Evangelische Kirche in Deutschland (EKD)

Arbeitshilfe zum alt-katholisch/evangelischen Dialog

Die Kirchenleitung der VELKD, darunter die Stellvertretende Leitende Bischöfin Ilse Junkermann, und Bischof Dr. Ring, stellen die "Hände-Reichung" vor.

Unter dem Titel „Hände-Reichung“ hat die Dialogkommission der VereinigtenEvangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD) und der Alt-Katholischen Kirche in Deutschland (AKD) eine Arbeitshilfe für die alt-katholisch/evangelische Ökumene vorgelegt.

Die 20-seitige Broschüre gibt einen Einblick in die Geschichte des alt-katholisch/evangelischen Dialogs und informiert über die beteiligten Kirchen.

 

Die „Hände-Reichung“ skizziert das jeweilige Verständnisvon Taufe, Trauung und Abendmahl bzw. Eucharistie und zeigt, wie diese Feiern ökumenisch gestaltet werden können. Anhand dreier Beispiele aus der Praxis wird deutlich, was an gelebter Ökumene bereits möglich ist.

Das ökumenische Gespräch zwischen Lutheranern und Alt-Katholiken hat eine nahezu 30-jährige Tradition. Ein entscheidender Schritt war die Vereinbarung über eine gegenseitige Einladung zur Teilnahme an der Feier der Eucharistie bzw. des Abendmahls im Jahr 1985. Trotz unterschiedlicher Positionen in der Frage des geistlichen Amtes zeigt die neue pastorale Arbeitshilfe viele Möglichkeiten auf, wie die beiden Kirchen Gemeinschaft leben können. Die „Hände-Reichung“ wurde Anfang Juni im Rahmen einer Sitzung der Kirchenleitung der VELKD vom alt-katholischen Bischof, Dr. Matthias Ring, und dem evangelischen Co-Präsidenten der Dialogkommission, Oberkirchenrat Dr. Oliver Schuegraf, vorgestellt. Der Titel der Broschüre symbolisiert das ökumenische Miteinander, durch das die Kirchen gemeinsam Zeugnis für die frohe Botschaft ablegen. Die Arbeitshilfe ist im Alt-Katholischen Bistumsverlag erschienen und ist zum Preis von 1,50 € über das Alt-Katholische Ordinariat in Bonn zu beziehen. 

 

25 Jahre Vereinbarung über eine gegenseitige Einladung zur Teilnahme an der Feier der Eucharistie!

Fest-Gottesdienst mit Bischof. Dr. Friedrich und Bischof Dr. Ring zum 25. Jubiläum

Zusammenarbeit mit der evangelischen Kirche soll intensiviert werden.

Aus Anlass des 25. Jubiläums der Unterzeichnung - März 1985 - zur Vereinbarung über eine gegenseitige Einladung zur Teilnahme an der Feier der Eucharistie fand in Bonn am 18. September 2010 ein wissenschaftliches Symposium statt. Im Mittelpunkt stand das Abschlussdokument zwischen den Dialogkommissionen der VELKD und der AKD.

 

Die volle Kirchengemeinschaft ist  zurzeit noch nicht möglich, aber beide Kirchen möchten die bereits bestehende Gemeinschaft ausbauen und die Zusammenarbeit intensivieren.

Zum Abschluss feierten der evangelische Landesbischof Dr. Friedrich als leitender Bischof  der VELKD und der Alt-Katholische Bischof Dr. Ring einen gemeinsamen Fest-Gottesdienst in der Pfarrkirche St. Cyprian in Bonn mit gegenseitiger Einladung zur Eucharistie.

Vereinbarung über eine gegenseitige Einladung zur Teilnahme an der Feier der Eucharistie

Feierliche Inkraftsetzung der Vereinbarung am 6. Januar 1988 in der evangelischen Kirche St. Vinzenz Nordstrand-Odenbüll; links: Bischof Dr. Kraft, rechts Bischof Stoll
Feierliche Inkraftsetzung der Vereinbarung am 6. Januar 1988 in der evangelischen Kirche St. Vinzenz Nordstrand-Odenbüll; links: Bischof Dr. Kraft, rechts Bischof Stoll

Ein Beispiel für lokale Gespräche mit reformatorischen Kirchen, für ihre Ergebnisse und ihre Schwierigkeiten ist die deutsche Vereinbarung über eine gegenseitige Einladung zur Teilnahme an der Feier der Eucharistie vom 29. März 1985.

Unter Hervorhebung derjenigen Glaubensfragen, in denen keine trennenden Lehrmeinungen bestehen, sprechen das Katholischen Bistum der Alt-Katholiken in Deutschland und die in der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) vertretenen evangelischen Kirchen eine gegenseitige Einladung zur Teilnahme an der Eucharistie aus.

 

 

Wortlaut des Dokumentes (März 1985):   

Eine vom Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland in Absprache mit der Arnoldshainer Konferenz der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands einerseits und vom Katholischen Bistum der Alt-Katholiken in Deutschland andererseits gebildete gemeinsame Gesprächskommission hat den nachfolgenden Text einer Vereinbarung zur gegenseitigen Einladung zum Heiligen Abendmahl erarbeitet:

1. Gemeinsam bekennen die beteiligten Kirchen Gott als den Schöpfer des Himmels und der Erde, der seinen Sohn Jesus Christus als Herrn und Erlöser gegeben hat und uns durch den Heiligen Geist Anteil an seinem Leben schenkt. Sie warten auf die Wiederkunft ihres Herrn, der seine Kirche zur Vollendung führt und alles neu schaffen wird.

