Gezielter und vernetzter

Von Priestermangel konnte keine Rede sein. Zwar bot der große Vortragssaal der Evangelischen Sozialakademie in Friedewald allen Geistlichen, die gekommen waren – und es waren nicht einmal alle – einen Sitzplatz, doch alles war ein bisschen eng, als Dekan Wolfgang Kestermann und Kurat Christopher Weber die gemeinsame Pastoralkonferenz der hauptamtlichen Geistlichen und der Geistlichen mit Zivilberuf eröffneten. „Liebe Brüder und Schwestern“ konnten sie sagen, denn drei Diakoninnen und eine Priesterin waren selbstverständlich mit dabei, eine Minderheit zwar, doch das scheint sich zu ändern, wenn man bedenkt, dass der Frauenanteil unter den augenblicklich Theologiestudierenden beträchtlich ist.

Schon seit längerer Zeit hatte sich Bischof Joachim Vobbe dafür stark gemacht, dass die beiden sonst für sich tagenden Konferenzen der haupt- und nebenamtlichen Geistlichen gelegentlich gemeinsam tagen, zum einen, damit sich das „Presbyterium“ – wie die Gemeinschaft der Geistlichen eines Bistums im Fachjargon heißt – von Zeit zu Zeit intensiver begegnet, und zum anderen, damit man sich überhaupt untereinander kennt. Beides ist aufgrund struktureller Bedingungen im Bistum nur schwer möglich. Denn bei Synoden ist die Zahl der mitwirkenden Priester und Diakone mit Zivilberuf auf fünf beschränkt, Diakonen- und Priesterweihen finden eher ein regionales Echo, und darüber hinaus gibt es eigentlich mit Ausnahme der Gott sei Dank selten stattfindenden Bischofsweihen keine weiteren Anlässe, zu denen das gesamte Presbyterium zusammenkommt. Von daher waren in Friedewald auch Namensschilder notwendig; außerdem stellte jeder Dekan die Geistlichen seines Dekanats vor und nannte auch die Namen derer, die nicht nach Friedewald kommen konnten.

Verstärkter Einsatz der Geistlichen mit Zivilberuf

Inhaltlich gesehen erwies sich das Zusammensein beider Geistlichen-Gruppen als glücklicher Umstand. Denn um umsetzen zu können, was die von der Synodalvertretung eingesetzte Projektgruppe „Führung und Unterstützung der Pfarrer“ aufgrund der vorangegangenen Interviews unter Pfarrern, Pfarrfrauen und Gemeindemitgliedern durch den aus Zürich stammenden Organisationsberater Roman Wettler vorschlug, ist ein verstärkter Einsatz der Geistlichen mit Zivilberuf nötig. Eine Konsequenz aus der bistumsweit gemachten Umfrage wird ein gezielteres Arbeiten in den Gemeinden sein, wobei den jeweiligen Dekanen eine Moderatorenfunktion zukommen soll. Diese aber lässt sich nur bewerkstelligen, wenn Geistliche mit Zivilberuf die Dekane in ihren Aufgaben als Pfarrer entlasten. Ein bisschen blieb den Geistlichen, als sie das hörten, die Luft weg, aber Roman Wettler beschwichtigte sogleich: Was er sage, seien Vorschläge, die zwar innerhalb der Projektgruppe und auch mit der Synodalvertretung diskutiert worden seien, trotzdem bleibe die Frage offen, ob alles lebbar sei, was vorgeschlagen werde. Deshalb habe man sich entschlossen, das Projekt „Ziele und Planung in den Gemeinden“ in einem der Dekanate zu erproben, bevor es für die übrigen verbindlich werde.

Bischofsbericht

Interessant für beide Konferenzen war auch der Bericht, den Bischof Joachim Vobbe über die Situation des Bistums und über seine Arbeit als Bischof abgab. Vieles davon war bereits bekannt, dank der Berichterstattung in Christen heute. Doch Bischof Joachim konnte zu den einzelnen Ereignissen natürlich noch Hintergründe liefern, die über die Presseberichterstattung hinausgehen, so zur Lage der Utrechter Union hinsichtlich der Polnisch-National-Katholischen Kirche in den USA und Kanada (PNCC) und der Alt-Katholischen Kirche in der Slowakei sowie zur Gemeinschaft der Anglikanischen Kirchen im Blick auf die Frauenordination und die Haltung zur Homosexualität. Betroffen reagierten die Geistlichen auf den Gesundheitszustand einiger Mitbrüder; ausdrücklich bat der Bischof hier um die Verbundenheit im Gebet und, wenn möglich, um Besuche bei den Erkrankten.

