Krieg der Sterne oder himmlische Harmonie?


Hoch oben ein riesiges Gebilde aus schwarzem Metall. Hervorstehende Zacken und Ecken rundum machen einen feindseligen Eindruck. Ein Kampfstern? Ein Weltraum-Schlachtschiff feindlicher Invasoren? Doch nein: Was aussieht wie aus dem „Krieg der Sterne“ ist bloß das – wie sich später zeigen sollte ganz gastfreundliche – Dach des „Erbacher Hofes“ in Mainz, in dem die Synode tagte.


Der Widerspruch setzt sich innen fort: Kaum irgendwo ein rechter Winkel. Spitze Zacken als Ornamente an Wänden und Decken. Todschick war das zu einer Zeit, als bei uns Feng Shui noch nicht erfunden war. Heute, nachdem die japanische Kunst der harmonischen Raumordnung bis in deutsche Frauenzeitschriften vorgedrungen ist, erschrickt man: Wie sollen da gute Energien fließen können, wo doch das Chi ständig aufgespießt wird? Dazu kommt ein Tagungssaal fast ohne Tageslicht, in dem einem Hunderte von Lampen wie Sonnen auf den Schädel brennen.


Erfreulicherweise hat unser Aufenthalt im Haus nichts von Verhandlungen in einem feindlichen Raumschiff. Das Personal des Hauses ist manchmal gestresst, aber ansonsten freundlich und korrekt. Die Gastfreundschaft im „Erbacher Hof“ zeigt ebenso wie die Reden der römisch-katholischen Vertreter beim Ökumeneabend, dass nicht die gesamte römisch-katholische Kirche bereit ist, in alte Alt-Katholiken-Feindschaft zurückzufallen.


Auch Bischof Joachim ließ sich vom abweisenden ersten Eindruck des Hauses nicht beeinflussen. Seinen Bischofsbericht gleich am ersten Abend der Synode begann er mit dem Satz: „Die Stimmung ist gut im Bistum.“ Es sollte sich auf der Synode zeigen, dass er Recht hat – zumindest überwiegend. Denn die Synode spiegelt ja die Strömungen und Stimmungen im Bistum ziemlich getreu wider.


Nicht alle sind so optimistisch gestimmt zur Synode aufgebrochen. Denn sicher herrscht in den meisten Gemeinden nach wie vor eine Aufbruchstimmung. Sie erfreuen sich eines regen Gemeindelebens wie vielleicht seit Jahrzehnten nicht mehr und sie verzeichnen inneres und äußeres Wachstum. Aber es gibt auch Gemeinden, die das nicht – noch nicht? – können, und es gibt Gemeinden, in denen Konflikte schwelen oder in denen ein Misstrauen gegenüber der Kirchenleitung spürbar ist. Bischof und Synodalvertretung traten in der letzten Ausgabe von Christen heute den Befürchtungen einer Zentralisierung und Hierarchisierung unserer Kirche von Pfarrkurat Franz Kramer entgegen. Aber diese drücken eben doch auch eine Stimmung aus, die im Bistum vorhanden ist.


Stimmungsbarometer


Ein Barometer dafür ist, weil sie geheim erfolgt, die Wahl der neuen Synodalvertretung. Die gesamte amtierende Synodalvertretung kandidierte erneut, und sie wurde mit einer Ausnahme komplett wiedergewählt: Ein Zeichen für das Vertrauen, das die Mehrheit der Synodalen unserer derzeitigen Kirchenleitung entgegenbringt. Doch manche Mitglieder der Synodalvertretung mussten hinnehmen, dass sie deutlich weniger Stimmen erhielten als bei der letzten Synode: Auch ein Signal.

Manche Synodalen kamen auch mit Bedenken über den Verlauf der Synode nach Mainz. Würde es gelingen, dieses ganze riesige Paket des überarbeiteten Kirchenrechts zu diskutieren und zu verabschieden, ohne sich in der Diskussion in den einzelnen Paragrafen zu verheddern und zu keinem Ende zu kommen? Und würde der von der Gemeinde Düsseldorf eingebrachte Antrag 4 zur Einsetzung einer Kommission, die Texte für Segnungsfeiern homosexueller Paare sammeln soll, ebensolche Emotionen und damit verbundene unschöne Szenen wachrufen, wie auf früheren Synoden schon geschehen?


Gut vorbereitet


Der tatsächliche Verlauf der Synode trug wirklich zur guten Stimmung bei. Es zeigte sich, dass das Gesetzeswerk durch die Rechtskommission gut vorbereitet war und dass vieles an Dis-kussionsbedarf dadurch eingedämmt werden konnte, dass Vorschläge und Änderungswünsche gleich von der Rechtskommission in den Entwurf eingearbeitet wurden. So gelang es denn doch, das gesamte Gesetzespaket zu verabschieden, wenn auch schon auf der Synode sichtbar wurde, dass es nicht lange dauern wird, bis die nächsten Änderungsbegehren anstehen. Und der Antrag der Düsseldorfer Gemeinde wurde in so ruhiger und kluger Weise begründet und vom Sprecher der Synodalvertretung so geschickt aufgenommen und verändert, dass er ohne große Diskussion sowohl die Zustimmung der Antragsteller wie der großen Synodenmehrheit fand.


Dass die Synode die gute Stimmung im Bistum fördern konnte, verdankt sie nicht nur den inhaltlichen Erfolgen. Es kam auch bei dieser Synode wieder zum Tragen, was unsere Synoden im-mer auszeichnet: Es gab viel Raum zu Heiterkeit und Lachen, durch bewusst eingebrachten Humor ebenso wie durch unfreiwillige Komik. Ich denke dabei an den Heiterkeitssturm, den die Bemerkung von Bischof Joachim in seiner Funktion als Wahlleiter bei der Wahl der Synodalvertretung entfachte: „Das Ergebnis wird erst nach dem Wahlgang bekannt gegeben.“


Der Raum für Heiterkeit auf dieser Synode war wichtig, denn sie verlangte den Synodalen ein hohes Maß an Konzentration ab, so dass es nicht ausbleiben konnte, dass man manchmal vor Müdigkeit Mühe hatte, der Diskussion zu folgen. Ähnlich wichtig waren die erfrischenden Beiträge von baf und baj oder auch die vielen Weinstuben, die um den Erbacher Hof herum in der Mainzer Altstadt liegen. Das frohe Miteinander zum Ausklang eines anstrengenden Arbeitstages trug nicht unerheblich zur guten Stimmung bei.


Ich glaube, ich habe bei dieser Synode – es war meine fünfte – zum ersten Mal richtig verstanden, dass auch das synodale Geschehen selbst etwas mit einem Spiel zu tun hat, womit ich nicht meine, dass man es nicht ernst nehmen müsste. Wer zum ersten Mal bei einer Synode ist, wird vor allem zuhören und staunen müssen. Aber wenn man einmal die Spielregeln kennt, dann beginnt auch das Mitmachen richtig Spaß zu machen. Diese Entdeckung habe ich noch nie so gemacht wie bei dieser Synode, und ich darf sagen, ich freue mich schon auf die nächste


Gerhard Ruisch


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