At-Katholische Gemeinde Augsburg

Archiv 2021 - 2023

Archiv 2021 - 2023

12.06.2022

Hier finden Sie Berichte über Veranstaltungen und Aktionen in der Gemeinde aus den Jahren 2021-2023.

2022

Oktober 2022: O3- Oh Mann, Oh Mann – Oasentag für Männer

Bei herrlich sonnigem Herbstwetter fanden sich nach dem Sonntagsgottesdienst am 23.10.22 acht Männer mit Benedikt und Wendelin auf dem Kirchenvorplatz zusammen. 
Bei Weißwurst und Brezen entstanden die ersten Gespräche und Kontakte mit vertrauten und neuen Gesichtern.
Gestärkt trafen wir uns alle im Pfarrsaal, um unseren „Boxenstopp“, wie Benedikt es nannte, zu beginnen.  
Zu Beginn wurde unser Redestock auch den Neuen vorgestellt. Dieser hat seine Wurzeln bei den nordamerikanischen Ureinwohnern. Er steht für die Redefreiheit und die Wertschätzung, die jedem im gemeinsamen Austausch zu Teil werden soll. Als Symbol für unsere Weggemeinschaf, durfte jeder Neuling sich mit einem farbigen Band in den mittlerweile sehr bunten Redestock einweben.
Ungewohnt war sicher zur Begrüßung, den eigenen Namen laut vor der Gruppe zu sagen und zu hören, wie ihn die anderen Teilnehmer dreimal wiederholten – Obwohl wir seit unserer Geburt mit unserem Namen gerufen werden und er zu uns gehört, wie unser Körper und unser gesamtes Wesen.   
Innehalten, seinen Lebensweg und Glaubenweg betrachten, bewußt machen und in der Gemeinschaft der Männer austauschen;
Dazu hatte Benedikt auch Texte, kreative Methoden und Übungen vorbereitet.
Sei es durch das Vertraut machen und Einfühlen in die unterschiedlichen biblischen Charaktere von Isaak, seinen Söhnen Jakob und Esau oder durch das Erstellen eines eigenen Lebens- und Glaubensdiagramms mit den Höhen und Tiefen, den markanten und besonderen Erlebnissen und Ereignissen im eigenen Leben.                               
Beim Spaziergang, im Austausch mit einem anderen Weggefährten, wurden so manche Ereignisse nochmals lebendig und sichtbar.
Mit so manchen Gemeinsamkeiten und auch Unterschieden im eigenen Leben und Glauben bereicherte Man(n) sich gegenseitig.
Die spirituellen Erfahrungen, die eigene Glaubensgeschichte, fand ihren Ausdruck im kreativen Tun… entweder im Malen mit verschiedenen Farben, beim Töpfern oder per Schrift in einer Schreibtmeditation. Jeder durfte nach den eigenen Neigungen das passende Medium für sich wählen.
Dabei entstanden beachtliche Kunstwerke, die so bunt und vielfältig waren, wie ihre Schöpfer.
Mit einer Andacht und Taizeliedern fand der Tag seine Abrundung in der Stille der Kirche.
Runderneuert und aufgetankt, so kann die Reise jetzt weitergehen,
in Verbindung mit der eigenen und der göttlichen Kraft in meinem Leben und Glauben.
Wendelin Nieberle

Juni 2022 – Pfingstmontag waren wir (fast) in Taizé

Oyak, La Morada und Welcome – alles fand sich am Pfingstmontag 2022 auf unserem Kirchenvorplatz wieder!
Und dazu all das, was in Taizé nicht fehlen darf: Gemeinschaft, lachen, spielen, gute Gespräche führen, eine Bibeleinführung und natürlich als Abschluss ein stimmungsvolles Taizé-Gebet in der Abendsonne!
Aber der Reihe nach: 11 junge und junggebliebene Menschen folgten unserer Einladung und wurden am Kirchturm – unserem Welcome – herzlich empfangen. Da sich die Mittagszeit näherte, wurde es gleich praktisch: Der eine Teil der Gruppe begab sich in die „big kitchen“ (Taizékennern sind all diese Orte bekannt).
Alle anderen sollten einfach zum nächsten Tag wie in Taizé kommen oder noch besser – mit uns nach Taizé fahren. Der andere Teil bereitete die Essensausgabe vor. Und was gab es da Leckeres? Na, was wohl! Das Highlight einer Taizé-Woche: Nudeln mit Tomatensauce, dazu Weißbrot, ein Stück Käse und einen Apfel.
Frisch gestärkt wurde es dann unterhaltsam: Mia und Alexandra hatten nämlich ein Taizé-Quiz vorbereitet. Wenn auch du wissen willst, was in Taizé „Jubilate“ heißt, was „El Abiodh“ ist oder wie in der Kirche in Taizé die Mikrofone bereit gelegt werden, dann gilt auch hier der Tipp von oben: Einfach mal mitkommen!
Auf jeden Fall hatten alle Spaß und gelernt haben sogar die alten Taizé-Hasen noch was. Danach ging es in unsere Kirche. Dank moderner Technik konnte Fr. Emil in einer Youtube-Bibeleinführung zu uns sprechen und uns für den Austausch viele gute Gedanken mit auf den Weg geben. Nun galt es nur noch, unser Taizé-Gebet vorzubereiten. Dies taten wir durch ein Online-Song-Practice und indem wir auf dem Kirchenvorplatz unsere „Kirche“ einrichteten. Viele Gäste stimmten schließlich mit uns in den mehrstimmigen Gesang ein. Wenn man die Augen schloss, konnte man sich tatsächlich wie in Taizé fühlen!
Ein erfüllter, unterhaltsamer, tiefsinniger und von Gemeinschaft getragener Tag!
Danke an alle, die dabei waren und sich auf das „Abenteuer Taizé“ eingelassen haben!
Pfarrerin Alexandra Caspari

Mai 2022 -Einmal so wie Robin Hood – Männer beim Bogenschießen

Den Atem kontrollieren, ruhig werden und das Ziel in den Fokus nehmen.
Es gleicht einer kurzen Meditation, wenn man sich dieser uralten Sportart widmet, die den Menschen seit Urzeiten begleitet.

Einmal das Bogenschießen auszuprobieren war ein Wunsch, der bei unserem Treffen zur Programmplanung im Februar aufkam. Und so nahm Wendelin Nieberle das Heft in die Hand und setzte sich mit dem BSC Agawang-Kutzenhausen in Verbindung. Das Ergebnis war Ende Mai ein bereichernder Tag beim „Männer.Pfade-Bogenschießen“ auf dem Freigelände des BSC.
Humorvolle und kundige Anleitung durch unseren Gastgeber Ivan und zwei seiner Sportkollegen trug dazu bei, dass jeder Teilnehmer den Umgang mit Pfeil und Bogen spielerisch ausprobieren konnte.
Neben dem sportlichen Erlebnis beschenkte uns Wendelin mit einem neuen Gruppenritual: Einem „Redestock“, wie er bei Zusammenkünften der Indianer früher zum Einsatz kam: Dieser Symbolisiert die Redefreiheit und die Wertschätzung, die jedem im gemeinsamen Austausch zu Teil werden soll. Im geschützten Miteinander soll jeder gehört und wahrgenommen werden, ohne dabei Angst vor Be- und Abwertung haben zu müssen.
Und damit auch bei den künftigen Unternehmungen unserer offenen Männer.Pfade-Veranstaltungen auch die dabei sind, die nicht dabei sein können, knüpfte jeder Teilnehmer ein farbiges Stellvertreter-Band an das neue Gruppen- und Sprechersymbol. Wir hoffen, dass noch viele weitere Bänder bei schönen Unternehmungen dazukommen werden.
Und da Bewegung an der Frischen Luft auch hungrig und durstig macht, klang der Tag gemütlich im Biergarten aus.
Wendelin Nieberle

„In the summer time“ – Sommerhit-Gottesdienst am 28.08.2022

Was ist dein persönlicher Sommerhit? Diese Frage wurde im Vorgriff zum Sonntagsgottesdienst an alle gestellt, die bei uns regelmäßig in die Gottesdienste kommen. Damit verbunden war die Bitte ihren Lieblingssommerhit per Mail an unseren Diakon Benedikt Löw zuschicken. So entstand eine Youtube-Playlist für einen „Sommerhit-Gottesdienst“ am letzten Sonntag im August.
Am Tor zum Spätsommer sollte es noch einmal sommerlich in der Gemeinde werden. Der Sonnengesang des Franz v. Assisi und ein Evangelientext aus Markus 6,30-32, der von einem Kurzurlaub Jesu mit seinen Jüngerinnen und Jüngerinnen erzählt, lud ein noch einmal anders auf die laufende Urlaubszeit zu schauen.
Hier können Sie in unsere Lieblings-Sommer-Songs hineinhören, die wir im Vorgriff in der Gemeinde gesammelt haben. Einige gab es sogar im Gottesdienst zu hören und zu singen.

