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Bis auf den letzten Platz war die Namen-Jesu-Kirche am 5. September 2026 in Bonn gefüllt. Selbst die Beichtstühle wurden zu Sitzplätzen. Familie, Freundinnen und Freunde, Wegbegleiterinnen und Wegbegleiter aus den unterschiedlichen Stationen seines Lebens und viele Menschen aus den Gemeinden waren gekommen, um gemeinsam mit Bischof Dr. Matthias Ring den Gottesdienst anlässlich seines Rücktritts vom Leitungsamt zu feiern.
Schon der lange Einzug machte sichtbar, wie viele Menschen ihn auf diesem Weg begleiten wollten: Diakoninnen und Diakone, Priesterinnen und Priester, Bischöfinnen und Bischöfe der Utrechter Union, Vertreterinnen und Vertreter anderer Kirchen und der ACK. Aus der Utrechter Union waren unter anderem Erzbischof Bernd Wallet, Bischof Frank Bangerter, Bischöfin Maria Kubin sowie die emeritierten Bischöfe Harald Rein und Dick Schoon und Erzbischof em. Joris Vercammen gekommen. Auch die anglikanischen Kirchen, die Evangelische Kirche in Deutschland, die Deutsche Bischofskonferenz sowie die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen waren hochrangig vertreten.
Aus Politik und Stadtgesellschaft nahmen unter anderem die nordrhein-westfälischen Minister Dr. Benjamin Limbach und Nathanael Liminski sowie die Bonner Bürgermeisterin Nicole Unterseh am Gottesdienst teil.Der Anlass dieses Gottesdienstes war ein trauriger: Matthias Ring hatte sich aus gesundheitlichen Gründen dazu entschlossen, sein Bischofsamt vorzeitig niederzulegen. Doch schon bei der Begrüßung gelang es ihm mit seiner herzlichen, sympathischen und immer wieder humorvollen Art, dem Gottesdienst die Schwere zu nehmen. Das sollte sich auch durch seine Predigt ziehen.Ausgangspunkt war eine Kindheitserinnerung an die deutsche Dogge Dora und die Erfahrung, wie aus einem unbeschwerten Umgang mit Hunden nach einem späteren Hundebiss Angst geworden war. Von dort schlug Ring den Bogen zu einem Grundthema menschlichen Lebens: der Angst. „In der Welt habt ihr Angst“ – dieses Wort aus dem Johannesevangelium stellte er in den Mittelpunkt seiner Gedanken.Einen Schlüssel zum Umgang mit dieser Angst findet Ring bei Meister Eckhart und dessen Gedanken des Loslassens. Weltüberwindung bedeute für ihn nicht Weltflucht, sondern loszulassen, was Menschen bindet und unfrei macht. Aus diesem Loslassen könne jene Gelassenheit erwachsen, die bei Meister Eckhart mit Gottvertrauen verbunden ist. Und gerade daraus entstehe die Freiheit, die Welt im Sinne des Evangeliums zu gestalten.Dass dies für ihn keine abstrakte theologische Überlegung ist, wurde zum Ende der Predigt sehr persönlich. Seine gesundheitliche Situation habe ihn in den vergangenen vier Jahren immer wieder mit der Erfahrung konfrontiert, dass sich das Leben nicht festhalten lässt. Nach 1.200 Büchern, einem Tisch, vier Stühlen und manchem anderen sei nun auch das Bischofsamt etwas, das er loslassen dürfe. „Glauben lernen, heißt für mich, loslassen lernen“, fasste Ring seinen Weg zusammen. Und ganz Matthias Ring endete die Predigt trotz aller Ernsthaftigkeit mit einem Augenzwinkern: Immer gelassen zu sein, dazu müsse er wohl ein Heiliger sein. „Aber wie Sie alle wissen: Bei mir hat es dann doch nur zum Bischof gereicht.“
Musikalisch wurde der Gottesdienst von Willi Kronenberg an der Orgel und dem Chor der alt-katholischen Gemeinde St. Cyprian gestaltet.Gegen Ende des Gottesdienstes folgten jene Schritte, mit denen der Wechsel in der Leitung des Bistums auch formal vollzogen wurde. Zunächst dankte Matthias Ring seiner Generalvikarin Anja Goller für ihren Dienst und entpflichtete sie von ihrem Amt. Langanhaltender Applaus machte deutlich, wie viel Wertschätzung und Dankbarkeit auch mit ihrem Wirken als Generalvikarin verbunden sind.Sehr persönlich und sichtlich bewegt dankte Bischof Matthias Ring auch seinen beiden Mitarbeiterinnen im Bischofsbüro, Frau Brummert und Frau Wojtun, für ihre langjährige Unterstützung, ihre Verlässlichkeit und die vertrauensvolle Zusammenarbeit.
