Communiqué des gemeinsamen Pilgerweges der Bischöfe

Auf den Spuren des Hl. Willibrord vom 7. bis 9. September 2006

In Würdigung des 75-Jahr-Jubiläums des „Bonn agreement“, welches die Kommuniongemeinschaft zwischen den Kirchen der Anglican Communion und den alt-katholischen Kirchen der Utrechter Union besiegelte, verbrachten wir unterzeichneten kontinentaleuropäischen Bischöfe beider Kirchen drei Tage auf einer Fußpilgerschaft. Sie folgte den Spuren des Hl. Willibrord (658-739), der als Missionsbischof aus England kam und den Bischofssitz von Utrecht gründete. Ziel des Pilgerweges war der Grabstätte des Heiligen in der Basilika von Echternach/Luxemburg. Am Altar über dem Schrein des Hl. Willibrord feierten wir gemeinsam die Eucharistie, zusammen mit Geistlichen und Laien aus alt-katholischen Gemeinden und der anglikanischen Gemeinde von Luxemburg.

Zum Ausgangspunkt unseres Pilgerweges wurden wir von Bonn aus nach Bernkastel-Kues ins Moseltal gebracht. Kues ist der Geburtsort des großen Bischofs und Kirchenlehrers Nikolaus von Kues (auch Nikolaus Cusanus, 1401-1464). Er engagierte sich seinerzeit für eine konziliare Reform der Kirche und für die kirchliche Einheit. Unser Weg führte uns sodann durch Weinberge und Wälder in einer Landschaft von außerordentlicher Schönheit. Wir machten geistliche Stationen im Freien und in Kirchen am Weg. Zielpunkt des ersten Tages war die alte Einsiedelei Klausen in der Eifel. Für zwei Nächte durften wir die Gastfreundschaft des Zisterzienserklosters Himmerod erfahren, wo wir zusammen mit der Kommunität das Fest Mariä Geburt feierten. Der zweite Tag des Pilgerweges führte uns in romantische Kylltal. Nach einem längeren Weg entlang der Kyll erstiegen wir den Kyllburger Stiftsberg mit seiner burgähnlich anmutenden Kirche und wanderten von dort zum mittelalterlichen Kloster St.Thomas, dessen Kirche nicht etwa dem Apostel Thomas, sondern Thomas Beckett, Erzbischof von Canterbury (1118-1170), geweiht ist. Wir nahmen mit Interesse wahr, dass Thomas Beckett offenbar schon kurz nach seinem Martyrium an vielen Orten Westeuropas verehrt wurde.

Der Pilgerweg eröffnete uns immer wieder Landschaften von unübertrefflicher Schönheit, die den meisten von uns unbekannt waren. Wir entdeckten manche verborgenen Juwelen kirchlicher Architektur, geheiligt durch das Gebet vieler Jahrhunderte. Am Beginn des zweiten Tages trafen wir auf eine Pilgergruppe der Matthiasbruderschaft, fröhliche Leute, die sich auf dem Weg nach Trier befanden. Sie erinnerten uns daran, dass wir auf unserem Weg nicht allein waren.

Zum Ziel nach Echternach begleitete uns am letzten Tag eine große Gruppe von Pilgern aus den benachbarten Gemeinden. Die kräftigen Gesänge und Gebete, die uns an den Ufern des Grenzflüsschens Sauer in einigen Stationen zusammenbrachten, und die vielen Gesten freundlicher Begleitung und guter Vorbereitung der Stationen und des Schlussgottesdienstes bestärkten auch uns Bischöfe in unserem Dienst an der Einheit. Es war überdies ein schönes ökumenisches Zeichen, dass die Willibrord-Pilgerbruderschaft der Echternacher Basilika nach dem Gottesdienst noch einen kleinen Empfang für alle Pilger ausrichtete und großes Interesse an unserer internationalen Schar zeigte.

Gott nutzte unseren Pilgerweg dazu, uns näher zueinander zu bringen, unser Engagement und unsere Verpflichtung im Blick auf eine tiefere Verwirklichung unserer Gemeinschaft wie auch im Blick auf unser gemeinsames christliches Zeugnis und unsere Sendung für das heutige Europa zu erneuern. Die Entdeckung der Schönheit der Welt und die lange Geschichte tief verwurzelten christlichen Lebens an unerwarteten Stellen ermutigte uns, unsere gemeinsame Pilgerreise als Kirchen fortzusetzen.

In einigen Wochen werden wir uns in Madrid wieder treffen, um uns der Frage weiterer Annäherung unserer Wege zu widmen, in denen sich unser Leben als Christen und unsere gemeinsame Sendung noch besser ausdrücken können. Gott ist es, der uns in Christus verbindet. Gott ist es, der unsere Herzen entflammt mit seinem lebensspendenden Geist. In unserer menschlichen Gebrechlichkeit und Schwachheit offenbart er seine Herrlichkeit. Wir danken ihm für das Geschenk unseres gemeinsamen Pilgerweges und bitten um seinen Segen für die Vertiefung unserer Gemeinschaft in den kommenden Jahren.

(Text: Bischof Geoffrey Rowell)

Echternach, den 9. September 2006

+ Joris, Erzbischof von Utrecht

+ Geoffrey, Bishop of Gibraltar in Europe

+ Joachim, Katholischer Bischof der Alt-Katholiken in Deutschland

+ Fritz-René, Christkatholischer Bischof der Schweiz

+ Bernhard, Bischof der Altkatholischen Kirche Österreichs

+ Wiktor, Bischof der Polnisch-Katholischen Nationalkirche

+ David, Suffragan Bishop in Europe