2. Sie halten am Kanon der heiligen Schrift fest und bekennen den Glauben, wie er im apostolischen und im nicaenisch-konstantinopolitanischen Bekenntnis bezeugt ist. Sie stehen auf dem Boden der trinitarischen und christologischen Lehre der großen Konzilien von Nicäa, Konstantinopel, Ephesus und Chalkedon.

3. Gemeinsam bekennen sie: wir werden vor Gott als gerecht erachtet und gerecht gemacht allein aus Gnade durch den Glauben aufgrund des Heilswerkes unseres Herrn Jesus Christus und nicht aufgrund unserer eigenen Werke und Verdienste. Die Kirche ist daher die Gemeinschaft gerechtfertigter Sünder, die durch den Heiligen Geist dazu befähigt werden, ein Leben des Dienstes für alle Menschen und des Lobes Gottes, des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes, zu führen.

4. Gemeinsam bekennen sie, daß der gekreuzigte und auferstandene Herr unter der Verheißung seiner Gegenwart der Kirche den Auftrag gibt, Gottes Heil der Welt zu bringen. Sie bekennen die eine Taufe, die im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes mit Wasser vollzogen wird. In ihr schenkt der dreieinige Gott dem der Sünde und dem Tode verfallenen Menschen neues Leben und gliedert ihn in sein Volk ein. Durch die Taufe hat der Herr allen Gläubigen Anteil an seiner Sendung und an seinem Priestertum gegeben und sie mit einer Fülle von Geistesgaben ausgestattet, damit die Verkündigung des Evangeliums und die Auferbauung der Kirche durch alle Zeiten weitergeht.

5. Sie bewahren den aus der Sendung der Apostel hervorgehenden Dienst des besonderen Amtes, das der Herr seiner Kirche gegeben hat. Dieses Amt trägt mit der Gesamtheit der Gläubigen ständig und öffentlich Sorge für die Verkündigung des Evangeliums, die Verwaltung der Sakramente und für die Leitung und die Einheit der Kirche. In dieser Kontinuität mit den Aposteln und ihrer Verkündigung wird die reine apostolische Lehre und die rechte Verwaltung der Sakramente gewahrt.

6. Sie feiern die Eucharistie, das von Jesus Christus eingesetzte Mahl des neuen Bundes, in dem er seinen Leib und sein Blut unter den sichtbaren Zeichen von Brot und Wein der Gemeinde schenkt. In dieser Feier erfährt die Gemeinde Gottes Liebe in Jesus Christus, verkündet den Tod des Herrn und preist seine Auferstehung, bis er wiederkommt und sein Reich zur Vollendung bringt. Dies findet seinen Ausdruck im Eucharistiegebet, in dem der Einsetzungsbericht mit dem Dank an den Vater, dem Gedächtnis des Heilswerkes Christi (Anamnese) und der Anrufung des Heiligen Geistes (Epiklese) verbunden ist.

Gemäß der Lehre der beteiligten Kirchen wird die Eucharistiefeier von Ordinierten geleitet. Gemeinschaft im Herrenmahl verpflichtet die Kirchen darauf zu achten, daß die Praxis dieser Lehre entspricht. Die beteiligten Kirchen halten einen angemessenen Umgang mit den nach der Feier übrigbleibenden Gaben für geboten.

Die bisher festgestellten grundlegenden Übereinstimmungen erlauben uns, die Glieder unserer Kirche gegenseitig zur Teilnahme an der Eucharistie einzuladen.

Durch diese Einladung wollen die beteiligten Kirchen dem Gebot Jesu Christi gehorsam sein, daß seine Kirche einig und eine sei. Indem sie ein Zeichen dieser Einheit setzen und einen Schritt auf diese Einheit hin tun, bezeugen sie vor aller Welt den dreieinigen Gott als den einzigen Herrn.

Die Kommission bittet die beteiligten Kirchen, auf der Grundlage der vorstehenden Vereinbarung der gegenseitigen Einladung zur Teilnahme an der Feier der Eucharistie zuzustimmen.

Sie stellt fest, dass die in den beteiligten Kirchen vorhandenen Ordnungen für die Ausübung des pfarramtlichen Dienstes und des Gemeindelebens in Geltung bleiben.


Hannover, den 29. März 1985

D. Eduard Lohse, Hannover
+ Josef Brinkhues, Bonn
Dr. Hans-Gernot Jung +, Kassel
Dr. Christian Oeyen, Siegburg
D. Karlheinz Stoll, Schleswig
Konrad Liebler, Nürnberg
Dr. Gottfried Seebaß, Heidelberg
Dr. Sigisbert Kraft, Karlsruhe
Manfred Kießig, Hannover
Edgar Nickel, Freiburg
Jan Rohls, München
Dr. Michael Dömer, Frankfurt
Dr. Hartmut Löwe, Hannover
Bernhard Heitz, Rosenheim

Die Stellungnahme der Bistumssynode im Oktober 2010 zu diesem Thema finden Sie im Amtlichen Kirchenblatt vom 1. Dezember 2010 auf S. 17 (Antrag 49).