Die persönlichen Sommerhits unserer Gottesdienstbesucher*innen

Menschlichkeit Jetzt! – Stellungnahme zum Krieg in der Ukraine

Unser Statement zur Ukraine

Die Bilder, Berichte und Eindrücke, die uns aus der Ukraine erreichen, machen uns betroffen – aber sie machen uns auch wütend. Wütend auch deshalb, weil wir sehen, welche Zerstörungskraft Persönlichkeiten entwickeln, die nur sich selbst sehen.
Unter Missachtung sämtlicher Grenzen wähnen sie sich im Besitz einer umfänglichen Wahrheit zu sein. Dabei tritt ein menschenverachtender Größenwahn zu Tage, der so weit geht, dass er Anderen das Existenzrecht abspricht.
Wir sind betroffen, aber nicht ohnmächtig gegen diese Art der Aggression, weshalb wir uns als alt-katholische Christinnen und Christen in Augsburg aktiv erheben.
Gerade in diesen Tagen steigen wir wieder in unsere Predigtreihe ein, die sich an der Menschenrechtserklärung der Vereinten Nationen orientiert.
Im HUMAN-Zyklus hat sie der Komponist Helge Burggrabe auf neun zentrale Begriffe heruntergebrochen.
Es sind Aspekte wie Freiheit, Geschwisterlichkeit und Gemeinschaft, die uns vor Augen führen, was wir Menschen Positives bewirken können, wenn wir uns auf einen echten Weg der Menschlichkeit einlassen.
Mit diesen Kernanliegen wollen wir gemeinsam aus der Ohnmacht hin zu einer Haltung der Stärke und der echten Solidarität führen.
Und das beginnt bei uns selbst: in unseren Herzen.
Den Despoten, den Narzissten und Diktatoren dieser Welt setzen wir einen Via cordis – einen Weg des Herzens entgegen.
Ein Weg, der das ernst nimmt, was auch Mystikerinnen und Mystiker unserer Zeit mit „Kampf und Kontemplation“ (Fr. Roger) oder „Mystik und Widerstand“ (Dorothee Sölle) nannten.
Dann ist eine Haltung aus dem Glauben keine passive Neutralität oder ein sich ängstliches Wegducken – sondern ein Einstehen für das Leben, den Frieden und die Freiheit der gesamten Menschheitsfamilie.

Für die alt-katholische Gemeinde Augsburg am 03. März 2022:

Der Kirchenvorstand sowie Pfr.in Alexandra Caspari und Vikar Benedikt Löw

2021

Rückblick Advent und Weihnachten 2021

„Die Gemeinde ist nicht totzukriegen!“ Dieser Ausspruch stammte von unserer Pfarrerin, als wir in einer unserer Dienstbesprechungen über die anstehende Advents- und Weihnachtszeit nachdachten. Trotz aller gebotenen Vorsicht wollten wir ein vielfältiges Angebot an Gottesdiensten, Andachten und Gemeindeaktionen gewährleisten, um der Lebendigkeit und Vielfalt der Gemeinde Rechnung zu tragen.
Und was soll ich sagen: Unsere Gemeinde erlebte auch im zweiten Coronawinter, wie lebendig sie ist! Egal, ob beim Besuch des Hl. Nikolaus, bei den adventlichen Treffen der Männer- sowie Frauengruppe, unserem Laternenweg zum 3. Advent oder bei den Familiengottesdiensten am Hl. Abend und am Dreikönigstag; viele nahmen die Möglichkeiten wahr, bei Lagerfeuer, Kerzenschein, wohltuenden Liedern und schöner Musik besondere Momente der Besinnung und Gemeinschaft zu erleben.
Dazu trug auch unsere gemeinschaftliche Vorsicht und Rücksichtnahme bei, die alle Teilnehmenden mit der Einhaltung unserer Hygiene- und Schutzmaßnahmen eindrucksvoll unter Beweis stellten. Ein persönlicher Höhepunkt war dabei für mich die Feier der Familienchristmette mit einem grandios inszenierten Schatten- und Schauspiel sowie die Lichterandacht mit unseren Sternsingern vor unserer Außenkrippe.
Welche Gemeinde kann schon von sich behaupten, vor einer lebensgroßen Krippe zusammen mit vielen Kindern, Familien, jungen wie älteren Menschen Gottesdienst feiern zu können?
Dazu kam unsere Sternsingeraktion, die in diesem Jahr zwar wieder anders als sonst, aber mit großem Erfolg stattfinden konnte. Dank unserer Sternsinger Amelie, Lisa und Max konnten wir insgesamt eine Spendensumme von 1006,38 € für das Bildungsprojekt unserer philippinischen Schwesterkirche sammeln. Danke an alle Spenderinnen und Spender!
Neben unseren Sonntagsgottesdiensten fand unser „Outdoor-Advent“, der eigentlich aus der Not um Corona geboren worden war, großen Anklang. Viele helfende Hände haben dabei tatkräftig zum Gelingen beigetragen und wirklich bewiesen, dass diese Gemeinde auch trotz Corona nicht totzukriegen ist. Sie lebt, und ich freue mich, dass wir gemeinsam an einem bunten Gemeindeleben auch in den kommenden Monaten weiterbauen können.
Benedikt Löw, Vikar

Nehmen und Geben

Stille Tage auf dem Sonnenhof, November 2021

Was bleibt? Auf meinem Fensterbrett eine aus Karton selbst gefaltete Schachtel in hellblau, meiner Lieblingsfarbe, darin zwei Wäscheklammern mit der Schrift „via cordis“, Weg des Herzens, und die Erinnerung an eine giftgrüne Schachtel, in der all das liegt, was ich loslassen möchte. Sie vermodert jetzt wohl unter den abgestorbenen Blättern im Wald oberhalb des Sonnenhofes. In der blauen Schachtel dagegen ruht all der innere Reichtum, den wir in den Tagen auf dem Sonnenhof empfangen haben.

