Christsein: Leben - Nahrung - Dank

Brot und Wein
Brot und Wein

Wir haben unser Leben von Gott. Er sagt uns durch Jesus, den er aus dem Tod erweckt hat: "Ich lebe und auch ihr sollt leben!" (Joh 14,19). Wir erfahren diese Zusage in sichtbaren, spürbaren Zeichen: im Bad der Taufe, im Wein und Brot des Mahles, in der Salbung mit Öl, in der Handauflegung. Unser neues Leben, in das wir, wie Jesu zum Ratsherrn Nikodemus sagt, "aus dem Wasser und dem Heiligen Geist geboren werden" (vgl. Joh 3,5), braucht Nahrung. Es ist keine Speise, die verdirbt, sondern eine, die bleibt für das ewige Leben und die der Menschensohn selbst geben wird (vgl. Joh 6,27). Jesus selbst ist diese Speise, "das Brot für das Leben der Welt" (vgl. Joh 6,48ff).

Wir erfahren diese Zusagen in einem Zeichen. Jesus nimmt am Abend vor seinem Leiden Brot und Wein. Die Seinen sollen sich nicht nur an ihn, an das, was er gesagt und getan hat, zurückerinnern. Im Essen und Trinken, in der Tischgemeinschaft, die in den frühen Gemeinden "Mahl des Herrn" (1 Kor 11,20) heißt, lässt er uns erfahren: Ich bin ganz da für euch. Ich bin euer "Lebens-Mittel".
Im Bericht vom Abschiedsmahl Jesu (1 Kor 11, 24 und Parallelen) lesen wir: "Er nahm das Brot und sprach das Dankgebet" - 'Eucharistäsas' heißt das im Griechischen. Das ist so wichtig, dass davon die ganze Feier ihren Namen bekommen hat! Im Laufe der Jahrhunderte geriet das in der westlichen Kirche in Vergessenheit. Aus dem Eucharistiegebet, der großen Danksagung, wurde eine Aneinanderreihung von Bitt- und Opferstrophen, die sich wie ein Kranz um die 'Wand-lungsworte' legten. Die alte Kirche hat so nicht gebetet und gefeiert. Sie wusste, dass Jesus am Abend vor seinem Leiden die Gebets-Mitte des ersten Bundes zwischen Gott und den Menschen in die Feier des Neuen Bundes herübernahm: Die Menschen danken Gott für die großen Taten, die er an ihnen tut. Denn sie sind nicht in der Vergangenheit geschehen. Die Feiernden erfahren miteinander: Gut ist alles, was er tut!
Martin Luther und andere Reformatoren haben die Rahmenstrophen aus guten Gründen gestrichen, aber das Dankgebet in seiner ursprünglichen Form nicht wiederhergestellt. Das geschieht in den evangelischen Kirchen erst wieder nach und nach durch die Liturgiereform der Gegenwart.
Unterschiedslos haben jedoch alle Christen daran festgehalten, dass Jesus selbst ihnen dieses Mahl geschenkt hat: "Tut dies zu meinem Gedächtnis!" (1 Kor 11, 24.25; Lk 22,19).
So ist die Feier in ihrem Kern nicht verfügbar und veränderbar. Zu ihr gehört auch, dass sie Feier der geeinten Gemeinschaft sein muss, in die niemand unversöhnlich gehen darf. Nicht weil bestimmte rituelle Vorschriften nicht stimmten, sondern weil es Spaltungen, Gegensätze und Eigenbrötelei gab, schreibt Paulus der Gemeinde von Korinth: "Was ihr bei euren Zusammenkünften tut, ist keine Feier des Herrenmahles mehr" (1 Kor 11,20). Zeichen für die Versöhnung ist der Friedensgruß, den wir einander vor dem eucharistischen Mahl oder bereits vor der Bereitung der Gaben schenken.
Die ersten Gemeinden hielten es bei ihren gottesdienstlichen Versammlungen so, wie es Jesus mit seinen Jüngern getan hatte. Sie beteten, sangen "Psalmen, Hymnen und vom Geist Gottes gewirkte Lieder (Eph 5,19; Kol 3,16), lasen die Schriften der hebräischen Bibel und verkündeten die Gute Nachricht von Jesus.
So ist die Gestalt der Eucharistiefeier, die wir in der gottesdienstlichen Erneuerung (Liturgiereform) der letzten Jahrzehnte wiedergewonnen haben, dieselbe wie in der alten Kirche, auf deren Glauben und Leben wir uns mit unserem Namen berufen Deshalb haben bereits Ende des 19. Jahrhunderts - früher als in anderen Kirchen - zwei Väter der alt-katholischen Bewegung die Gottesdienst-Erneuerung aus dem Geist der ersten Zeugen begonnen: Adolf Thürlings und Bischof Eduard Herzog. Wir führen ihr Werk fort und bringen ein, was die weltweite Christenheit an Schätzen aus der Frühzeit von neuem entdecken durfte. Die liturgische Feier bedarf - unter selbstverständlicher Beibehaltung ihres Kerns und ihrer Struktur – der stetigen geistlichen Erneuerung und Verlebendigung, um sie vor Erstarrung und Absterben zu bewahren. "Singt dem Herrn ein neues Lied! " (Ps 33,3 u.a.; Jes 42,10).

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