Geistlicher Reichtum

Das neue Eucharistiebuch ist erschienen

Das Eucharistiebuch des Katholischen Bistums der Alt-Katholiken „Die Feier der Eucharistie“ ist im September 2006 in dritter Auflage erschienen. Das Rollenbuch für die ordinierten Leiterinnen und Leiter der Eucharistiefeier hatte sich in den vergangenen Jahren zu einem erfolgreichen ökumenischen „Exportartikel“ über die Grenzen unseres Bistums hinaus gemausert, so dass die Erstauflage von 1995 und die zweite von 1997 vollständig vergriffen sind.

Veränderungen

Die neue Auflage ist allerdings mehr als nur ein Neudruck des bisher Gehabten. Zwei Jahre lang hat die Liturgische Kommission den Textbestand durchgesehen und überarbeitet. Eine Reihe von Fehlern wurde dabei korrigiert. Einige Gebete wurden sprachlich verbessert, einige Präfationen – also die Dank- und Preisgesänge zu Beginn des Eucharistiegebetes – in der Notengebung korrigiert und dadurch singbarer gemacht.

Bereits seit der Erstauflage war eines der ältesten Eucharistiegebete, stammend aus der Tradito apostolica, einer Quelle des 3. Jahrhunderts, Bestandteil des Buches, und zwar im Unterschied zur Praxis der meisten anderen Kirchen in seiner Originalstruktur. Dieses Gebet wurde nun noch einmal ganz neu, möglichst wortgetreu, aus den Quelltexten übersetzt. Ein besonderes Bemühen war es dabei, die teilweise schwer übertragbaren Metaphern in einigermaßen poetischer Sprache wiederzugeben. Ein wertvoller Impuls ist sicherlich die nun herausgearbeitete originale Konstruktion der Bitte um den Heiligen Geist (Epiklese): „Sende deinen Heiligen Geist auf diese Gaben, die die heilige Kirche dir darbringt. Du verbindest sie zur Einheit. Erfülle alle, die vom Heiligen empfangen, mit deinem Geist, stärke ihren Glauben und halte sie in der Wahrheit. So wollen wir dich loben und dir die Ehre geben …“ Die Geistbitte über die Gaben und die Geistbitte über die Gemeinde, die in anderen Eucharistiegebeten bisweilen ohne Bezug zueinander zu stehen scheinen, sind hier unmittelbar miteinander verknüpft. Dadurch fällt ein besonderes Licht auf das Verständnis der Eucharistiefeier: Die Gaben werden konsekriert, auf dass diejenigen, die davon empfangen, voll des Heiligen Geistes und fähig werden, Gott zu loben!

Dem Exsultet (Lobgesang auf die Osternacht) wurde eine zweite Fassung, übersetzt von Norbert Lohfink SJ und zum Singen eingerichtet von Erwin Bücken SJ, zur Seite gestellt, die in den vergangenen Jahren bereits in Manuskriptform in mehreren Gemeinden Verbreitung gefunden hatte. Sie weiß sich ebenfalls dem Anliegen verpflichtet, den altkirchlichen lateinischen Text wie auch die traditionelle Melodie möglichst originalgetreu wiederzugeben. Interessanterweise erscheinen dabei einige textliche und melodische Lösungen wieder, die auch im ersten alt-katholischen Messbuch von 1888 so zu finden sind.

Eine wichtige Ergänzung stellt auch die neu erstellte Auswahl von Orationen für Wochentagsgottesdienste im Jahreskreis dar. Die früheren Auflagen boten nur Messformulare für Wochentagsgottesdienste in den geprägten Zeiten (Advent, Weihnachtszeit, Fastenzeit, Osterzeit), sparten die so genannte „grüne Zeit“ aber aus. Diese Lücke schließt das neue Buch und spiegelt damit zugleich das dichter werdende geistliche und liturgische Leben vieler Gemeinden.

Farbe und Rubriken

Auch optisch hat sich einiges verändert. Besonders auffällig ist im Gegensatz zum früheren Schwarzdruck die schwarz-rote Zweifarbigkeit. Sie trägt zum insgesamt viel festlicheren Eindruck bei, hat aber zugleich einen ganz praktischen Grund. Denn erstmals enthält das Eucharistiebuch Hinweise für die Zelebranten zu den liturgischen Vorgängen. Der zweifarbige Druck lässt schnell erfassen, ob es sich um einen vorzutragenden Text (schwarz) oder einen beschreibenden Text (rot) handelt.

Diese Ergänzung geschah übrigens auf die Bitte vieler, vor allem jüngerer Geistlicher hin. Denn die Unsicherheiten, was wo und wie zu tun sei, waren unter den Liturgen im Laufe der letzten Jahrzehnte mehr und mehr gewachsen. Hinter dem Wunsch nach Rubriken stand aber weniger die Erwartung einer Direktive von oben als vielmehr die Suche nach einer corporate identity, nicht nur hinsichtlich der geistlichen und theologischen Bedeutung der Eucharistie, sondern auch bezüglich wesentlicher Fragen ihrer äußeren Form. Bischof Joachim Vobbe betont dazu im Vorwort zur neuen Auflage: „Als Leiterinnen und Leiter sakramentaler Feiern zelebrieren die Ordinierten ja nicht sich selber, sondern treten zurück hinter dem Auftrag Christi und seiner Leib-Gemeinschaft, der Kirche.“ Sofern die Rubriken nicht ohnehin die allgemeine westlich-katholische Tradition spiegeln, sind sie geprägt von Einsichten, die alt-katholische Liturgiekommissionen und Theologenkonferenzen in den letzten Jahrzehnten im Blick auf altkirchliche Überlieferungen wiedergewonnen haben. So etwa begründet sich der Hinweis auf die große Kniebeuge von Ordinierten und Altar-assistenten nach der großen Doxologie („Durch ihn und mit ihm und in ihm …“) damit, dass nach altkirchlicher Tradition dem ganzen Eucharistiegebet in seiner Einheit von Anamnese und Epiklese konsekratorische Kraft zukommt.

Aber noch weitere Gestaltungselemente machen das neue Buch feierlicher: Die Schriftart Adobe Garamond Pro wird unter Heranziehung zahlreicher Zierelemente verwendet. Die Kapitel werden jeweils eingeleitet mit der Abbildung eines mittelalterlichen Holzschnitts, der teilweise wasserzeichenartig im Hintergrund wiederholt wird. Flattermarken und lebende Kolumnentitel zieren und erleichtern den Benutzern die Navigation.

Ein weinroter Kunstledereinband verleiht dem Werk ein würdiges wie praxistaugliches Äußeres. Für die Goldprägung auf dem vorderen Deckel wurde ein westfälisches Geistsendungsmotiv aus dem 14. Jahrhundert ausgewählt, das einen Bezug zur Eucharistie herstellt und zugleich die oben beschriebene altkirchliche Akzentuierung der Epiklese anklingen lässt: Die Eucharistie ist Geistnahrung für die Kirche.

Beim Überarbeiten der Texte wurde mir immer wieder bewusst, welcher geistliche Reichtum in den Gebeten liegt. Daher kann ich das Buch – über die Verwendung im Gemeindegottesdienst hinaus – allen empfehlen, die ihr geistliches Leben von der Liturgie der Kirche inspirieren lassen wollen!

Oliver Kaiser

Das Eucharistiebuch kostet 46 Euro und kann über das Bischöfliche Ordinariat (Gregor-Mendel-Str. 28, 53115 Bonn) bezogen werden.