Sechs Tage die liebevolle Gastfreundschaft der Schwestern von Grandchamp zu genießen, ist etwas Besonderes. Es ist ungewöhnlich, dass wir an ihrem klösterlichen Leben teilnehmen dürfen: Die Mahlzeiten finden gemeinsam mit den Schwestern statt, und wir sind bei den Stundengebeten morgens, mittags und abends dabei. Sie sind geprägt vom Hören auf biblische Texte, von Momenten der Stille und den Fürbitten für die Welt. Auf der Website der Schwestern (www.sonnenhof-grandchamp.org) lesen wir: „Die Beziehungen mit Menschen, die in anderen Lebensformen mit uns unterwegs sind, erleben wir als gegenseitige Bereicherung. Sie ist für uns ein Geschenk. Wir teilen unser Gebet miteinander, unser Suchen und Fragen und unsere Freuden.“ Dieses gegenseitige Nehmen und Geben ist besonders bei der abendlichen Feier des Gottesdienstes mit unserer Pfarrerin zu spüren. Wie gut es uns tut, die positive Resonanz auf sie zu erfahren!  
Wir tauchen ein in die Stillen Tage: „Die Stille ist wie ein Meer an Gegenwart und Liebe, in das ich eintauchen kann.“ Andreas Knapp sagt über die Stille: „und leiser als der angehaltene atem hörst du die stille … hellstes hinhören auf das unaussprechliche, ganz der Gegenwart gewärtig.“
Alexandra hat Stichworte vorbereitet. Wir sollen in uns hineinspüren, welche Begriffe uns im Innersten ansprechen. An jedem Morgen finden wir zu unserem Text weiterführende Gedanken für den Tag.
Wir haben erstaunlich viel freie Zeit. Wie fülle ich sie? Sitzen, den Gedanken, die da kommen, nachspüren und sie dann ziehen lassen, nach draußen gehen und bewusst einen Fuß vor den anderen setzen, einfach schauen, da sind die Wolken, die Hühner, die Bäume. Müde sein und schlafen.
Am Abend in der Cantate-Kapelle unter dem spitzen Dach legen wir die Ernte dieses Tages in die Mitte: Wofür bin ich heute dankbar?
So viel haben wir in diesen Tagen aufnehmen dürfen. So viel ist in unserem Inneren in Bewegung gekommen.
Durch die intensive Vorbereitung und ihre liebevolle Begleitung hat uns Alexandra ein großes Geschenk gemacht. Wir sind froh, dass wir nicht nur die Nehmenden sind, sondern dass wir in unserer Abschiedsrunde am Schluss vor der Abfahrt auch ihr mit unserem Dank einen bunten Umschlag geben können.
Auch die Sonnenhof-Schwestern erhalten einige Zeit später ein Paket von uns. „Wir sind überwältigt“, schreibt Schwester Mechthild. Und uns bleibt mit großer Dankbarkeit die Erinnerung an wunderschöne, Leib und Seele heilende Tage auf dem Sonnenhof.
 Marianne Hollatz

Geh unter der Gnade

Erntedankgottesdienst am 3. Oktober 2021 mit Einführung unseres Vikars

Ein strahlender Spätsommersonntag. Der Himmel tiefblau, leuchtend rot die Weinlaubblätter an der Mauer. Vor dem Altar große Körbe mit Obst und Gemüse. Wir feiern das Erntedankfest und dazu ein Fest zur Einführung unseres neuen Vikars Benedikt Löw. Es ist alles bereit, um diesen Vormittag zu einem Fest zu machen. Ein Team des bayerischen Fernsehens ist gekommen, und wir sind routiniert genug, so zu tun, als ob sie nicht da wären. In der Reihe „Stationen“ wird ein Film über Benedikts Werdegang gedreht. Unser Chor hat nach der Corona-Pause seinen ersten Auftritt in einem Gottesdienst. Weil es sich bei der einzigen Tenorstimme um Ilse Kerler handelt, bewirbt sich schließlich Dackel Pauli mit einem munteren Bellen um Aufnahme in den Chor. Ob er wohl angenommen wird?
„Es ist so schön, jetzt durch die Welt zu gehen!“ – Wie könnte der Gottesdienst an diesem Tag schöner anfangen? Voller Jubel erklingt das Gloria. Im Evangelium erzählt Jesus von den Samenkörnern, die bei der Aussaat auf unterschiedliche Bedingungen für ihre Entwicklung treffen, einige fallen auf Felsen und vertrocknen, andere zwischen Gestrüpp und ersticken, wieder andere werden von Vögeln gefressen und weit weggetragen. Viele fallen aber auch auf gute Erde und gedeihen – ein tiefgründiges Bild zur Einführung unseres neuen Vikars.
So neu ist er nun doch nicht in unserer Gemeinde. Im April dieses Jahres machte Benedikt sein Praktikum bei uns, und im September, als unsere Pfarrerin im Urlaub war, erlebten wir ihn bei zwei Andachten. Die neu gegründete Männergruppe der Gemeinde lernte sich unter seiner Initiative in St. Ottilien näher kennen. Mit Rat und Tat half er bei der technischen Einrichtung der Zoom-Treffen. Und weil in unserer Gemeinde manches etwas unorthodox-pragmatisch abläuft, wurde seinerzeit die Reihenfolge geändert, und so feiern wir seine Einführung nicht am Anfang, sondern etwas verspätet im Oktober.
Wir haben also einen „Neuen“. Was wünscht sich der neue Vikar für sein neues Amt? Begeisterung und Bestärkung!
Gern spricht unsere Pfarrerin Alexandra Caspari ihm dies zu. Sie wünscht ihm Kreativität, um mit den verschiedenartigen Samen und Böden richtig umzugehen. Sie weist darauf hin, dass eine Gemeinde vom Geben und Nehmen lebt, Pfarrerinnen und Pfarrer können nur das geben, was sie auch selbst empfangen. Wichtig sei auch, Grenzen wahrzunehmen und zu akzeptieren, aber auch zu ziehen, indem sie einen Schutzraum für sich und andere schaffen.
Gute Wünsche in Form von Samen bringen auch die verschiedenen Personen unserer Gemeinde, die sie in die Erde von Blumentöpfen legen. Für die Jugendlichen tun dies Mia und Benedikt. Alexandra als seine Mentorin wünscht ihm einen guten Stand, nicht nur innerlich, sondern auch für die Buschbohnen, die in die Höhe wachsen werden. Birgit Mair, in Vertretung des Kirchenvorstands, vergleicht unsere Gemeinde mit einer bunten und manchmal auch eigenwilligen Blumenwiese und wünscht ihm, dass er auch an Regentagen nicht den Mut verlieren möge. Klaus Hoffmann und Alois Bauer für die Männergruppe der Gemeinde haben praktisch gedacht und säen Feldsalat ein, damit Benedikt mit den notwendigen Vitaminen gestärkt werde.
Der festliche Gottesdienst geht in ein fröhliches Festessen über. Nach langer Zeit der Abstinenz genießen wir es, auf der Wiese an langen Tischen mit den von Sabine Kigle kunstvoll arrangierten Blumengestecken zu sitzen. Unsere Meisterköche Eddie Mokosch und Ali Sirch, unterstützt von unseren eingespielten Servicekräften, erfreuen uns mit Gemüsecurry und Zitronenreis und einem leckeren Nachtisch im Glas.
Jutta Gigler berichtet von der segensreichen Arbeit von anglikanischen Schwestern in einem Kindergarten in Tansania. Wir wissen nun, dass unsere Spende für das Festessen dort gut angelegt sein wird.
Lieber Benedikt, wir freuen uns, dass du bei uns bist und wünschen dir von Herzen: „Geh unter der Gnade, geh mit Gottes Segen!“

Marianne Hollatz

Spiritueller Stadtspaziergang am 16. Oktober 2021

 An einem sonnigen Herbsttag führten uns die Pfarrerinnen i.R. Christiane Ludwig und Bettina Böhmer-Lamey durch die obere Altstadt Augsburgs zwischen Dom und Stadtgraben. Wir waren  fünfundzwanzig Personen, davon vierzehn aus der alt-katholischen Gemeinde. Das Thema des zweistündigen sechs Kilometer langen Weges lautete:
Die sieben Werke der Barmherzigkeit – Bezug nehmend auf das 25. Kapitel des Matthäus-Evangeliums und auf die Jahreslosung 2021 „Seid barmherzig, so wie Gott barmherzig ist.“
Unsere beiden Führerinnen erklärten uns mit vielen eingängigen und gut verständlichen Testen und Anekdoten diese sieben Werke:
1. Hungrige speisen (hierzu spreisten sie uns mit herzhaftem Vollkornbrot
2. Gefangene besuschen
3. Nakte kleiden
4. Fremde beherbergen
5. Durstige tränken
6. Kranke pflegen
7. Tote bestatten                 
Der Meditationsweg begann in der Goldschiede-Kapelle der Anna-Kirche bei den Fresken der Hl. Helena – Mutter Konstatins des Großen -, deren Lebensaufgabe es war, das Originalkreuz Christi zu finden. Diese Kapelle hatte das Augsburger Ehepaar Afra und Konrad Hirn 1420 gestiftet.          
Im Anschluss daran begaben wir uns zu unterschiedlichen Stationen, wo wir Texte über die Barmherzigkeit hörten und interessante historische Details vernahmen. Wir erfuhren, dass das ehemalige Gefängnis in der Karmelitengasse einmal ein Karmelitenkloster war  und dass heute im Viertel hinter dem Benediktinerkloster St. Stephan vor allem bedrängte Frauen anonym untergebracht werden. Interessant war auch, wie die Diakonissinnen nach Augsburg kamen, und dass das ehemalige Hauptkrankenhaus aus einem katholischen und einem evangelischen Teil bestanden hatte.
Der Rundgang endete im Kreuzgang im Augsburger Dom, wo sich der Kreis mit dem Besuch der Grabstätte des zu Beginn genannten Ehepaars Hirn schloss. Im versteckt liegenden Paradiesgärtchen fand unsere Führung ihren romantischen Ausklang.  In engagierter und fröhlicher Art hatten die beiden Pfarrerinnen die vielfältigen Aufgaben von Caritas und Diakonie in Pflege und Fürsorge geschildert. Ihr Vortrag war aber auch in historischer Hinsicht eine Bereicherung für uns gewesen. Unsere Spenden am Ende des Weges waren für die Augsburger Diakonie bestimmt, zum Einsatz für Krankenpflege und Sozialwesen.

