Ökumene

Von Anfang an hat sich die Alt-Katholische Kirche für die Ökumene eingesetzt.

Zeichen der Hoffnung


Zeichen der Hoffnung

Schon während der Anfangsphase der alt-katholischen Bewegung wird nicht nur der Protest gegen die neuen Papstdogmen hervorgehoben, sondern auch die Unzufriedenheit über die vorhandenen Kirchenspaltungen. Der zweite Alt-Katholiken-Kongress z. B. beschließt am 21. September 1872:

Der Kongress wiederholt den in den Münchener Programmen von Pfingsten und vom September 1871 enthaltenen Ausdruck der Hoffnung auf eine Wiedervereinigung der jetzt getrennten christlichen Glaubensgenossenschaften. Er spricht den Wunsch aus, dass die Theologen aller Konfessionen diesem Punkte ihre Aufmerksamkeit zuwenden mögen, und ernennt eine Kommission, welcher der Auftrag erteilt wird:

1. sich mit den bereits bestehenden oder sich bildenden Vereinen zur Hebung der kirchlichen Spaltung in Beziehung zu setzen;

2. wissenschaftliche Untersuchungen über die vorhandenen Differenzen und die Möglichkeit ihrer Beseitigung anzustellen und zu veranlassen und die Veröffentlichung der Ergebnisse dieser Untersuchungen in wissenschaftlichen Werken und Zeitschriften zu erleichtern;

3. durch populäre Schriften und Aufsätze die Kenntnis der Lehren, Einrichtungen und Zustände der getrennten Kirchen und Konfessionen, die richtige Würdigung der vorhandenen Einigungs- und Differenzpunkte zu fördern und überhaupt das Verständnis und Interesse für die wünschenswerte Verständigung in weiteren Kreisen zu wecken und zu erhalten.

Unter Federführung von Ignaz von Döllinger fanden ab 1874 die Bonner Unionskonferenzen statt: multilaterale theologische Gespräche unter Teilnahme von namhaften orthodoxen, anglikanischen und protestantischen Theologen. Schon hier zeichnete sich ab, dass insbesondere das Gespräch mit der Orthodoxie mühevoll und langwierig sein würde.

Die Gespräche mit den anderen Kirchen wurden fortgesetzt und führten zu unterschiedlichen Ergebnissen.

Mit der Anglikanischen Kirchengemeinschaft führten sie im Jahre 1931 zum Bonn Agreement und damit zu voller Kirchengemeinschaft.

Das Gespräch mit den orthodoxen Kirchen wurde zwar mehrmals unterbrochen, führte aber schließlich in den letzten Jahrzehnten zu verschiedenen Konvergenzerklärungen, nicht aber zu einer größeren Gemeinschaft. Problematisch ist vor allem die in den westeuropäischen Bistümern der Utrechter Union erfolgte Zulassung von Frauen zum dreifachen kirchlichen Amt. Aber auch die guten Beziehungen zur anglikanischen Kirchengemeinschaft und die Ergebnisse der Gespräche mit verschiedenen reformatorischen Kirchen, besonders auf lokaler Ebene, erschweren den Dialog mit den Ostkirchen.

Der Dialog mit den Kirchen der Reformation spielt sich besonders auf lokaler Ebene ab und führt dort zu sehr unterschiedlichen und mitunter umstrittenen Ergebnissen. Im allgemeinen kann beobachtet werden, dass das Verhältnis herzlich und freundschaftlich ist. Die volle Teilnahme von reformierten Christen an alt-katholischen Eucharistiefeiern ist zwar nur in den deutschsprachigen Kirchen mit unterschiedlicher Akzentsetzung ausdrücklich erlaubt, gehört aber auch in den anderen Kirchen der Utrechter Union zur gängigen Praxis.

Im Katholischen Bistum der Alt-Katholiken in Deutschland, z. B., erklärte Bischof Josef Brinkhues 1971 in einer Bischöflichen Verordnung zur Feier der Eucharistie:

Wir haben nicht die "offene" Kommunion. Die Einladung, zum Tisch des Herrn zu kommen, sollte bei jeder Eucharistiefeier ausgesprochen werden. Die Einladung wendet sich an alle anwesenden Gläubigen, die unsern Glauben an die Wirklichkeit und leibliche Gegenwart des erhöhten Herrn im hl. Sakrament des Altars mit uns teilen. "Kommt alle, das Mahl ist für euch bereitet".

Die Gespräche mit der römisch-katholischen Kirche dürften wohl trotz der gegenseitigen Anerkennung der Ämter die schwierigsten sein. Dennoch werden sie immer wieder neu in Angriff genommen. Sie führten sogar im Jahre 1974 zur sog. "Pastoralvereinbarung". In dieser Vereinbarung wird das gegenseitige Verhältnis auf eine geregelte Grundlage gestellt und sogar gegenseitige Amtshilfe im sakramentalen Bereich angeboten. Die Vereinbarung wurde zur endgültigen Approbation nach Rom weitergeleitet, aber dort nie bestätigt.

Ende 1999 unterzeichneten der Vorsitzende der römisch-katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Dr. Karl Lehmann, und unser Bischof Joachim Vobbe eine Vereinbarung für die Übernahme von Geistlichen einer der beiden Kirchen in den Dienst der anderen.

Die Internationale Römisch-Katholisch - Altkatholische Dialogkommission (IRAD) legte Ende 2009 ihren Bericht mit dem Titel "Kirche und Kirchengemeinschaft" vor, der trotz mancher Hürden im Dialog der beiden katholischen Kirchen von allen Seiten mit Interesse angenommen wurde.
Aktuelle Infos zum IRAD-Bericht finden Sie auf dieser Website unter Ökumene - Römisch-Katholische Kirche.