Apostolische Sukzession

Bischöfe beim Einzug zum Festgottesdienst
Einzug der Bischöfe bei der Feier des 75jährigen Jubiläums der Kirchengemeinschaft zwischen Anglikanern und Alt-Katholiken
Die Bischöfe am Altar
Festgottesdienst mit den Erzbischöfen Rowan Williams und Joris Vercammen, Bischof Joachim Vobbe und vielen weiteren Bischöfen aus den alt-katholischen und anglikanischen Kirchen

In allen Kirchen gibt es bestimmte Begabungen, Beauftragungen und Dienste. Einige davon ergeben sich spontan, sind von Bedeutung in Verbindung mit bestimmten Lebenssituationen und vielleicht zeitlich befristet, andere gelten auf Lebenszeit, verlangen eine Ausbildung, haben den Charakter eines Amtes und werden in feierlichen gottesdienstlichen Akten übertragen. Zu der zweiten Gruppe gehören die Leitungsdienste in der Kirche. In den (römisch‑ und alt‑) katholischen, den orthodoxen, den anglikanischen und einem Teil der lutherischen Kirchen handelt es sich dabei um die Ämter des Diakons/der Diakonin, des Priesters/der Priesterin und des Bischofs/der Bischöfin.

Die eigentliche Amtsübertragung findet statt, indem ein Bischof dem Kandidaten/der Kandidatin schweigend die Hände auflegt und den Heiligen Geist auf ihn/sie herabruft. Diesen Akt nennt man "Weihe" oder "Ordination", bei einer Bischofsweihe spricht man auch von "Konsekration".

 

 

Entsprechend reden wir also von einer Diakonats‑, Priester‑ oder Bischofsweihe, je nach dem, zu welchem Dienst der/die Betroffene ordiniert wird. Die Diakonatsweihe spendet der Bischof alleine. Bei Priesterweihen legen neben dem Bischof auch die anwesenden Priester dem Kandidaten/der Kandidatin die Hände auf, bei Bischofsweihen tun dies entsprechend die anwesenden Bischöfe, die miteinander in Sakramentsgemeinschaft stehen.

In unserer Kirche und in den anderen Kirchen katholischer Prägung fasst man die drei ordinierten Dienste Diakonat, Presbyterat (= Priesteramt) und Episkopat (= Bischofsamt) zusammen unter dem Begriff "Weihesakrament", oder "Sakrament des Ordo" (d.h. Sakrament der geordneten kirchlichen Ämter und Dienste). Sakrament bedeutet: Diese Dienste sind von Christus gewollt; sie sind für die Kirche wichtig, werden von ihr gebraucht, gehören mit zu ihrem geistlichen Bauwerk, helfen sie aufbauen.

Wie die Taufe und die Firmung gilt auch das Weihesakrament unwiderruflich. Man spricht daher vom "unzerstörbaren Charakter" einer Ordination. Die Berufung, die der/die Ordinierte für sich akzeptiert und die Verpflichtungen, die sich daraus ergeben, bleiben grundsätzlich lebenslang bestehen.

Es ist unabweisbar, dass jenseits aller historischen Fragwürdigkeiten und Unsicherheiten in der Definition das Zeichen der Handauflegung von den Zeiten der Apostel an faktisch die unabdingbare Rolle bei der Einsetzung in bestimmte Ämter, Dienste und Funktionen von Gemeinde und Kirche gespielt hat. Insofern ist es sicher, dass nicht nur die Kirche als Ganze in der "apostolischen Sukzession" (Amtsnachfolge der Apostel) gehalten wird, sofern sie die Botschaft der Apostel verkündigt und bewahrt. "Apostolische Sukzession" stellt sich darüber hinaus auch seit den Tagen der Apostel dar in der konkreten historischen Reihe von Beauftragungen und Ordinationen, weitergegeben durch die Auflegung der Hände und die Bitte um den heiligen Geist. Dieser Gedanke hat nichts Magisches. Es ist vielmehr faszinierend und für sich sprechend, dass eine Institution über 2000 Jahre in einem so schlichten Zeichen gewisse Verantwortungen ohne große Gesetzeswerke zu übertragen in der Lage war.  Dass die Ordinationsvollmacht seit vielen Jahrhunderten - nicht nur in der römisch-katholischen Kirche, sondern auch bei uns, bei den alten Kirchen des Ostens, in den anglikanischen und in manchen lutherischen Kirchen - eindeutig an das Bischofsamt gebunden ist, ist keine Einengung, sondern zeigt den Willen zu einem hohen Maß an Einheit und Verbindlichkeit innerhalb der Ortskirchen und für die Gesamtkirche.

Die Erzbischöfe Williams und Vercammen
links Erzbischof em. Williams, rechts Erzbischof Vercammen

Neben der "apostolischen Sukzession" spricht man auch von einer "historischen Sukzession", wenn Bischöfe seit vielen Jahrhunderten an einem bestimmten Bischofssitz residieren. Dies trifft zum Beispiel auf Canterbury und Utrecht zu.

Erster Erzbischof von Canterbury war der heilige Augustinus von Canterbury, der im Jahr 597 von Papst Gregor I. gesandt in Kent ankam. Alle Erzbischöfe von Canterbury werden in der Folge als "auf dem Stuhl des heiligen Augustinus" bezeichnet.

Rowan D. Williams war der 104. Nachfolger. Amtierender Erzbischof von Canterbury und 105. Nachfolger ist Justin Welby.

Der heilige Willibrord (geboren um 658 in Northumbria (England), verstorben am 7. November 739 in Echternach war ein angelsächsischer Missionar, der das Kloster Echternach gründete. Oftmals wird er als "Apostel der Friesen" bezeichnet. Auf ihn geht die Gründung des Erzbistums Utrecht zurück; derzeit ist Joris Vercammen sein 87. Nachfolger.