Der Weg zur Full Communion

Erklärung der Lambeth-Konferenz von 1878

Die Tatsache, daß in so manchen Kirchen und christlichen Gemeinschaften auf der Welt gegen die Anmassungen des römischen Stuhles und gegen die neuen, unter seiner Autorität verkündeten Doktrinen feierlicher Protest erhoben wird, verpflichtet uns zum Dank gegen Gott den Allmächtigen. Alle Sympathie schuldet die anglikanische Kirche den Kirchen und Personen, welche gegen diese Irrtümer protestieren und gewiß unter besonderen Schwierigkeiten arbeiten, Schwierigkeiten, die ihnen durch die Angriffe von Ungläubigen so gut wie durch die Prätentionen Roms bereitet werden. (Ablehnung der vatikanischen Dekrete.)Die Grundsätze, nach denen sich die Kirche von England selbst reformiert hat, sind wohlbekannt.

Wir proklamieren das Genügendsein und die Suprematie der Hl. Schriften als oberster Regel des Glaubens und empfehlen unserem Volke das fleißige Studium derselben.

Wir bekennen unseren Glauben mit den Worten der alten katholischen Glaubensbekenntnisse.

Wir halten die apostolische Ordnung der Bischöfe, Priester und Diakonen fest.

Wir behaupten die rechtmäßigen Freiheiten der Einzelkirchen oder Nationalkirchen.

Wir versehen unser Volk mit einem in seiner Sprache geschriebenen Buche der öffentlichen Gebete und Formeln für die Ausspendung der Sakramente, dasselbe befindet sich in Übereinstimmung mit den besten und ältesten Grundbüchern des christlichen Glaubens und Gottesdienstes. Diese Dokumente liegen der Welt vor Augen und können von jedermann kennengelernt und gelesen werden.

Wir begrüßen mit Freuden jedes Streben nach einer Reform nach dem Muster der alten Kirche. Wir verlangen keine strenge Einförmigkeit, wir wollen keine nutzlosen Trennungen; denen, welche uns nahe kommen in dem Eifer, sich zu befreien von dem Joche des Irrtums und des Aberglaubens, bieten wir bereitwillig alle Hilfe und solche Privilegien, die für sie annehmbar sind und bei welchen unsere Prinzipien, wie sie in unseren Formularien ausgesprochen sind, bestehen können.

 

III. Synode der Alt-Katholiken des deutschen Reiches 1883

Es wird gestattet, den Mitgliedern der englischen Kirche das hl. Abendmahl unter beiden Gestalten zu reichen. Die Ausführungsverordnungen bleiben dem Bischof überlassen. 

 

 

Erklärung der Lambeth-Konferenz von 1888

Die Konferenz erkennt die würdige und unabhängige Stellung der alt-katholischen Kirche von Holland mit Dankbarkeit an und hofft auf einen häufigen brüderlichen Verkehr mit derselben, um viele von den Scheidewänden, die uns jetzt noch trennen, hinwegzuräumen. Wir betrachten es als eine Pflicht, freundschaftliche Beziehungen mit der alt-katholischen Kirchengemeinschaft in Deutschland und mit der christkatholischen Kirche in der Schweiz zu unterhalten und zu fördern, und zwar nicht nur aus Sympathie mit ihnen, sondern auch aus Dankbarkeit gegen Gott, der sie gestärkt hat, unter großen Hindernissen, Schwierigkeiten und Versuchungen für die Wahrheit zu leiden; und wir bieten ihnen hiermit die Rechte an, welche der zu diesem Zweck erwählte Ausschuß empfohlen hat, unter der Voraussetzung, daß sie die in dem Berichte des Ausschusses aufgezählten Bedingungen erfüllen.

Die Opfer, die von den Alt-Katholiken in Österreich gebracht werden, verdienen unsere Sympathie, und wir hoffen, daß, wenn ihre Organisation erprobter und vollendet ist, eine formellere Beziehung zu ihnen als möglich befunden wird.

Ohne uns in die Rechte der Bischöfe der katholischen Kirche, in Fällen äußerster Notwendigkeit handelnd einzugreifen, mischen zu wollen, mißbilligen wir jede Handlung, die ursprüngliche und feststehende Grundsätze kirchlicher Jurisdiktion und die Interessen der ganzen anglikanischen Gemeinschaft außer acht läßt. Wir sehen keinen Grund ein, weshalb wir ihren Klerus und ihre gläubigen Laien nicht unter denselben Bedingungen wie unsere eigenen Kommunikanten zur hl. Kommunion zulassen sollten, und wir anerkennen die Bereitwilligkeit, die sie gezeigt haben, Mitgliedern unserer eigenen Kirche geistliche Vergünstigungen anzubieten. 

 

 

Erklärung des III. Internationalen Alt-Katholiken-Kongresses 1894 in Rotterdam

 

Für die Trennung der morgen- und abendländischen Kirche liegt ein entscheidender Grund nicht vor. Bei seinem Streben nach wahrer Einheit zwischen den verschiedenen Kirchen liegt also dem Alt-Katholizismus vor allem die Verpflichtung ob, die nötigen Schritte zu tun, damit, unbeschadet der gegenseitigen Selbständigkeit, die Wiedervereinigung jener beiden Kirchen möglichst gefördert und verwirklicht werde. Bei diesem Streben, wozu der erste Schritt bereits durch den Kongreß in München 1871 getan wurde, darf auf die Mitwirkung der morgenländischen Kirche gerechnet werden.

