Heilige, Heiligenverehrung
Heiligkeit ist zuerst eine Eigenschaft Gottes. Gott ist der ganz Andere, seinem Sein und seinem Handeln haftet keine Unvollkommenheit an. In der Sprache des Neuen Testamentes werden alle getauften Gläubigen Heilige genannt (neben vielen anderen Stellen mögen als Hinweise die Anreden der Paulusbriefe, Röm 1, 7; 1 Kor 1; 2 Kor 1, 1; Eph 1, 1; Phil 1, 1 genügen). In dieser Bezeichnung wird die Zugehörigkeit der Christen zu Gott ausgedrückt. Wer sich der Liebe Gottes anvertraut, wird durch ihn geheiligt. Dieser Charakter der Heiligkeit bestätigt sich durch ein aus dem Glauben und in der Liebe gestaltetes Leben. Darum werden im engeren Sinne diejenigen Christen als Heilige bezeichnet, die in ihrem Leben einen überzeugenden persönlichen Stil der Christusnachfolge gefunden und verwirklicht haben. In ihrer jeweiligen Eigenart spiegeln sie die Fülle der Herrlichkeit und Heiligkeit Gottes und die Größe und Vielfalt der Gesamtkirche wieder. Unabhängig davon, wie einzelne als Heilige anerkannt und zur Verehrung empfohlen werden, ist eine Verehrung der Heiligen in der Kirche durchaus sinnvoll. Die Heiligen sind Zeugen (Märtyrer) der durch Menschwerdung, Tod und Auferstehung Christi in die Welt eingebrochenen Gottesherrschaft. So gebührt den frühesten Zeugen, Johannes dem Täufer als dem Vorläufer Jesu, der Gottesmutter Maria, den Aposteln und Evangelisten zuerst die Verehrung. Allen, die ihren Glauben an Christus mit dem Tod besiegelten und die den Ehrentitel Märtyrer (Zeugen) in besonderem Maße tragen, angefangen vom Diakon Stefanus schließen sich den verehrungswürdigen Vorbildern an. Mit ihnen beginnt die Heiligenverehrung in der Kirche. Im Verlauf der Jahrhunderte erfahren ungezählte Frauen und Männer - oft örtlich begrenzt - Bewunderung, werden als Fürsprecher angerufen und durch die Nennung ihres Namens im Gedächtnis der Liturgie geehrt. Werden in den Heiligen Christen gesehen, die getragen von der Gnade Gottes ihren Weg der Christusnachfolge unbeirrt bis zum Tod vollendet haben, so ist ihre Verehrung ein organischer Bestandteil des Familiensinnes des wandernden Gottesvolkes. Jede Familie, jedes Volk und jede Kultur haben ihre Vorbilder. Wichtig bleibt, dass die Heiligenverehrung deutlich unterschieden wird von der Form der Anbetung und des Kultes, die allein Gott, Jesus Christus und dem Heiligen Geist zusteht. Darum wird im christlichen Gottesdienst in der Regel nur Gott direkt angeredet, von den Heiligen wird erwähnt, dass wir in Gemeinschaft mit ihnen stehen.
Die Verehrung der Heiligen hat im liturgischen Kalender, in der Namensgebung von Kirchen, der bildlichen Darstellung und im Glauben des Volkes einen Raum gefunden. Die alt-katholische Kirche ist jedoch bemüht, den biblischen Maßstab der Nachfolge Jesu bei der Betrachtung von Heiligenleben und -legenden nicht aus den Augen zu verlieren. Verehrt werden vor allem Heilige der ungeteilten Kirche des ersten Jahrtausends und aus der späteren Zeit die Christen, die als besondere Vor- und Leitbilder ökumenische Anerkennung erreicht haben, wie Franz von Assisi, Teresa von Avila, Dietrich Bonhoeffer, Martin Luther King, Edith Stein, Oskar Romero und andere.