Uta Brinkmann

Feuerwehrhaus, Kegelbahn und König David

Start der offenen Männergruppe „Männerpfade“, so heißt das neue offene Angebot für interessierte Männer unterschiedlichen Alters aus dem Umfeld unserer Gemeinde. Gemeinsam sich auf den Weg zu machen, den Eigenheiten männlicher Spiritualität und Themen Raum zu geben und dabei sich als Weggefährten zu begreifen; das will dieser Titel zum Ausdruck bringen. An einem spätsommerlichen Samstag im September machten sich 18 Männer im Alter von 28 bis 80 plus gemeinsam auf den Weg ins Klosterdorf St. Ottilien bei Eresing.
Dort angekommen erwartete sie ein abwechslungsreiches Programm und anregende Begegnungen. Mit spirituellen Impulsen, wie einem „Vier-Winde-Körpergebet“, führte P. Augustinus Pham OSB die Gruppe durch das Klosterdorf. Neben den weitläufigen Landwirtschaftsbetrieben konnten unsere Männer auch die klostereigene Feuerwehr in Augenschein nehmen. Die Mönchs-Feuerwehrler betreuen damit einen nahegelegenen Autobahnabschnitt der A 96, eine wohl eher unerwartete Tätigkeit.
Doch nicht nur Kurioses, sondern auch Berührendes wusste P. Augustinus zu berichten. Er war Ende der 1970er Jahre als vietnamesischer Geflüchteter über den Verein Cap Anamur/Deutsche Notärzte e.V. aus dem südchinesischen Meer gerettet worden. Sein weiterer Weg führte ihn auf besonderen Pfaden nach Deutschland und zu den Missionsbenediktinern nach St. Ottilien. Beeindruckt von dieser außergewöhnlichen Biographie begab sich die Gruppe dann im zweiten Teil des Nachmittags bei einem meditativen Spaziergang auf die Spuren „biblischer Mannsbilder“. Anhand kurzer Bibeltexte und Impulsgedanken wurden verschiedene markante Figuren aus dem Ersten Testament vorgestellt: Adam, der Proto-Typ, Noach, der Arche-Typ, Josef, der Nesthäkchen-Typ, sowie König David, der Playboy-Typ. Beim Gehen und Innehalten in der malerischen Natur um das Kloster herum konnten die Teilnehmer so auch dem Charakter ihres eigenen Mannseins nachspüren.
Nachdem sich die Gruppe gegenseitig den Reisesegen zugesprochen hatte, endete dieser gelungene Tag am frühen Abend. Diesen ließen manche Teilnehmer noch im Biergarten oder beim Abendgebet der Mönche in der Klosterkirche ausklingen.
Benedikt Löw

baf -Frauen auf dem LandArt-Kunstpfad bei Bonstetten

Ende Juni trafen sich Frauen aus der baf-Gruppe, um gemeinsam auf dem LandArt-Kunstpfad bei Bonstetten unterwegs zu sein.
Bonstetten liegt im Naturpark Augsburg-Westliche Wälder. Dort gestaltete der Künstler Hama Lohrmann im Rahmen des „LandArt-Projektes“ einen Kunstpfad.
„LandArt ist eine Kunstform, die alle Sinne berührt, Fantasie weckt und dabei hilft, die Natur neu und sich selbst als einen Teil davon zu entdecken und wahrzunehmen. Die Kunstwerke sind einzigartig und verändern sich ständig durch den Einfluss von Zeit und Wetter. Die offizielle Eröffnung des Kunstpfades fand im September 2014 statt.“
(kunstpfad-bonstetten.de)
Hama Lohrmann wurde 1965 in Augsburg geboren, hat die Ausbildung zum Zimmermann absolviert und wurde bereits 2003 mit dem Kunstpreis der Stadt Augsburg gewürdigt. Es folgten weitere Kunstpreise. Der Kunstpfad in Bonstetten wird als Lauschtour angeboten; dabei ist der Künstler als „Begleiter anwesend“, indem er über eine HandyApp seine Kunstwerke und seine Gedanken zu seinen Werken erklärt. In diesem Bericht möchte ich ihn über einige seiner Skulpturen zu Wort kommen lassen.
Als zweite Skulptur steht ein angespitzter Baumstamm wie ein Wegzeichen an einer Kreuzung. Er soll einladen, einen Moment innezuhalten und eventuell darüber nachzudenken, wie sich die Menschheit entwickelt hat. „Die menschliche Entwicklung weist nach oben, das kann man … positiv sehen, jedoch ist es auch so, dass der Mensch die Natur in aggressiver Weise beherrschen möchte. Der Stamm, den mir ein Förster vorgeschlagen hat, ist krumm, was für mich symbolisiert, dass die menschliche Entwicklung nicht makellos gerade nach oben zeigt, sondern auch ein bisschen abweicht … vom rechten Weg…“, sagt Hama Lohrmann.
Die vierte Skulptur zeigt eine Baumwurzel, die in einem Kreis aus Steinen liegt. Für Lohrmann steht die Wurzel sinnbildlich für eine Lebensphase, die eher chaotisch verworren ist, in der es aber immer auch einen Ausweg gibt… „Man muss die Richtung finden und sehen, und dann führt der Weg heraus aus dem Zustand des Bedrückenden, Chaotischen, wofür eben die Wurzel steht.“
Die achte Skulptur hat Hama Lohrmann „Waldsanktuarium“ genannt. In der Mitte eines umzäunten Geländes sehen wir eine junge Eiche eingepflanzt. Er will damit an die Geschichte des Missionars Bonifatius erinnern. Dieser hat eine Eiche, die den Germanen heilig war, gefällt, und die Kirche hat ihn daraufhin heiliggesprochen. Dazu Lohrmann: „Eigentlich hat er den Grundfehler aller Glaubensrichtungen begangen. Dass er gemeint hat, sein Glaube sei der einzig richtige, und andere Menschen muss man notfalls mit Gewalt davon überzeugen, dass ihrer der falsche ist. Das ist eines der Ärgernisse der Menschheitsgeschichte.“
Hama Lohrmann hat sein Waldsanktuarium ganz bewusst an diese Stelle gesetzt, denn schräg gegenüber befindet sich ein christliches Symbol: ein Wegkreuz mit dem gekreuzigten Jesus. Dazu sagt er: „Es geht mir nicht darum, das Christentum und seine Symbolik als nichtig darzustellen, sondern mich stört dieser jeweilige dogmatische Alleingültigkeitsanspruch von Religionen…“
Die Tour hat uns durch die Worte und Skulpturen Hama Lohrmanns inspiriert, und wir haben die gemeinsame Zeit genossen.
Jutta Gigler

