Nikosi Sikelel`i Afrika - Gott segne Afrika

Am ersten Freitag im März wird jedes Jahr der Weltgebetstag gefeiert. Für das Jahr 2006 haben Frauen aus Südafrika den Gottesdienst vorbereitet.

Südafrika, das Land an der Südspitze Afrikas mit einer bewegten Geschichte, die die meisten aus der Entfernung durch die Medien miterlebt haben: Apartheid, Diskriminierung, Nelson Mandela, Bischof Desmond Tutu sind hier nur einige Stichworte. Südafrika ist für uns Europäer wohl eines der bekanntesten Länder Afrikas und das nicht nur, weil es wegen der Apartheidpolitik und Diskriminierung weltweit Schlagzeilen machte oder aufgrund der kostbaren Rohstoffvorkommen wie zum Beispiel Gold und Diamanten. Südafrika ist ein sehr vielfältiges Land mit einer großen Anzahl von Klimazonen. Von extremer Wüste in der Kalahari an der Grenze zu Namibia bis zu subtropischem Klima im Südosten und an der Grenze zu Mosambik. Mehr als 20.000 verschiedene Pflanzen sind hier beheimatet; das sind etwa 10 Prozent aller bekannten Pflanzenarten der Welt. Die artenreiche Tierwelt kann in hunderten kleinen Wildschutzgebieten und im großen Krüger-Nationalpark beobachtet werden. Durch diese Schönheit und Vielfalt des Landes boomt der Tourismussektor in Südafrika seit den letzten Jahren sehr stark.

Südafrika ist mit 1.220.000 Quadratkilometern etwa 3,5-mal so groß wie die Bundesrepublik, jedoch leben nur etwa halb so viele Menschen dort. 58 Prozent der südafrikanischen Bevölkerung lebte im Jahr 2005 in den Städten.

Von den ca. 45 Millionen Einwohnern Südafrikas bezeichnen sich 79 Prozent als Afrikaner, 9,6 Prozent als Weiße, die anderen als Inder bzw. Asiaten. Die Hauptsprachen sind Zulu, Xhosa, Afrikaans und Englisch. Darüber hinaus gibt es aber noch eine ganze Reihe Stammesdialekte.

Nelson Mandela hat nach den ersten freien Wahlen das Bild von der Regenbogennation geprägt. Der Name passt zu diesem Land mit seiner großen Vielfalt an Kulturen und Sprachen, an Menschen mit unterschiedlichem historischem Hintergrund, die alle in einer Nation vereinigt sind. Südafrika hat die größte europäisch-stämmige Bevölkerung und die größte Einwohnerzahl indischer Herkunft in Afrika. Das macht das Land zu einem der ethnisch vielfältigsten Länder des afrikanischen Kontinents. Da die verschiedenen Volksgruppen aber nicht immer konfliktfrei nebeneinander lebten, beherrschten ethnische Probleme und Rassenunruhen zwischen der weißen Bevölkerungsminderheit und der schwarzen Mehrheit die Geschichte und Politik des Landes.

Geschichte

Die Geschichtsschreibung in und über Südafrika war bis weit in die sechziger Jahre von der Sicht der weißen Minderheit geprägt. Für sie begann die Geschichte mit der Besiedelung am Kap der Guten Hoffnung im 17. Jahrhundert durch die Holländer. Dabei reichen in Südafrika Spuren menschlichen Lebens drei Millionen Jahre zurück. Die herrlichen Felsmalereien im Westkap beweisen dies.

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurde das Kap britische Kolonie. Die Folge war, dass Zehntausende von Buren (holländische Siedler) ins Landesinnere zogen. Sie bekriegten dort die ansässigen Völker und gründeten eigene Staatengebilde nach holländischem Muster.

Gegen Ende des Jahrhunderts wurden in Südafrika Gold und Diamanten entdeckt. Die holländischen und englischen Kolonialherren beanspruchten gleichermaßen diese Bodenschätze. Und so kam es zum sogenannten Burenkrieg (1899-1902). Dieser wurde von den Engländern erfolgreich entschieden.

Die Entdeckung und Ausbeutung dieser Bodenschätze führte zu einem starken Einwanderungsboom und schließlich zum Entstehen der heutigen Industrienation Südafrikas.

