Römisch-Katholische Kirche

Dialog zwischen römisch-katholischer und alt-katholischer Kirche geht weiter

Kardinal Kurt Koch (Foto Mitte), Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen, hat zusammen mit Mons. Matthias Türk (ganz rechts) die Delegation der Alt-Katholischen Bischofskonferenz der Utrechter Union am 6. September 2011 zu einem Gespräch in Rom empfangen.
Die Alt-Katholische Delegation bestand aus Erzbischof Joris Vercammen
(2. v. l.), Vorsitzender der Internationelen Alt-Katholischen Bischofskonferenz der Utrechter Union (IBK), Prof. Urs von Arx (ganz links), Universität Bern, sowie Pfr. Ioan L. Jebelean aus Luzern (2. v. r.), Ökumenebeauftragter der Alt-Katholischen Bischofskonferenz der Utrechter Union.

Die Vertreter der beiden Kirchen informierten sich gegenseitig über die Rezeption des Berichtes „Kirche und Kirchengemeinschaft“ der Internationalen Römisch-katholisch/Alt-katholischen Dialogkommission. Das Gespräch fand in einer sehr herzlichen und vertrauensvollen Atmosphäre statt. Es besteht Einigkeit darüber, dass es dem mit der Arbeit der Kommission eingeschlagenen „Dialog in Wahrheit und Liebe“ gelungen sei, eine neue Basis des gegenseitigen Vertrauens zu schaffen, die weiter ausgebaut werden soll.

Es fand ein Austausch über den aktuellen Stand der ökumenischen Gespräche der beiden Kirchen mit anderen Kirchen statt. Die Überlegung der Alt-Katholischen Seite, möglicherweise als Beobachter in den jeweiligen Alt-katholischen / Römisch-Katholische Dialoge mit den Orthodoxen und Anglikanern zu fungieren, wird mit den Dialogpartnern überprüft.

Weiter wurde festgestellt, dass die Frage nach dem Verhältnis von Universal- und Ortskirche das wichtigste Problem des Dialogs darstellt. Dieses Verhältnis sollte in Zusammenhang mit der Primatsfrage stehen. Auch der altkirchliche Konsens „keine Eucharistiegemeinschaft ohne Kirchengemeinschaft“ verdiene weitere Beachtung, insbesondere im Zusammenhang mit den Gesprächen zwischen dem katholischen Bistum der Alt-Katholiken in Deutschland und der Evangelischen Kirche in Deutschland, die 1985 stattfanden und zu einer „Vereinbarung über eine gegenseitige Einladung zur Teilnahme an der Feier der Eucharistie“ geführt haben. Auch die Kirchengemeinschaft zwischen Alt-Katholiken und Anglikanern soll thematisiert werden. Weitere Themen, die zu behandeln sind, sind die Fragen der Frauenordination und der Mariendogmen.

Abschliessend haben die Delegationen sich darauf geeinigt, die Arbeit der Kommission am Text „Kirche und Kirchengemeinschaft“ fortzusetzen. Eine neue internationale Dialogkommission soll Ihre Arbeit Anfang 2012 aufnehmen. Darüber hinaus soll der Text „Kirche und Kirchengemeinschaft“ demnächst auch in englischer und französischer Sprache vorliegen.

 

Mons. Matthias Türk, Rom

Pfr. Ioan L. Jebelean, Luzern

20. September 2011

 

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Die Dialog-Kommission

Office of Information and Communication of the International Old Catholic Bishops’ Conference Of the Union of Utrecht, Kontakt: Maja Weyermann, Willadingweg 39, CH-3006 Bern,
Tel [+41] 31-3528310, E-Mail: m_weyermann@bluewin.ch

 

Römisch-katholische und altkatholische Kirchen gehen aufeinander zu

Am 12. Mai 2009 verabschiedete die Internationale Römisch-Katholisch-Altkatholische Dialogkommission (IRAD) auf ihrer Tagung im Johannes-Schlössl der Pallottiner in Salzburg einen Abschlussbericht ihrer mehrjährigen Beratungen, die sich Kirchengemeinschaft zwischen der römisch-katholischen und der alt-katholischen Kirche zum Ziel gesetzt haben. Mit dem neuen Dokument, das den Titel „KIRCHE UND KIRCHENGEMEINSCHAFT“ trägt und über ein reines Konsenspapier hinausgeht, konnten wichtige Fortschritte erzielt werden.

