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22.12.2016 18:43 Alter: 304 days

Weihnacht: Gott nimmt sich der Welt an, wie sie ist

Weihnachtsgruß von Bischof Dr. Matthias Ring

Bischof Dr. Matthias Ring

Liebe Schwestern und Brüder,  

dass wir Weihnachten – das Fest der Liebe und des Friedens, wie es oft genannt wird –  inmitten einer unfriedlichen Welt feiern, in der oft genug das Gegenteil von Liebe herrscht, ist nichts Neues und ist uns allen bekannt. Eigentlich ist es eine geradezu banale Wahrheit. Aber vielleicht spüren wir in diesem Jahr die Spannung zwischen der Sehnsucht nach einer heilen Welt, wie sie an Weinachten zu spüren ist, und dem Ist-Zustand der Welt viel deutlicher als sonst. Am Anfang der Woche hat uns der Terroranschlag in Berlin erschüttert. In Syrien zeigt sich, was man den Zynismus der Macht nennen könnte; da sind Menschenleben Manövriermasse des politischen Kalküls. Unter uns leben Menschen, die aus ihrer Heimat geflohen sind; ihre Versorgung und Integration verlangt uns einiges ab. Gleichzeitig erleben wir eine Phase gesellschaftlicher und politischer Polarisierung, ja auch der Verrohung, die nicht bei der Sprache stehen bleibt. … Ich könnte diese Aufzählung mühelos verlängern.  

Freilich, an Weihnachten feiern wir nicht eine heile Welt, sondern dass sich Gott der Welt annimmt, so wie sie ist. Weihnachten ist ein Hoffnungsfest, denn wir glauben, dass mit Jesu Geburt ein Licht in der Dunkelheit aufgeleuchtet ist. Uns ist es aufgetragen, dieses Licht zu verbreiten. Und das können wir im Kleinen beginnen (auch wenn wir dabei nicht stehen bleiben sollen): Wenn wir zum Beispiel in den aktuellen politischen Debatten wohlbedacht unsere Worte wählen und denen entgegentreten, die sich in der Wortwahl vergreifen. Oder wenn wir uns nicht von der Angst und dem Hass anstecken lassen, sondern all dem Zeichen der Menschlichkeit und der Hoffnung entgegensetzen. Vor allem aber, wenn wir nicht resignieren, uns nicht auf unsere kleine und vielleicht heile Privatwelt zurückziehen, sondern bewusst als Christinnen und Christen Verantwortung übernehmen. Da Gott die Welt nicht egal ist, kann es auch uns nicht egal sein, wie es in dieser Welt aussieht.  

Liebe Schwestern und Brüder, Ihnen allen, vor allem jenen, die Situationen der Dunkelheit zu bewältigen haben, wünsche ich, dass das Licht, das an Weihnachten aufleuchtet, auch Ihre Dunkelheit erhellt! Ein frohes und gesegnetes Weihnachtsfest und Gottes Segen für das neue Jahr wünscht Ihnen allen

Ihr

+ Matthias Ring