Bistumsopfer für Saarbrücken

In diesem Jahr wurde das Bistumsopfer der Pfarrei Saarbrücken zugesprochen. Michael Bastian berichtet über die Entstehung der Gemeinde und über die Friedenskirche, die einzige alt-katholische Kirche im Saarland. Für deren Instandsetzung sammeln die Saarbrücker in diesem Jahr.

Die Ursprünge

Das Vatikanische Konzil hatte im Jahre 1870 in Rom neue Glaubensartikel ge­schaffen, die in Widerspruch zu der Tradition dem Papst den Jurisdiktionsprimat zusprachen und ihn für unfehlbar erklärten. Wie überall in Deutschland fehlte es auch im Saarland nicht an Katholiken, die entschlossen waren, dem alten katholischen Glauben treu zu bleiben. Am 31. Januar 1874 kamen 19 von ihnen in St. Johann zusammen und verpflichteten sich durch Unterschrift, „geistig und materiell mit allen Kräften dahin zu streben, die Ausübung des Kultus nach alt-katholischen Grundsätzen in der möglichst kürzesten Frist für den ganzen Saarkreis zu ermöglichen und zu pflegen.“ So war der Grundstock für eine eigene Gemeinde geschaffen, für die noch am selben Tage ein provisorischer Vorstand gewählt wurde.

Weitere 77 Katholiken schlossen sich dieser Gemeinschaft an und erklärten, im alten Glauben zu verharren. Auf einer für den 4. Februar 1874 einberufenen Versammlung wurde die Gründung einer Gemeinde beschlossen; der Beschluss wurde sogleich dem Bischof Reinkens in Bonn mitgeteilt. Es folgten weitere Beitritte, und am 10. Februar 1874 zählte die Gemeinschaft bereits 152 Gläubige. Bischof Reinkens entbot ihr Grüße und Segenswünsche und empfahl dem Vor­stand, sich um die Errichtung einer Pfarrei und um eine Kirche für den regelmäßigen Gottesdienst zu bemühen

Am 19. Februar 1874 erhielt die Gemeinde vom Presbyterium der evangelischen Pfarrei in Saarbrücken die Genehmigung, in der Ludwigskirche ihre Gottes­dienste abzuhalten. Der erste Gottesdienst fand dort am 1. März 1874 statt; er wurde von Pfarrer Duren aus Zweibrücken gehalten. Bereits acht Tage später ver­sammelte sich die Gemeinde zum zweitenmal in der Ludwigskirche. Diesmal wurde der Gottesdienst gehalten von Dr. Knoodt, Professor an der Universität Bonn, einem hervorragenden Theologen und Mitbegründer der alt-katho­lischen Kirche in Deutschland.

Die Errichtung einer Pfarrei

Am 29. März 1874 nahm der Vertreter der Regierung in einer Versammlung die Unterschriften der Alt-Katholiken zur Errichtung einer Pfarrei entgegen. Es unter­zeichneten über 189 Frauen und Männer. Durch die Bezirksregierung in Trier und den alt-katholischen Bischof Dr. Reinkens wurde im darauffolgenden Jahre die „Alt-Katholische Gemeinde an der Saar“ offiziell errichtet. Der Text der Urkunde lautet:

Urkunde für die Errichtung einer katholischen Parochie an der Saar.

Von der königlichen Regierung in Trier und dem katholischen Bischof Joseph Hubert Reinkens wird durch gegenwärtige Urkunde eine Parochie unter dem Namen „alt-katholische Gemeinde an der Saar“ mit nachfolgender Maßgabe errichtet:

1. Mitglieder der die Parochie bildenden Gemeinde sind alle diejenigen in den Kreisen Saarbrücken, Ottweiler und St. Wendel wohnhaften Katholiken, welche ihren Willen, der alt-katholischen Organisation beizutreten, vor den Landräten oder Bürgermeistern dieser Kreise bereits erklärt haben oder welche in Zukunft bei dem Kirchenvorstande sich anmelden oder von den dazu berechtigten Per­sonen angemeldet werden.