Leiterschulung 2021

In der ersten Woche der Sommerferien war eine Jugendfreizeit im Urdonautal geplant. Fünf Jugendliche hatten sich angemeldet. Eigentlich zu wenig. Aber nach diesem doch sehr speziellen Jahr wollten wir trotzdem fahren – bis drei Wochen zuvor der dritte Leiter aus privaten Gründen absagen musste. Das übrige Leiterteam entschloss sich schweren Herzens zu einer Absage. Die Zeit wollten aber gerade die jungen Leiterinnen und Leiter nicht ungenutzt lassen – und kurzerhand wurde aus dem Zeltlager eine Leiterschulung: Gruppenphasen, Leitungsmodelle und Führungsstile, Gruppendynamik, Umgang mit Konflikten. Wie kann eine Gruppe zusammenwachsen, und wie ist nach einem Lager ein guter Abschied möglich? Wie sehe ich mich als Leiterin, und wie nehmen mich andere wahr? Diese und andere Themen wurden nicht nur besprochen, sondern auch anhand der eigenen Jugendarbeitserfahrung an Praxisbeispielen reflektiert. Es war eine intensive und schöne Zeit, die wir miteinander verbrachten.
Unsere drei Jugendleiter wie auch die Dekanatsjugendseelsorgerin haben für euch ein paar Fragen beantwortet:
Hallo Benediktdu bist ja Jugendleiter, wie bist du zu diesem Job gekommen?
In diesem Jahr hat mich Alexandra angerufen und gefragt, ob ich mich in unserer Gemeinde als Jugendleiter engagieren möchte. Sie erwähnte eine Leiterschulung gemeinsam mit Mia, Amelie und weiteren Leitern. Da konnte ich nicht nein sagen. Dort wurde ich in das Thema Jugendleitung eingearbeitet.
Du investierst ja ziemlich viel Zeit, was ist deine Motivation?
Ich bin gerne mit Menschen im Kontakt. Schon bei den Pfadfindern konnte ich viele Erfahrungen sammeln, welche ich nun an die Teilnehmer und Teilnehmerinnen weitergeben möchte. Auch die glücklichen Jugendlichen und Jugendleiter am Ende der Fahrten motivieren mich immer wieder.

Was ist deine schönste Erfahrung mit Jugendgruppen?
Eine schöne Erfahrung, die ich gemacht habe, ist, dass man als Gruppe etwas erreichen kann, was alleine unmöglich wäre.
Hallo Amelie, du bist ja Jugendleiterin, wie bist du zu diesem Job gekommen?
Mit 14 Jahren war ich das erste Mal als Teilnehmerin bei einer Jugendfreizeit dabei. Danach habe ich noch an vielen Fahrten teilgenommen. Unter anderem war ich mehrmals mit in Taizé. Vor zwei Jahren wurde ich von Alexandra gefragt, ob ich nicht Lust hätte, auch mal zum Betreuen einer Gruppe auf ein Lager im Altmühltal mitzufahren.
Du investierst ja ziemlich viel Zeit, was ist deine Motivation?
Weil ich gerade elementare Musik-Pädagogik studiere, werde ich in meinen Semesterferien auf die Freizeiten mitkommen. Im Studium habe ich mich schon viel mit der kreativen Arbeit mit Gruppen beschäftigt. Als Leiterin möchte ich auch dazu beitragen, dass Gestaltung und Planung der Freizeiten weiterhin gut gelingen. Ich hoffe, dass zukünftige Teilnehmer und Teilnehmerinnen dort viele schöne Erfahrungen sammeln können.
Was ist deine schönste Erfahrung mit Jugendgruppen?
Besonders schön finde ich die Erfahrung, dass man während des Lagers mit der Zeit zu einer super Gruppe zusammenwächst.
Hallo Mia, du bist ja Jugendleiterin, wie bist du zu diesem Job gekommen?
Ich bin schon vorher viele Jahre als Teilnehmerin bei den Jugendfreizeiten und Taizé-Fahrten dabei gewesen. Da ich schon immer gerne bei der Organisation der Lager mitgeholfen habe, hat Alexandra mich vor zwei Jahren gefragt, ob ich als Jugendleiterin mitfahren möchte. 2019 habe ich zusätzlich eine Ausbildung zur Jugendleiterin gemacht.
Du investierst ja ziemlich viel Zeit, was ist deine Motivation? Tatsächlich gebe ich durch die Jugendfreizeiten während meiner Ausbildung zur Pflegefachkraft meinen Urlaub im Sommer auf, was ich aber gerne mache. Da ich allerdings gar nicht weiß, ob ich bei den nächsten Fahrten überhaupt Urlaub bekomme, wäre ich froh, wenn sich noch andere Leiter und Leiterinnen finden würden. Ich arbeite sehr gerne mit Menschen, besonders mit Kindern. Zusätzlich habe ich in meiner Zeit als Teilnehmerin einiges erlebt und Erfahrungen gemacht, die ich als Leiterin mit den Gruppen teilen möchte.
Was ist deine schönste Erfahrung mit Jugendgruppen?
Bei so vielen schönen Erfahrungen kann ich mich gar nicht für eine einzelne entscheiden. Jede Erfahrung mit den Jugendgruppen ist etwas Wertvolles. Das Taizé-Gebet am Ende unserer Jugendfreizeiten ist aber immer ein besonderer Moment für mich.
Hallo Alexandra, du bist ja Dekanatsjugendseelsorgerin, wie bist du zu diesem Job gekommen?
Vor 16 Jahren gab es in unserem Dekanat keine Jugendseelsorgerin bzw. keinen Jugendseelsorger. Da ich gerne mit Jugendlichen arbeite, habe ich damals die Aufgabe übernommen. Mittlerweile habe ich mehr als 15 Jugendfahrten und 15 Taizé-Fahrten organisiert und geleitet.
Du investierst ja ziemlich viel Zeit, was ist deine Motivation?
Ja, im Durchschnitt investiere ich sicherlich drei Arbeitswochen in Vor- und Nachbereitung wie in die Durchführung. Das ist sozusagen mein kirchliches Ehrenamt, da diese Aufgabe zu meiner Stellenbeschreibung als Pfarrerin hinzukommt. Ich muss für die Freizeiten zwar keinen Urlaub nehmen, die Zeit geht aber effektiv von meiner privaten Freizeit weg, da die restliche Arbeit ja trotzdem gemacht werden muss. Aber das ist mir die Sache wert! Es ist einfach ganz wunderbar, junge Menschen auf dem Weg zum Erwachsenwerden zu begleiten und ihnen in Gruppen unvergessliche Momente zu schenken.
Was ist deine schönste Erfahrung mit Jugendgruppen?
Da gibt es so viele! Allerdings sind mir besonders viele schöne und tiefe Momente in Assisi in Erinnerung. Dort lassen sich auch Glaubensthemen ganz einfach in das Leben einer Gruppe integrieren, und ich spüre, dass junge Menschen dort tiefe Glaubenserfahrungen machen.
Und was haben wir in den nächsten Jahren vor?
Zunächst hoffen wir sehr, dass wir ab 2022 wieder Freizeiten ohne Hygienekonzepte planen können. Sicher ist das freilich nicht. Da wir aber optimistisch in die Zukunft blicken wollen, sind folgende Fahrten geplant und die entsprechenden Campingplätze schon gebucht: 01.–05. August 2022 ein Zeltlager in der fränkischen Schweiz und 06.–11. August 2023 ein Zeltlager im Urdonautal. Wir wollen mit diesem Angebot eher auch jüngere Jugendliche in der Nähe ansprechen! Für alle ab 16 Jahren können wir hoffentlich im kommenden Jahr wieder unsere Taizé-Fahrt in der Pfingstwoche aufleben lassen.

