Ein Traum?

Eine gemeinsame Kasse

Von einem Thema, das die Gesamtpastoralkonferenz der hauptamtlichen Geistlichen unseres Bistums in diesem Jahr beschäftigt hat, wurde in der letzten Ausgabe von Christen heute berichtet. Ein weiteres Thema war – als fester Bestandteil dieser alljährlichen Konferenz – das Gespräch mit dem 2. Vorsitzenden der Synodalvertretung, Dr. Hans-Joachim Rosch. Dr. Rosch nimmt sich dafür eigens Zeit neben seiner Berufstätigkeit und seinen vielfältigen anderen Verpflichtungen für unser Bistum. Es geht bei diesem Gespräch immer auch um die Finanzen – besonders in diesem Jahr.

Seit Anfang des Jahres gibt es in unserem Bistum eine gemeinsame gehaltszahlende Kasse; d.h. die hauptamtlichen Geistlichen werden zum ersten Mal nach gleichen Maßstäben besoldet. Alle anderen finanziellen Angelegenheiten werden wie bisher innerhalb der einzelnen Landesverbände getätigt. Dabei auftretende Probleme durch Mindereinnahmen müssen durch Ausgleichszahlungen zwischen den einzelnen Landesverbänden gelöst werden. Dies auf den Weg zu bringen kostet immer wieder viel Mühe und Arbeit.

Es ist inzwischen kein Geheimnis mehr: Die Kirchensteuer-Einnahmen sind rückläufig.

Das betrifft alle Kirchen. Im Zuge der Sanierung der Staatsfinanzen wird offen über weitere Streichungen nachgedacht, was immer auch die Kirchen betreffen wird – gleich welches Modell letztlich zum Tragen kommt. Die Bundesregierung erarbeitet zum Beispiel zur Zeit ein Konzept der sogenannten Abgeltungssteuer, wonach die Besteuerung der Aktienerträge und der Kapitalerträge ab 2008 direkt von den Banken an die Finanzämter anonym überwiesen werden soll, so dass kein Name und somit auch keine Konfessionszugehörigkeit übermittelt wird. Das bedeutet für die Großkirchen einen Einnahmeverlust der Kirchensteuer von ca. 25 Prozent. Auch unsere Kirche wird in etwa den gleichen Verlust an Kirchensteuern erleiden, zusätzlich zu den Verlusten, die wir seit Oktober 2005 zu verzeichnen haben.

Auf diesem Hintergrund erläuterte Dr. Rosch im Auftrag der Finanzkommission das folgende Modell auf der Grundlage der Zahlen des Jahres 2004: Die Kirchensteuereinnahmen der Landesverbände fließen in einem Topf zusammen. Daraus werden die Gehälter der hauptamtlichen Geistlichen, des Bischofs und die Kostens des Ordinariats (bisherige Bistumsumlage) bezahlt. Der Rest des Geldes geht anteilig an die Kassen der Länder zurück.

Aus einer von der Finanzkommission erbetenen Aufstellung der Vermögensverhältnisse der Gemeinden wird ersichtlich, dass am Ende des Jahres eine ziemlich hohe Summe an Barvermögen vorhanden ist. Würde man dieses Geldvermögen gemeinsam anlegen, dann wäre eine Gewinnsteigerung an Zinsen bis zu etwa 80.000 Euro möglich – ohne dass eine zu risikoreiche Geldanlage notwendig ist. Das Vermögen und die bisherigen Zinserträge würden bei den einzelnen Gemeinden verbleiben. Es geht lediglich darum, durch eine gemeinsame Anlage des Geldes höhere Gewinne zu erzielen und mit diesem Mehrgewinn wichtige Projekte der Kirche zu unterstützen.

Vor allem ist dabei an den notwendigen und gebotenen Kauf von Immobilien (Kirchenräumen, Gemeinde- und Pfarrhäusern) und die Sanierung vorhandener Immobilien gedacht. Denn das Wachstum unserer Kirche ist auch davon abhängig, dass Menschen sich mit einer eigenen Kirche und einem eigenen Gemeinderaum identifizieren können. Die Erfahrung zeigt, dass es für das Gemeindeleben und für das Wachstum förderlich ist, wenn Kirche, Pfarr- und Gemeindehaus möglichst eine Einheit bilden. Und man muss sich in solchen Räumen wohlfühlen können. Dazu gehören nun mal Standards, wie sie heute üblich sind, was nicht heißt, dass es gleich die sprichwörtlichen goldenen Wasserhähne sein müssen.

Was für Vorhaben einzelner Gemeinden gilt, das gilt auch für Vorhaben auf Landes- und Bistumsebene. Man denke nur an die Finanzierung der Vikarsstellen.

Dr. Rosch konnte deutlich machen, dass dieser Traum keine realitätsferne Vision ist, sondern ein dringend gebotener Schritt, dem man sich eigentlich nicht verweigern kann. So haben denn auch die hauptamtlichen Geistlichen mit einer eindeutigen Mehrheit (32 Ja-Stimmen, eine Nein-Stimme und eine Enthaltung) für die Einführung dieses Modells gestimmt. Ein gutes und wichtiges Zeichen für den bei der Synode im Herbst 2007 anstehenden Beschluss. Bis zur Beschlussfassung werden Mitglieder der Finanzkommission mit den Verantwortlichen in den Landesverbänden und Gemeinden darüber Gespräche führen und über das hier beschriebene Modell näher informieren.

Bleibt zu hoffen, dass der Traum bald Wirklichkeit wird – zum Wohl unserer Kirche.

Thomas Walter