Warum es uns immer noch gibt

- Erstens - zweitens - drittens... Frauen aus dem Vorstand des Bundes Alt-Katholischer Frauen in Deutschland bei einem szenischen Spiel
Die Wirkungsgeschichte des 1. Vatikanischen Konzils ist heute noch spürbar. Denken wir nur an manche heftig umstrittene Bischofsernennung gegen den Willen der betreffenden Diözesen (u.a. Köln, Salzburg, Feldkirch und Chur), an die feierliche Bekräftigung des Verbots der Geburtenregelung, an den Ausschluss verheirateter Priester. Reformbeschlüsse von Synoden (z.B. Sakramentenzulassung für Geschiedene, die Weihe von Frauen) werden von Rom, bisweilen bereits vom eigenen Bischof zurückgewiesen.
Viele kritische Katholiken protestieren und fordern die Erneuerung. Weil dieser Protest wenig nützt, resignieren nicht wenige und ziehen schweigend aus der katholischen Kirche aus. Widerstand und Polemik kosten aber Energien, die für die Weitergabe des Glaubens dringender benötigt werden. Wir meinen, es sei besser, sich auf den ursprünglichen Sinn von Pro-Test zu besinnen: Nicht contra, sondern pro, Zeugnis für die erkannte gute Sache geben, indem man sie selbstverständlich zu verwirklichen sucht. So wählen wir nach wie vor unsere Bischöfe und die Pfarrer und Kirchenvorstände der Gemeinden, die Synoden leiten mit den Bischöfen die Ortskirche, die Gewissensentscheidung der einzelnen ist auch in der verantwortlichen Geburtenkontrolle maßgebend, Geschiedene werden nicht ausgeschlossen.
Seit 1985 werden Frauen zu Diakoninnen geweiht. Die Synode in Deutschland hat 1994 beschlossen, Frauen auch zum Priester- und Bischofsamt zuzulassen. Am Pfingstmontag 1996 wurden die Diakoninnen Regina Pickel-Bossau und Angela Berlis zu Priesterinnen geweiht.
Ökumene darf sich nicht in theologischen Dokumenten erschöpfen. Darum üben wir eucharistische Gastfreundschaft, laden ein und lassen uns einladen, weil der Herr selbst einlädt. Auch in den evangelischen Kirchen hat in den letzten Jahren eine Neubesinnung auf die Maßstäbe der alten Kirche eingesetzt. Anstelle der seltenen, von Bußernst geprägten Abendmahlsfeier soll das regelmäßige Fest der Tischgemeinschaft Jesu treten. Man erkennt neu, daß das Amtsverständnis der frühen Kirche zur Einheit helfen kann. Ein erster Schritt dazu wurde mit der gegenseitigen Einladung zur Teilnahme an der Feier der Eucharistie unseres Bistums und der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) gemacht. Auch hier können wir durch unsere selbstverständliche Praxis zeigen, wie dies möglich ist. Unsere kleine Kirchengruppe hat auf dieser Grundlage bereits im Jahre 1931 zur vollen Kirchengemeinschaft mit den Anglikanern in aller Welt gefunden. Der Dialog mit der orthodoxen Kirche des Ostens führt hoffentlich über die letzten Hürden zur Einheit. Wir wollen nicht nur über Kirchenerneuerung reden, nicht nur ökumenische Dokumente verfassen - wir suchen das einfach zu leben.
