Ignaz von Döllinger

Vorstellung des Buchprojektes - Werkstattbericht

 

 

Ignaz von Döllinger. Zum 125. Todestag – Spurensuche / Schlaglichter auf ein außergewöhnliches Leben

Hrsg. von Elisabeth Bach, Angela Berlis, Siegfried Thuringer im Auftrag der Alt-Kath. Gemeinde St. Willibrord, München, Alt-Katholische Bistumsverlag, Bonn 2015

 

Zur Entstehung dieses Buches:

2015 jährte sich zum  125. Mal der Todestag Johann Joseph Ignaz von Döllingers. Als er am 10. Januar 1890 mit fast 91 Jahren starb, verschied einer der prominentesten Kirchenhistoriker seiner Zeit und der bedeutendste geistige Vater der alt-katholischen Bewegung, die sich gegen die Beschlüsse des I. Vatikanischen Konzils formiert hatte.

Als solcher ist Döllinger auch heute noch bekannt und längst selbst Gegenstand historischer Forschung geworden.

Wer aber war der Mensch Ignaz von Döllinger? Wo und wie lebte er?

Diese Fragen standen im Mittelpunkt der Gedenkveranstaltung, zu der

die Alt-Katholische Gemeinde St. Willibrord und das Katholische

Bistum der Alt-Katholiken in Deutschland im Januar 2015 eingeladen hatten.

Bei einem Stadtspaziergang durch München wurden dabei Orte aufgesucht, die im Leben Ignaz von Döllingers von Bedeutung waren.

Beim Festakt in der Kirche St. Willibrord stand der Vortrag von Prof. Dr. Angela Berlis (Bern) im Zentrum.

Den Abschluss der Gedenkfeier bildeten der festliche Gottesdienst mit Bischof Dr. Matthias Ring und der Besuch des Döllingergrabes auf dem alten südlichen Friedhof.

 

Der vorliegende Band dient zum einen der Dokumentation der Gedenkveranstaltung, er lädt die Leserinnen und Leser aber auch ein, sich selbst auf Spurensuche zu begeben und die Begegnung mit Döllinger zu suchen.

 

Stadtspaziergang

Ganz konkret kann man das, wenn man den von Dr. Elisabeth Bach für das Buch ausgearbeiteten Stadtspaziergang nachgeht.

Liesel Bach ist promivierte Physikerin, hat den theologischen Fernkurs unseres Bistums absolviert und einen Bachelor in Religionswissenschaft der Open University in England abgeschlossen. Sie ist seit vielen Jahren Mitglied im Kirchenvorstand unserer Gemeinde und hat als Archivarin der alt-katholischen Gemeinde München 2011 schon die Geschichte unseres Kirchengebäudes aufgearbeitet. Auch dazu ist ein Buch erschienen.

Der Stadtspaziergang führt durch das München des 19. Jahrhunderts, zu zentralen Stationen in Döllingers Leben.

Man erfährt etwas über das Verhältnis Döllingers zur alt-katholischen Gemeinde, seine Liebe zum Englischen Garten, seine Lebensweise, seine Haushaltsführung, seine Wohnsituation und seine Privatbibliothek, die zeitweise auch eine Außenstelle der Staatsbibliothek war, weil Döllinger unendlich viele Bücher über lange Zeit ausgeliehen hatte. Man erfährt auch, was Döllinger aß und trank und auch was er seinen Gästen vorsetzte. 

 

Der Beitrag „Blicke Zurück, von Döllingers Totenbett in sein Leben“ ist von Prof. Dr. Angela Berlis.

Angela Berlis ist in München geboren worden, und hat in Bonn und Utrecht Theologie studiert. Sie promovierte 1998 mit ihrer Doktorarbeit: „Frauen im Prozess der Kirchwerdung“. Im Titel dieser Arbeit zeigen sich schon ihre beiden Forschungsschwerpunkte: Die Kirchengeschichte und die Rolle von Frauen in dieser Kirche. Dazu gibt es zahlreiche Veröffentlichungen von ihr. Ab 2006 war sie Professorin in Utrecht, seit 2009 ist sie Professorin für Geschichte des Alt-Katholizismus und allgemeine Kirchengeschichte am Department für Christkatholische Theologie der Universität Bern.

 

Der Aufsatz “Blicke zurück, von Döllingers Totenbett in sein Leben“ ist eine überarbeitete Version des Festvortrags, den Angela Berlis im letzten Jahr anlässlich des Döllingerjubiläums in St. Willibrord gehalten hat.