2. Als Statut der Parochie gelten die Bestimmungen des Abschnitts V §§ 35 bis 49 der von der ersten Synode der Alt-Katholiken des deutschen Reiches zu Bonn angenommenen Synodal- und Gemeinde-Ordnung vom 27. Mai 1874.

3. Die Parochialgemeinde wird nach Außen in vermögensrechtlicher Beziehung und den staatlichen Behörden gegenüber durch einen gemäß diesem Statut zusam­mengesetzten Kirchenvorstand vertreten. Der Sitz desselben ist in der Stadt Saarbrücken.

4. Der Pfarrer wird in Gemäßheit der Synodal- und Gemeinde-Ordnung von der Gemeinde gewählt, vom Bischof unter Beobachtung der Staatsgesetze bestätigt und eingesetzt.

5. Die Ausübung des kirchlichen Besteuerungsrechts bleibt weiterer Bestimmung vorbehalten.

6. Sämmtliche Eingepfarrte haben sich die ihnen aus ihrem bisherigen Parochialverbande erwachsenen vermögensrechtlichen Ansprüche zur künftigen Geltend­machung vorbehalten. Zur Bekräftigung dessen ist diese Urkunde aufgestellt und von der Königlichen Regierung in Trier und dem katholischen Bischof Reinkens vollzogen und mit beiderseitigen Siegeln versehen.

Bonn, 22. März 1875

Joseph Hubert Reinkens katholischer Bischof.

Die Friedenskirche

Die Friedenskirche in Saarbrücken hat ihren Ursprung in der Initiative des großen Nassau-Saarbrücker Landesherrn Fürst Wilhelm Heinrich von Nassau-Saarbrücken (1718-1768). Geplant wurde sie von Friedrich Joachim Stengel, einem der bekannten Generalbaudirektoren seiner Zeit. Dieses Projekt war der erste Kirchenbau des Nassauer Fürsten, der die bis dahin bestehenden alten Grenzen der Stadt Saarbrücken sprengte und so den Auftakt zur Erweiterung der Stadt gab. Die Kirche wurde für nur zehn reformierte Familien gebaut, die im Stadtgebiet wohnten. Es wirft ein besonderes Licht auf diesen Fürsten, wenn man erfährt, dass er mit dieser Maßnahme zu Beginn seiner Regierungszeit (1741-1768) seiner wenige Jahre zuvor verstorbenen Mutter gedachte, Charlotte Amalie von Nassau-Usingen, die aus dem Hause Oranien stammte und dem reformierten Bekenntnis angehörte. Der junge Fürst selbst war lutherisch erzogen worden und Zeit seines Lebens dem lutherischen Bekenntnis zugetan, dem er schließlich als letztes Vermächtnis den größten Bau des Landes, die nahe der Friedenskirche stehende Ludwigskirche schenkte.

Durch Dekret vom 10. März 1751 erteilte Fürst Wilhelm Heinrich der reformierten Gemeinde erst das Recht der eigentlichen freien Religionsausübung. Dieses lässt vermuten, dass der Bau in diesem Jahr mit Ausnahme des Turms vollendet war. Fast dreißig Jahre diente die Friedenskirche der reformierten Gemeinde als Gotteshaus. Dann unterbrachen 1793 die Wirren der Französischen Revolution die ruhige Entwicklung der Stadt und des Landes. Die Glocken wurden beschlagnahmt, die reformierte Kirche wurde von den sogenannten „Clubristen“ zum republikanischen Tempel der Tugend entweiht, und am Turm wurde die Trikolore angebracht. Erst als die Zeiten sich wieder beruhigt hatten, kehrte der Gottesdienst in die Mauern der reformierten Kirche zurück. Weitere zwanzig Jahre kirchlichen Lebens folgten.