 

Erklärung der Lambeth-Konferenz von 1897

Wir erkennen mit warmer Sympathie die Bestrebungen, die darauf zielen, der usurpierten Autorität des römischen Stuhles zu entrinnen, wie wir selbst vor drei Jahrhunderten die Freiheit gewonnen haben. Wir wissen wohl, daß solche Bewegungen bisweilen damit endigen, daß sie nicht nur den Gehorsam gegen Rom, sondern die katholische Kirche selbst, die Lehre von den Sakramenten, sogar wichtige Lehren der Bekenntnisse aufgeben. Wir dürfen aber nicht im voraus annehmen, daß Menschen auf falsche Wege geraten, bevor sie einen Schritt dazu getan haben. Es geschieht mit Vertrauen, wenn wir unsern warmen Wünschen für freundliche Beziehungen mit der alt- katholischen Gemeinschaft in Deutschland, mit der christkatholischen Kirche in der Schweiz und mit den Alt-Katholiken in Österreich Ausdruck verleihen.In Übereinstimmung mit den Gefühlen, die die Bischöfe auf der letzten Konferenz geäußert haben, betrachten wir es als unsere Pflicht, die freundlichen Beziehungen zu der alt-katholischen Gemeinschaft in Deutschland, der christkatholischen Kirche der Schweiz aufrecht zu erhalten und zu fördern, indem wir sie unserer Sympathie, unserer Dankbarkeit gegen Gott versichern, der ihnen zu ihren Bestrebungen zur Erhaltung des ursprünglichen Glaubens und der Verfassung Ausdauer verliehen und ihnen in allen Enttäuschungen, Schwierigkeiten und Versuchungen seinen Segen gegeben hat, so daß sie ihre Grundsätze behaupten, ihre Gemeinden vermehren und ihre Kirchen vergrößern konnten. Wir fahren fort, die religiösen Vergünstigungen anzubieten, durch welche der Klerus und die gläubigen Laien zur hl. Kommunion zugelassen werden, zu denselben Bedingungen wie unsere Kommunikanten. Wir geben neuerdings der Hoffnung Ausdruck auf formellere Beziehungen mit den Alt-Katholiken in Österreich, sobald ihre Organisation vollendet ist.

 

Anerkennung der anglikanischen Weihen

1. Durch die Kirche von Utrecht 1925

Im Juni 1925 erklärte die alt-katholische Kirche von Holland, die bisher die Gültigkeit der anglikanischen Weihen in Zweifel zog, deren Anerkennung mit folgenden Worten:

Wir glauben, daß die Kirche von England stets die bischöfliche Leitung der alten Kirche beibehalten wollte und daß das Weiheformular Eduards VI. als gültig zu betrachten ist. Wir erklären daher ohne jeden Vorbehalt, daß die apostolische Sukzession in der Kirche von England nicht unterbrochen wurde.

2. Durch die Internationale alt-katholische Bischofskonferenz 1925

Die Konferenz der in der Utrechter Union vereinigten alt- katholischen Bischöfe nimmt in ihrer Sitzung vom 2. September 1925 in Bern Kenntnis von der Anerkennung der Weihen der Kirche von England durch die Kirche von Utrecht, sie pflichtet dem Entscheid bei, der mit früheren Erklärungen alt-katholischer Gelehrter und Bischöfe Deutschlands und der Schweiz übereinstimmt, und gibt der Hoffnung auf eine künftige engere Gemeinschaft mit der Kirche von England und ihren Tochterkirchen auf wahrhaft katholischem Boden Ausdruck.

 

Aus dem Protokoll der der Unionskonferenz vom 2. Juli 1931 in Bonn

Das Bonner Abkommen - The Bonn Agreement

1. Jede Kirchengemeinschaft anerkennt die Katholizität und Selbständigkeit der andern und hält die eigene aufrecht.

1. Each Communion recognizes the catholicity and independence of the other and maintains its own.

2. Jede Kirchengemeinschaft stimmt der Zulassung von Mitgliedern der andern zur Teilnahme an den Sakramenten zu.

2. Each Communion agrees to admit members of the other Communion to participate in the Sacraments.

3. Interkommunion verlangt von keiner Kirchengemeinschaft die Übernahme aller Lehrmeinungen, sakramentalen Frömmigkeit oder liturgischen Praxis, die der anderen eigentümlich ist, sondern schließt in sich, daß jede glaubt, die andere halte alles Wesentliche des christlichen Glaubens fest.

3. Intercommunion does not require from either Communion the acceptance of all doctrinal opinion, sacramental devotion or liturgical practice characteristic of the other, but implies that each believes the other to hold all the essentials of the Christian faith.

 

Anmerkung

Die Lambeth-Konferenz von 1958 hat zur terminologischen Klärung den bis dahin verwendeten Begriff "Intercommunion" durch den Begriff "full communion" ersetzt, um klar zu machen, daß Kirchengemeinschaft mehr ist als die gelegentliche oder dauerhafte Zulassung von Christen anderer Kirchengemeinschaften zum Abendmahl.