Synode

Das Wort "Synode" (griechisch) bedeutet soviel wie "gemeinsamer Weg", "Miteinander-unterwegs-sein". Im christlichen Sprachgebrauch bezeichnet man damit Versammlungen von Amtsträgern (Bi­schöfen, Priestern, Diakonen) und Laien, auf denen über den Weg der Kirche beraten wird und Beschlüsse gefasst werden. Die ersten bekannten Synoden fanden zwischen 160 und 170 statt. Sie fanden sich zusammen, wenn es galt, Bischöfe zu wählen, beim Auftreten neuer Lehren den rechten Glauben zu bekennen und bei Streitigkeiten über Fragen des gottesdienstlichen Lebens und der Kirchenzucht die überlieferten Grundordnungen zu bewahren. Ursprünglich waren sie erweiterte Gemeindeversammlungen, sie gestalteten sich aber mit der Zeit zu Zusammenkünften, an denen die Abgeordneten mehrerer Gemeinden oder der Gemeinden eines ganzen Landes, einer Provinz oder der ganzen Christenheit teilnahmen. Es gab Landes-Synoden, Provinz-Synoden, General-Synoden (an denen Abgeordnete der ganzen abendländischen oder der ganzen morgenländischen Kirche teil­nahmen) und endlich allgemeine Synoden oder ökumenische Konzilien, die als höchste Vertretung der ganzen Kirche galten. Die Synoden waren und sind Versammlungen mit gottesdienstlichem Charakter, an denen Bischöfe, Priester und Diakone zusammen mit den Laien unter Anrufung des Namens Christi und des Heiligen Geistes die nötigen Entscheidungen trafen. Erst vom dritten Jahrhundert an wurden die Synoden reine Bischofsversammlungen, ohne dass indessen Priester, Diakone oder Laien grundsätzlich von ihnen ausgeschlossen wurden. Das Mitspracherecht der Gemeindegeistlichen und der Laien blieb unter den verschiedensten Formen lange gewahrt. Jede Synode verstand sich als unmittelbare, per­sönliche Vertretung der einen und ganzen Kirche und wusste sich dem Herrn selbst verantwortlich. Die Gültigkeit ihrer Beschlüsse hing nicht von der Bestätigung durch eine übergeordnete Kirchen­behörde ab, sondern allein davon, ob diese nachträglich durch das Glaubensbewußtsein der Einen und ganzen Kirche angenommen wurden und sich allgemein durchsetzten. Erst mit zunehmendem Zentralismus Roms, vor allem nach der Jahrtausendwende, wurde - für den westlichen Teil der Kirche - eine immer stärker werdende Zurückdrängung orts- und landeskirchlicher synodaler Rech­te und Zusammenkünfte spürbar. Papst Gregor VII. setzte im elften Jahrhundert durch, dass die Beschlüsse aller lokalen Synoden von Rom bestätigt werden mussten. Diese Entwicklung gipfelte schließlich 1870 im Dogma von der Universaljurisdiktion des Papstes. Damit wurde für die römisch-­katholische Kirche definitiv die Oberherrschaft des Papstes über synodale Gremien und deren Be­schlüsse besiegelt. Als es in der Folge der Dogmatisierung der Universaljurisdiktion nach 1870 zum Bruch zwischen Rom und den Alt-Katholiken kam, fand in den alt-katholischen Kirchen eine starke Rückbesinnung auf die altkirchlichen synodalen Leitungsprinzipien der Kirche statt (Synodales Prinzip). Vor allem der Prager Kirchenrechtsprofessor Johann Friedrich von Schulte, ein Laie, beteiligte sich unter Einbringung seiner kirchengeschichtlichen Forschungen wesentlich an der Schaffung ei­ner neuen "Synodal- und Gemeindeordnung" für das alt-katholische Bistum in Deutschland. Diese Ordnung trat durch Synodenbeschluss im Jahre 1874 in Kraft. Zum ersten Mal seit der Jahrtausend­wende wurde hier für ein westliches katholisches Bistum eine Ordnung geschaffen, in der ohne staatliche Einflußnahme und fürstliche Privilegien Laien und Priester mit dem Bischof zusammen auf allen Ebenen an der Leitung der Kirche mitbestimmend und -beratend beteiligt werden. Ähnliche Synodalordnungen gaben sich die anderen alt-katholischen Bistümer. Wie in der alten Kirche ist der wichtigste Garant für das Bleiben einer Synode in der Wahrheit, dass sie als Gottesdienst verstanden wird und eingebettet ist in die vorangehende und die sie begleitende Eucharistiefeier und die Bitte um den Heiligen Geist. Mehr als 50 Synoden wurden im deutschen Bistum seit 1874 abgehalten.