Dabei wird über die Stellung Döllingers als öffentliche Person nachgedacht, es wird berichtet, wie Döllingers Krankheit und Tod von der damaligen Öffentlichkeit aufgenommen wurde. Nach einer Einordnung der heutigen Sicht der Forschung auf Döllinger werden sein Leben und Werdegang, vor allem in Bezug auf sein theologisches Denken, reflektiert. Wie schon beim Vortrag kommen auch in diesem Beitrag,  Döllinger und seine Freunde ausführlich zu Wort. Dies und die vielfältigen Abbildungen von Döllinger und seinen Bekannten und Zeitgenossen lassen die Zeit wirklich lebendig werden.

 

Wie Bischof Dr. Matthias Ring in seinem Grußwort schreibt, kann uns Döllinger immer noch in vielen Punkten Anregungen geben. Deshalb wurden für das Buchprojekt weitere Aufsätze ausgewählt, die wissenschaftlich fundiert und allgemein verständlich sind und solche Themen aufgreifen.

 

Der erste dieser Artikel ist überschrieben: Die Frankfurter Paulskirche, das Jahr 1848 und Döllinger. Er stammt von Erentrud Kraft.

Erentrud Kraft wurde 1934 in Neustadt an der Weinstraße geboren. Sie studierte katholische Theologie, Germanistik und Geschichte an der Universität München und war danach als Lehrerin an unterschiedlichen Orten tätig. Sie war auch im alt-katholischen Bistum auf vielfältige Weise engagiert, so hat sie als erste Frau in der Liturgischen Kommission mitgearbeitet und war viele Jahre für den Liturgischen Kalender und die Willibrordbuchhaltung verantwortlich.  Sie war mit  Sigisbert Kraft verheiratet, der von 1985 - 1995 alt-katholischer Bischof war.  Erentrud Kraft verstarb 2015.

 

In den 1990er Jahren begann Hubert Huppertz die Transkription und Herausgabe der Döllingerbriefe, die in der Münchner Staatsbibliothek  liegen, in Angriff zu nehmen. Dies wurde auch im alt-katholischen Bistum diskutiert, und im Rahmen dieser „Döllingerforschung“ erklärte Erentrud Kraft, dass sie sich um die Erforschung der Familienverhältnisse kümmern wollte. In diesem Kontext sind verschiedene Aufsätze rund um die Familie Döllinger entstanden, die zunächst in der alt-katholischen Kirchenzeitung „Christen heute“ erschienen sind, und die auch in dem Sammelband „Lebenswege-Knotenpunkte“ verfügbar sind. Die Wahl fiel auf einem Artikel, der Döllingers Zeit als Abgeordneter der Deutschen Nationalversammlung in Frankfurt beschreibt. Nach einer Beschreibung dieser Zeit und der Aufgaben der Versammlung, interessiert die Autorin besonders die Haltung Döllingers zum Verhältnis von Staat und Kirche. Sie geht auch davon aus, dass dieser einzige längere Aufenthalt außerhalb von München einen wichtigen Einschnitt in Döllingers Leben bildet.

 

Ein weiterer  Beitrag greift eines der zentralen Themen des „späten“ Döllinger auf: „Döllingers Bedeutung für die ökumenische Bewegung“

Der Autor, Hubert Huppertz, wurde 1934 in Eschweiler bei Aachen geboren, und lebt heute in der Nähe von Münster.  Er studierte Theologie und Philosophe, und besitzt Lizentiatsabschlüsse, also die Lehrbefähigung für beide Fächer. Er war viele Jahre als Lehrer tätig.

Seit den 1990er Jahren bis zum Jahr 2004 hat er, wie bereits erwähnt, etwa 4.000 Briefe und weiteren handschriftlichen Notizen von Döllinger aus der Münchner Staatsbibliothek transkribiert. Die vielen großformatigen Bände, die daraus entstanden sind, sind öffentlich zugänglich. Sie bilden eine wichtige Quelle für die weitere Döllingerforschung. Für diese Arbeit ist ihm 2005 der Andreas-Rinkel-Preis verliehen worden, der Verdienste um die Erforschung des Alt-Katholizismus würdigt.

 

Der aufgenommene Artikel, der aus einem Vortrag entstanden ist, bietet zunächst eine Begriffsklärung, die es auch Nicht-Theologen ermöglicht, der weiteren Diskussion leicht zu folgen. Er gibt zudem einen lebendigen Überblick über Döllingers Denken und seine Entwicklung im Bezug auf die Ökumene. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der Zeit zwischen der Versammlung katholischer Theologen 1863 in St. Bonifaz und den Unionskonferenzen von 1874/75.

 

Rudolf Karl Bulin ist der Autor des Artikels „Ablehnung des Antisemitismus bei Döllinger.“

 

Rudolf Karl Bulin, der Zweitname ist wichtig, um ihn von seinem Vater zu unterscheiden, wurde 1953 in Rosenheim geboren. Er studierte Geschichte und promovierte mit einer Arbeit über Politik und Kriegsführung Roms.  Auch er war in den 1990er Jahren an der alt-katholischen Döllingerforschung beteiligt, und arbeitete kurzzeitig an der Edition der Döllingerbriefe mit.