Stellenanzeige Jugendleiter/in

Um auch in den kommenden Jahren verlässlich Freizeiten planen und durchführen zu können, suchen wir Verstärkung für unser Team.
Was wir bieten:
• Schulungen hier in der Gemeinde oder/und durch externe Anbieter
• Super Team mit vielen guten Ideen
• Interessante Aufgaben, an denen du neue Fähigkeiten entdecken und entwickeln kannst
• Unterwegssein mit Gleichaltrigen
• Entdecken von neuen Orten
Was du mitbringen solltest:
• Spaß daran, mit Kindern und Jugendlichen zu arbeiten
• Du bist mind. 16 Jahre alt (wir nehmen gerne auch Erwachsene als Leiter mit, nur keine Eltern von TeilnehmerInnen – ihr versteht)
• Zeit für die Vorbereitung und Durchführung von Freizeiten
• Interesse daran, Neues zu lernen
• Lust, in einem Team zu arbeiten
• Verantwortungsbewusstsein und Zuverlässigkeit Interesse?
Dann melde dich doch bei Mia Mühlbauer (mia.muehlbauer@gmail.com) oder Alexandra Caspari (augsburg@alt-katholisch.de)

Musik lag in der Luft –
Gemeindekonzert am 25. Juli 2021

Am 25. Juli fand das bunte Open-Air-Konzert „Musik liegt in der Luft“ mit Gemeindemitgliedern und Gästen statt. Frei nach dem Motto „Aus der Gemeinde für die Gemeinde“ sangen und musizierten Solistinnen und zwei Chöre Werke von Clara Schumann bis Johann Strauß. Der Junia-Chor trat nach der langen Lockdown-Pause zum ersten Mal auf mit einem Programm aus Volks- und Kirchenliedern. Dass der komplett neu formierte Chor nach eineinhalb Jahren Pause und ein paar wenigen Proben sich überhaupt in die Öffentlichkeit traute, fand bei allen große Anerkennung. Eine chorerfahrene Zuhörerin lobte zudem den sehr schönen, modulierten Klang. Dieses Lob haben wir nicht zuletzt auch der professionellen und zugewandten Art unserer Chorleiterin Dr. Christina Drexel zu verdanken. Zunächst war nicht sicher, ob das Wetter uns nicht im Stich lassen würde. Den ganzen Tag über hatte es nämlich immer wieder geregnet. Auch die Vorarbeiten zum Konzert erfolgten unter erschwerten Bedingungen in Regenjacken und unter Regenschirmen. Aber schließlich zeigte sich der Himmel doch noch von seiner freundlichen Seite, und die Abendsonne beschien den Platz. Mit den sommerlichen Melodien „Geh aus, mein Herz, und suche Freud“ und „Ich sing dir mein Lied“ eröffnete der Junia-Chor das Konzert, und sofort kam eine wunderbare Stimmung auf.
Die Mitglieder des Männerchors Cäcilia aus Inningen mit Dirigent Thomas Lohner warteten mit fröhlichen Trink- und Seemannsliedern auf, die das Publikum zum Mitsingen und Summen anregten. In wechselnder Besetzung und mit großem Einfühlungsvermögen interpretierten die Sängerinnen Corinna Graßl-Roth, Ilse Kerler und Eva Nieberle romantische Duette wie Mendelssohns „Gruß“ oder sein „Abendlied“. Südländisches Feuer brachten Christine Schmid mit drei Tangos auf der Violine sowie Corinna Graßl-Roth als Gräfin Orlofsky ein. Charmant und unterhaltsam führte Dr. Jürgen Roth durchs Programm, im Hintergrund durch Alois Bauer (Tontechnik) zuverlässig und hervorragend unterstützt. Ohne sich in den Vordergrund zu spielen, wurden die Solistinnen und der Chor von Christina Drexel meisterhaft begleitet. Spürbar genoss das Publikum die verschiedenen Beiträge. Passanten, die zufällig vorbeikamen, blieben stehen oder ließen sich im Park nieder, um den Melodien zu lauschen, und manche bedankten sich sogar noch nach der Veranstaltung. Wie viel Freude das Konzert den Menschen bereitet hatte, konnte sowohl dem Applaus entnommen werden als auch den großzügigen Geldspenden, die unserer Kirchenmusik zugutekommen. Zum Abschluss dankte Pfarrerin Alexandra Caspari den Mitwirkenden ganz herzlich und verabschiedete alle mit süßen Gaben in den schönen Sommerabend.
Birgit Mair

Zwischen A wie „Abendmahl“ und Z wie „Zoom“ – Fastenzeit und Ostern mal anders

„Wie schließt man eine Webcam an seinem Laptop an?“ oder „Wie nehme ich an einer Online-Konferenz via „Zoom“ teil?“. Diese und auch andere Fragen standen am Beginn dieser Fastenzeit.
Auch in diesem Jahr standen wir aufgrund der anhaltenden Pandemiesituation vor einigen Herausforderungen. Und so kam es, dass wir eigentlich nicht am Aschermittwoch, sondern schon eine Woche zuvor an einem Samstagvormittag mit einer individuellen „Technik- und Videokonferenz-Schulung“ für Neulinge im Gemeindesaal die Fastenzeit einläuteten. Neben dem Anschluss des nötigen Zubehörs in Form von Webcams und Headsets, die wir zuvor gesammelt für die Teilnehmenden bestellt hatten, gab es auch Hausbesuche zur technischen Unterstützung der digitalen Einsteigerinnen? Natürlich nach einem extra vorgenommenen Corona-Test.
„Du stellst meine Füße auf weiten Raum“ lautete in diesem Jahr das Motto der Misereor Hungertuchaktion. Es begleitete auch unseren Weg durch die Fastenzeit auf Ostern hin. Unsere diesjährige Osterkerze trägt daher auch das Motiv des Hungertuches, das aus der Hand der Augsburger Künstlerin mit chilenischen Wurzeln, Lilian Moreno Sánchez, stammt.
Unseren Weg beschritten wir auf zwei völlig unterschiedlichen Ebenen: im Digitalen und Analogen. Zusätzlich luden diverse Impulse wie auch Gottesdienste zur spirituellen Erfahrung in die Natur ein.
Knapp 70 Weggefährtinnen und Weggefährten nutzten die Möglichkeit der täglichen Mail-Impulse. Dabei stand jede Fastenwoche unter einem Motto-Vers aus Psalm 31. Täglich lud ein prägnanter Text, eine Anleitung zu einem meditativen Spaziergang in der Natur oder ein musikalischer Ohrenschmaus zur Unterbrechung des eigenen Alltags ein.
Die Präsenzgottesdienste an den Fastensonntagen, beginnend mit dem Aschermittwoch, setzten dabei gewisse Wegmarken zum Innehalten. Doch das war nicht alles. Auch virtuell versuchten wir mit wöchentlichen Videokonferenzen via „Zoom“ Raum für einen persönlichen Austausch anzubieten. Auch hier ließ sich eine bunte Truppe von etwa 20 Personen, darunter auch viele digitale Neulinge, neugierig darauf ein. Nach der ein oder anderen technischen Hilfestellung gestalteten sich die Treffen sehr lebendig, humorvoll und kurzweilig. Körperübungen, meditative Musik und der Austausch machten die digitalen Gesprächsrunden für einige von uns zu wahren Wochen-Highlights. Viele lernten dabei auch den spielerischen Umgang mit der neuen Konferenz-Technik, sodass sie nun ihre Zoomerfahrungen im privaten Umfeld weiter nutzen, um beispielsweise mit entfernten Freunden und Familienangehörigen in Kontakt zu bleiben. Welch schöner Nebeneffekt!


Unser Fastenweg mündete schließlich in die Feier der Kar- und Ostertage, die auch in diesem Jahr anders als gewohnt stattfanden. Jedoch musste niemand auf Gottesdienste in Präsenz oder sogar auf die besondere Feier der Osternacht verzichten. Denn wir hatten uns so einiges einfallen lassen: von einem Corona-konformen Palmentanz am Palmsonntag über „Carepakete“ für die häusliche Mahlfeier im Familienkreis am Gründonnerstag bis hin zu einem Wege-Gottesdienst in den westlichen Wäldern zum Karfreitag. Im Zusammenspiel von Kirchplatz, eigene Wohnung und Natur musste niemand auf die Gemeinschaft in der Gemeinde verzichten.
Dank der intensiven Vorbereitung und mithilfe vieler helfender Hände können wir daher glücklich auf die zurückliegende Fastenzeit und die Ostertage schauen. Sie werden uns trotz oder vielleicht auch wegen Corona lange in positiver Erinnerung bleiben.  
Benedikt Löw