Ein schwerwiegender Einschnitt in das Sozialgefüge zwischen schwarzer und weißer Bevölkerung war die Einführung der Gesetze zur „Rassentrennung“ (Apartheid) ab 1911. Nach ihrem Wahlsieg 1948 legte die Nationale Partei die Rassentrennung durch die Verfassung fest und setzte sie gewaltsam durch mittels zahlreicher Gesetze und systematischer Zwangsumsiedlung der schwarzen und farbigen Bevölkerung. Trotz massiver Polizeigewalt wuchs der Widerstand gegen das Apartheidregime ab den 60er Jahren. Neben den schwarzen Gewerkschaften engagierten sich auch Kirchen gegen die Rassentrennung. Dieser Widerstand, zusammen mit den Sanktionen der internationalen Staatengemeinschaft, führte Anfang der 90er Jahre zum Ende des Apartheidsystems. Nelson Mandela wurde nach 27 Jahren Haft freigelassen und war maßgeblicher Wegbereiter der Demokratie. 1996 gab sich Südafrika eine der modernsten Verfassungen der Welt. Sie schreibt die Gleichberechtigung fest, und zwar von Frauen und Männern und zwischen Menschen verschiedener Hautfarbe und Religion. Menschen- und Bürgerrechte haben einen hohen Stellenwert, Menschenwürde und Privatsphäre werden garantiert.

Südafrika heute

Früher war Südafrika aufgrund der Apartheidpolitik international geächtet. Heute ist es aktives Mitglied der Vereinten Nationen, der Afrikanischen Union, der Bewegung der Blockfreien Staaten, des Commonwealth und anderer internationaler Organisationen. Im Gegensatz zu den Übergriffen durch das Militär während der Apartheid tragen heute südafrikanische Soldaten in Afrika zur Friedensicherung bei, helfen bei Katastrophen und verschaffen humanitären Beistand.

Die Wirtschaft des Landes ist die bedeutendste und meistentwickelte auf dem gesamten afrikanischen Kontinent, mit gleichmäßig verteilter guter und moderner Infrastruktur über das ganze Land. Südafrika gehört zu den rohstoffreichsten Ländern der Erde. Trotz langsam begonnener Landumverteilung gehören aber fast immer noch 85 Prozent des Agrarlandes weißen Farmern, die in Großbetrieben schlecht entlohnte schwarze Arbeiter und Arbeiterinnen beschäftigen. Armut und wirtschaftliche Benachteiligung der Mehrheit der schwarzen Bevölkerung haben sich vor allem in ländlichen Gebieten in den letzen zehn Jahren verschärft. Auch Korruption und eine armutsbedingte hohe Kriminalitätsrate in den Ballungsgebieten beeinflussen die Wirtschaft negativ.

Seit Ende der Apartheid werden in diesem Land enorme Anstrengungen unternommen, um die Vergangenheit aufzuarbeiten und stabile Verhältnisse herzustellen. Allerdings gibt es schier unlösbare Probleme: Die Überwindung von Armut, HIV/Aids und Arbeitslosigkeit, die gerechte Verteilung von Grund und Boden, die Einführung demokratischer Strukturen, die Heilung der durch eine traumatische Vergangenheit geschlagenen Wunden. Die bereits bestehende Kluft zwischen den Lebensbedingungen der Mehrheit der Armen und der Minderheit der Reichen ist größer geworden, und diese Kluft verläuft immer noch weitgehend zwischen Schwarz und Weiß. Bis zum Jahr 1991 teilte die südafrikanische Verfassung die Bevölkerung in vier große Klassen: Schwarze, Weiße, Farbige und Asiaten. Obwohl es diese Einteilung heute nicht mehr gibt, sehen sich viele Südafrikaner immer noch als Zugehörige dieser Klassen.

Das neue Südafrika hat sich in den letzten zehn Jahren zu einem Land mit in einer neoliberalen Wirtschaftsordnung entwickelt; gleichzeitig aber muss es die vielschichtigen und fast unlösbaren Probleme der Vergangenheit bewältigen. So sind trotz aller Fortschritte die Arbeitslosigkeit und der Anteil der Armen gestiegen. Arbeitslosigkeit und Armut haben unterdessen alle Bevölkerungsgruppen erfasst. Außerdem leben immer noch ein Großteil der schwarzen Bevölkerung in den Elendssiedlungen – den so genannten Townships – am Rande der Großstädte. Vor allem aber hat sich die HIV-Epidemie in den letzten Jahren rasant ausgebreitet. Täglich sterben 600 Menschen an Aids, das sind 220.000 im Jahr. HIV verschlimmert vor allem die Situation von Haushalten auf dem Land, da Arbeitskräfte ausfallen, wenn Familienmitglieder krank werden und sterben. Kinder werden traumatisiert, wenn sie ihre Eltern an Aids sterben sehen und pflegen müssen. Viele bleiben als Waisen zurück und müssen dann für ihre jüngeren Geschwister sorgen. Die Versorgungsprobleme der ländlichen Bevölkerung haben sich drastisch verschärft, der Generationenvertrag, wonach alte Menschen durch die nachfolgende Generation versorgt werden, funktioniert nicht mehr.

