Ordination, Weihesakrament

Seit den Tagen der Apostel gibt es in der Kirche besondere Ämter und Dienste. Das Neue Testament bezeugt, dass sich verschiedenartig gewichtete, unter Auflegung der Hände und Bitte um den heili­gen Geist übertragene Leitungsdienste schon in der Urgemeinde abzeichneten (Apg 6, 1-7; 11, 30; 15, 2ff; 20, 28; 21, 18; 1 Petr 5, 1; Jak 5, 14). Aus den anfänglich noch recht undeutlichen Funktions­beschreibungen von "Diakonen" (Dienern), "Presbytern" (Gemeindeältesten, geworden zu "Pries­ter") und "Episkopen" (Aufsehern, geworden zu "Bischof") entwickeln sich, wie schon im 1. Timotheusbrief deutlich wird, im Laufe des zweiten Jahrhunderts immer klarer umrissene Ämter. In der klassischen dreifachen Stufung, die in ihren Grundzügen bis zur Reformation in Ost- und West­kirche galt, kommt hierbei dem Bischof die Leitung der Ortskirche zu, dem Priester die Leitung der Teilgemeinde (Pfarrei) oder andere Aufgaben in Leitung und Lehre und dem Diakon die Betätigung im Sozial- und/oder Verwaltungsdienst der Teilgemeinde oder des Bistums, sowie die Mithilfe in Liturgie und Verkündigung. Freilich kam es schon bald zu Verformungen: Im Westen verschwand der Diakonat für viele Jahrhunderte ganz bzw. wurde zu einer reinen Vorstufe des Priesteramtes. Im Dienst der Priester kam es unter anderem zur Fehlentwicklung eines Weihe­priestertums, das, bisweilen völlig losgelöst von den eigentlichen kirchlichen Aufgaben, sich auf reine Verwaltungsaufgaben und auf das "Lesen" von Messen beschränkte oder gar als "Standes­zierde" für Söhne aus reicherem Hause ein merkwürdiges Dasein fristete. Auch die Tatsache, dass "Titular"-Bischöfe ohne eigene Diözese als höhere kirchliche Verwaltungsbeamte fungieren, muß als eine solche Fehlentwicklung betrachtet werden. Unabhängig aber von diesen zweifellos korrektur­bedürftigen (und im alt-katholischen Kirchenrecht auch korrigierten) Entwicklungen hat die alt-­katholische Kirche im Gegensatz zu einigen Kirchen der Reformation immer am dreifachen Amt von Bischof, Priester und Diakon festgehalten. Sie teilt damit die in einem Großteil der Ökumene (Rom-Katholiken, Orthodoxe, Anglikaner und weitere, autonome katholische Kirchen) geltende Auffas­sung, dass sich mit den kirchlichen Leitungsämtern ein wirksames Zeichen für die Kontinuität der Verkündigung des Evangeliums und die Katholizität der Kirche aus den alten apostolischen Leitungs­diensten entwickelt hat. Darum hält die alt-katholische Kirche auch an der "apostolischen Sukzessi­on", d.h. Nachfolge der Bischöfe, fest. Die einmal erteilte (Bischofs-, Priester-, Diakonats-) Weihe hat sakramentalen Charakter und ist darum unwiderruflich und unwiederholbar. Zugleich aber betont die alt-katholische Kirche, dass kirchliche Leitungsdienste nur dann eine sinn­volle Zuordnung haben, wenn sie gemeindebezogen sind und letztlich aus der Kirche herauswach­sen. Darum werden alt-katholische Bischöfe auch nicht von oben herab ernannt, sondern zuerst von der Synode eines Bistums gewählt und dann von anderen Bischöfen geweiht. Diese Ordnung, die den ortskirchlichen wie gesamtkirchlichen Aspekt des Bischofsamtes betont, wird auch in der frühen Kirche bezeugt (Hippolyt von Rom, Apostolische Konstitutionen, um 200). Auch auf der Ebene der Einzelgemeinde kommt das synodale Mitspracherecht zum Tragen: Der in der Verantwortung der Kirche vom Bischof geweihte Priester muss sich der Gemeindeversammlung zur Wahl stellen, wenn er Pfarrer einer Gemeinde werden will. Ebenso haben die Diakone und Diakon­innen und die nebenberuflichen Priester immer eine gemeindliche oder ortskirchlich umschriebene Aufgabe. Ein "Amt" ohne Bezug auf die konkrete Kirche, ohne Seelsorgeerfahrung und -bewährung ist unsinnig. Es versteht sich von daher, wenn die Weihen sogenannter "Episcopi vagantes", d.h. kirchlicher Titelträger ohne Kirche und Gemeinde, alt-katholischerseits nicht anerkannt werden.