Sein 170-seitiger Aufsatz, „Daß Licht in das Dunkel der Religiösen Wirren gebracht werde“ der 1999 posthum in der Zeitschrift des Historischen Vereins Rosenheims erschien, beschreibt für das Gebiet zwischen Grafing und Kiefersfelden die Konflikte um das erste Vatikanum. Seine Kollegen vom Historischen Verein Rosenheim bezeichneten dieses Werk als sein wissenschaftliches Vermächtnis, denn Rudolf Karl Bulin verstarb schon 1998.

 

Der von uns gewählte Aufsatz über die Ablehnung des Antisemitismus bei Döllinger ist der erste Teil eines ursprünglich zweiteiligen Artikels, der zunächst in der IKZ erschienen ist. In ihm zeigt Bulin, wie sich die Haltung Döllingers zur sogenannten „Judenfrage“ im Laufe seines  Lebens entwickelt hat. Zugleich beschreibt er auch den zeitgeschichtlichen Rahmen, innerhalb dessen sich diese Entwicklung vollzieht. Döllingers auch heute noch beeindruckende Akademierede „Die Juden in Europa“ von 1881 bildet dabei das Zentrum der Untersuchung.

 

Der letzte Beitrag stammt von Ewald Kessler „Eine Gedenkrede Döllingers auf Herzog Max in Bayern“

Dr. Ewald Kessler ist gebürtiger Münchner und hat seine alt-katholischen Wurzeln in der Münchner Gemeinde.  Ewald Kessler selbst ist von Pfarrer Demmel getauft worden, der später Bischof geworden ist. 

Der Autor hat 1960 angefangen Mathematik zu studieren, hat sich dann aber doch für die Theologie entschieden.

Er hat über Johannes Friedrich promoviert, einem engen Vertrauten Döllingers und dessen Biograph.  Anschließen ordnete Kessler den  Nachlass Döllingers in der Bayerischen Staatsbibliothek, arbeitete in unterschiedlichen Archiven und war schließlich bis zu seiner Pensionierung am Universitätsarchiv in Heidelberg tätig.

Zwei Jahre war er auch Assistent am Alt-katholischen Seminar in Bonn und  arbeitete unter Prof. Christian Oeyen an der Aufarbeitung des Briefwechsels zwischen Döllinger und dem alt-katholischen Theologen Franz Heinrich Reusch mit. Aus seinen zahlreichen Veröffentlichungen wurde für diesen Band eine Einführung in die Gedenkrede Döllingers auf Herzog Max in Bayern  ausgewählt, die dieser als langjähriger Präsident der Akademie der Wissenschaft gehalten hat.

Durch den Abdruck der Rede kommt Döllinger selbst noch einmal zu Wort.

 

Zur Ausstattung des Buches

Der reich bebilderte Band zeigt historische Dokumente, Zeitungsausschnitte und Porträts. Die Fotos von Peter Feenstra, machen den Stadtspaziergang auch für diejenigen lebendig, die sich nicht eigens auf den Weg machen können.

In dem von Andreas von Mendel liebevoll gestalteten Buch taucht immer wieder ein Bild Döllingers auf,  das eher unbekannt sein dürfte.  Es handelt sich um ein Porträt, das der Münchner Historien- und Genremaler Theodor Pixis (1931-1907) gemalt hat.

Die alt-katholische Gemeinde München konnte dieses Gemälde 2011 aus einem Nachlass erwerben. Leider war über dessen Entstehungsgeschichte und auch seines bisherigen Verbleibs weiter nichts in Erfahrung zu bringen. 

Döllinger wurde vielfach porträtiert. Im vorliegenden Buch kann man einen Eindruck davon bekommen: es finden sich darin neben Porträtdarstellungen aus verschiedenen Lebensphasen Döllingers, Karikaturen und Fotographien, auch das Foto einer Büste Döllingers, die der Münchner Bildhauer Adolf Hildebrand (1847-1921) geschaffen hat. Von ihm stammt auch die Büste am Grab Döllingers auf dem alten südlichen Friedhof.

All diese Darstellungen sind ebenfalls Schlaglichter auf Ignaz von Döllinger und geben Blicke auf Döllinger frei, die ihn charakterisieren und inszenieren wollen.  

 

Liesel Bach

Siegfried J. Thuringer

Ab 4. Oktober immer mittwochs

19.30 Uhr Workshop Christbaumschmuck

Wochenende 13. - 15. Oktober

Ökumenisches Bibelwochenende

Samstag, 11. November

10.00 Uhr  - 13.00 Uhr baf-Frauenfrühstück

Sonntag, 12. November

10.00 Uhr Familiengottesdienst

Sonntag, 19. November

10.00 Uhr Firmung in St. Willibrord