Nur durch eine grundlegende Wandlung im gottesdienstlichen Leben der reformierten Gemeinde ging die ursprüngliche sakrale Aufgabe der Friedenskirche ihrem Ende zu. 1817 schlossen sich die evangelisch-lutherischen und evangelisch-reformierten Gemeinden in den Bezirken Saarbrücken und Ottweiler zur Wiedervereinigung beider Konfessionen zur einer unter dem Namen Evangelische Kirche zusammen. 1820 wird die Friedenskirche säkularisiert. Zwei Gründe sind hierfür maßgebend: Die Anzahl von drei Kirchengebäuden für die evangelische Gemeinde war unzweckmäßig und die räumliche Bedrängnis des Ludwigsgymnasium, das Räumlichkeiten der Ludwigskirche mit nutzte. Man fand eine Lösung, indem man die Friedenskirche der gottesdienstlichen Nutzung entzog und dem Gymnasium zur Verfügung stellte, was grundlegende Umbauten mit sich zog, die im Herbst 1820 abgeschlossen waren. So stand die Friedenskirche 70 Jahre dem Gymnasium zur Verfügung.

Die Friedenskirche wird alt-katholisch

Mit der Übersiedlung des Gymnasiums in ein neues Gebäude in der Hohenzollernstraße wurde der Bau abermals frei. Sehr rasch fand sich eine neue Verwendung. Schon am 1. April 1892 reichte im Auftrag des Kirchenvorstandes der alt-katholischen Gemeinde Pfarrer Jaskowiski der städtischen Baubehörde ein Baugesuch auf Umbau das Gymnasiumsgebäude zu einem Gotteshaus der alt-katholischen Gemeinde ein. Über den Kirchenbau schrieb Pfarrer Jaskowiski in der Festschrift:

„Wir kauften dieses Gebäude, welches im Zentrum von Saarbrücken liegt, ungefähr 25 m lang, 15 m breit, bis zur Decke 9 m hoch ist und welches einen ziemlich hohen Turm besitzt, für den Preis von 26.200 Mark und begannen mit dem Umbau desselben in ein Gotteshaus am 25. April 1892. Die beim Abbruch gewonnenen Materialien (Steine und Holz) wurden fast alle beim Umbau wieder verwendet; für die übrig gebliebenen erlösten wir noch 215 Mark. Als das Gebäude seiner Vollendung entgegenging, die vorhandene Bausumme aber nur zur Bezahlung des Gebäudes und zum Umbau, nicht zur inneren Ausstattung desselben ausreichte, da war’s den Gemeindemitgliedern, den auswärtigen Altkatholiken und den hie­sigen Protestanten eine Freude, die meisten Gegenstände der inneren Einrichtung unseres Gotteshauses auf ihre Rechnung zu nehmen. Vollendet wurde unser Got­teshaus am 1. Juni 1893. Zwar bleibt noch Manches zu tun übrig. Der Turm un­seres Gotteshauses bedarf noch einer gründlichen Reparatur und Reinigung, es fehlen ihm auch noch die Glocken und die Uhr, ebenso hat unser Gotteshaus weder Heizung, noch Beleuchtung, auch haben wir die in demselben aufgestellte Orgel noch nicht bezahlt, aber unsere Kirche ist doch jetzt schon eine Zierde der Stadt und besonders in ihrem Innern schön und ehrwürdig gehalten. Über dem Portal steht in vergoldeten Lettern die Inschrift: ‚Einer ist euer Lehrer, Christus’ (Matth. 23,10), im Innern enthält das Fenster über dem schönen Altar in würdiger archi­tektonischer und malerischer Ausstattung den segnenden Christus von Thorwaldseen mit dem Spruch: ‚Friede sei mit euch.’ Durch Beschluss unseres Kirchenvor­standes und unserer Gemeindevertretung wurde aus den in meiner am Einweihungstage gehaltenen Festpredigt angegebenen Gründen unserm neuen Gotteshause der Name ‚Friedenskirche’ gegeben. Möge sie eine Friedensstätte werden und Frieden geben jedem, der sie betritt! Möge sie der hiesigen altkatholischen Gemeinde zum Segen werden.“

Um diese traditionsträchtige und gleichzeitig einzige alt-katholische Kirche im Saarland Instand zu setzen sammelt derzeit die Gemeinde Saarbrücken. Sie erbittet ihre Spenden auf ihr Konto Nr. 687640 bei der Sparkasse Saarbrücken, BLZ 590 501 01.

Michael Bastian