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Inklusive Sprache im Gottesdienst

Lektorin
Lektorin

Den Ausdruck 'einschließende Sprache' haben wir aus dem Englischen (inclusive language) übernommen. Die englische Sprache benennt einerseits alle Geschlechter mit einem gemeinsamen Artikel, verfügt aber andererseits über kein unserem 'Mensch' entsprechendes Wort. 'man' heißt gleichzeitig 'Mann' und 'Mensch', eine Sprechweise, die Frauen als zweitrangig behandelt.

Die Hellhörigkeit für solche sprachliche Festlegungen nahm zu, auch im kirchlichen Bereich. Die Forderung nach einer liturgischen Sprache, die Frauen und Männer gleichermaßen einschließt, ist inzwischen allgemein als berechtigt anerkannt. Nur die Ausführung in der Praxis bereitet Schwierigkeiten, vor allem wenn alte Texte bearbeitet werden müssen.

Besonders problematisch wird es beim Gottesnamen. Es ist nicht damit getan, dem Wort von Gott als Vater nun einfach noch Mutter hinzuzufügen. Wenn 'Vater' als Geschlechtsbezeichnung verstanden wird, gilt das auch von 'Mutter'. Gott ist aber weder männlich noch weiblich, jedoch als Quelle und Ursprung der Menschen finden wir bei ihm all die Eigenschaften, all das Tun in Vollkommenheit, die wir auch bei Menschen finden: Langmut und Geduld, Einfühlungsgabe und Mitleiden, Weisheit und Stärke, Tröstung und Führung und über allem die unerschöpfliche Liebe. Die ursprüngliche lateinische Liturgie nennt in den Orationen Gott ganz selten Vater, meist nur 'Deus' und fügt dann in einem Relativsatz eine Eigenschaft hinzu. Wir haben das in den neu gefassten Tagesgebeten auf ähnliche Weise versucht und biblische Aussagen über Gott in die Gottesanreden eingefügt: Gott, der uns leitet wie ein guter Hirt seine Herde, uns tröstet, wie eine Mutter tröstet, und uns in seine Hand geschrieben hat. Dabei wurde bewusst auf die Doppelung von 'Gott' und 'Herr' verzichtet, um nicht die falsche Assoziation eines patriarchalischen, auf seine Allmacht pochenden Gottes zu unterstützen. In den Schlussformeln der Gebete ist das Wort 'herrschen' durch 'wirken' oder 'Leben schaffen' ersetzt worden.

So missverständlich das Wort 'Herr' auch sein kann, wir haben kein anderes, um das Bekenntnis zum 'Kyrios', zum 'Herrn des Alls und der Menschen' zu übersetzen. 'Herr' ist ursprünglich kein maskulin geprägtes Wort. Es ist eine Steigerungsform, bezeichnet jemanden, der größer ist als ich, der voransteht und -geht, der Sorge trägt für die Anvertrauter. Im Alt- und Mittelhochdeutschen gab es noch 'truhtin' oder 'Trohtin' als Gottesname. 'Truht' ist alles, was getragen wird, die Last, die Frucht der Erde, die Nachkommenschaft. Der Truchsess, ein wichtiger Mann im mittelalterlichen Staat, ist für die Nahrung, den gesamten Unterhalt am königlichen Hof zuständig. Dieses sehr viel gefülltere Wort als Gottesanrede ist vom einseitig auf 'herrschen' festgelegten 'Herr Gott' verdrängt worden.

Inklusive Sprache bedeutet jedoch mehr, als nur die 'Schwestern' einzubeziehen. Wir können auch nicht zu Gott rufen, "Er lasse seinen Frieden ruhn auf unserm Volk und Land". Hier müsste es heißen "...auf jedem Volk und Land". In einer zunehmend multikulturellen Gesellschaft ist auch mit der Zuordnung von Farben, vor allem bei weiß und schwarz, vorsichtig umzugehen. Selbst beim Bild von der Familie für die Gemeinde ist Wachsamkeit angesagt: Nahezu die Hälfte unserer Bevölkerung lebt als Singles, viele der jüngeren Generation verbinden mit 'Familie' nur negative oder keine Erfahrungen. Je mehr wir beim Lesen und Betrachten der Bibel den vielfältigen Bildern und Aussagen über Gott begegnen, desto mehr verschwindet das eine und einseitige Bild, das wir von Gott haben und vor dem uns schon das erste Gebot warnt. Du sollst dir kein (festgelegtes) Bildnis machen. In unserem Eucharistiebuch wurde versucht, gerade bei der Gottesanrede in den Gebeten Gott als den anzusprechen, der "größer ist als unser Herz" (1 Joh 3,21), dessen "shalom unser Begreifen übersteigt" (Phil 4,7) und den wir in all den verschiedenen Namen nicht fassen können.

In unserem persönlichen Gebet sprechen wir oft genug in unfertigen Sätzen und in einer sehr spontanen Redeweise zu Gott. Dabei wissen wir, dass Gottes Geist unserer Schwachheit aufhilft und für uns eintritt, wenn wir nicht wissen, wie wir beten sollen.

Wenn aber im Gottesdienst für alle und mit allen gebetet wird, dann brauchen wir eine gemeinsame Sprache. Sie darf weder fremd sein und unverständlich noch salopp, unbe­stimmt und oberflächlich. Kurzlebige, häufig nur kleinen Gruppen verständliche Modeworte entsprechen nicht dem, 'der da ist und der da war und der da kommt' (Offb 1,4). In unserem Gebet muss deutlich werden, dass wir mit Gottes Hilfe die engen Grenzen unserer eigenen Möglichkeiten aufsprengen können. Andererseits ist Gott auch kein 'Superstar'..., allzu große Worte, Gelöbnisse und Schwüre, die wir nicht einzuhalten vermögen, sollten wir ebenso vermeiden.

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