es aus meiner Sicht im priesterlichen Dienst ankommt: redliches theologisches und pastoralpsychologisches Studium, Einüben in eine Spiritualität, sowohl mit der und für die Gemeinde, als auch in der ganz persönlichen Meditation und Stille, glaubwürdige und menschennahe Verkündigung, schlichte und dennoch festliche Feier der Liturgie, Spendung der Sakramente als Heilszeichen und Heilmittel für die gemeinsame und persönliche Lebensbewältigung, Kritikfähigkeit, Teamgeist, Frustrationstoleranz, heitere Gelassenheit, die Fähigkeit zur Animation, Organisation, Inspiration und Initialzündung (Motor) von gemeinschaftsstiftenden Veranstaltungen und diakonischen Aktivitäten, um nicht an den Verletzungen der Menschen ungerührt vorbei zu sehen …; als Priester/Priesterin gilt es Diener der Versöhnung, des Friedens und der Freude zu sein, und nicht sich als „Herren des Glaubens“ (1 Kor 1, 24) zu gebärden.

Priester zu sein ist für mich nach wie vor ein erfüllender und spannender Beruf mit vielfältigen Aufgaben und Herausforderungen, bunt und überraschend, wie im richtigen Leben in Freude und Leid, Angst und Hoffnung, Tod und Leben.

Ein Satz von Frère Roger Schutz aus Taizé begleitet mich seitdem ich Priester bin: „Mein Leben besteht darin, mit den Leiden und Freuden der Menschen in Gemeinschaft zu treten, und wenn es mir gelingt, einen Menschen wirklich zu verstehen, so ist das schon ein Fest.“ Wegweisend ist für mich auch eine Äußerung von Dietrich Bonhoeffer, die Bischof Joachim bei seiner Bischofsweihe 1995 in Frankfurt zitiert hat: „Nicht Genies, nicht Zyniker, nicht Menschenverächter, nicht raffinierte Taktiker, sondern schlichte, einfache, gerade Menschen werden wir brauchen. Wird unsere Widerstandskraft gegen das uns Aufgezwungene stark genug und unsere Aufrichtigkeit gegen uns selbst schonungslos genug geblieben sein, dass wir den Weg zur Schlichtheit und Geradheit wiederfinden?“

Ulrich Katzenbach