Der Text stellt zum Kirchenverständnis fest, dass die Altkatholischen Kirchen und die Römisch-Katholische Kirche verbunden sind im gemeinsamen Bekenntnis zur Heiligen Schrift und zum Nicäno-Konstantinopolitanischen Glaubensbekenntnis sowie zu den dogmatischen Entscheidungen der im Osten und im Westen anerkannten ökumenischen Konzile. Ekklesiologische Grundpfeiler ihrer Bemühungen um eine Kirchengemeinschaft sind für beide Kirchen das sakramentale Bischofsamt in apostolischer Sukzession, in der die ganze Kirche steht, und die sieben Sakramente.

Der Hauptgrund der bisherigen Trennung waren Differenzen über das Verhältnis von Ortskirche und päpstlichem Primat (1723) bzw. die Dogmen des Ersten Vatikanischen Konzils über die Unfehlbarkeit und über den Jurisdiktionsprimat des Papstes (1870). Die seitdem von beiden Seiten vertieften ekklesiologischen Überlegungen zum Dienst des Papstes an der Gemeinschaft aller Ortskirchen haben gezeigt, dass diesbezüglich keine unüberbrückbaren Gegensätze mehr bestehen. Der Text verdankt sich nicht zuletzt einem gemeinsamen Nachdenken über diesen Dienst, zu dem bereits 1995 Papst Johannes Paul II. in seiner Ökumeneenzyklika „Ut unum sint“ (Nr. 95-96) aufgerufen hat. Mit diesem gemeinsamen Text liegt jetzt auch von altkatholischer Seite eine Antwort auf diesen Aufruf vor. Er geht davon aus, dass die sog. Papstfrage nicht isoliert erörtert werden kann, sondern nur in einer umfassenden Besinnung über die Kirche als Gemeinschaft von Ortskirchen, in denen die eine, heilige, katholische und apostolische Kirche, die beide gemeinsam bekennen, existiert.

Im Verlauf ihrer Arbeit hat sich die Dialogkommission dazu entschlossen, den Text über die Kirche in den Horizont einer möglichen Kirchengemeinschaft zu stellen. Natürlich konnten die an den Beratungen beteiligten Fachleute nicht übersehen, dass es auf der Basis des gemeinsam festgehaltenen katholischen Glaubens in den Kirchen auch unterschiedliche Weiterentwicklungen in Einzelfragen der Lehre wie der kirchlichen Disziplin gegeben hat. Dies betrifft vor allem die Fragen der Marienverehrung, der Ordination von Frauen zum Priesteramt sowie der Übernahme von ehemalig römisch-katholischen Geistlichen in die alt-katholische Kirche. Diese wurden jeweils mittels der Methodik des „differenzierten Konsenses“ herausgearbeitet und dargestellt. Die Kommission war sich darüber im Klaren, dass einige dieser Divergenzen Einschränkungen in der Verwirklichung einer möglichen Kirchengemeinschaft mit sich bringen.

Zum Hintergrund der jetzt abgeschlossen Arbeit der Kommission ist zu sagen, dass es im Anschluss an das Zweite Vatikanische Konzil zu einer neuen Phase im Verhältnis zwischen der Römisch-Katholischen Kirche und der Utrechter Union der Altkatholischen Kirchen kam. Seit 1966 befassten sich darauf verschiedene nationale Gesprächskommissionen mit Fragen des Glaubens und der Pastoral. Am früheren Dialog waren auf altkatholischer Seite die Kirchen der Niederlande, Deutschlands und der Schweiz aktiv beteiligt, in Österreich wurde keine bilaterale Dialogkommission eingesetzt. Nicht beteiligt waren u. a. die Polish National Catholic Church (PNCC) in Nordamerika und die Polnisch-Katholische Kirche (PKK) in Europa.

