Auf der Wellness-Welle?


Reitet baf jetzt auch auf der Wellness-Welle mit? Das war mit einer der ersten Gedanken, der sich mir bei dem Thema der diesjährigen baf-Jahrestagung aufdrängte: „Sei gut zu Deinem Leib, damit Deine Seele Lust hat darin zu wohnen“ (Teresa von Avila). Aber es klang zugleich sehr verführerisch, und so habe ich mich zum ersten Mal auf den Weg zu diesem Treffen gemacht, offen für alles, was da so passieren würde.

Die baf-Vorstandsfrauen hatten erstmals das Kloster Schmerlenbach bei Aschaffenburg für die Tagung ausgesucht und damit eine, wie ich finde, sehr gute Wahl getroffen. Das zum Bildungshaus um- und ausgebaute Benediktinerinnenkloster in der ruhigen Umgebung einer herbstlichen Hügellandschaft ist ein idealer Ort, um sowohl dem Leib als auch der Seele Gutes zu tun. Dass wir unserem Leib Gutes tun konnten, lag nicht nur an der ausgezeichneten Verpflegung: das vielseitige Programm bot in den drei Tagen immer wieder Gelegenheit dazu, sei es durch Tanz, durch meditative und lustige Körperübungen, durch Yoga, verschiedene Angebote in einem Wohlfühlraum, durch Singen oder ganz einfach durch befreiendes, herzliches Lachen.


Fotos, die wir in einer „Denk-mal, ich bin ein Kunstwerk“-Ecke machen konnten, sorgten schon bei den Aufnahmen, für die wir uns in wilde Verkleidungen stürzen konnten, für schallendes Gelächter, und sie werden uns sicher auch zu Hause noch lange zum Schmunzeln bringen. Und ganz speziell der bunte Abend war bestens dazu geeignet, das Zwerchfell dauerhaft zu trainieren. Alle Tagungsteilnehmerinnen wurden kurzerhand zu Mitarbeiterinnen der großen baf-Wellnessfarm und durften ihren neuen Arbeitsbereich wie Werbung, Fitness oder Esoterik selbst gestalten. Aus dem Stand wurden von bunt zusammengewürfelten Frauengruppen humoristische Einlagen inszeniert, die diesen Abend zu einem Erlebnis der besonderen Art werden ließen.


Sei gut zu deinem Leib


Dass Geist und Seele nicht zu kurz kamen, dafür sorgten die täglichen Morgenimpulse, sowie die zum Nachdenken und Diskutieren anregende Arbeit im Plenum und den Gruppen. Zum Start das Thema: Sei gut zu deinem Leib. Hier gab es viele spannende Informationen darüber, wie sich das Leibverständnis der Frau über Jahrhunderte entwickelt hat und mit welchem Druck noch die heutige Generation von Frauen zu kämpfen hat. Auch hier wurden Geist und Seele immer wieder über Körperübungen in Bewegung gebracht. Vertieft wurde das Thema in verschiedenen Untergruppen zu den Aspekten: Gesundheit, Gewalt, Alter und Lust und Liebe. In der Bibelarbeit zu den Versuchungen Christi wurden wir in einen Prozess geführt, der die Verbindung schaffte zu den Versuchungen, denen ich als Frau hier und heute ausgesetzt bin. In Klänge, Gesten und Sprechmotetten umgesetzt, bleiben mir die verschiedenen Aussagen sehr eindrucksvoll im Gedächtnis.


Ein Höhepunkt der Jahrestagung war der Meditative Nachmittag, der mit „...schön bist Du, meine Freundin..., und nichts an Dir stört!“ überschrieben war. In ihm kamen all die „Flüsse“ der vorherigen Tage zu einem wunderbar dahinfließenden „Strom“ zusammen. Es war eine Zeit des puren Auftankens, in dem wir unseren Leib als Tempel Gottes spüren und erleben konnten. Ein weiterer Höhepunkt war der schöne Abschlussgottesdienst in der Hauskapelle, geleitet von der Schweizer Diakonin Marlies Dellagiacoma und mitgestaltet von dem Reichtum vieler Frauen. Und sowohl im Gottesdienst wie auch sehr oft während der Tage wurde ganz deutlich, dass sich Leib und Seele nicht einfach trennen lassen, weil es bei körperlichen Themen nicht ohne die seelische Komponente geht und umgekehrt.


Hauptversammlung


Bei der 32. baf-Hauptversammlung wurde nach den einzelnen Berichten die Vorstandswahl durchgeführt, bei der die bisherigen Vorstandsfrauen einstimmig wiedergewählt wurden. Die Tagungsteilnehmerinnen bedankten sich bei Heidi Herborn, Mariette Kraus-Vobbe, Anneliese Harrer, Ingrid Katzenbach, Benedikta Klein, Gabi Rissmann und Lydia Ruisch für die Organisation, ihre geleistete Arbeit und den großen Einsatz mit Blumen und extravaganten Kerzen.


Apropos: die Tagung war einfach gut organisiert. Sei es die Abholung für die Zugfahrerinnen, sei es die Kinderbetreuung (es waren immerhin sieben Kinder unterschiedlichen Alters, ein Lob an die Betreuerinnen Elisabeth Katzenbach und Cordula Grewe!) oder die vielen ungenannten Kleinigkeiten, die so unauffällig, aber doch so wichtig für das Gelingen einer solchen Veranstaltung sind, es hat alles reibungslos geklappt.


Und so kann ich als Fazit sagen: es waren tatsächlich Wellness-Tage, alt-katholische Wellness für Leib und Seele.


Angelika Schartel-Holzbauer