Konzil

Seit den Anfängen der Kirche gibt es zur Entscheidungsfindung in schwierigen Fragen synodale Prozesse, d.h. gemeinsame Wege des Gespräches, der Beratung und Abstimmung mit dem Ziel einer Übereinkunft aus dem Geist Jesu Christi (Apg 6, 1-6; 15, 6-29). Schon vom zweiten Jahrhundert an entwickelten sich kirchliche Versammlungen, wenn es galt, Bi­schöfe zu wählen, auftretende neue Lehren auf ihre Rechtgläubigkeit hin zu überprüfen und Mei­nungsverschiedenheiten zu schlichten oder zu entscheiden. Für solche Versammlungen entwickelte sich der Begriff Synode (= gemeinsamer Weg). Dieses zunächst in den einzelnen Berei­chen der Kirche gepflegte "synodale Prinzip" weitete sich nach Duldung und schließlich Erhebung des Christentums zur Staatsreligion in der Folge des Mailänder Toleranzediktes auf die ganze dama­lige Weltkirche aus. Bischöfe aller Ortskirchen versammelten sich auf Einladung des Kaisers zu großen Synoden, die als "Konzil" (lateinisch concilium - Zusammenkunft, Versammlung) bezeich­net wurden. Dieser Name hat sich eingebürgert für eine Reihe, großer, die Teilkirchen übergreifender Bischofs­versammlungen. Dabei unterscheiden wir heute zwischen Partikular- oder Teilkonzilien, also Bischofsversammlungen eines Erdteils oder einer Teilkirche, und ökumenischen Konzilien, d.h. Bischofsversammlungen aller Kirchen der ganzen Welt. In die Jahrhunderte nach der staatlichen Anerkennung des Christentums fallen die großen, als ökumenisch allgemein anerkannten Konzilien. Das erste ökumenische Konzil fand im Jahre 325 in Nicäa (Kleinasien) statt, ihm folgten die Konzi­lien von Konstantinopel 381, Ephesus 431, Chalcedon 451, Konstantinopel 553, Konstantinopel 680 und Nicäa 787. Diese sieben Konzilien der alten, ungeteilten Kirche haben unter anderem die in allen Kirchen bekannten christlichen Glaubensbekenntnisse formuliert und besitzen für die alt-katholische Kirche höchste Lehrautorität. In der Folgezeit kam es wegen der immer mehr aufbrechenden Auseinandersetzungen zwischen Rom und Konstantinopel, die im Jahre 1054 in gegenseitigen Exkommunikationen und der daraus folgenden Spaltung in Ost- und Westkirche gipfelten, zu keinem wirklich ökumenischen Konzil mehr. Die darauffolgenden Konzilien, auch wenn sie sich den anspruchsvollen Titel "ökumenisch" zulegten, waren in Wirklichkeit nur noch Partikularkonzilien eines Teiles der Christenheit. Daher haben ihre Lehräußerungen für die alt-katholische Kirche auch keinen verbindlichen Charakter. Das verhängnisvollste dieser Teilkonzilien war das I. Vatikanum 1869/70, welches die Anerkennung der Unfehlbarkeit und der Universaljurisdiktion des römischen Papstes als Dogmen verlangte. Das I. Vatikanum war weder ökumenisch - orthodoxe, anglikanische und evangelische Christen waren nicht vertreten - noch war es frei - vom Papst unmit­telbar abhängige Bischöfe stellten die Konzilsmehrheit - noch basierte es auf wirklich synodalen Grundlagen - die versammelten Bischöfe waren fast alle nicht mehr von synodalen Gremien gewählt. Mit diesem Alleinvertretungsanspruch eines Teilkonzils und seines Leiters über die ganze Christen­heit wurde der Riss zwischen der römisch-katholischen Kirche und den anderen Kirchen nahezu unüberbrückbar vertieft. Das II. Vatikanum (1962/65) versuchte zwar, eine gewisse Ergänzung und Korrektur des I. Vatikanums, indem es die Stellung des Kollegiums der Bischöfe betonte, den Willen zur Wiedervereinigung der Kirchen bekundete und den Ortskirchen den Gebrauch der Landesspra­che in der Liturgie gestattete; die Überwindung des päpstlichen Unfehlbarkeitsdogmas und der Universaljurisdiktion wurde jedoch nicht in Angriff genommen. Im Nachhinein, vor allem mit dem Pontifikat Johannes Pauls II., erwies sich der Wille des Vatikans zu einer zentralistischen Kirchen­leitung in der Praxis als ungebrochen.

Die alt-katholische Kirche ist der Auffassung, dass sich die Meinungsverschiedenheiten und Tren­nungen zwischen den christlichen Kirchen nur durch ein allgemeines ökumenisches Konzil, das sei­nem Namen gemäß wirklich alle christlichen Kirchen der Welt einlädt, beheben lassen. Sie vereint sich in der Forderung nach einem solchen Konzil mit den Appellen Martin Luthers von 1518 und 1520 und der Utrechter Kirche von 1723.