Katholisch

Das Wort "katholisch" stammt aus dem Griechischen und bedeutet soviel wie "auf das Ganze bezo­gen", "dem Ganzen gemäß". In der Bibel begegnet uns dieses Wort nicht. Ignatius von Antiochien (ca. 130 - 140) benutzt es zum ersten Mal in seinem Brief an die Smyrnäer: "Wo Jesus Christus ist, da ist die katholische Kirche". Im Laufe der nachfolgenden Jahrhunderte bürgerte sich der Begriff "katholische Kirche" als Sammelbegriff für alle rechtgläubigen Christen ein. Später wurde, vor al­lem im Westen, "katholisch" räumlich verstanden im Sinne der über den ganzen Erdkreis verbreite­ten Kirche. Daneben stehen auch immer Versuche, den Ganzheitsbezug der Kirche, ihre Katholizi­tät, inhaltlich zu beschreiben. Die alt-katholische Kirche hält fest an dem Satz des Vinzenz von Lerin, eines Mönchspriesters, der in Südfrankreich gelebt hat und vor dem Jahre 450 gestorben ist: "Das sollen wir festhalten: Was überall, was immer und was von allen geglaubt worden ist; denn das ist wahrhaft und eigentlich katholisch".

Inhaltlich gehört zur Katholizität einer Kirchengemeinschaft sicher die Bewahrung der dreifachen großen alt-kirchlichen Entscheidung: für den Kanon der Heili­gen Schrift, für das Glaubensbekenntnis, für das dreigestufte Amt: Diakon, Priester, Bischof.

"Katholisch" aber meint noch mehr: In diesem Begriff steckt auch die Absicht Gottes, die sich wie ein Programm durch die ganze Heilige Schrift zieht: Allen Menschen und der ganzen Schöpfung soll sein Heil zuteil werden. Auftrag der ganzen Kirche ist es, diesen Plan Gottes zu bezeugen und der Welt zu verkünden. Was wir unter Katholizität verstehen, lesen wir bei Paulus im Kolosserbrief: "In Christus ist alles geschaffen, was im Himmel und auf Erden ist... Er ist vor allem, und es besteht alles in ihm. Er ist das Haupt des Leibes, der Leib aber ist die Kirche... Denn Gott wollte mit seiner ganzen Fülle in ihm wohnen, um durch ihn alles zu versöhnen und alles auf Erden und im Himmel zu Christus zu führen, der Frieden gestiftet hat durch das Blut seines Kreuzes" (Kol 1, 16-20).

Die Kirche, die Gemeinschaft der Getauften, ist also über alle Konfessionsgrenzen hinweg katholi­sche Kirche, wo immer sie sich im Bemühen um Einheit mit den Christen aller Zeiten und aller Orte dem ganzen Heilsauftrag Gottes an allen Menschen und in Bewahrung der ganzen Schöpfung aus dem Geist Jesu Christi widmet und verpflichtet weiß.

Leider wird der Begriff "katholische Kirche" heute im alltäglichen Sprachgebrauch oft eingeengt auf eine bestimmte Konfession, nämlich die römisch-katholische Kirche.

Dessen ungeachtet haben die Alt-Katholiken mit Anglikanern und Orthodoxen und auch mit einigen evangelischen Kirchen immer daran festgehalten, dass sie Teil der "einen, heiligen, katholischen und apostolischen Kirche" sind, wie es im Glaubensbekenntnis heißt. Wer katholisch ist, wird nicht von einer irdischen Person oder einer Glaubenskommission bestimmt. Wo Christus ist, wo sich die Gemeinde und die Ortskirche um ihn versammelt, da ist katholische Kirche. Die Katholizität der Kirche ist also in erster Linie eine qualitative und keine quantitative Größe. Der erste alt-katholische Bischof Deutschlands, Joseph Hubert Reinkens, hat es auf die Formel gebracht, dass jede Einzelgemeinde überall die Eine und ganze Kirche ist, "wie ein Feuer­funke und ein Wassertropfen ihrem Wesen nach dasselbe sind wie ein Feuerbrand oder eine Wasser­masse" (Über die Einheit der katholischen Kirche, Würzburg 1877, 138).