Im großen Jubiläumsjahr 2000 wurde bei einer Begegnung zwischen Erzbischof Antonius Jan Glazemaker und dem Päpstlichen Rat zur Förderung der Einheit der Christen in Rom eine neue, diesmal internationale Dialogkommission in Aussicht genommen. Nach der Sitzung einer Vorbereitungsgruppe 2003 in Stuttgart nahmen die unterdessen von ihren Kirchen er-nannten Mitglieder ihre Arbeit im Mai 2004 in Bern auf. Die Kommission hat nach insgesamt elf Sitzungen, die in den Niederlanden, Deutschland und der Schweiz und stattgefunden haben, ihre Arbeit im Mai 2009 in Salzburg abgeschlossen.

Die Mitglieder 

auf alt-katholischer Seite:

Bischof Fritz-René Müller, Bern/Schweiz, als Co-Präsident
Prof. Dr. Angela Berlis, Haarlem/Niederlande
Prof. em. Dr. Jan Visser, Zeist/Niederlande
Prof. Dr. Günter Esser, Bonn/Deutschland
Prof. Dr. Urs von Arx, Bern/Schweiz
und Pfr. Martin Eisenbraun, Salzburg/Österreich, Co-Sekretär

auf römisch-katholischer Seite:

Bischof em. Paul-Werner Scheele, Würzburg, als Co-Präsident
Weihbischof Johannes Gerardus Maria van Burgsteden, Haarlem/Niederlande
Domkapitular Prälat Hubert Bour, Rottenburg/Deutschland
Prof. Dr. Heinrich J. F. Reinhardt, Bochum/Deutschland
Prof. Dr. Hans Jörg Urban, Paderborn/Deutschland
und Monsignore Dr. Matthias Türk, Vatikanstadt, Co-Sekretär.

Die Dialogkommission schließt mit der Verabschiedung dieses Textes ihre Aufgabe ab, mit der sie vom Päpstlichen Rat zur Förderung der Einheit der Christen und der Internationalen Altkatholischen Bischofskonferenz der Utrechter Union beauftragt wurde. Sie legt ihren Text den Auftrag gebenden Kirchenleitungen zur Beurteilung vor, wobei sie sich bewusst ist, dass manche ihrer Überlegungen eines weiterführenden Gesprächs bedürfen. Zuversichtlich erhofft sie einen Rezeptionsprozess auf allen Ebenen, ohne den das angestrebte Ziel nicht erreicht werden kann.

 

Salzburg, den 12. Mai 2009

gez. Msgr. Dr. Matthias Türk, Co-Sekretär der Dialogkommission,
Päpstlicher Rat zur Förderung der Einheit der Christe, Vatikanstadt

und

Pfr. Martin Eisenbraun, Co-Sekretär der Dialogkommission,
Internationale Altkatholische Bischofskonferenz der Utrechter Union, Salzburg

 

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Der Bericht der Internationalen Römisch-Katholisch-Altkatholischen Dialogkommission (IRAD) liegt inzwischen den Kirchenleitungen beider Kirchen zur Beurteilung vor und ist über den Buchhandel auch für alle Interessierten erhältlich: 

Kirche und Kirchengemeinschaft. Bericht der Internationalen Römisch-Katholisch-Altkatholischen Dialogkommission,
Bonifatius GmbH Druck Buch Verlag, Paderborn 2009, ISBN 978-3-89710-456-3,
und
Verlag Lembeck, Frankfurt am Main 2009
85 Seiten
Euro 12,90.

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