Anschließend erklärte Matthias Ring aus freiem Willen seinen Rücktritt von der Leitung des Bistums. Damit endete nach mehr als 16 Jahren sein Dienst als Bischof der Alt-Katholiken in Deutschland.Unmittelbar danach wurde die Leitung des Bistums für die Zeit bis zur Wahl und Weihe einer Nachfolgerin oder eines Nachfolgers geregelt: Anja Goller wurde zur Bistumsverweserin ernannt. Wieder reagierte die voll besetzte Namen-Jesu-Kirche mit langanhaltendem Applaus – ein hörbares Zeichen des Vertrauens und der Wertschätzung, die ihr entgegengebracht werden.Danach richtete Matthias Ring noch einmal persönliche Worte an die versammelte Gemeinde. Er bat all jene um Verzeihung, denen er während seiner Amtszeit nicht gerecht geworden sei. Damit bekam der Gedanke des Loslassens, über den er zuvor gepredigt hatte, noch einmal eine sehr persönliche Dimension.
Dann verließ Matthias Ring seinen Bischofsstuhl und nahm auf einem der Hocker im Chorraum Platz. Die Kathedra blieb ab diesem Zeitpunkt leer.Für einen Moment wurde sichtbar, was Loslassen bedeutet. Das Amt bleibt, aber der Mensch, der es über viele Jahre ausgefüllt hat, gibt es zurück. Und vielleicht zeigte sich gerade darin noch einmal etwas von dem Amtsverständnis, das Matthias Ring geprägt hat: Ein kirchliches Amt gehört niemandem. Es wird für eine Zeit übertragen – und irgendwann muss man es wieder aus der Hand geben.Der langanhaltende, beinahe frenetische Applaus, der daraufhin die Namen-Jesu-Kirche erfüllte, brachte die große Dankbarkeit der Menschen für Matthias Ring und seinen Dienst in und an dieser Kirche zum Ausdruck.
Erst danach gehörte das Wort den Menschen, die Matthias Ring zum Ausscheiden aus dem Leitungsdienst Dank und gute Wünsche mit auf den Weg geben wollten. In den zahlreichen Grußworten wurde deutlich, wie sehr seine Amtszeit von seiner ruhigen, besonnenen und verbindenden Art geprägt war.Bürgermeisterin Nicole Unterseh, Minister Nathanael Liminski, Landesbischof Dr. Oliver Schuegraf, Weihbischof Dr. Peter Birkhofer und Erzbischof Bernd Wallet würdigten seinen Dienst aus unterschiedlichen Perspektiven. Für die Synodalvertretung sprachen Thomas Wystrach und die frühere Synodalvertretung Beate Link.
Für die Pfarrerinnen und Pfarrer sowie die Gemeinden ergriffen stellvertretend der dienstälteste Dekan Ulf-Martin Schmidt und der dienstjüngste Dekan Johannes Poiger das Wort. Sie überreichten Ring einen Gutschein für eine Reise nach Hamburg, verbunden mit einigen besonderen Erlebnissen. Für die Universität würdigte Prof. Dr. Andreas Krebs Rings wissenschaftliche Arbeit und sein Engagement und überreichte ihm eine Festschrift mit dem programmatischen Titel „Zwischen Ich und Wir. Person, Institution und Rolle“.So unterschiedlich die Grußworte waren, zog sich doch ein gemeinsamer Gedanke durch viele Beiträge: der Dank für einen Bischof, der zugehört und verbunden hat, der Fragen nicht ausgewichen ist und sich zugleich nicht mit vorschnellen Antworten zufriedengegeben hat. Immer wieder wurde sein Blick auf das große Ganze gewürdigt – und seine Fähigkeit, unterschiedliche Menschen und Positionen miteinander im Gespräch zu halten.So endete ein Gottesdienst, der Abschied und Dank, Traurigkeit und Zuversicht miteinander verband. Und vorne im Chorraum blieb die Kathedra leer – ein starkes Bild für das Ende einer Amtszeit und zugleich dafür, dass die Geschichte dieser Kirche weitergeht.
Nach dem Gottesdienst waren alle Mitfeiernden zu einem Empfang im Haus der Evangelischen Kirche eingeladen. Dort war noch einmal viel Raum für persönliche Begegnungen und Gespräche, für Erinnerungen an gemeinsame Jahre und Erlebnisse – und natürlich auch dafür, Matthias Ring persönlich Danke zu sagen und Abschied zu nehmen. So klang dieser besondere Tag nicht mit einem offiziellen Programmpunkt aus, sondern mit vielen Begegnungen zwischen Menschen, deren Wege Matthias Ring in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten begleitet und geprägt hatte. (Andreas Sturm)
Die Predigt können Sie hier herunterladen!
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