Im Zeichen der Harmonie

75. Niederländische Synode setzt auf Wachstum

Die 75. Synode der Alt-Katholischen Kirche der Niederlande kann in die Geschichte eingehen als Synode der Harmonie, so formuliert Redakteurin Mary Hallebeek in der holländischen Kirchenzeitung De Oud-Katholiek. Das darf auch nicht verwundern, denn wirklich konträre Punkte standen im niederländischen Hilversum nicht auf der Tagesordnung. Neben einer unproblematischen Aktualisierung des Kirchenrechts nutzte man die Sitzung, um zurückzublicken auf das abgelaufene Jahr und für die Planung erfolgversprechender Projekte für 2006. Beeindruckend ist die Liste der Aktivitäten des vergangenen Jahres.

Rückblick

Ein neues Kantorenbuch wurde herausgegeben, eine Studien- sowie eine Lektorentagung informierten über die neue niederländische Bibelübersetzung. Zwei spezielle Studientage beschäftigten sich mit dem Thema „Ethik in der alt-katholischen Kirche“ und ihrer Tradition. Im Zentrum dieses Kolloquiums standen Fragen rund um die Thematik „Sterben und Tod“. Auch der zweite Teil der neuen niederländischen Firmkatechese ist herausgekommen. Die Synode wusste von Sommerkamps, Jugend- und Frauenfreizeiten sowie Besinnungstagen zu berichten und referierte über Fortschritt und Einstellung kirchlicher Kommissionen. Im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit wurde ein neues offizielles Faltblatt über die alt-katholische Kirche herausgegeben, das allgemein Anklang fand.

Planung

Eine Menge vorgenommen haben sich die niederländischen Alt-Katholiken für 2006. Der Umgang mit dem neu herausgegebenen Werkbuch für Pfarrgemeinden soll in Arbeitsgruppen reflektiert werden. Unter dem Titel „Singen in der Utrechter Kathedrale“ soll ein musikalisches Symposion die Qualität des Kirchegesangs fördern. Als Grundlage dieses Treffens soll das neue holländische Gesangbuch dienen, das in den nächsten Monaten erscheinen wird. Zur nächsten Adventszeit soll unter dem Titel „Heimweh und Verlangen“ ein Wegweiser erarbeitet werden, und auch die liturgische Kommission hat es sich zur Aufgabe gemacht, zusätzliche Arbeitsmaterialien herauszugeben. Ein Hirtenbrief zum Thema „Ethik“ wird erscheinen. Zusammenkünfte und Fortbildungen von Geistlichen, Pfarrkatecheten und Jugendbeauftragten stehen auf dem Programm sowie Projekte zur Citypastoral und Gewaltprävention. Ein Untersuchungsbericht wird über das Verhältnis zwischen Anglikanern und Alt-Katholiken informieren. Nicht zuletzt wurde auch der diesjährige Alt-Katholiken-Kongress in Freiburg thematisiert, auf den sich die Niederländer bereits jetzt schon freuen. Eines der wenigen divergenten Momente der Synode bildete die Frage der „Segnung eheähnlicher Partnerschaften“. Auch wenn zur Zeit die Entscheidungsgremien noch keine Überstimmung in dieser Sache gefunden haben, so ist man doch zuversichtlich, diese in Laufe des Jahres zu erzielen.

Neue Bibelübersetzung

Ein Höhepunkt der 75. Synode war die Übergabe der neuen niederländischen Bibelübersetzung an Joris Vercammen. Pia Wolthuis, Leiterin der NBV (Nederlandse Bijbelgenootschaap), überreichte dem Erzbischof persönlich das Werk, der es als ein Monument ökumenischer Zusammenarbeit bezeichnete. Er geizte nicht mit Worten des Lobes und der Anerkennung und dankte den Mitarbeitern für ihr kompetentes Mitwirken. Es sei nun Sache der Kirchen, die Botschaft in Wort und Tat umzusetzen. Dem entsprechend forderte das Plenum die Erstellung eines neuen Lektionars. Etwas verhalten reagierte jedoch die „Synodalvertretung“ auf diese Forderung und wies auf einige grundsätzliche Kritikpunkte an der Übersetzung hin. Man kann gespannt sein, welcher Stellenwert der neuen Bibelübersetzung in der alt-katholischen Kirche der Niederlande in Zukunft zukommen wird.

Finanzen und Recht

Natürlich wurde auf der Synode auch die finanzielle Situation der holländischen Kirche erörtert. Die Zeiger stehen zur Zeit auf „Hoch“. Auch wenn der Haushalt 2004 noch ein geringes Defizit aufgewiesen habe, so zeichne sich bereits jetzt eine positive Entwicklung für 2006 ab. Die Finanzkommission ist optimistisch und bezeichnete sogar eine allgemeine Lohnerhöhung als risikolos. Darüber hinaus soll ein pastoraler Fonds eingerichtet werden, der Wachstums-projekte der einzelnen Pfarrgemeinden unterstützt. Bei der Realisierung dieses Fonds wird auch an die Hilfsbereitschaft der Gemeinden untereinander appelliert. So haben finanzkräftigere Gemeinden bereits jetzt ihre Unterstützung zugesagt. Mit großem Beifall wurde da das Engagement der Pfarrei Egmond bedacht, die die Gemeinde Eindhoven maßgeblich unterstützt.

Zustimmung fand auch die Überarbeitung des Kirchenrechts. Die Kommission für Kirchenrecht investierte viel Arbeit und Mühe in eine längst überfällige Aktualisierung der Kirchenstatuten. Schon im Vorfeld wurden Synodale und die Leitung des Bistums über die geplante Überarbeitung informiert. Es handelt sich vielfach um formale Anpassungen.

Resümee

Das Resümee der 75. Synode der niederländischen Alt-Katholiken ist von Optimismus geprägt. Ein Schlüsselwort für die Zukunft, so betonte Frank de Haart, der Vorsitzende der synodalen Kommission, ist „Wachstum“. Es gelte, auch für 2006 Tatkraft zu entwickeln, Prioritäten zu erkennen und auf Wachstum zu setzen. Ein Film von Dio van Meeren zum Thema Wachstum sollte alle Synodalen motivieren und sensibel machen für den Auftrag der Gemeinden: Visionen für die Zukunft zu entwickeln.

André Golob