We know why! - Fastenkollekte 2004


Entscheidung zur Fastenkollekte & Preisausschreiben für die Jugend


Die Weitergabe des christlichen Glaubens setzt kommunikative Praxis in mehrfacher Hinsicht voraus: Das Hören auf das Wort Gottes (vgl. Röm 10,17), das bekennende Weitersagen dieses Wortes und schließlich auch das Hören insbesondere auf die leidenden Menschen, deren Worte unbeachtet bleiben oder deren Not diese sprachlos werden lässt. Zu den Christen, die dazu beispielhaft befähigt waren, gehört der 1980 ermordete Erzbischof Oscar Arnulfo Romero. Seine Seelsorge ließ nicht die notwendige Hör-Sorge vermissen. So ist es mehr als nur ein interessantes Detail aus der Biographie Romeros, dass er bei seinen Predigtvorbereitungen nicht allein die Bibel und exegetische Literatur benutzte, sondern auch Tageszeitungen und die Gespräche mit den Armen des Volkes. Das Bemühen um eine umfassende Kenntnis der politisch-sozialen Situation und der historisch-kulturellen Hintergründe stellt eine unerlässliche Voraussetzung dar, um die Wahrheit über die jeweilige Situation erkennen und in der Verkündigung angemessen zur Sprache bringen zu können.


Was für die Verkündigung gilt, betrifft auf ebenso dringende Weise die Belange der Mission. Obwohl unsere Welt kommunikationstechnologisch immer kleiner wird, existieren dennoch Verständnisbarrieren. Wir Menschen in Europa wissen nicht viel über die Probleme, die die Menschen in Afrika oder Asien betreffen – und schlimmer: Meist sind uns Kulturgeschichte und die aktuelle politische Lage der Länder, die wir unterstützen, weitaus unbekannt. Umso wichtiger ist es, Informationen zu sammeln, Zusammenhänge zu begreifen, Entwicklungen und Strukturveränderungen im globalen Kontext vorhersehen zu können – schon bereit zu stehen, bevor es zum Schlimmsten kommt. Information ist deshalb neben dem Kontakt zu den Menschen vor Ort eine unerlässliche Voraussetzung für missionarisches Gelingen. Jeder, der in seinem Urlaub ein fremdes Land besucht, bereitet sich wie selbstverständlich darauf vor. Gute Reiseführer informieren über Hintergründe und Mentalitäten, über wirtschaftliche und soziale Zusammenhänge und vieles mehr. Auch das Engagement in der Mission bedarf solcher Informationen. Was bedeutet es, wenn auf den Philippinen wieder ein-mal 7000 US-Soldaten stationiert werden? Was sagt uns die Tatsache, dass in der afrikanischen Ausgabe der Sesamstraße eine flauschige Handpuppe mitspielt, die HIV-positiv ist? Welche Reaktion verlangt uns möglicherweise ein Wetterbericht ab, den wir auf einem globalen Nachrichtensender mitverfolgen?


Preisausschreiben: „Wir wissen warum“


Informationen eröffnen uns Horizonte, machen uns weitsichtig in unserer Arbeit für andere. Deshalb startet unser Bistum unter dem Slogan „We know why!“ (Wir wissen warum!) eine Initiative, die zugleich als Preisausschreiben für Jugendliche gedacht ist. Es gilt, möglichst viele Informationen zu einem unserer drei Missionsländer zu sammeln. Artikel aus Tageszeitungen und Zeitschriften sind ebenso gefragt wie Aufsätze aus aktuellen Büchern oder dem Internet. Dabei ist es gleich, ob es sich um Informationen aus Politik, Wirtschaft, Medizin, Kirche oder Feuilleton handelt. Jedes Puzzelstück, mag es noch so klein sein, lässt den Blick auf das Gesamtbild klarer werden. Die Präsentation der gesammelten Ausschnitte sollte möglichst in Mappen erfolgen, die dann von einer Jury begutachtet und prämiert werden. Es gibt für die jungen Leute eine Menge attraktiver Dinge zu gewinnen. Auch ist geplant, die Ergebnisse der Kollektionen später in einer Broschüre allen Interessierten zugänglich zu machen. Bis zum ersten Advent dieses Jahres sollte die Suche nach Informationen über Tansania, Sambia oder die Philippinen abgeschlossen sein. Die fertigen Mappen können dann beim zuständigen Pfarrer eingereicht werden, der sie ans Bistum weiterleitet.


Fastenkollekte


Es ist schon eine Tradition, dass unser Bistum in der vorösterlichen Fastenzeit stets für die Missions- und Entwicklungsprojekte sammelt. Es ist jedoch sinnvoll, wenn sich in Zukunft jede Gemeinde für die Unterstützung eines unserer Missionsländer oder -projekte entscheidet. In einigen Gemeinden ist dies schon lange geschehen, und es mag nicht überraschen, dass die Identifikation mit dem einzelnen Projekt dort ein Höchstmaß an Effektivität mit sich bringt. Als relativ überschaubare Kirche haben wir die große Chance unsere Missionsarbeit transparent zu gestalten und die Gefahr der Anonymität nachhaltig auszuklammern. Diese Chance gilt es zu nutzen.


Die Gemeindeentscheidung


Zur Entscheidungshilfe werden den Gemeinden einige Broschüre zugesandt, in denen die Projekte in den drei Missionsländern noch einmal kurz vorgestellt werden. Über die meisten Projekte wurde bereits in vorhergehenden Artikeln berichtet. Ein Blick in die vergangenen Ausgaben dieser Zeitschrift wird die Entscheidung somit zusätzlich erleichtern können. Nun obliegt es den Gemeindemitgliedern, in Diskussion zu treten und zu überlegen, mit welchem Land oder welchem Projekt sie sich am ehesten identifizieren können, welche Aufgabe ihnen faszinierender erscheint. Dies muss keine Entscheidung für die Ewigkeit sein. Sie sollte vielmehr über einen gewissen Zeitraum Kontinuität schaffen, die es auch den Mitarbeitern der Missionsprojekte erleichtert, Informationen zu geben und Kontakte zu vermitteln. Im Mittelpunkt steht jedoch die größere Identifikation mit den Menschen vor Ort, die Auseinandersetzung mit ihrer Lage und ihrer Not sowie der Dialog mit unseren Schwestern und Brüdern in Afrika und Asien. Ihnen müssen wir klarmachen, dass hinter der Unterstützung aus Deutschland keine anonyme Kirche steht, die aus dem Überfluss schöpft, sondern reale Menschen mit ihren eigenen Problemen und Unzulänglichkeiten. Auch für uns kann Mission hilfreich sein, auch wir können Kraft schöpfen aus der Berührung mit den Menschen, denen wir helfen. Erst wenn Mission wechselseitig ist, ist sie in der Tat erfolgreich.


André Golob

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