Frauen

Viele Frauen verstehen sich nach wie vor als Versorgerinnen ihrer Familien. Unter schwierigen Bedingungen versuchen sie, Produkte aus Garten und Landwirtschaft zur Selbstversorgung anzubauen. Durch Selbsthilfeinitiativen für Frauen, auch gefördert vom Deutschen Weltgebetstagskomitee, soll die wirtschaftliche Unabhängigkeit, das Selbstbewusstsein und die organisatorische Fähigkeit von Frauen gestärkt werden.

Vor allem schwarze Frauen organisierten sich während der Zeit der Apartheid zur Alltagsbewältigung und zum Kampf gegen Rassismus. Obwohl heute dem Gesetz nach gleichberechtigt und in Regierungsämtern gut vertreten, erleben sich Frauen aller Bevölkerungsgruppen weiterhin in vielerlei Hinsicht benachteiligt. So leben schwarze und farbige Frauen immer noch mehrheitlich in Armut, Krankheit und Entbehrung. Die Arbeitslosigkeit ist bei Frauen mit circa 80 Prozent extrem hoch.

Häufig sind sie es, die das wirtschaftliche Überleben ihrer Familien sichern, zusätzlich zur Familienarbeit und zur Pflege alter und kranker Familienangehöriger. Die Gesundheit von Frauen hat meist keinen so hohen Stellenwert wie die von Männern. Ihre Krankheit wird meist ignoriert, auch Komplikationen während Schwangerschaft und Geburt sind weit verbreitet. Frauen und Mädchen sind in hohem Maße von Gewalt und Vergewaltigung betroffen und dadurch einem höheren Risiko ausgesetzt, mit HIV infiziert zu werden. Gewalt gegen Frauen ist ein strukturelles gesellschaftliches Problem, dessen Wurzeln zum Teil noch in der Zeit der Apartheid liegen.

Kirchen

In Südafrika ist ein Eldorado an Religionen und Konfessionen. 370 unterschiedliche zählt die Statistik. Dabei sind die Unmengen an Sekten noch gar nicht mitgerechnet. Nahezu 80 Prozent der Bevölkerung bekennen sich zu christlichen Glaubensgemeinschaften. Neben den großen christlichen Kirchen, wie den Protestanten, der Anglikanischen Kirche und der römisch-katholischen Kirche sind auch andere christliche Kirchen zu finden, zum Beispiel die Herrnhuter Brüdergemeinde, die Baptisten, die Methodisten u. a.. Besonders die Pfingstkirchen verzeichnen ein enormes Wachstum. Etwa 2 Prozent sind Anhänger von Stammesreligionen (mehrheitlich Animismus), 2 Prozent Muslime und 1,5 Prozent Hindus. Ungefähr 15 Prozent der Bevölkerung gehören keiner Religion an.

Seit 1975 wird in Südafrika der Weltgebetstag ökumenisch gefeiert und zwar schon immer von Menschen aller Bevölkerungsgruppen.

„Signs of the times“ - Zeichen der Zeit

„Signs of the times“ - Zeichen der Zeit ist das Thema der Gottesdienstordnung für den Weltgebetstag 2006. Die Frauen aus Südafrika beginnen mit dem Grußwort: „Die christlichen Frauen in Südafrika grüßen euch als Gottes Familie und heißen euch herzlich willkommen zu diesem Gottesdienst am Weltgebetstag. Wir grüßen unsere Schwestern und Brüder in aller Welt: in Afrika, Asien, und in der Karibik, in Europa und dem Nahen Osten, in Nord-, Süd- und Mittelamerika und im pazifischen Raum.

Weit und vielfältig sind die Themen, sind die Zeichen der Zeit, die die Frauen benennen und die sie beschäftigen. Die Zeichen der Zeit beleuchten die christlichen Frauen mit biblischen Texten um daraus Kraft und Hoffnung für ihren Alltag zu finden. Ihren Glauben teilen sie mit uns und sie wollen uns anstecken mit ihrer Hoffnung.

Wir alle sind eingeladen, am Freitag, 3. März an unseren Wohnorten den Weltgebetstag informiert mitzufeiern. Mit der Nationalhymne Nikosi Sikelel`i Afrika – Gott segne Afrika – können wir dann in ihr Gebet einstimmen und uns dieser Bitte anschließen.

Anneliese Harrer