Ein herzlicher Gruß
Winter 2011/2012
Liebe Gemeindemitglieder,
liebe Freundinnen und Freunde unserer Gemeinde,
können wir eigentlich „wissen“, worum es an Weihnachten geht? Ich gehe mal davon aus, dass fast allen, die einen kirchlichen Gemeindebrief in der Hand haben, Antworten wie diese - ohne lange überlegen zu müssen - einfallen: „Ist doch klar, wir feiern die Geburt Jesu – wir feiern, dass Gott Mensch geworden ist!“ Gehen wir hingegen mit der Frage, „was feiern wir an Weihnachten?“ in Geschäfte und Fußgängerzonen unserer Städte, so dürfen wir uns nicht wundern, wenn die Antworten anders ausfallen. Es ist gut möglich, dass die Höhe des Warenumsatzes, die Freude über Geschenke, die Erinnerung an alte Zeiten, das fröhliche Zusammensein unter Freunden, das Schlemmen beim Festtagsbraten, der lange aufgeschobene Besuch, die Erwähnung einer Hilfsaktion oder der Wunsch nach Ruhe, nach Wärme, nach stressfreier Zeit an erster Stelle der Antworten stehen.
Keine Angst, dies alles möchte ich an dieser Stelle nicht abwerten – auch ich finde es gut, wenn Menschen einander besuchen, Freude bereiten, schenken und beschenkt werden – und ich spüre jedes Jahr aufs Neue, dass gerade in den naturgemäß kurzen Tagen und langen Nächten um Weihnachten herum das Bedürfnis nach Geborgenheit und Wärme auf andere Weise spürbar sein kann als zu anderen Jahreszeiten. Ich weiß, dass gerade zu dieser Zeit bei den älteren unter uns Erinnerungen wach werden an frühere Zeiten, an Eltern, Großeltern, Freunde, an Menschen, die vielleicht schon längst gestorben sind, aber mit denen wir vor Jahren – vielleicht als Kinder – am Christbaum Lieder singen konnten und Weihnachten gefeiert haben. Dies alles hat seinen guten Platz, und das kann auch wirklich „schön“ sein.
Wenn wir selbst die Frage nach dem „Wissen“, was wir an Weihnachten feiern, schnell mit „Ja“ beantworten können, so sollten wir uns der Frage, ob wir dies denn tatsächlich auch begreifen können, immer wieder neu stellen! Was so einfach geschrieben steht und schwungvoll über die Lippen gehen kann, wenn wir dann singen ♫ „Gott ward Mensch, des freut euch sehr“, das ist doch unbegreiflich, unvorstellbar…und gerade dies ist das Faszinierende: Gott wird Mensch! Gott ist nicht nur weit weg von uns, Gott ist nicht erst dann greifbar, wenn wir nicht mehr auf dieser Welt sind, sondern bereits jetzt wird Gott Mensch – inmitten unserer Häuser, inmitten unserer Städte, mitten in unserem Leben – so wie dies auf dem Bild von Christel Holl dargestellt ist! Mit der Menschwerdung kommt Gott „herunter“ in unseren Alltag, Gott wird zum „heruntergekommenen Gott“ in der Gestalt Jesu, geboren von einer jungen Frau namens Maria, aufgewachsen bei Maria und Joseph. Dies ist jedoch nicht nur ein einmaliges geschichtliches Ereignis, sondern etwas, das immer wieder „passiert“:
„Gott kommt immer wieder neu zu uns, mitten hinein in unseren Alltagsstall, in die unaufgeräumten Räume unserer Wohnung und unserer Seele, hinein in unsere Unzulänglichkeiten, in die dunklen und traurigen Ecken unseres Lebens, in unseren Mief der unerledigten Dinge, in die hoffnungslosen Momente und ohnmächtigen Situationen. Gott kommt herunter. Gott lässt sich herab zu uns Menschen – auch auf den staubigen und ungesaugten Boden unseres Alltags. Wir gut, dass Gott ‚heruntergekommen‘ ist! Gehen wir Gott entgegen!“ *
Mit herzlichem Gruß in diesen Tagen
vor, an und nach Weihnachten und fürs Neue Jahr 2012,
verbunden mit guten Segenswünschen fürs Weitergehen…
– auch im Namen des Kirchenvorstands und meiner Familie –
Klaus Rudershausen, Pfr.