II. Unionskonferenz

II. Unionskonferenz zu Bonn

12. bis 16. August 1875

Angenommene Thesen

 

1. Wir stimmen überein in der Annahme der ökumenischen Symbole und der Glaubensentscheidungen der alten ungeteilten Kirche.

2. Wir stimmen überein in der Anerkennung, daß der Zusatz des Filioque zum Symbolum nicht in kirchlich rechtmäßiger Weise erfolgt sei.

3. Wir bekennen uns allerseits zu der Darstellung der Lehre vom Hl. Geiste, wie sie von den Vätern der ungeteilten Kirche vorgetragen wird.

4. Wir verwerfen jede Vorstellung und jede Ausdrucksweise, in welcher etwa die Annahme zweier Prinzipien oder ARCHAI oder AITIAI in der Dreieinigkeit enthalten wäre. Wir nehmen die Lehre des hl. Johannes von Damaskus über den Hl. Geist, wie dieselbe in den nachfolgenden Paragraphen ausgedrückt ist, im Sinne der Lehre der alten ungetrennten Kirche an:

 

1. Der Hl. Geist geht aus dem Vater als dem Anfang, der Ursache, der Quelle der Gottheit.

2. Der Hl. Geist geht nicht aus dem Sohne, weil es in der Gottheit nur Einen Anfang, Eine Ursache gibt, durch welche alles, was in der Gottheit ist, hervorgebracht wird.

3. Der Hl. Geist geht aus dem Vater durch den Sohn.

4. Der Hl. Geist ist das Bild des Sohnes, des Bildes des Vaters, aus dem Vater ausgehend und im Sohne ruhend als dessen ausstrahlende Kraft.

5. Der Hl. Geist ist die persönliche Hervorbringung aus dem Vater, dem Sohne angehörig, aber nicht aus dem Sohn, weil er der Geist des Mundes der Gottheit ist, welcher das Wort ausspricht.

6. Der Hl. Geist bildet die Vermittlung zwischen dem Vater und dem Sohn und ist durch den Sohn mit dem Vater verbunden.