Das Tagzeitengebet in der Schlosskapelle – auch hier war es so eng, dass einige Kollegen auf dem Boden und den Treppenstufen zum Ausgang sitzen mussten –, eine Eucharistiefeier in der Friedewalder Dorfkirche und zwei lange Abende im Schlosskeller führten über die Beratungen hinaus zu intensiven Gemeinschaftserlebnissen, so dass es am Ende – wenigstens unter den in Friedewald versammelten Geistlichen – keine Unbekannten mehr gab. Trotzdem: Beide Konferenzen tagten vor oder nach dem gemeinsamen Teil noch für sich, und an beiden Zusammenkünften nahm Bischof Joachim selbstverständlich teil.

Sinnvolle Nutzung der modernen Medien

Die Konferenz der Hauptamtlichen, diesmal von den Geistlichen des Dekanats Nordrhein-Westfalen vorbereitet, hatte sich mit Gerhard Arndt, Dozent für Marketing an der Fachhochschule für Medienberufe in Köln, einen Fachmann eingeladen, mit dessen Hilfe ein effektiverer Einsatz der modernen Medien für die pastorale Arbeit in den Gemeinden erreicht werden sollte. In vier Gruppen analysierten die Diakoninnen, Vikare und Pfarrer die interne Kommunikation vor Ort, lernten Methoden der externen Kommunikation kennen, untersuchten kritisch den eigenen Umgang mit dem Medienumfeld und suchten nach einer Weiterentwicklung der Corporate Identity unseres Bistums. Fazit: Um die Errungenschaften der Medientechnik sinnvoll nutzen zu können, ist die Ausstattung aller Pfarrbüros im Bistum mit Computern und einem Internetzugang notwendig; eine einheitliche Software für die Pfarrbüroarbeit, die bereits entwickelt ist und erfolgreich erprobt wird, kann eine Entlastung der Verwaltungstätigkeiten bis zu zwei Stunden täglich bringen, und die Entwicklung eines Internetportals eröffnet einen vielseitigen Zugang zu unserer Kirche von außen.

Gedanken zur Liturgie in unserem Bistum

Beiden Konferenzen trug Bischof Joachim Gedanken zur Liturgie in unserem Bistum vor. Dabei handelte es sich nicht um die alt-katholische Version einer liturgischen Instruktion nach vatikanischem Vorbild – im Gegenteil: Was der Bischof, übrigens auf Initiative der nordrhein-westfälischen Pastoralkonferenz, zur Sprache brachte, glich eher einem reflektierten Werkstattbericht als einer Instruktion. Aus der Fülle des Materials seien nur einige Stichworte herausgegriffen. Auch wenn sich eine noch so kleine Zahl von Mitfeiernden versammeln sollte: Der Sonntagsgottesdienst unserer Gemeinden ist eine öffentliche Veranstaltung, was sich auch in der Art und Weise, wie die Gemeinde angesprochen wird, zeigen sollte (die Sie-Anrede sollte deshalb der Ihr-Anrede vorgezogen werden). Es gehört zu den guten Bräuchen in unserem Bistum, gemeinsam zu sprechende Texte wie das Glaubensbekenntnis und das Vaterunser langsam zu sprechen; wir sollten das nicht ändern. Wo kein Tabernakel vorhanden ist, sollten die übrig gebliebenen eucharistischen Gaben auf dem Altar stehen bleiben und nicht auf einen Seitentisch abgestellt werden. Und: Es ist wichtig, dass wir die Kinder im Gottesdienst mit ansprechen. Für Kinder im Vorschulalter empfiehlt der Bischof eine eigene Katechese während der Predigt.

Alles in allem konnten die Geistlichen beider Konferenzen mit vielen Informationen und Anregungen im Gepäck nach Hause reisen. Dort wird das Gespräch in kleineren Kreisen weitergehen, insbesondere was das Projekt zur Unterstützung der Pfarrer betrifft.

Joachim Pfützner