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05.11.2017 10:47 Alter: 18 days

Grußbotschaft zum Willibrordtag

Logo der Willibrord-Gesellschaft

Aus Anlass des Gedenktages des heiligen Willibrord am 7. November wenden sich die alt-katholischen und anglikanischen Bischöfe in Kontinentaleuropa alljährlich mit einer gemeinsamen Grußbotschaft an die Gläubigen ihrer Kirchen. Sie wurde in diesem Jahr vom Bischof der Lusitanischen Kirche in Portugal, Jorge Pina Cabral verfasst. Diese Kirche gehört der Anglikanischen Kirchengemeinschaft an.

Unter dem Titel "Unsere gemeinsame Heimat: Anglikaner und Altkatholiken in Europa" schreibt Bischof Cabral:

Liebe Schwestern und Brüder in Christus,

Lokale anglikanische und alt-katholische Kirchen, Kirchgemeinden und Gemeinschaften leben Seite an Seite in vielen europäischen Ländern, vom Süden bis in den Norden des Kontinents. In der Annahme, dass die Mission der Kirche eng verbunden ist mit den sozialen, politischen und kulturellen Zusammenhängen in den verschiedenen Gesellschaften, in denen diese Gemeinschaften leben, ist es deutlich, dass die Gegenwart und die Zukunft unserer Kirchen mit den Herausforderungen und Hoffnungen verbunden ist, die wir heute alle in Europa erfahren.

In der Vielfältigkeit der Kulturen, Sprachen und Traditionen, die die Europäischen Kirchen und Gesellschaften heute charakterisieren, werden wir mit besonderen Herausforderungen konfrontiert, denen vielfältige Schwierigkeiten zu Grunde liegen. Der ökonomischen Krise mit ihrer starken sozialen Auswirkung müssen wir gewaltsame Konflikte und Terroranschläge hinzufügen. Mit der Migration und der akut steigenden Zahl von Flüchtlingen wird es immer anspruchsvoller und manchmal ziemlich schwierig, die Vielfalt und die Beziehungen zwischen verschiedenen Religionen und Gemeinschaften zu akzeptieren. Zweifel an einem gemeinsamen Projekt für Europa wachsen in vielen Ländern und alles wird verschärft durch einen Mangel an Demokratie in vielen Regierungen und Institutionen. Die Ausbreitung von Individualismus und Materialismus in den europäischen Gesellschaften bilden Herausforderungen für unseren Glauben, unser Zeugnis und sogar für unsere eigene religiöse Freiheit.

Dies ist der Kontext des Europas zu dem wir gehören und das unseren Kirchen Identität verleiht. Es gibt viele Herausforderungen und sie verlangen von den Kirchen ein noch größeres Gefühl für Einheit hinsichtlich der Aufgabe, zu der wir berufen sind. Wir leben in einer Zeit des Kairos, in der Christen sich selbst in ihrer tiefsten Identität und Mission definieren müssen. Unser heutiges Zeugnis wird die Kirche von morgen prägen. Wir können nicht weiter aufschieben, was getan werden muss. Damit dies geschehen kann, ruft uns der Heilige Geist zu einer internationalen Jüngerschaft. Einer Jüngerschaft, die zugleich selbst verwandelt ist und andere verwandelt - in eine immer tiefere persönliche und gemeinschaftliche Beziehung von Liebe und Freundschaft mit Christus. Dies wird sich darin ausdrücken, wie wir die Werte des Reiches Gottes, das durch Jesus eingesetzt und verkündet worden ist, leben und praktizieren.

Dies entspricht auch dem Aufruf junger Anglikaner und Altkatholiken, die sich im letzten Mai in der symbolträchtigen Stadt Echternach versammelten, in der das Grab des hl. Willibrord steht. Gemeinsam forderten diese jungen europäischen Christen ihre Kirchen auf durch Treffen und Gespräch zu tiefer Einheit zu kommen und gemeinsam den Ungerechtigkeiten unserer Gesellschaft entgegenzutreten. Dies ist ein Aufruf der Hoffnung und des Vertrauens in die Zukunft Europas und in die Mission seiner Kirchen.

Wir müssen auf die prophetische Stimme der jungen Leute hören, wenn sie erklären: „Keine Herausforderung kann von der Kirchenleitung allein gelöst werden. Alle Mitglieder, Laien und Ordinierte, Junge und Alte, müssen einbezogen sein in diesen Prozess.“

Gemeinsam teilen wir Gaben und Ressourcen. Gemeinsam verstehen wir, was es heißt eine Kirche zu sein. Zusammen den Weg zu gehen ist unsere Berufung als Schwesterkirchen. Gemeinsam im Glauben an Jesus Christus und gemeinsam in der Liebe und im Dienst an Europa, unserer gemeinsamen Heimat.