Ein „Tag wie in Taizé“ – 2020

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Gemeinschaft, neue Leute kennenlernen, Singen: Das sind für mich drei Gründe, warum ich nach Taizé fahre. Da dieses Jahr unsere alljährliche Fahrt nicht stattfinden konnte, organisierte unsere Pfarrerin Alexandra Caspari einen „Tag wie in Taizé“.
Gemeinsam trafen wir uns am 6. August 2020 um 12:30 Uhr am Kirchenvorplatz. Wir begannen mit einer kleinen Vorstellungsrunde, denn es waren nicht nur bekannte Gesichter dabei. Auch konnten Taizé-Erfahrene den anderen, welche sich nichts unter dem Begriff „Taizé“ vorstellen konnten, einen kleinen Einblick in den Alltag und die Idee Taizés näherbringen. Ein leckeres Mittagessen von unseren beiden Köchen Ali und Edi schloss die Vorstellungsrunde kulinarisch ab. Gestärkt konnten wir uns dann der nächsten Einheit widmen. Diese beschäftigte sich mit uns selbst. Eine „Seelenlandschaft“ sollte einem dabei helfen zu beschreiben, wie es uns gerade ging – auch in der außergewöhnlichen Situation der Corona-Pandemie. Begriffe wie „verbotener Wald“, „high feeling Point“ oder „Ekelecke“ brachten uns alle zum Schmunzeln. Beendet wurde diese Einheit mit einem sehr bekannten Klatschspiel aus Taizé. Wie auch in Taizé gab es um 14:00 Uhr eine Bibeleinführung und im Anschluss daran hatten wir die Möglichkeit, uns in kleinen Gruppen auszutauschen. Nach einer intensiven und schönen Gesprächsrunde spielten wir zur Auflockerung nochmal die Klatschspiele mit Abstand.
Dann startete die zweite Einheit, die sich nun mit der Zukunft beschäftigte. Was das Kennenlernen neuer Menschen angeht, war unser „Tag wie in Taizé“ nämlich ganz besonders: Mit Elmas und Seyma waren zwei Muslima unter uns.
Zusammen mit Elmas gestalteten wir ein Plakat, auf dem jeder seine Zukunftswünsche um eine gemalte Weltkugel schreiben durfte. Worte wie „Achtsamkeit“ oder „die Welt wahrnahmen“ brachten uns alle zum Nachdenken. Um die Zukunft nun „aufblühen“ zu lassen, malten oder klebten wir Blumen und Pflanzen aus der Natur zwischen die Wörter.
So entstand ein interreligiöses Zukunftsbild!
Das Taizé-Gebet auf dem Kirchenvorplatz, gemeinsam mit anderen Gemeindemitgliedern, schloss unseren „Tag wie in Taizé“ ab.
Dorothea Täufer und Mia Mühlbauer

Mache dich auf und werde Licht … Advent und Weihnachten 2020

Advent im Jahr 2020 in Zeiten einer Pandemie – eine völlig neue Erfahrung! So waren die Wochen vor Weihnachten vor allem durch Beschränkungen gekennzeichnet. Hygienevorschriften reduzierten die Zahl der Plätze in unserer Kirche drastisch. Deshalb entschloss sich unsere Pfarrerin Alexandra Caspari, am Wochenende drei Gottesdienste anzubieten, damit niemand außen vor blieb. Mehr denn je stand heuer die Adventszeit in unserer Gemeinde im Zeichen des zunehmenden Lichtes – als Symbol für Wärme und Hoffnung und für all die Menschen, die Licht in unsere Welt bringen, in der Pflege, in den Familien und in der Gesellschaft, oft für wenig oder gar keine weltliche Entlohnung.
Statt eines Adventskranzes begleitete uns dieses Jahr ein Lichtweg durch die Adventszeit. In der Mitte des Kirchenraums hatten Alexandra Caspari und Sabine Kigle eine Spirale aus grünen Zweigen ausgelegt, die, mit zahlreichen kleinen Lichtern und vier großen Kerzen bestückt, zur Mitte führte, einer Plattform, auf der die Osterkerze stand.
Die Eucharistiefeiern an den Adventssonntagen wurden betont schlicht gehalten. Wir saßen im Kreis mit entsprechendem Abstand zueinander. Auf Gesang im Kirchenraum wurde von Anfang an bewusst verzichtet, aber es gab beschauliche Musik vom Band, und unsere Pfarrerin stimmte uns mit Monochord-Klängen in eine meditative Besinnlichkeit ein.
An allen vier Adventssonntagen kamen biblische Gestalten zu Wort. Am ersten Sonntag waren es die beiden Hebammen Schifra und Pua, die sich im ägyptischen Exil weigerten, männliche Säuglinge zu töten. Verbunden mit Gott, dem Ursprung allen Lebens, stellten sie sich mutig dem Pharao entgegen. Als liebevoll gestaltete kleine Figuren standen sie an der Station, wo das Licht der ersten großen Kerze brannte und die kleinen Lichter bis dorthin entzündet waren.
Da das Wetter uns wohlgesonnen war, konnte sich die Gemeinde zu Beginn und am Ende des Gottesdienstes auf dem Kirchenvorplatz treffen, um ein Adventslied anzustimmen. Noch war Singen draußen erlaubt.
An zwei Mittwochabenden fand auf dem Kirchenvorplatz auch das Kirchplatzsingen statt, bei dem sich die Gemeinde im Kreis um ein Feuer mit gebührendem Abstand und Maske versammelte. Die Stimmung war trotz der kalten Temperaturen feierlich, weil dies noch die einzige Möglichkeit war, singen zu können. Da aber die Infektionszahlen weiter stiegen, wurde Gesang in Gottesdiensten ohne Ausnahme verboten, auch im Freien. Mit dem Virus konnte man halt nicht handeln. Am zweiten Adventssonntag ging es um Samuel und Hanna, die an der zweiten Station standen. Neben ihrer Kritik an bestehendem Unrecht lenkte die Prophetin Hanna den Blick auch auf eine bessere Zukunft. Die zweite große Kerze durfte mit ihrem Licht die Welt heller machen.
Der dritte Adventssonntag brachte uns die Begegnung Marias mit dem Engel Gabriel näher, der ihr zusagt, dass Gott mit und in ihr ist! Und wir wurden dazu angeregt, diesem Gefühl in uns selbst nachzuspüren.
Der letzte Adventssonntag thematisierte das Treffen der beiden schwangeren Frauen Maria und Elisabeth. Dieses Evangelium durfte kurz vor Weihnachten unsere innerste Kraft stärken und uns darauf vorbereiten, dass die Geburt Jesu im Stall nicht spurlos an dieser Welt vorübergeht – auch heute nicht. Das Licht nahm zu, und nun waren es die vier großen Kerzen und alle kleinen Lichter, die unsere Herzen wärmen konnten. Aus den biblischen Geschichten hatte unsere Pfarrerin weibliche Lichtgestalten ausgewählt, deren Vertrauen auf Gott uns auch heute noch Kraft und Zuversicht geben können.
Mit diesen starken Eindrücken wurden wir nun ins Weihnachtsgeschehen geführt. Allerdings verschärfte die Politik kurz vor dem Heiligen Abend dann die Ausgangsbeschränkungen noch einmal, und es herrschte Ausgangsverbot nach 21 Uhr. Das galt auch für religiöse Feiern. Da half kein Murren und kein Klagen, es hieß umdenken und umorganisieren, die vielen Beteiligten zu motivieren und zu koordinieren – wahrlich keine leichte Zeit für unsere Pfarrerin, weil wir als kleine Gemeinde nicht mit hauptamtlichem Personal ausgestattet sind.
Gemeinsam mit dem Kirchenvorstand entschied sie sich schließlich dafür, die Krippenandacht wie geplant am 24. Dezember nachmittags durchzuführen, die Christmette jedoch auf den frühen Abend des 25. zu verlegen. Beides sollte auf dem Kirchenvorplatz gefeiert werden.
Wochen zuvor waren schon die Vorbereitungen für den lebensgroßen Stall (Leihgabe von Pauli Ortner) auf dem Kirchenvorplatz getroffen worden. Marianne Hollatz und Gisa Feder betätigten sich als Kostümbildnerinnen für die Hirten, Maria und Josef und den Engel. Der Stall mit Krippe wurde von fleißigen Helfer*innen aufgebaut und liebevoll eingerichtet und ausgestaltet, Stroh und Holz herbeigeschafft, Sterne aufgehängt. Ein Christbaum wurde aufgestellt und mit Lichtern bestückt. So viele Hände halfen mit, dass Weihnachten trotz aller Einschränkungen gelingen konnte.
Und es gelang. Auch wenn es zuvor noch ein großes Bangen gab, denn der Wetterbericht hatte für den 24. Dezember Sturm und Regen vorausgesagt. Aber der Himmel hatte ein Einsehen und hielt den Regen noch für einige Zeit zurück, den Wind allerdings zunächst nicht.
Mehr als 100 Menschen kamen, 20 Mitwirkende agierten einschließlich der Helfer*innen im Hintergrund, 95 Prozent der Besucher*innen waren Familien, die meisten davon Gäste unserer Gemeinde. Was für ein Glück für uns, dass uns das Gelände des Sheridan Parks praktisch ganz zur Verfügung stand und unser Begrüßungsdienst den Hygienevorschriften gemäß alle Teilnehmer coronakonform verteilen konnte. Ganz vorne am Stall hatten wir Bierbänke aufgestellt für die Familien, die teilweise mit mehreren
Kindern kamen. Dann begann das Krippenspiel. Und es fiel auf, wie aufmerksam die Kinder waren und gebannt dem wunderbaren Schauspiel folgten, obwohl doch daheim das Christkind auf sie wartete. Das Drehbuch stammte von Corinna Graßl-Roth, die auch Regie führte und die weibliche Stimme sprach, denn die Spieler*innen agierten stumm. Die Erzählstimme wurde von Jürgen Roth, die männliche Stimme von Korbinian Graßl verkörpert.
Das Krippenspiel stellte das Weihnachtsevangelium nach, mit Maria (Mia Mühlbauer) und Josef (Elias Mühlbauer), die auf der Suche nach einer Bleibe für die Nacht waren, der Herbergsmutter (Marianne Hollatz), die ihnen den Stall überließ, einer Hirtin (Lisa Knobloch) und einem Hirten (Max Knobloch), die dem Licht folgten, und einer Engelsfrau (Christina Drexel), die das Lob Gottes sang. Beim kuscheligen Schaf handelte es sich um eine Leihgabe der Firma Samina, Ochs und Esel waren von Amelie und Alina Dehner auf Holz gestaltet und von Rudi Hausser ausgesägt worden. Für die aufwendige Technik war Alois Bauer zuständig.
Während des Spiels schürten die Hirten ein Lagerfeuer. Und mit ihrem himmlischen Gesang ließen Christina Drexel und Corinna Graßl-Roth große weihnachtliche Freude aufkommen, die gerade jetzt so nötig war. In ihrer Ansprache betonte Pfarrerin Alexandra Caspari, dass es beim Weihnachtsfest nicht nur darum gehe, an ein historisches Ereignis zu erinnern, sondern auch um ein tiefes innerliches Geschehen, das in uns Liebe, Hoffnung und Vertrauen wecken will. Und das wollten alle, die an dieser Krippenandacht beteiligt waren, den Anwesenden mitgeben.
Das Friedenslicht von Bethlehem war zu Beginn von der Herbergsmutter an Maria und Josef in einer Laterne weitergereicht worden, damit sie den Stall erleuchten konnten.
Nach dem Segen hatte endlich der Wind nachgelassen. Und so war es sogar möglich, dass die Anwesenden ihre Kerzen, die sie beim Einlass hatten kaufen können, am Friedenslicht entzünden und mitnehmen konnten. Sichtbar bereichert, trugen die Menschen ihr Licht durch den dunklen Park nach Hause.
Am nächsten Abend folgte dann die Christmette. Im Stall waren die lebendigen Personen nun durch Schaufensterpuppen (Leihgabe von Deko Schneider) ersetzt und entsprechend eingekleidet worden.
An die 50 Menschen versammelten sich auf dem Kirchenvorplatz und folgten dem Gottesdienst. Pfarrerin Alexandra Caspari sprach uns davon, dass bei der Geburt Jesu eine innere Wärme entsteht, wie der Lichtschein einer Kerze, der sich vermehrt und in all der Unsicherheit eine unverlierbare Verbindung schafft, nämlich zu Jesus. Die Herz-Jesu-Bläser begleiteten den Gottesdienst mit weihnachtlicher Musik, wobei Eva Nieberle und Gisa Feder den gesanglichen Part übernahmen. Die musikalische Begleitung sorgte für eine feierliche Stimmung, die die Menschen beseelt in die Nacht hinein verabschiedete.
Am Sonntag nach Weihnachten konnte diese erfahrene innere Freude in zwei Eucharistiefeiern in der Kirche nachklingen.

Zuversicht spendend, hat uns unsere Pfarrerin durch die dunkle Zeit geführt, und von Woche zu Woche wurde es nicht nur in der Kirche, sondern auch in vielen von uns immer heller.
Ursprünglich waren an den Abenden des 25. und 26. Dezember zwei Lichtvespern geplant gewesen. Mit Lichtern und Liedern wollten wir draußen die Weihnachtstage begehen. Da aber Gemeindegesang nicht mehr möglich war, wurde kurzerhand eine Lichtvesper für den Dreikönigstag als Video aufgenommen und mit der alljährlichen Sternsingeraktion verbunden.
Päckchen mit Weihrauch lagen in der Kirche bereit, die gegen eine Spende für ein Projekt auf den Philippinen abgeholt werden konnten.
Am Abend des 6. Januar wurde das Video freigeschaltet, und alle hatten die Möglichkeit, mitzufeiern und mitzusingen. Besinnliche Bilder zeigen darauf die Krippe im Lichterglanz, unsere Pfarrerin entzündet Weihrauch und Licht, Texte und entsprechende Gedanken werden vorgetragen, und aus dem Off erklingt vierstimmiger Gesang.
Und noch besteht die Hoffnung, dass wir die Sternsingeraktion am 31. Januar mit einem Gottesdienst an der Krippe auf dem Kirchenvorplatz abschließen können, dann auch mit echten, lebendigen König*innen – unseren Sternsingern! So bleibt der Stall dieses Jahr bis Ende Januar stehen. Und das ist auch gut so – denn er wurde sehr schnell zur Attraktion im Park. Einzelpersonen, Paare, Familien mit Kindern – täglich wird die Krippe bestaunt. Ein Schild wurde aufgestellt, auf dem die Besucher*innen, vor allem natürlich Kinder, aufgefordert werden, Steine mit weihnachtlichen Motiven zu bemalen und an der Krippe abzulegen. Täglich kommen neue dazu und die Steinschlange ziert nun unsere Krippe.
In der Kirche machte jetzt die Osterkerze weihnachtlichen Figuren Platz – Maria, Josef, dem Jesuskind in der Krippe, dem Engel, den Hirten, den Tieren und schließlich auch den drei Königen aus dem Morgenland. In ihrer Einfachheit und erdverbundenen Schönheit, umgeben vom Licht der Kerzen, berühren sie nicht nur Kinderherzen. Die Weihnachtstage gelangen durch die Emsigkeit vieler engagierter Gemeindemitglieder und vor allem durch den unermüdlichen Einsatz unserer Pfarrerin, die wochenlang kaum eine Minute Zeit hatte, einmal durchzuatmen. Immer wieder waren neue Vorgaben von Seiten der Politik zu erfüllen. Dann musste sie wieder neue Ideen entwickeln, neu planen und neu organisieren. Aber ihre Gemeinde wollte sie nicht im Stich lassen. Denn gerade in dieser dunklen Zeit brauchten die Menschen ein Zeichen der Hoffnung und des Vertrauens ins Leben, damit sich ein Licht in ihren Herzen anzünden möge – auch unter diesen schwierigen Bedingungen.
„Mache dich auf und werde Licht, denn dein Licht kommt.“ Dieses Lied von Helge Burggrabe hat durch das Weihnachtsfest im Jahr der Pandemie eine ganz spezielle Bedeutung erfahren. Immer wieder wurden wir dazu ermuntert, das Licht in uns wahrzunehmen und die Gottesgeburt auch in uns zu vollziehen. Und das sollten wir gerade in dieser schwierigen Zeit nicht vergessen.
Birgit Mair

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